Die Trollblume (Trollius europaeus), genauer Europäische Trollblume genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Trollblumen (Trollius) innerhalb der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Die Europäische Trollblume ist die einzige in Europa heimische Art der Gattung Trollius. In der Schweiz wird sie auch Rigirolle genannt.

Beschreibung

mini|Stängelblatt mini|Sammelbalgfrucht

Vegetative Merkmale

Die Trollblume ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 60 Zentimetern erreicht. Sie besitzt ein Rhizom als Speicherorgan, die Erneuerungsknospen liegen dicht an der Erdoberfläche. Je Pflanzenexemplar werden mehrere kahle und meist unverzweigte Stängel gebildet.

Die Grundblätter sind gestielt und tief handförmig geteilt. Sie haben fünf rautenförmigen, gesägte bis fiederschnittige Blattabschnitte. An ihrer Oberseite sind die Grundblätter dunkel-grün und die Blattunterseite ist etwas heller. Während der Anthese sterben die rosettenartigen Grundblätter ab. Die Stängelblätter sind dreizählig.

Generative Merkmale

Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis Juni oder Juli. Die durch Karotinoide gelb gefärbte Blüte sitzt endständig am unverzweigten Stängel. Die zwittrige Blüte weist einwärts konkave, charakteristisch kugelig zusammenneigende hell-gelbe Perigonblätter auf; ihr Durchmesser beträgt 2 bis 3 Zentimeter. Die Blütenhülle besteht aus 10 bis 15 Perigon- und vier bis zehn Nektarblättern = Honigblättern. Es sind zahlreiche Staubblätter vorhanden. Auffallend sind die zahlreichen freien Fruchtblätter im Zentrum der Blüte.

Die zahlreichen Früchtchen (Bälgchen) neigen sich zusammen, sind bis zu 15 Millimeter lang und geschnäbelt.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.

mini|Die Perigonblätter der Blüten wachsen kugelig zusammenneigend

Ökologie

Bei der Trollblume handelt es sich um einen Hemikryptophyten.

Die Blütenhüllblätter der Trollblume bilden eine Kuppel, die einen so kleinen Durchlass aufweist, dass ihn nur kleine Insekten, Fliegen und Käfer passieren können. Eine wichtige Bestäuberrolle haben drei Fliegenarten der Gattung Chiastochaeta. Sie legen ihre Eier in die Fruchtknoten, ihre Larven ernähren sich von den heranwachsenden Samen. Forscher fanden heraus, dass eine Trollblumenblüte bis zu sechs schlüpfende Fliegenlarven verkraften kann. Wird diese Zahl überschritten, verschiebt sich die Bilanz zwischen „Nutzen durch Bestäubung“ und „Fressschaden“ ins Negative. Nur kräftige größere Insekten können sich zwischen den Perigonblättern zum Grund der Nektarblätter hindurchdrängen. Bei der Trollblume führt auch spontane Selbstbestäubung zum Fruchtansatz.

Die Trollblume bildet pro Blüte zahlreiche wenigsamige Balgfrüchte aus. Die Diasporen werden über Wind, Klett- und Selbstausbreitung ausgebreitet. Die Diasporen sind allerdings nur kurzlebig, weshalb die Trollblume keine persistente Diasporenbank aufbauen kann. Erfolgreiches Keimen ist an Kälteeinwirkung und Dunkelheit gebunden. Sie ist schwach giftig und wird vom Vieh gemieden. Allerdings ist sie sehr trittempfindlich, weshalb sie sich nur in sehr extensiven Weidesystemen halten kann. Generell kommt die Trollblume auf spät gemähten Flächen am besten zurecht.

mini|Bestand im Habitat

Vorkommen und Gefährdung

Die Trollblume kommt in Europa und Westsibirien vor. Sie ist vor allem in Mittel- und Nordeuropa, einschließlich des Baltikums, Spaniens, des Apennins, Ungarn und des früheren Jugoslawien verbreitet. Ihre südlichsten Vorkommen in Europa sind in Zentralspanien, Mittelitalien und im nördlichen Griechenland. In den Tallagen Europas wird die Trollblume immer seltener.

Sie hat eine Vorliebe für Feuchtwiesen, Teich- und Bachränder und ist vor allem im Gebirge bis auf Höhenlagen von 3000 Metern in Hochstaudenfluren anzutreffen. Sie gedeiht am besten auf nährstoffreichen, dauerfeuchten Böden. Sie ist in Mitteleuropa eine Molinietalia-Ordnungscharakterart. Die Trollblume gilt als trittempfindlich und empfindlich gegenüber Umweltveränderung z. B. durch Düngung. Da sie Pflanzen sehr alt werden können, kann sich die Trollblume auch in Brachen lange halten, jedoch nicht verjüngen.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 4w+ (sehr feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 2+ (unter-subalpin und ober-montan), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).

In den Allgäuer Alpen steigt sie im Tiroler Teil am Gipfel der Rothornspitze bis zu einer Höhenlage von 2385 Metern auf.

Gefährdung

Die Trollblume ist bundesweit im Bestand gefährdet und steht daher unter Naturschutz. In Österreich ist sie ebenfalls geschützt. Gründe für den Rückgang sind das Brachfallen oder die Intensivierung extensiv genutzter Frisch- und Feuchtwiesen sowie deren Trockenlegung.

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung von Trollius europaeus erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, S. 556.

Etymologie

Der Name Trollblume leitet sich über das althochdeutsche Wort „troll“ für „kugelrund“ vom lateinischen „trulleus“ für „rundes Gefäß“ ab. Trivialnamen sind z. B. Goldköpfchen, Butterblume, Butterkugel (Ankenbollen), Budabinkerl, Butterrosen, Kugelranunkel oder Natter(n)knöpfe. Der in der Schweiz gebräuchliche Name „Rigirolle“ leitet sich vom Bergmassiv Rigi ab.

Verwendung und kulturelle Bedeutung

Die Trollblume wird in gemäßigten Gebieten auch in Parks und Gärten verwendet. Sie wurde zur Blume des Jahres 1995 gewählt.

Sie ist das Symbol der Grafschaft Glatz und wird daher auch Glatzer Rose genannt.

1969 wurde sie von der DDR-Post auf einem Briefmarkenwert der Serie Geschützte heimische Pflanzen dargestellt.

Namensgebend

Die russische militärische Flugdrohne Italmas ist nach der Bezeichnung der Blume in der Udmurtischen Sprache benannt.

Weblinks

Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben). Peter W. Schwickert: Vegetationsgeographische Untersuchungen im Hohen Westerwald unter besonderer Berücksichtigung der Pflanzengesellschaften des montanen Grünlandes. In: Fauna-Flora-Rheinland-Pfalz-Beiheft PDF.

Quellen Literatur

Einzelnachweise Thomas Gaskell Tutin: Trollius. In: Richard Keilholz: Die Glatzer Rose. Nerthus. 1903, Band 5, Nr. 38, S. 615.

Jaakko Jalas, Juha Suominen (Hrsg.): Atlas Florae Europaeae. Distribution of Vascular Plants in Europe. 8. Nymphaeaceae to Ranunculaceae. Akateeminen Kirjakauppa, The Committee for Mapping the Flora of Europe & Societas Biologica Fennica Vanamo, Helsinki 1989, ISBN 951-9108-07-6, S. 38–39. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 556,

Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. S. 395. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001, ISBN 3-8001-3131-5. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 519.

E. von Raab-Straube, R. Hand, E. Hörandl, E. Nardi 2014+: Ranunculaceae. Datenblatt Trollius europaeus In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.

Kategorie:Hahnenfußgewächse Kategorie:Alpenflora