miniatur|rechts|Zentraler Militärklub (2011) miniatur|rechts|Der Zentrale Militärklub bei Nacht (2006) miniatur|rechts|Der Militärklub auf einem alten Foto – damals unter dem Namen „Offiziersklub“

Der Zentrale Militärklub () ist ein multifunktionales Veranstal­tungs­zentrum in der Innenstadt von Sofia. Das dreistöckige Gebäude wurde 1895 durch den Architekten Václav Kolář im Stil der Neorenaissance entworfen und 1900 durch Nikola Lasarow fertig gestellt. Es gilt als eines der repräsentativsten Gebäude der Stadt.

Lage Der Zentrale Militärklub befindet sich am Zar Osvoboditel Boulevard Nr. 7, gegenüber der russischen Kirche auf der anderen Seite der Rakowski-Straße und liegt in der Nähe des Iwan-Wasow-Nationaltheaters.Beschreibung bei travelsignposts.com

Geschichte und Architektur Nach Gründung der bulgarischen Armee im Jahr 1878 wurden - nach russischem Vorbild - in allen Garnisonen Organisationen der aktiven Offiziere ins Leben gerufen. Aufgabe dieser sog. Offiziersversammlungen () war die Gestaltung kultureller und sozialer Aktivitäten für die Offiziere und deren Angehörige. 1889 wurden die Offiziersversammlungen als juristische Personen anerkannt. In größeren Garnisonen begann man darauf, eigene Klubhäuser zu etablieren.

Für den Bau des Klubhauses der Sofioter Offiziersversammlung (), des heutigen Zentralen Militärklubs, wurde das Eckgrundstück Boulevard Zar Oswoboditel/Uliza Georgi Rakowski erworben. Der Kaufpreis lag bei 180.000 Goldlewa. (www.sofia-code.org, 2013; bulgarisch, Übersetzung: Der Zentrale Militärklub) Auf dem Gelände befand sich zuvor eine Kaserne der Osmanischen Armee, die zuletzt in Bulgarien als Kriegsschule Verwendung fand. (www.stara-sofia.com; bulgarisch, Übersetzung: Der Militärklub) (www.vesti.bg, 2018; bulgarisch, Übersetzung: Der Militärklub – ein architektonisches Symbol des bulgarischen Kriegsruhms)

Das Klubgebäude wurde 1895 vom böhmischen Architekten Václav Kolář (* 1841, † 1900) im Stile der Neorenaissance entworfen.Marcella Stern, 1998a, S. 36–37: (zheleva-martins.com, 2024; bulgarisch, Übersetzung: Zentraler Militärklub in Sofia) Václav Kolář agierte bereits seit 1878 als Chefarchitekt der Stadt Sofia. (www.archdesign.info, 2018; bulgarisch, Übersetzung: Adolf Václav Kolář - der erste Chefarchitekt von Sofia ab 1878) Als Vornamen benutzte er z. T. die wechselnden Pseudonyme Adolf, Adolf Václav, Antonin, Antonin Václav oder Jan. Sein Entwurf weist zwei Flügel und drei monumentale Türme auf.Central Military Club (bulgaria-infoguide.com)Grigor Doytchinov & Christo Gantschev, 2001, S. 60 Die Südwestfassade ist durch Arkaden im Erdgeschoss und eine Loggia im ersten Stock hervorgehoben.

Der Grundstein konnte noch im Jahre 1895 gelegt werden. Zum Gedenken an den Serbisch-Bulgarischen Krieg (14.–28. November 1885) wurde dabei ein Stein vom Schlachtfeld bei Sliwniza in das Fundament eingelassen. Mit der Gestaltung des Fassadenschmucks betraute Václav Kolář den ihm aus Prag bekannten bulgarischen Bildhauer und Steinmetz Marin Wassilew (* 1867, † 1931).: (glasove.com, 2021; bulgarisch, Übersetzung: Eine Erinnerung an Prof. Marin Wassilev - den Menschen, der das Denkmal von Wassil Lewski in Karlowo geschaffen hat): (2022; bulgarisch, Übersetzung: Die Beziehung zwischen zwei bedeutenden Persönlichkeiten Marin Wassilew und Václav Kolář) Als Dekorstein griff Wassilew auf bulga­rischen Marmor aus Belowo zurück. Václav Kolář begleitete die Arbeiten nur bis zur Fertigstellung des Rohbaus im Jahre 1896. Anschließend übernahm er die Bauleitung der Alexander-Newski-Kathedrale./Bulgarian Development Bank: /How Sofia was transforming into an European city. S. 63, /Bulgarian Development Bank, Sofia 2018.

1898 akzeptierte der junge bulgarische Architekt Nikola Lasarow (* 1870, † 1942) das Angebot der Offiziersversammlung, den Bau fertigzustellenIwan Awramow, 1983, S. 20–21 sowie das Interieur zu gestalten.Iwan Awramow, 1983, S. 57 Die Ausschmückung der Säle und Salons mit z. T. vergoldeten Stuckornamenten übertrug er dem öster­reichischen Bildhauer Andreas Greis (* 1843, † 1925).Marcella Stern, 1998b, S. 47–48 Für die Innenausstattung wählte Nikola Lasarow edle Materialien, wie z. B. schwarzen Marmor und italienische Seidentapeten. Das Mobiliar musste aus Frankreich, Österreich-Ungarn und Italien importiert werden, da es in Bulgarien noch nicht in der gewünschten Qualität gefertigt werden konnte. (built.bg, 2021; bulgarisch, Übersetzung: Der Architekt der schönsten Gebäude in Bulgarien) Die Eröffnung wurde am in Anwesenheit Fürst Ferdinands I. gefeiert., Jahrgang 1900, № 251, S. 1–2, Sofia Zwischen 1900 und 1907 realisierte Nikola Lasarow einen Erweiterungsbau, so dass das Haus in vergrößerter Form 1907 seine Pforten eröffnete.

Das Gebäude weist drei Geschosse auf. Seine Raumaufteilung ist typisch für Klubgebäude des 19. Jahrhunderts. Im Einzelnen verfügt der Bau heute über eine Eingangshalle, die bei Veranstaltungen bis zu 25 Personen Platz bietet. Eine Galerie hat Kapazität für weitere 30 Besucher. Zentraler Ort ist der kunstvoll ausgestattete Konzertsaal mit 450 Sitzplätzen. Daneben existieren ein kleiner Salon und ein Bankettsaal, die jeweils 150 Personen aufnehmen können, sowie ein Musikzimmer mit 80 Plätzen.

Nach den politischen Verhältnissen trug das Haus seit seiner Eröffnung wechselnde Bezeichnungen: (sofiahistorymuseum.bg, 2017; bulgarisch, Übersetzung: 110 Jahre seit dem Bau des Zentralen Militärclubs) Klubhaus der Sofioter Offiziersversammlung (), Militärklub (), Zentrales Haus des Heeres (), Zentrales Haus des Volksheeres (), Zentrales Haus der Volksarmee (), und aktuell Zentraler Militärklub ().

Der Zentrale Militärklub gehört zu den emblematischen Gebäuden der Stadt Sofia. Seit 1955 ist er als Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung klassifiziert., Jahrgang 1955, № 73, Sofia

Nutzung Das Klubhaus wurde für Diners, Empfänge, Festlichkeiten, Bälle, Ausstellungen, Konzerte, Theater- und Opernaufführungen genutzt. Es wird heute als Keimzelle für das kulturelle Leben der Hauptstadt angesehen. Vor dem 9. September 1944 stammten seine Besucher aus dem Offizierskorps, dem Fürsten- bzw. Königshaus sowie der aufstrebenden Oberschicht. Zu verschiedenen feierlichen Anlässen wurden Offiziersbälle veranstaltet. Der wichtigste von ihnen war der Ball am Tag des Heiligen Georgs, des Patrons der Soldaten. Besondere Bedeutung hatte auch der Neujahrsball, da er traditionsgemäß vom Fürsten bzw. ab 1908 Zaren besucht wurde. Daneben konnten Räume auch für Veranstaltungen privater, künstlerischer oder politischer Art gebucht werden.

Heute dient das Gebäude als Kulturzentrum, in dem Räumlichkeiten von privaten Veranstaltern gemietet werden können.Beschreibung auf inyourpocket.com Am 18. Mai 2008 fand hier ein bedeutendes Schachturnier, das M-Tel Masters, statt.chessbase.com: MTel R10: Ivanchuk wins Sofia by 1½ points (chessbase.com, 2008) Im April und Mai 2010 war der Zentrale Militärklub Austragungsort der Schachweltmeisterschaft zwischen Weltmeister Viswanathan Anand und seinem Herausforderer Wesselin Topalow. Betreiber des Hauses ist die Exekutivagentur „Militärklubs und Militärfreizeit“ () des Bulgarischen Verteidigungs­ministeriums. (mod.bg; bulgarisch, Übersetzung: Exekutivagentur „Militärklubs und Militär­freizeit“)

Der Gebäudekomplex beherbergt die Zentrale Armeebibliothek () mit einem Bestand von über 120.000 Bänden. Ebenso hat auch die Verwaltung der Exekutivagentur „Militärklubs und Militärfreizeit“ hier ihren Sitz.

Literatur : (bulgarisch, Übersetzung: Nikola Lasarow - Persönlichkeit, Werk, gesellschaftliches Wirken ). 158 S., Държавно Издателство „Техника“, Sofia, 1983. Grigor Doytchinov & Christo Gantschev: Österreichische Architekten in Bulgarien 1878-1918. 226 S., Böhlau Verlag, Wien 2001, ISBN 3-205-99343-8. /Marcella Stern: /Ingenieur und Architekt Adolf Václav KOLÁŘ. In: /Museum für die Geschichte Sofias (Hrsg.): /Österreichische Architektureinflüsse in Sofia. 2. korrigierte und erweiterte Aufl., S. 36–37, , Sofia 1998, ISBN 954-8853-12-4. /Marcella Stern: /Bildhauer Andreas GREIS. In: /Museum für die Geschichte Sofias (Hrsg.): /Österreichische Architektureinflüsse in Sofia. 2. korrigierte und erweiterte Aufl., S. 47–48, , Sofia 1998, ISBN 954-8853-12-4.

Einzelnachweise

Sofia Kategorie:Bauwerk in Sofia Kategorie:Veranstaltungsstätte in Bulgarien Kategorie:Wikipedia:PuB/Bautyp