mini|Orgel in St. Bavo, Haarlem Christian Müller (* 4. Februar 1690 in Sankt Andreasberg; ⚰ 8. März 1763 in Amsterdam) war ein deutsch-niederländischer Orgelbauer. Er gilt für das 18. Jahrhundert als führender Orgelbauer in Holland. Internationale Bekanntheit erlangte seine große Orgel in der St.-Bavo-Kirche (Haarlem).
Leben und Werk Christian Müller wurde als sechstes von sieben Kindern des Tischlers Peter Müller (um 1640–1705) und der Elisabeth Otte (* um 1652) geboren.Gritter: Christian Müller Orgelmaker in Amsterdam. 2014, S. 19 (online) (PDF; 6,8 MB). Nicht bekannt ist, wo Müller in Deutschland seine Lehrzeit verbrachte. Im Jahr 1716 zog er nach Amsterdam und arbeitete nachweislich im Jahr 1718 beim Amsterdamer Orgelbauer Cornelis Hoornbeeck. Am 25. April 1719 wurde Müller Mitglied der Lutherischen Kirche in Amsterdam und machte sich ein Jahr später selbstständig.Jubileumboekje Müller-orgel. 2006, S. 7. Am 17. Mai 1720 heiratete er Elisabeth van der Berg, die bereits ein Jahr später starb. Catherina Beverwijk wurde am 19. Oktober 1721 seine zweite Frau, die ihm elf Kinder schenkte. Sie starb am 3. März 1769 in Amsterdam und wurde am 9. März begraben.Gritter: Christian Müller Orgelmaker in Amsterdam. 2014, S. 28 (online) (PDF; 6,8 MB).
In ’s-Hertogenbosch arbeitete Müller als Meisterknecht von Hoornbeeck zunächst mit Rudolf Garrels zusammen an der St.-Johannes-Kathedrale und erhielt im Folgenden Aufträge für Arbeiten an drei Amsterdamer Orgeln, die alle nicht mehr erhalten sind. Seine Arbeitsfeld konzentrierte sich auf Holland, den Westen des Landes. Weltberühmt wurde die monumentale Orgel in St. Bavo in Haarlem, die zu ihrer Zeit zu den größten Orgeln der Welt gehörte. Neben Kirchenorgeln schuf Müller auch Kabinettorgeln. Müllers Orgeln gehen in architektonischer und klanglicher Hinsicht eine Synthese zwischen dem altniederländischen Orgelbau des 17. Jahrhunderts und dem neueren Hamburger-Groninger Konzept von Arp Schnitger und Albertus Antonius Hinsz ein.Jubileumboekje Müller-orgel. 2006, S. 12.
Ein Verwandter namens Johannes Caspar (* 23. Juli 1693; † 1746) aus St. Andreasberg trat während des Leeuwarder Orgelbaus und bis 1729 neben Christian auf, machte sich danach aber in Den Haag selbstständig. Der Sohn Pieter Müller (* 1738) setzte die Tradition seines Vaters fort und schuf Orgeln in Haarlem (Coen Cuserhuis, 1760, I/7), Wissenkerke (Prot. Kerk, 1767, I/7) und Hoorn (Luth. Kerk, 1772, II/p/17), die denen des Vaters stark ähneln.Bolt: De historie. 1985, S. 32 f. Er wurde auch als Erbauer von Kabinettorgeln und Cembali bekannt.Gritter: Christian Müller Orgelmaker in Amsterdam. 2014, S. 27 (online) (PDF; 6,8 MB). Bedeutendster Schüler war Johann Bätz, der eine Orgelbauerfamilie begründete und das Werk Müllers fortführte. Weitere Schüler waren Johann Nikolaus Ritter und John Snetzler (1710–1785?), der in England wirkte. Müller wurde am 8. März 1763 in der Oude Lutherse Kerk an der Spui begraben.
In den Jahren 1740 und 1750 spielte Georg Friedrich Händel in Haarlem auf der Müller-Orgel und im Jahr 1766 der zehnjährige Wolfgang Amadeus Mozart.Orgel in Haarlem, abgerufen am 4. April 2018. Während der Organistentätigkeit von Klaas Bolt in Haarlem wurde das Instrument weitgehend auf den ursprünglichen Zustand hin restauriert. Seit 1951 finden dort Improvisationwettbewerbe und ein internationales Orgelfestival statt.Orgelfestival Haarlem, abgerufen am 4. April 2018.
Werkliste (Auswahl) Folgende Arbeiten Müllers sind noch weitgehend erhalten (5. Spalte: großes „P“ = selbstständiges Pedal, kleines „p“ = angehängtes Pedal):
Jahr Ort Kirche Bild Manuale Register Anmerkungen 1724–1727 Leeuwarden Grote of Jacobijnenkerk zentriert|160x160px III/P 38 Mit Rückpositiv und Echowerk; weitgehend erhalten 1726 Westerbork Hervormde Kerk zentriert|160x160px I/p 8 Umbau eines älteren Instruments, das ursprünglich für Beetgum (Friesland) gebaut und 1862 überführt wurde 1734 Amsterdam Oude Waalse Kerk zentriert|160x160px II/P 26 Weitgehend erhalten; Gehäuse von 1680 von Nicolaas Langlez 1735–1738 Haarlem St.-Bavo-Kirche zentriert|160x160px III/P 62 Weitgehend erhalten; heute III/P/62. Orgel in Organindex 1737 Zaandam Lutherse Kerk zentriert|160x160px II/p 13 Prospekt und etwas Pfeifenwerk erhalten 1742 Bennebroek Hervormde Kerk zentriert|160x160px II/p Neubau hinter Prospekt von Gysbert Bongaert (1686); Innenwerk 1925 ersetzt 1744 Oosterwijtwerd Hervormde Kerk zentriert|160x160px I 8 Kabinettorgel; ursprünglicher Standort unbekannt um 1745 Den Haag Grote of St.-Jacobskerk/Van Assendelftkapel zentriert|160x160px I 8 Kabinettorgel; ursprünglicher Standort unbekannt 1747 Privatbesitz I 7 Kabinettorgel 1756 Beverwijk Grote Kerk zentriert|160x160px II/P 22 Weitgehend erhalten 1762 Alkmaar Kapelkerk zentriert|160x160px II/p 18 1882 Änderungen durch L. Ypma
Literatur
Weblinks
Orgel in Haarlem, St. Bavo (englisch, niederländisch) Ibo Ortgies: Die Orgel in der Waalse Kerk zu Amsterdam Müller-orgel Grote Kerk Beverwijk/ (niederländisch)
Einzelnachweise
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