miniatur|Dreharbeiten am 31. Mai 2008 in Potsdam Dutschke ist ein deutsches Doku-Drama des Regisseurs Stefan Krohmer aus dem Jahr 2009. Der ZDF-Fernsehfilm basiert auf dem Leben von Rudi Dutschke. Er wurde vor allem ausgehend von Dutschkes Tagebüchern und den Büchern von Gretchen Dutschke-Klotz entwickelt. Die Besonderheit des Films liegt in der diskursiven Herangehensweise: Unterschiedliche Sichtweisen und Erinnerungen werden gegenübergestellt.

Handlung Ausgehend von der politischen Situation in Deutschland im Jahr 1964 schildert der Film den Aufstieg Rudi Dutschkes zur zentralen Figur der 68er-Bewegung. Er zeigt Dutschke 1967 und 1968 als deren bedeutendsten Sprecher. Nach der Zäsur durch das Attentat im April 1968 verliert Dutschke seine Rolle im politischen und öffentlichen Leben zusehends. Im weiteren Verlauf werden die ersten öffentlichen Auftritte in den 1970er Jahren und Dutschkes Versuch geschildert, auf den politischen Diskurs der Bundesrepublik wieder wesentlichen Einfluss zu nehmen.

Der Regisseur schneidet hierbei Interviewpassagen und inszenierte Szenen aus dem Leben Rudi Dutschkes zusammen. Hierbei kommen Freunde und Zeitzeugen wie Gaston Salvatore, Bernd Rabehl, Peter Schneider und Helga Reidemeister, aber auch Wolfgang Kraushaar, Claudius Seidl, Eberhard Diepgen und Joscha Schmierer zu Wort.

Produktion Der Film wurde von teamWorx in Koproduktion mit dem ZDF produziert. Die Dreharbeiten fanden ab Anfang Mai 2008 in Berlin und Umgebung statt.Mareike Barmeyer: Am Set des "Dutschke"-Films – "Das war damals so", 2. Juni 2008, . Der Etat betrug etwa 2,1 Millionen Euro.Produzent Nico Hofmann im Interview: Letztlich geht es nie um Größe, Der Spiegel 17/2010, Seite 160 Dutschke wurde erstmals am 29. Juni 2009 in der Reihe Deutsche Fernsehfilme des Filmfests München aufgeführt. Es dauerte fast ein Jahr, einen Sendeplatz für das umstrittene Porträt zu finden.Hannah Pilarczyk: ZDF-Dokudrama „Dutschke“ – Ein Held aus Streit, 27. April 2010, spiegel.de.

Rezeption Einschaltquoten Die Sehbeteiligung bei der Fernseh-Erstausstrahlung zur Hauptsendezeit des ZDF-Abendprogramms am 27. April 2010 war mit 1,18 Millionen Zuschauern und einem Marktanteil von 3,6 Prozent ungewöhnlich niedrig. Der Film lief parallel zur Übertragung eines Champions-League-Halbfinales mit Bayern München, Serien anderer Fernsehkanäle mussten dadurch jedoch kaum Quotenrückgänge hinnehmen. Der Tagesspiegel führt das schwache Interesse darauf zurück, dass Rudi Dutschke weitgehend vergessen sei und der privatistische Blick des Films auf ihn den Zuschauern nicht die Gründe für seine Breitenwirkung nahegebracht habe.Joachim Huber: ZDF-Film mit desaströser Quote – „Dutschke“, das Vergessen, 29. April 2010, Der Tagesspiegel

Kritiken mini|hochkant|Rudi Dutschke (1940–1979), Originalfoto aus einem Fotoautomaten

Auszeichnungen Goldener Gong, Filmfest München 2009„Erschreckend oberflächlich“ – Grünen-Gründer kritisiert „Dutschke“-Film im ZDF, 25. April 2010, dwdl.de. Deutscher Fernsehpreis 2010: Christoph Bach als Bester Schauspieler Nominierung für den Adolf-Grimme-Preis 2011

Auseinandersetzung mit der Axel Springer AG Die zu Axel Springer AG gehörende Welt warf der Produktion „Fälschung“ vor, um „den Mythos der Hetze gegen Dutschke aufrechtzuerhalten“.Sven Felix Kellerhoff: Historische Fakten im „Dutschke“-Drama gefälscht, 27. April 2010, welt.de. Der Anlass hierzu war, dass im Film echte Bild-Schlagzeilen, wie „Terror in Berlin“ gezeigt werden, die zugehörigen Fotos jedoch teilweise ausgetauscht wurden. Im Film werden die ausgetauschten Bilder in Folge animiert um einen Übergang zu eigenen, aus der Zeitungsseite heraustretenden fiktionalen Filmsequenzen zu schaffen. Die verantwortliche ZDF-Redakteurin Caroline von Senden wies die Kritik zurück und erklärte, dass „die Integration von Filmaufnahmen in das Zeitungsbild (...) offensichtlich als Komposition und Zusammenfügung von statischem Druckbild und Bewegtbild - also als bewusste Montage“ zu erkennen sei. die tageszeitung warf dem Verlag, nachdem die Welt auch einen kritischen Beitrag von Bettina Röhl veröffentlicht hatte („Rudi Dutschke hätte einen Qualitätsfilm verdient“Bettina Röhl: Rudi Dutschke hätte einen Qualitätsfilm verdient, 28. April 2010, welt.de.), vor, in diesem Zusammenhang auch nicht vor der „Banalität des Blöden“ zurückzuschrecken.Springers „Welt“ wirft ZDF Fälschung vor - Enteignet Spinner!, 29. April 2010, taz.de.

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2009 Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Fernsehfilm (ZDF) Kategorie:Doku-Drama