Die North American F-86 Sabre war ein einstrahliges Jagdflugzeug des US-amerikanischen Herstellers North American Aviation. Der Tiefdecker der Ersten Generation war in der Anfangszeit des Kalten Krieges im Einsatz.
Geschichte Entwicklung Schon 1944 wurden zwei Prototypen der NA-134 in Auftrag gegeben, die als Vorläufer der NA-140 gelten kann. Am 18. Mai 1945 bestellte die USAAF drei Muster der NA-140 unter der Bezeichnung XP-86. Im August 1945 wurde nach der Auswertung deutscher Entwicklungsunterlagen beschlossen, die Konstruktion radikal zu ändern und mit Pfeilflügeln auszustatten. Man orientierte sich vor allem an den Windkanalversuchen, die mit dem 35° gepfeilten Flügel des Me-262-HG-II-Projekts noch bei Messerschmitt durchgeführt worden waren. Auch bei den eingesetzten automatischen Vorflügeln zur Behebung des Tip-Stall-Problems (Überziehen der Flügelspitzen) war die Me 262 Vorbild. Man verwendete hierbei jedoch eine vierteilige Variante, während die Me 262 einen nur zweiteiligen Vorflügel einsetzte. Während die ersten Entwürfe der NA-140 noch ein NACA-Laminarprofil vorsahen, wählte man später das symmetrische Hochgeschwindigkeitsprofil der Me 262 HG II. Dieses hatte an der Wurzel ein Dickenverhältnis von 9,8 Prozent (Profil 0009,8) und an der Flügelspitze von 9 Prozent.H.-U. Meier: Die Pfeilflügelentwicklung in Deutschland bis 1945 – Die deutsche Luftfahrt, Band 33. Bernard & Graefe, S. 436ff. Nach Erfahrungen in Korea wurde das Profil nochmals überarbeitet und zu NACA 0009-64 und NACA 0008.1-64 abgeändert. Der Prototyp flog am 1. Oktober 1947. Im Bahnneigungsflug durchbrach das Muster am 25. April 1948 die Schallmauer. Im selben Jahr wurde aufgrund einer Änderung des US-Bezeichnungssystems aus der P-86 die F-86. In Dienst gestellt wurde die F-86 im Jahr 1949. Eine Version mit ungepfeilten Tragflächen wurde für die United States Navy als FJ-1 Fury entwickelt.
Die North American F-86E (zuständiger Chefingenieur Fred Prill) war der einzige Jäger der westlichen Welt, der es im Koreakrieg mit der sowjetischen MiG-15 aufnehmen konnte – die Leistungsdaten waren zwar etwas schlechter, dafür waren die Flugeigenschaften besser. Im Koreakrieg wurde die F-86 als Luftüberlegenheitsjäger eingesetzt, um die als Jäger veralteten Typen wie die Lockheed F-80, die Republic F-84 und die Gloster Meteor, die als Jagdbomber über dem Gefechtsfeld eingesetzt wurden, vor MiG-Angriffen zu schützen. Dagegen erhielten die nordkoreanisch-chinesischen Truppen keinerlei Luftunterstützung, da sie zu diesem Zeitpunkt nicht mehr über dafür geeignete Flugzeuge verfügten. Am 17. Dezember 1950 schoss der US-Pilot Bruce H. Hinton mit seiner F-86 erstmals eine nordkoreanische MiG-15 ab. Die erfolgreichsten US-Kampfpiloten mit einer F-86 waren James Jabara mit 15 und George A. Davis Jr. mit 11 MiG-Abschüssen im Kriegsjahr 1951.
In der Folge des Koreakrieges wurde die F-86 zum Standardjäger der NATO. Obwohl der Typ ursprünglich als Tagjäger konzipiert worden war, entwickelte North American auf der Basis der F-86 auch einen mit Radar ausgerüsteten Allwetterjäger. Übergangsweise flog auch die britische Royal Air Force Sabre der kanadischen Produktionslinie. Die erste britische Sabre-Staffel war ab Mai 1953 die No. 67 Squadron.Larry Davis: North American F-86 Sabre – Focus Aircraft. In Wings of Fame Volume 10, 1998, S. 99 Im Bereich der RAF Germany flogen Mitte der 1950er-Jahre zehn Sabre-Staffeln. Auch die Bundesluftwaffe verwendete die F-86 als Tagjäger, Jagdbomber und Allwetterjäger.
Mit der F-86 konnten am 15. September 1948 (F-86A, 1079,841 km/h), 19. November 1952 (F-86 D, 1124,137 km/h) und am 16. Juli 1953 (F-86 D, 1151,883 km/h) jeweils die absoluten Geschwindigkeitsweltrekorde errungen werden. Über 100 Exemplare der Maschine sind in über zwei Dutzend Ländern erhalten und teilweise noch flugfähig.
Sabre in Deutschland Die F-86 wurde von der deutschen Luftwaffe sowie diversen NATO-Luftwaffen wie der USAFE in der Bundesrepublik eingesetzt. Die Luftwaffe verfügte über Sabre Mk. 5 und Mk. 6 des kanadischen Produzenten Canadair, die als Tagjäger eingesetzt wurden, sowie über F-86K, die als Allwetterjäger dienten. Äußerlich unterschieden sich diese Flugzeuge vor allem dadurch, dass die K-Version – wie auch die Version F-86D, aus der sie entwickelt worden war – mit dem AN/APG-36-Radar ausgerüstet war, das sich über dem Lufteinlass befand.Siegfried Wache, Andreas Klein: North American F-86K „Sabre“. Erlangen 2007, S. 4. Außerdem erhielten die von North American gebauten und von Fiat in Turin wieder zusammengesetzten Flugzeuge eine neue, F-40-Flügel genannte, Tragfläche.Siegfried Wache, Andreas Klein: North American F-86K „Sabre“. Erlangen 2007, S. 9. Die für die D- und L-Version vorgesehene Raketenbewaffnung aus 24 Mighty Mouse-FFAR-RaketenSiegfried Wache, Andreas Klein: North American F-86K „Sabre“. Erlangen 2007, S. 11f. wurde allerdings durch vier M-24-A1-Kanonen vom Kaliber 20 mm ersetzt.Siegfried Wache, Andreas Klein: North American F-86K „Sabre“. Erlangen 2007, S. 53ff.
Die im Rahmen des Mutual-Defense-Aid-Program für Deutschland vorgesehenen 88 Maschinen wurden 1955 und 1956 gefertigt, in Einzelteilen nach Italien verschifftSiegfried Wache, Andreas Klein: North American F-86K „Sabre“. Erlangen 2007, S. 15., nach erfolgtem Zusammenbau zwischen 1957 und 1958 nach Oberpfaffenhofen geflogen und dort zunächst eingelagert.Siegfried Wache, Andreas Klein: North American F-86K „Sabre“. Erlangen 2007, S. 16. Erst 1959 wurden diese Flugzeuge wieder aktiviert und zwischen August 1959 und August 1960 erhielt die 3. Staffel der Waffenschule der Luftwaffe 10 die Maschinen und stattete sie in Oldenburg mit Bewaffnung aus. Schon im September 1960 verlegte das Jagdgeschwader 75 als erstes Allwettergeschwader mit allen F-86K der WaSLw nach Leipheim, wobei zu dieser Zeit schon Neuburg an der Donau als endgültiger Standort feststand. Nach dem Abschluss der Bauarbeiten dort im Frühjahr 1961 verlegte das Geschwader dann auch dorthin,Siegfried Wache, Andreas Klein: North American F-86K „Sabre“. Erlangen 2007, S. 18. und im Mai 1961 wurde aus dem Jagdgeschwader 75 das Jagdgeschwader 74.Siegfried Wache, Andreas Klein: North American F-86K „Sabre“. Erlangen 2007, S. 19.
Nach der stürmischen Anfangszeit, die von den vielen Verlegungen und auch Umstrukturierungen innerhalb des Verbandes geprägt war, konnten am 8. April 1963 die 10.000. Flugstunde und zwei Jahre später die 20.000. Flugstunde gefeiert werden. Zu dieser Zeit waren die ersten Verbände der Luftwaffe schon mit dem Starfighter ausgerüstet, der nach und nach in allen Verbänden zum Einsatz kommen sollte; am 12. Mai 1964 landete so auch der erste für das JG 74 bestimmte Starfighter in Neuburg.Siegfried Wache, Andreas Klein: North American F-86K „Sabre“. Erlangen 2007, S. 24. Während der Umrüstung des Geschwaders wurden die Sabre Dogs in einer dritten Staffel zusammengezogen, um weiter den NATO-Auftrag wahrnehmen zu können. Am 5. Januar 1966 wurde der letzte Flug einer F-86K des JG 74 durchgeführt. Während des Betriebes gingen dabei sechs Maschinen verloren, die verbliebenen Flugzeuge wurden nach Oberpfaffenhofen geflogen und 59 von ihnen nach Venezuela verkauft, wo sie noch einige Jahre geflogen wurden.Siegfried Wache, Andreas Klein: North American F-86K „Sabre“. Erlangen 2007, S. 58f.
Stationierungsorte in Deutschland Deutsche Luftwaffe Fliegerhorst Ahlhorn, Februar 1959 bis April 1963 und kurze Zeit ab Oktober 1963, Sabre Mk. 6 im Jagdgeschwader 71 Fliegerhorst Leipheim, Oktober 1960 bis April 1961, F-86K im Jagdgeschwader 75 Fliegerhorst Leck, November 1959 bis Oktober 1964, Sabre Mk. 6 im Jagdgeschwader 72 Fliegerhorst Neuburg, Mai 1961 bis Dezember 1965, F-86K im Jagdgeschwader 74 Fliegerhorst Nörvenich, April bis September 1957, Sabre Mk. 5, Waffenschule 10 Fliegerhorst Oldenburg, Juli 1959 bis Ende 1962, Sabre Mk. 5,Waffenschule 10, und Oktober 1964 bis Dezember 1966 im Jagdbombergeschwader 43 Fliegerhorst Pferdsfeld, Januar 1960 bis April 1967, Sabre Mk. 6 im Jagdgeschwader 73, das JG73 lag zuvor wenige Wochen in Oldenburg Fliegerhorst Wittmundhafen, April 1963 bis Oktober 1963, Sabre Mk. 6 im Jagdgeschwader 71 Royal Air Force, 2nd Tactical Air Force RAF Brüggen, August 1953 bis April 1956, Sabre F.4 (67th, 112th und 130th Squadron) RAF Geilenkirchen, Januar 1954 bis Juni 1956, Sabre F.4 (3rd und 234th Squadron) RAF Jever, Juli 1953 bis Januar 1956, Sabre F.4 (4th und 93rd Squadron) RAF Oldenburg, Oktober 1953 bis November 1955, Sabre F.4 (20th, 26th und 234th Squadron) RAF Wildenrath, März 1953 bis Juli 1955, Sabre F.4 (Sabre Conversion , 3rd und 67th Squadron) Royal Canadian Air Force, 1 Canadian Air Division RCAF Baden-Söllingen, September 1953 bis April 1963, Sabre Mk.4/5/6 (3rd Wing mit der 414th, 422nd und 444th Squadron) RCAF Zweibrücken, April 1953 bis Juni 1962, Sabre Mk.2/4/5/6 (3rd Wing mit der 413th, 427th und 434th Squadron) United States Air Forces in Europe Bitburg AB, März 1955 bis 1956, F-86F (36th Day Fighter Wing) Hahn AB, August 1953 bis Dezember 1959, F-86F/D (81st Fighter Bomber Squadron, 496th Fighter Interceptor Squadron) Ramstein AB, Frühsommer 1953 bis März 1958, F-86F/D (86th Fighter Bomber Wing/Fighter Interceptor Group) Fliegerhorst Erding, Februar 1956 bis Dezember 1959, F-86D (440th Fighter Interceptor Squadron)
Verluste der Bundesluftwaffe Die Bundeswehr musste den Verlust von sechs F-86K beklagen, die zerstört oder so stark beschädigt wurden, dass sie abgeschrieben werden mussten. 7. Dezember 1960, FU-145, 56-4145: beim Einfliegen in Oberpfaffenhofen abgestürzt, später Ersatzteilspender. 3. Mai 1962, JD-103, 56-4133 und JD-109, 56-4119: im Landeanflug auf Neuburg kollidiert, beide Piloten wurden getötet. 30. Oktober 1963, JD-101, 56-4130: in Straß bei Neuburg abgestürzt, Pilot rettete sich mit dem Schleudersitz, Trümmer töteten am Boden vier Personen und verletzten elf weitere. 24. November 1964, JD-316, 56-4157: Triebwerk in der Luft explodiert, Pilot rettete sich mit dem Schleudersitz, Maschine stürzte südlich von Mögglingen auf unbebautes Gebiet. Mögglingen und seine Fast-Katastrophen. In: Rems-Zeitung. 24. November 2014, abgerufen am 7. Mai 2020. 25. Juli 1965, FU-928, 55-4928: beim Testflug schwer beschädigt und abgeschrieben worden, erst Ersatzteilspender, später Gate Guard in Neuburg.
Zudem verunglückten auch mehrere Sabre Mk. 5 und Mk. 6: 9. August 1961: Kollision einer aus Oldenburg und einer aus Ahlhorn gestarteten F-86, Absturz beider Maschinen, ein Pilot wurde getötet. 7. April 1964, JC-118, F-86 Mk.VI, der Pilot vom Flugplatz Pferdsfeld kam ums Leben, als das Flugzeug im Binger Wald abstürzte.
Verluste der USAF Die US Air Force verlor zwischen 1949 und 1960 insgesamt 1360 F-86 und 8 RF-86 durch Unfall. Dazu kamen 184 Einsatzverluste in Korea, wovon 110 durch Feindeinwirkung (zum größten Teil durch Jagdflugzeuge) verloren gingen.Statistical Digest of the USAF 1949. S. 142 ff.; 1951–1961, „Tabelle USAF Aircraft Gains and Losses“.
Varianten North American F-86 mini|F-86A des 4th FIW in Korea im Juni 1951 mini|F-86D der 440th FIS in Erding 1956 mini|F-86E im Museum der Griechischen Luftstreitkräfte mini|RF-86F des USAF-Museums mini|Zweisitzige TF-86F mini|F-86K des JG 74 im Luftwaffenmuseum in Berlin-Gatow XF-86 Prototyp (NA-140) mit General-Electric-J35-Triebwerk, zwei gebaut XF-86A Erster Prototyp mit General-Electric-J47-Triebwerk F-86A Erstes Serienmodell. Ursprünglich war das Flugzeug mit einem Strahltriebwerk General Electric J47-GE1 mit einem Schub von 2200 kp ausgerüstet. Spätere Exemplare erhielten J-47-GE-3, -7, -9 oder -13-Strahltriebwerke mit 2359 kp Schub, 554 gebaut. DF-86A Umbau einiger F-86A zu Drohnenkontrollflugzeugen. RF-86A Ausrüstung von elf F-86A mit drei Kameras als Aufklärungsflugzeuge F-86B Version mit breiterem Rumpf und größeren Reifen. Ein Auftrag über 188 Maschinen wurde storniert.