Hannover gehörte zu den ersten deutschen Städten, in denen Eishockey gespielt wurde. 1910 wurde eine Kunsteisbahn eröffnet, die dem DHC Hannover als Spielstätte diente. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Eishockey in Hannover hauptsächlich durch Vertriebene aus Schlesien und dem Sudetenland wieder aufgebaut. So wurde im Mai 1948 die Eissportgesellschaft Hannover (E.S.G.) gegründet, aus dem die heutigen Hannover Indians hervorgingen. Den größten Erfolg eines Clubs aus Hannover feierten die Hannover Scorpions, die Deutscher Eishockeymeister 2010 wurden. Die Vereinslandschaft des Eishockeys in Hannover ist nicht nur auf die Grenzen der Landeshauptstadt beschränkt, sondern umfasst heute die gesamte Region Hannover. So haben die Scorpions ihren Ursprung in der Wedemark, andere Teams aus Langenhagen, Wunstorf oder Celle stammen aus der Region oder tragen dort ihre Heimspiele aus.

Organisation Die Organisation des Eishockeys auf Landesebene unterliegt dem Niedersächsischen Eissport-Verband (NEV), welcher dem DEB angeschlossen ist. Der NEV ist zugleich Dachverband für die Sportarten Eiskunstlauf, Eisstockschießen und Eisschnelllauf. Neben dem organisierten Eishockey gibt es auch zahlreiche Hobbymannschaften in der Region Hannover, in verschiedenen Hobbyligen gegeneinander antreten.

Geschichte Anfangsjahre (1910 bis 1914) Hannover gehört zu den ersten Orten in Deutschland, in denen – ausgehend von Berlin – Eishockey gespielt wurde.Horst Eckert: Eishockey Weltgeschichte. Mit Beiträgen von Xaver Unsinn, Erich Kühnhackl und Karel Gut. Copress Verlag, München, 2. Auflage 1985, S. 91 und Eckert, Horst (2003): 40 Jahre Deutscher Eishockey Bund (DEB) – Eine Dokumentation (Teil 1), Augsburg, 4. Juni 2003. Die ersten Eishockeyspiele in Hannover fanden im Eispalast in der Goethestraße statt. Carl Spieker eröffnete im Oktober 1910 in der ehemaligen Königlichen Wagen-Remise, in der sich zuvor ein „Palmengarten“ und ein „Wintergarten“ befanden, die erste Kunsteisbahn in Hannover.Hannoverscher Kurier - Hannoversches Tageblatt - Morgenzeitung für Niedersachsen vom 26. Januar 1910, S. 5 und vom 12. März 1911, S. 14. Deutsches Zeitungsportal.Bernd Sperlich (2012): So lachte Hannover vor 100 Jahren (2), myheimat.de. Aufgrund seiner kleinen Spielfläche von 20 × 40 Metern wurde der Eispalast im Volksmund als Spucknapf bezeichnet.Horst Eckert: Eishockey Weltgeschichte. Mit Beiträgen von Xaver Unsinn, Erich Kühnhackl und Karel Gut. Copress Verlag, München, 2. Auflage 1985, S. 91Frank Bröker: Eishockey in Deutschland. Nichts für schwache Nerven. Verlag Andreas Reiffer. ISBN 978-3-934896-93-2

DHC Hannover Die Spiele in den Anfangsjahren des hannoverschen Eishockeys wurden vom DHC Hannover ausgetragen, der heute nur noch Hockey, Tennis und Lacrosse betreibt. Im Winter 1910/11, der die erste in Hannover durchgeführte Eishockey-Spielzeit markiert, wurde am 17. März 1911 ein „Eishockeymatch“ zwischen dem Deutschen Hockey-Club Hannover und dem Berliner Eishockey-ClubEin Club dieses Namens taucht in weiteren Quellen nicht auf, möglicherweise liegt hier ein Schreibfehler in der Quelle vor und es handelt sich um einen der bekannten Berliner Vereine, z. B. den Berliner EV 1886. ausgerichtet, bei dem die Gastgeber mit 3:4 unterlagen.Hannoverscher Kurier - Hannoversches Tageblatt - Morgenzeitung für Niedersachsen vom 12. März 1911, S. 14. und vom 19. März 1911, S. 14. Deutsches Zeitungsportal. Deutsches Zeitungsportal. Am 30. März 1911 war der Leipziger Sport-Klub im Eispalast zu Gast beim Deutschen Hockey-Club Hannover.Hannoverscher Kurier - Hannoversches Tageblatt - Morgenzeitung für Niedersachsen vom 30. März 1911, S. 13. Deutsches Zeitungsportal. Zum Saisonabschluss standen sich am 9. Mai 1911 der Deutsche Hockey-Club Hannover und die Mannschaft des Berliner Sportclub PreußenVermutlich handelt es sich hierbei um den BFC Preussen. gegenüber. Das Siel endete mit 11:5 für den DHC.Hannoverscher Kurier - Hannoversches Tageblatt - Morgenzeitung für Niedersachsen vom 11. Mai 1911, S. 3. Deutsches Zeitungsportal.

In der darauf folgenden Spielzeit 1911/12 trafen am 12. sowie 18. November 1911 jeweils der DHC Hannover und der Akademische Sportverein Dresden im Eispalast aufeinander.Hannoverscher Kurier - Hannoversches Tageblatt - Morgenzeitung für Niedersachsen vom 16. November 1911, S. 3. Deutsches Zeitungsportal. Am 12. Januar 1912 wurde in der Verbandszeitung des Deutschen Eislauf-Verbands (DEV) Deutscher Wintersport die Ausschreibung zur ersten „Meisterschaft des Deutschen Eislauf-Verbandes im Eishockey um den Staatspreis des Kulturministers“ für die Amateurmannschaften der dem DEV angehörenden Vereine veröffentlicht. Die Ausschreibung enthielt den Hinweis, dass nach kanadischen Regeln, also mit der Scheibe gespielt wurde. In der Zeitschrift wurden als ernsthafte Titelkandidaten neben den drei Berliner Mannschaften Berliner Schlittschuh-Club, SC Charlottenburg und BFC Preußen auch der Dresdner Akademische SC, der Sportclub Leipzig sowie der DHC Hannover genannt. Letztlich meldete der DHC Hannover sein Team jedoch nicht zur Teilnahme an der Meisterschaft 1912 an, die am 28. Januar 1912 in nur einem einzigen Spiel vom Berliner Schlittschuh-Club gegen den SC Charlottenburg gewonnen wurde. Statt der Teilnahme an der ersten deutschen Eishockeymeisterschaft kam es für das hannoversche Eishockeyteam hingegen zu einer internationalen Begegnung, als der DHC Hannover am 3. Februar nach Brüssel fuhr, um gegen den dortigen Club des Patineurs anzutreten.Hannoverscher Kurier - Hannoversches Tageblatt - Morgenzeitung für Niedersachsen vom 2. Februar 1912, S. 7. Deutsches Zeitungsportal. In den Anfangsjahren spielte der DHC Hannover unter Leitung von Edgar Haverbeck, Spieler war u. a. Killam (Sturm).Hannoverscher Kurier - Hannoversches Tageblatt - Morgenzeitung für Niedersachsen vom 21. Oktober 1911, S. 3. Deutsches Zeitungsportal.

Nach der Schließung des Eispalasts im Frühjahr 1912Bernd Sperlich (2012): So lachte Hannover vor 100 Jahren (2), myheimat.de. bemühte sich der DHC Hannover, weiterhin Eishockeyspiele möglich zu machen. Im Januar 1914 legte er auf den Tennisplätzen seines Vereinsgeländes eine Spritzeisbahn an, die den Vereinsmitgliedern zur Verfügung stand. Dort sollten – sofern die Witterung es zuließ – täglich Übungsspiele im Eishockey stattfinden. Für den 25. Januar 1914 war ein Spiel des DHC Hannover gegen eine Berliner Mannschaft geplant.Hannoverscher Kurier - Hannoversches Tageblatt - Morgenzeitung für Niedersachsen vom 21. Oktober 1911, S. 3. Deutsches Zeitungsportal.

Mit dem Beginn des Ersten Weltkriegs kam diese erste Phase des hannoverschen Eishockeys zu einem Ende. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs versank das Eishockey in Hannover in einen Dornröschenschlaf.

Wichtigste Teams nach dem Zweiten Weltkrieg (seit 1948) Hannover Indians

Die in Kleefeld beheimaten Hannover Indians sind der älteste und traditionsreichste Eishockeyverein der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover. Der erste Vorläuferverein der heutigen Indians war die für den Eishockeysport in Hannover startschussgebende und im Mai 1948 durch Einwanderer aus Schlesien und dem Sudetenland gegründete Eissportgesellschaft Hannover (E.S.G.). Das erste Spiel fand sogar noch vor der Gründung im Januar 1948 gegen den TC Grunewald-Berlin statt. Zunächst diente eine Betonfläche hinter dem Zoo als Trainingsfläche, eine benutzbare Eisfläche stand zur damaligen Zeit noch nicht zur Verfügung.

1956 fusionierte die ESG mit dem Hannoverschen Roll Sport Club (HRSC) zur Roll- und Eissportgesellschaft Hannover (RESG). Einige Rollsportler wandten sich jedoch aufgrund des zu hoch eishockeylastig geführten neuen Vereines ab und gründeten ihrerseits den sich hauptsächlich auf Rollsport konzentrierenden (u. a. Inline-Skaterhockey) Eis- und Rollsportclub Hannover (ERC). Im Sommer 1957 wurde der RESG eine Fläche am Pferdeturm zum Bau einer Kunsteisfläche zur Verfügung gestellt, worauf am 7. November 1959 das Eisstadion am Pferdeturm eröffnet wurde und seit 1960 Punktspiele ausgetragen werden.

Am 18. Dezember 1963 wurde der Verein nach Beschluss auf einer Mitgliederversammlung in Eissport Club (EC) Hannover umbenannt. 1984 ging dieser Verein jedoch Konkurs, worauf der Eissport Club (EC) in Hannover gegründet wurde. Der EC in Hannover war 1994 Gründungsmitglied der Deutschen Eishockey Liga und gehörte dieser Liga bis 1996 an. Nachdem auch der EC in Hannover Konkurs gegangen war, waren es zunächst zwei Vereine, die sich um die Nachfolge bemühten. Einer war der Kleefelder Eissportverein (KEV), der andere der Hannöversche Eissport-Club zu Kleefeld (HECK). Der KEV bekam den Vorzug vor dem HECK, da die meisten Mitglieder bereits zum KEV übergetreten waren.

Seit 2004 wird der Spielbetrieb der Profimannschaft von einer Spielbetriebsgesellschaft mit dem Namen „EC Hannover Indians Eishockey-Spielbetriebs GmbH“ durchgeführt. Die Nachwuchs- und die Frauenmannschaft sind im 2006 umbenannten EC Hannover Indians e. V. organisiert. Die Amateurmannschaften wurden 2009 in den Verein EC Pferdeturmtowers ausgelagert. 2009 gelang den Hannover Indians nach einer 3:0-Finalserie gegen die Roten Teufel Bad Nauheim die sportliche Qualifikation für die 2. Eishockey-Bundesliga. 2013 stiegen sie nach Insolvenz wieder in die Eishockey-Oberliga ab.

ESC Wedemark / Hannover Scorpions mini|Logo des ESC Wedemark 1975

Der Ursprung der Hannover Scorpions liegt in der Gemeinde Wedemark in dessen Ortsteil Mellendorf. 1973 wurde hier neben dem Freibad eine Kunsteisbahn errichtet, welche jedoch zunächst nicht den Maßen einer Eishockeyfläche entsprach. Dennoch wurde 1975 der Eissport Club (ESC) Wedemark gegründet und bot neben Eishockey auch Eisstockschießen, Eiskunstlauf und Eistanz an. Ein Jahr darauf wurde die Fläche dann dem internationalen Maßstab für eine Eishockeyspielfelder angepasst, so dass erstmal auf ihr Punktspiele ausgetragen werden konnten. In der Saison 1977/78 nahm erstmals eine Herrenmannschaft am Spielbetrieb der damals vierthöchsten Liga, der Regionalliga Nord, teil und gewann gleich in ihrer ersten Spielzeit die Meisterschaft. Jedoch blieb dieser Erfolg in den darauf folgenden Jahren nicht wiederholbar und man konnte nur mittlere und untere Plätze belegen. In der Saison 1990/91 konnte, durch den Einstieg des Geldgebers und späteren Besitzers Jochen Haselbacher in die Vereinsführung, der erstmalige Aufstieg der Vereinsgeschichte in die Oberliga erreicht werden.

Bereits in der ersten Oberliga Saison konnte man sich mit dem fünften Platz den Klassenhalt sichern und in der folgenden Spielzeit verpasste man nur knapp den Aufstieg in die 2. Bundesliga. 1994 gelang dann schließlich mit dem kanadischen Duo und späteren Vereinsidolen Joe West und Len Soccio der Aufstieg in die, als Unterbau der neu gegründeten DEL, zweigleisigen 1.Liga. Der Verein wurde daraufhin in ESC Wedemark Wildcats umbenannt und erreichte überraschend als Aufsteiger mit Platz vier die Aufstiegsrunde, wo man jedoch am Heilbronner EC scheiterte. Die Meisterschaft gelang dann nur ein Jahr später in der Saison 1995/96, wo man sowohl die Vor- auch als Meisterschaftsrunde mit dem ersten Platz beenden konnte.

Aufgrund des Verzichts des finanziell angeschlagenen EC Hannover auf seine DEL-Lizenz, konnte die ESC Wedemark Wildcats als Meister der 1. Liga den Platz in der ansonsten als geschlossene Liga ausgespielten DEL einnehmen. Die Mannschaft wurde aus dem Verein in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung ausgelagert und in ihrer ersten DEL-Saison in Wedemark Scorpions umbenannt. Ein Jahr später änderte die Mannschaft ihren Namen in Hannover Scorpions aufgrund der Nähe zur Landeshauptstadt. Es gelang den Hannover Scorpions, u. a. auch durch die vielen Verpflichtungen ehemaliger NHL-Spieler, sich in der höchsten deutschen Spielklasse zu etablieren.