Der Italienfeldzug () war die alliierte Invasion Italiens gegen die Verteidigung durch die Achsenmächte während des Zweiten Weltkriegs. Er begann mit der Invasion Siziliens im Juli 1943 und dauerte bis zum Kriegsende in Europa 1945 mit der Kapitulation der Wehrmachtsverbände in Italien. Geleitet wurde er vom Allied Force Headquarters, das für alle Operationen im Kriegsschauplatz Mittelmeerraum zuständig war. Schätzungen zufolge starben zwischen September 1943 und Mai 1945 über 60.000 alliierte und 50.000 deutsche Soldaten in Italien.Gregory Blaxland: Alexander's Generals: The Italian Campaign, 1944–45. W. Kimber, London 1979. S. 11, ISBN 0-7183-0386-5. Mit ca. 320.000 alliierten und über 330.000 deutschen Gesamtverlusten, also die Zahlen inklusive der Verwundeten und Vermissten, war Italien einer der verlustreichsten Kriegsschauplätze in Westeuropa.
Hintergrund Kriegsende in Nordafrika
Der Afrikafeldzug (1940–1943) war nach einer schweren Niederlage der Achsenmächte in der Zweiten Schlacht von El Alamein (Oktober/November 1942), nach der amerikanischen und britischen Landung in Französisch-Nordwestafrika im Zuge der Operation Torch (November 1942) sowie nach dem finalen Sieg der Alliierten im Tunesienfeldzug (November 1942 – Mai 1943) zu Ende gegangen. Die finale Kapitulation der deutsch-italienischen Heeresgruppe Afrika erfolgte mit der Kapitulation der italienischen 1. Armee nördlich von Tunis am 13. Mai 1943. Für die Achsenmächte bedeutete das Kriegsende in Nordafrika den Verlust von mindestens 267.000 Soldaten, die in Tunesien in Kriegsgefangenschaft gerieten. Da das Achsenbündnis bereits im Januar/Februar 1943 in der Schlacht von Stalingrad eine schwere Niederlage erlitten hatte, wurde die Niederlage im nördlichen Tunesien auch als ‚Tunisgrad‘ bekannt.
Alliierte Konferenzen
Noch vor dem siegreichen Abschluss des Tunesienfeldzugs im Mai 1943 war es, insbesondere auf der Casablanca-Konferenz im Januar 1943, unter den Westalliierten der Anti-Hitler-Koalition zu Meinungsverschiedenheiten über die zu verfolgende Strategie gegenüber den Achsenmächten gekommen. Der britische Premierminister Winston Churchill favorisierte eine Fortsetzung der Feldzüge im Mittelmeerraum, während die US-Delegation eine Beschleunigung der Vorbereitungen auf einen Kampfeinsatz in Westeuropa favorisierte. Die von den Amerikanern befürwortete Zweite Front war auch eine zentrale Forderung des sowjetischen Generalsekretärs Josef Stalin, der jedoch vor dem Hintergrund der zu diesem Zeitpunkt herrschenden Schlacht von Stalingrad nicht an der Casablanca-Konferenz teilnahm. Die britische Delegation setzte sich letztlich in Casablanca durch und erwirkten einerseits die Vertagung der Invasion Westeuropas („Operation Overlord“) ins Jahr 1944 sowie andererseits den Beschluss zu einer Invasion der zum faschistischen Italien gehörigen Mittelmeerinsel Sizilien („Operation Husky“) für Mitte 1943. Die beiden Delegationen einigten sich darauf, den Oberbefehl für die Operation dem US-Amerikaner Dwight D. Eisenhower zu übertragen, aber als unterstellte Befehlshaber der Land-, See- und Luftoperationen britische Generäle (Alexander, Cunningham, Tedder) zu verwenden.
Letztendlich einigten sich die politischen Führungen beider Länder auf der Trident-Konferenz in Washington im Mai 1943 auf eine Invasion Nordfrankreichs zu Beginn des Jahres 1944 und begrenzte Operationen gegen das italienische Mutterland im Jahr 1943. Das alliierte Ziel war hierbei, das geschwächte Italien mit minimalen Einsatz aus dem Krieg heraus zu drängen und zu einem Friedensschluss zu zwingen. Ein Ausscheiden Italiens aus dem Krieg würde den alliierten Marinestreitkräften, hauptsächlich der Royal Navy, die Vorherrschaft über das Mittelmeer bringen und ihre Verbindungslinien nach Indien und dem Fernen Osten vom Druck durch die Achsenmächte befreien. Außerdem würden die Achsenmächte gezwungen sein, Truppen von der Ostfront abzuziehen, um Italien und Südfrankreich zu verteidigen.
Alliierte Täuschungsoperationen
Für die deutsche Seite war das Ziel der nächsten alliierten Operation nur sehr schwer vorauszusagen. Neben einer Invasion Siziliens wurde verschiedentlich auch mit amphibischen Landungen in Spanien, Griechenland oder Sardinien gerechnet. Hierzu hatten auch zwei erfolgreiche Täuschungsmanöver der Briten beigetragen: die Operation Mincemeat (ab 30. April 1943), bei der mittels einer als Offizier verkleideten Leiche vermeintlich wichtige Dokumente den Deutschen zugespielt wurden, und die Operation Barclay, bei der das Vorhandensein einer alliierten Armee im östlichen Mittelmeerraum vorgetäuscht wurde. Daraufhin wurden umfangreiche Truppenverschiebungen vom deutschen Oberkommando durchgeführt, die letztlich zum Erfolg der alliierten Landung auf Sizilien beitrugen.
Lage in Italien und Vorbereitungen der Achsenmächte Italien war nach dem Debakel in Tunesien vom Mai 1943 zu einem unsicheren Verbündeten für Deutschland geworden. In weiten Teilen der Bevölkerung, aber auch in höheren Kreisen des Militärs und der Politik bildete sich eine Oppositionshaltung gegen eine Fortsetzung des Krieges an der Seite Deutschlands heraus. Im März 1943 kam es zu Massendemonstrationen in Norditalien.
Zur schlechten Moral der italienischen Bevölkerung trugen auch alliierte Luftangriffe auf italienische Städte bei, die nach der Casablanca-Konferenz (Januar 1943) noch einmal intensiviert wurden. Nach der Landung in Süditalien (September 1943) setzten die Alliierten die Luftangriffe auf Norditalien bis ins Jahr 1945 fort.
Die deutsche Führung versuchte im Frühjahr 1943, die italienische Führung auf einen kommenden Krieg in Südeuropa einzuschwören und vorzubereiten sowie den wahrscheinlichsten Ort der alliierten Invasion zu eruieren. Zu diesem Zweck hielt sich u. a. der deutsche Marineoberbefehlshaber Karl Dönitz im Mai 1943 in Rom auf. Der italienische Diktator Benito Mussolini gab sich gegenüber Dönitz zuversichtlich, trotz der Niederlage in Nordafrika sowohl sein Heimatland als auch seine innenpolitische Stellung verteidigen zu können. Er bat zwar um deutsche Luftunterstützung, reduzierte aber freiwillig die deutscherseits angebotenen fünf Heeresdivisionen auf drei, die nach Italien verlegt werden sollten. Der deutsche Militärattaché in Rom (zeitgleich „Deutscher General beim Hauptquartier der Italienischen Wehrmacht“) Enno von Rintelen erhielt zunächst den Auftrag, aus dem nicht mehr rechtzeitig nach Nordafrika verlegten Personal drei Divisionen aufzustellen, konnte aber nur zwei zusammensetzen: Aus der Division Sardinien wurde am 6. Juli die 90. Panzergrenadier-Division, aus der Division Sizilien am 15. Juli die 15. Panzergrenadier-Division. Darüber hinaus bat Rintelen um die Überstellung neuer Verbände von der Heeresgruppe D, der deutschen Besatzungstruppe in Frankreich. Noch vor der alliierten Invasion am 10. Juli wurden die um ein zusätzlich Grenadierregiment verstärkte Panzerdivision Hermann Göring sowie das Festungsbataillon 903 und die Flak-Brigade 22 nach Sizilien verlegt, wo die 15. Panzergrenadier-Division ebenfalls Stellung bezog.
Am 23. Juni wurde der deutsche Stab des Oberbefehlshabers Süd der Luftwaffe Albert Kesselring mit neuen Kompetenzen ausgestattet und zum Oberbefehlshaber aller Verbände des Heeres, der SS und des Bodenpersonals der Luftwaffe in Italien, zuzüglich zum Deutschen Marinekommando Italien, den fliegenden Verbänden der Luftflotte 2 (Wolfram von Richthofen) und dem Verbindungsgeneral zur italienischen Luftwaffe (Maximilian von Pohl). Darüber hinaus musste sich auch Attaché Rintelen mit Einschränkungen an Kesselrings Anweisungen halten.
Verlauf
Invasion der kleinen Mittelmeerinseln
mini|Zerstöre italienische Flugzeuge auf Pantelleria, Juni 1943 Nur wenige Tage nach der Kapitulation der Achsentruppen bei Tunis begannen die Alliierten am 8. Mai 1943 mit zweiwöchigen Bombardierungen aus der Luft auf die festungsartig ausgebaute italienische Insel Pantelleria. Die alliierten Luftstreitkräfte erprobten über Pantelleria Flächenangriffe, die die italienische Garnison und die Zivilbevölkerung gleichsam zur Aufgabe bringen sollten. Am 11. Juni folgte eine Landungsoperation (Operation Corkscrew). Ziel des Unternehmens war es, die Insel möglichst kampflos zu besetzen. Für die Alliierten war es wichtig, einen nahe an Sizilien gelegenen Stützpunkt für die eigenen Luftstreitkräfte zu gewinnen.
Zwischen dem 11. und 14. Juni 1943 nahmen die Alliierten die Mittelmeerinseln Pantelleria, Lampedusa, Lampione und Linosa ein.
Am 9. Juli erfasste die Luftaufklärung der Achsenmächte gegen 16:30 Uhr die westalliierte Landungsflotte, die sich für die Invasion am Folgetag bereitmachte.
Invasion von Sizilien
mini|Verlauf des Kampfes um Sizilien Die britisch-amerikanisch-kanadische Invasion Siziliens begann am 10. Juli 1943 mit amphibischen und Luftlandungen im Golf von Gela durch die 7. US-Armee (George S. Patton) und südlich von Syrakus durch die britische 8. Armee (Bernard Montgomery), die gemeinsam zur 15. Heeresgruppe unter Harold Alexander gehörten. Alexander war der Befehlshaber der alliierten Landstreitkräfte, während Andrew Cunningham die See- und Arthur Tedder die Luftoperationen kommandierte. Diese drei britischen Offiziere standen unter der Aufsicht des Oberbefehlshabers der Gesamtoperation, des US-amerikanischen General Dwight D. Eisenhower. Insgesamt verfügte die Invasionsstreitmacht für Sizilien über mindestens 2590 Schiffe und Boote (darunter sechs Schlachtschiffe) sowie 3462 Kampfflugzeuge. Im Zuge der ersten Landungswellen gingen 1800 Artilleriegeschütze, 600 Panzer, 14.000 Militärfahrzeuge und 181.000 Soldaten an Land. mini|Deutsche Flak-Besatzung auf Sizilien, 1943 Verteidigt wurde die Insel von der italienischen 6. Armee unter Alfredo Guzzoni, welches aus zwei Armeekorps bestand. Dem XII. Armeekorps unterstanden die Infanteriedivisionen „Aosta“ und „Assietta“ sowie die Küstendivisionen 202, 207 und 208 sowie das 136. Infanterieregiment, während das XVI. Armeekorps über die Infanteriedivision „Napoli“, die Küstendivisionen 206 und 213 sowie die Küstenbrigaden 18 und 19 verfügte. Guzzoni hatte darüber hinaus die Infanteriedivision „Livorno“ als Armeereserve. Zu dieser italienischen Garnison kamen die deutschen Truppen der verstärkten Panzerdivision Hermann Göring und der 15. Panzergrenadier-Division, denen kurz nach Beginn der alliierten Invasion die 1. Fallschirmjäger-Division (ab 12. Juli) sowie die 29. Panzergrenadier-Division (ab 15. Juli) hinzugefügt wurden. Zum Zeitpunkt der Invasion am 10. Juli wurde Sizilien etwa von 175.000 italienischen und 28.000 deutschen Soldaten verteidigt, zu denen noch einmal 57.000 Mann Versorgungstruppen kamen. Diese Gesamtstärke stieg im Verlauf der Kämpfe um Sizilien auf 191.391 italienische und etwa 62.500 deutsche Truppen sowie 65.000 Mann der Versorgungseinheiten (davon ca. 60.000 Italiener und 5000 Deutsche). Die italienischen und deutschen Luftstreitkräfte verfügten über 930 bzw. 932 Kampfflugzeuge, von denen zum Invasionstag 449 bzw. 563 als einsatzbereit galten. mini|Britischer Soldat mit erbeuteter schwerer Panzerbüchse 41, Sizilien 1943