mini|RAW Salbke, Kessel- und Maschinenanlage Das Reichsbahnausbesserungswerk Salbke war ein Ausbesserungswerk der Deutschen Reichsbahn im Magdeburger Stadtteil Salbke. Teile der Anlage stehen unter Denkmalschutz. Derzeit (Stand 2026) wird das Gelände in ein Wohnquartier umgebaut.

Das Gelände befindet sich an der Adresse Alt Salbke 11-13 östlich der Bahnstrecke Magdeburg–Leipzig.

Geschichte Gründung im Kaiserreich mini|links|Belegschaft 1899 Das Werk entstand als Königliche Eisenbahnhauptwerkstatt Salbke ab 1892 in der Gemarkung des damals noch selbstständigen Dorfes Salbke. Es sollte der Entlastung der bereits 1887 weiter nördlich in Buckau gegründeten Hauptwerkstatt dienen. Die preußische Eisenbahnverwaltung hatte dafür östlich der Eisenbahnstrecke Magdeburg-Leipzig und westlich der damaligen Dorfstraße 33 Hektar bis dahin als Ackerland genutzte Flächen erworben. Der Beginn des Baus erfolgte 1893. Das Werk war großzügig und modern angelegt und nahm am 1. Oktober 1895 seinen Betrieb auf. Die Einweihungsfeier erfolgte am 1. Februar 1896 im Turmpark. Zunächst waren 100 Arbeiter und Beamte beschäftigt, die von den Hauptwerkstätten Magdeburg-Buckau, Stendal, Wittenberge und Potsdam nach Salbke versetzt worden waren. Die Planungen waren durch Behrendt von der Eisenbahnverwaltung und Gerhard Schürmann erfolgt. 1898/1899 wurde das Werk aufgrund der ständig steigenden Zahl der zu wartenden Fahrzeuge ein erstes Mal erweitert. Das Werk beschäftigte 400 Mitarbeiter. Der für das Werk benötigte elektrische Strom wurde zunächst in der Kesselanlage selbst erzeugt, wobei man auf 220 Volt Gleichstrom zurückgriff. Es wurde eine so starke Batterie gespeist, dass in den ersten Jahren vor- und nachmittags die Stromerzeugung eingestellt wurde. Über die Anlage erfolgte auch die Beleuchtung der Bahnhöfe Magdeburg Südost und Magdeburg-Buckau. Die Eigenerzeugung wurde nach Anschluss an das städtische Stromnetz dann jedoch eingestellt. mini|Betriebsfeuerwehr in ihrer Anfangszeit Die Freiwillige Feuerwehr des Werks wurde am 15. März 1904 gegründet. Das Feuerwehrhaus der nur in geringem Umfang ausgerüsteten Feuerwehr war ein Schuppen im Bereich der späteren Sanitätsstelle. Eine zunächst vorhandene für die Bedienung durch acht Personen vorgesehene Handkolbenpumpe wurde 1920 durch eine Motorspritze ersetzt. Auch ein Fahrzeug wurde angeschafft.

1910 wurde im südlichen Teil des Werksgeländes eine Weichenwerkstatt errichtet. Die Inneneinrichtung stammte aus der Buckauer Hauptwerkstatt, auch 40 Mitarbeiter wurden von dort nach Salbke versetzt. 1912 arbeiteten hier bereits 800 Menschen. Am südlichen Ende des Werksgeländes entstanden mehrere Villen. 1913 und 1932 bis 1935 erfolgten Erweiterungen. mini|links|Gestängestellwerk, 2011 Im Zusammenhang mit dem Werk entstand östlich des Geländes der Salbker Wasserturm sowie die Siedlung Freundschaftsweg. Die in der Nähe des Haupteingangs befindliche ehemalige Gaststätte Turmpark diente zeitweise als Kantine. Auch die weiter westlich gelegene Siedlung Lüttgen-Salbke war zunächst als Eisenbahnerwohnsiedlung konzipiert. Als weiteres zum Werk gehörendes technisches Denkmal galt ein in der Zeit um 1900 errichtetes, in einem in Ziegelfachwerkbauweise gebautes Gebäude untergebrachtes handbetriebenes Gestängestellwerk.

Vor dem Ersten Weltkrieg hatte das Werk bereits mehr als 1000 Mitarbeiter. Es wurden neben Güterwagen und Spezialgüterwagen auch Personenwagen gewartet. Ab 1904 wurden auch Lehrlinge ausgebildet. Von zunächst 6 Lehrlingen stieg die Anzahl bis 1918 auf 30 Lehrlinge an. Kriegsbedingt wurden während des Ersten Weltkriegs auch rüstungsbezogene Aufgaben übernommen. So wurden Wagen für Militärtransporte eingerichtet. Es wurde eine Plannäherei aufgebaut sowie die Fertigung von Lichtpatronen aufgenommen. Zur Unterstützung der Buckauer Werkstatt wurden während des Krieges auch Lokomotivtender bearbeitet. Viele Arbeiten wurden von Frauen übernommen, die an die Stelle von zum Kriegsdienst eingezogenen Männern traten.

Betrieb in der Zeit der Weimarer Republik

Im Zuge der Demobilisierung des Heeres nach dem Ersten Weltkrieg stieg die Zahl der Beschäftigten im Werk deutlich an. Waren 1918 noch 1118 Arbeiter beschäftigt, war die Zahl bis Januar 1920 auf 1884 gestiegen. Zugleich ging jedoch die Produktion deutlich zurück. Nach 513 wöchentlich reparierten Waggons im Jahr 1918 wurde im Januar 1920 nur noch ein Ergebnis von 383 Wagen erreicht.Zur Schließung der Eisenbahnwerkstatt Salbke In: Volksstimme. 31. Januar 1920. Am Montag, dem 26. Januar 1920 wurde das Werk überraschend neben zwölf weiteren Eisenbahnwerkstätten in Deutschland, die als besonders unwirtschaftlich galten, vorübergehend geschlossen. Ziel war die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit unter anderem durch Einführung von Akkordarbeit. Die Arbeiter des Werks versammelten sich am Montag Morgen im Lokal Stiller in Fermersleben.Schließung der Eisenbahnwerkstatt Salbke In: Volksstimme. 27. Januar 1920. Eine weitere Versammlung erfolgte am Vormittag des 30. Januar im Buckauer Admiralspalast. Nach erregter Debatte erklärte sich die alte Belegschaft letztlich jedoch fast vollständig zur Wiederaufnahme der Arbeit unter Akzeptanz der veränderten Arbeitsbedingungen bereit.Zur Schließung der Eisenbahnwerkstatt Salbke In: Volksstimme. 31. Januar 1920. Die Wiederinbetriebnahme des Werks erfolgte dann, mit einer um etwa 600 Personen verminderten Belegschaftszahl am Dienstag, den 3. Februar 1920.Die Wiedereröffnung der Eisenbahnwerkstätte Salbke In: Volksstimme. 3. Februar 1920.

1924 wurde die Einrichtung der Weichenwerkstatt mit dem Oberbaulager an das RAW Brandenburg-West abgegeben. Inhaltlich richtete sich das Werk verstärkt auf die Reparatur von Güterwagen und hier vor allem zweiachsige, gedeckte Wagen aus. Während zunächst vor allem bei Bedarf Reparaturen erfolgt waren, trat im Laufe der Zeit die regelmäßige Wartung in den Vordergrund. Die Zahl der Lehrlinge war auf 70 angestiegen, die von einem Meister und sechs Ausbildern im Obergeschoss des auch später noch als Lehrwerkstatt genutzten Gebäudes ausgebildet worden. Die Ausbildung erfolgte zahlenmäßig über den eigenen Bedarf des Werkes hinaus.

Mit der Auflösung der Reichsbahndirektion Magdeburg und der Schließung des Ausbesserungswerkes in Buckau bestanden Befürchtungen, dass auch das Werk in Salbke geschlossen werden würde. Oberbürgermeister Ernst Reuter wandte sich 1931 mit einem Schreiben an Generaldirektor Julius Dorpmüller und verlangte die Fortführung des Werks.Magdeburgs Forderungen an die Reichsbahn. In: Volksstimme. 10. Juli 1931. Das Werk wurde auch tatsächlich fortgeführt. Am 27. Juli 1931 kam es in der Holzwerkstatt des Werks zu einem Großfeuer. Die Alarmierung der Feuerwehr erfolgte um 18.20 Uhr. Neben der Werkfeuerwehr wurden sämtliche Feuerwehren Magdeburgs alarmiert. Die auch ein Sägewerk umfassende Werkstatt war in einem 100 Meter langen und 30 Meter breiten Schuppen untergebracht und brannte weitgehend nieder. Ein Übergreifen auf andere Gebäude konnte verhindert werden. Die Löscharbeiten wurden durch einen während des Einsatzes einsetzenden Regen begünstigt. Die Hauptstraße Alt-Salbke musste gesperrt werden. Gegen 21.00 Uhr wurde der Löscheinsatz beendet.Großfeuer in den Eisenbahnwerkstätte Salbke In: Volksstimme. 29. Juli 1931.

Zu einem tödlichen Arbeitsunfall kam es im Oktober 1931, als ein Arbeiter beim Überqueren eines Gleises von einer Maschine erfasst wurde und später an den Folgen eines Schädelbruchs verstarb.Tödlicher Arbeitsunfall In: Volksstimme. 28. Oktober 1931.

Im Werk bestand ein eigener Männergesangsverein, der auch öffentliche Konzerte gab.Platzkonzert im Südost In: Volksstimme. 9. September 1931.

Zeit des Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg In der Zeit des Nationalsozialismus wurden auch im Ausbesserungswerk Salbke Betriebsappelle eingeführt. Ab 1935 wurde mit dem Bau einer Zentralschmiede und einer Zentraldreherei begonnen, die 1938 fertiggestellt wurden. Hier entstanden auch für die Instandsetzung von Wagen benötigten Ersatzteile. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden wiederum viele Frauen an Stelle der zum Kriegsdienst eingezogenen Männer eingesetzt. Die Arbeitszeit betrug 10 Stunden täglich. Es kam dann auch zum Einsatz von Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen. So war ein Arbeitslager an der heutigen Adresse Alt Salbke 117 eingerichtet. In diesem zwischen Eisenbahn-Privatweg, dem heutigen Freundschaftsweg und Unterhorstweg gelegenen Lager waren Italiener und Franzosen untergebracht. Weitere Unterkünfte für deutsche Pflichtarbeiter und ausländische Arbeiter bestanden in der Lothringer Straße 1-7, der heutigen Ferdinand-Schrey-Straße.Peter-Ernst Schmidt: Fremd-, Zwangs-, KZ-, Kriegsgefangenen- und Arbeitserziehungslager während der NS-Zeit in Magdeburg. März 2007.

Zum Betrieb der Schweißtechnik wurde 1942 eine Hochdruck-Azetylen-Anlage gebaut, die stündlich 40 m³ Azetylengas erzeugen konnte. Das Gas wurde mittels einer Werkringleitung und einem Druck von 0,9 bar im Betrieb verteilt. 1952 entstand eine weitere Anlage mit gleicher Leistung.

Ab 1937 plante die Deutsche Reichsbahn eine von drei neuen Zentralschmieden bis 1942 im Salbker Werk einzurichten. Es entstand daher eine 117,5 mal 24 m große Schmiedehalle. Daneben wurde in einer seitlich offenen niedrigen Halle die Zentraldreherei untergebracht. Südlich der Schmiedehalle entstanden Neubauten für den Gesenkbau und die Werkstoffablängewerkstatt. Dahinter befand sich das Eisenlager der Zentralschmiede. Die Federschmiede befand sich an den Gleisen 23/25 der Wagenrichthalle. Zunächst wurden in der Zentralschmiede vor allem Ersatzteile für Dampflokomotiven gefertigt.

Die Lehrlingsausbildung wurde noch weiter ausgebaut und umfasste dann 100 Ausbildungsplätze. Dafür wurden auch die anderen Bereiche des bis dahin als Eisenlager genutzten Gebäudes zur Ausbildungsstätte umgebaut. Neben Lehrwerkstätten für Metall- und Holzbearbeitung wurde auch ein Waschraum eingerichtet. Ausbildungsberufe waren Schlosser, Tischler bzw. Stellmacher. Die theoretische Ausbildung erfolgte in einer Werkschule, die sich in einem Gebäude am Salbker Wasserturm befand. 1937 bauten die Lehrlinge im Rahmen ihrer Ausbildung das Segelflugzeug Zögling.

Im Jahr 1944 umfasste das Schienennetz des Werks insgesamt 55 Gleise mit einer Gesamtlänge von 35 Kilometern.