Die Schottische Faltohrkatze (Scottish Fold) ist eine Kurzhaarkatze, deren Hauptmerkmal nach vorne gefaltete Ohren sind. Dieses Merkmal ist das Ergebnis einer stabilen und vererbbaren Mutation. Die Katzenrasse Scottish Fold entstand durch züchterische Bemühungen ab Anfang der 1960er-Jahre in Großbritannien. Sie wird heute aufgrund der unterschiedlichen Anerkennung durch Zuchtverbände weltweit hauptsächlich in den Vereinigten Staaten gezüchtet. Die Zucht von Faltohrkatzen ist in Deutschland mittlerweile verboten, da die Tiere als Qualzucht gelten.

Geschichte Katzen mit der genetischen Anomalie „Faltohren“ wurden bereits im 19. Jahrhundert in China und zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch in England beschrieben.Candida Frith-Macdonald: Die Katze. 2007, S. 346. Die Geschichte der Scottish Fold als Katzenrasse begann 1963 mit dem Wurf von fünf faltohrigen Kätzchen aus einer Verpaarung eines faltohrigen Katers und einer Britisch-Kurzhaar-Katze.

Erscheinungsformen mini|Highland Fold Es gibt neben der kurzhaarigen Scottish Fold noch die halblanghaarige Variante, die Highland Fold oder Coupari genannt wird. Da die Rasse mit Britisch Kurzhaar (BKH) und Britisch Langhaar-Katzen (Highlander) verpaart wird, sind alle Farben erlaubt, die auch bei den Briten anerkannt sind. In den Würfen fallen zirka 50 % faltohrige Kätzchen und 50 % Kätzchen mit stehenden Ohren. Diese werden dann als Scottish Straight bezeichnet und dürfen zur Zucht mit Scottish Fold eingesetzt werden. Im Aussehen gleichen die Scottish Straight den BKH, oft sind die stehenden Ohren jedoch etwas größer.

Beschreibung Die typischen nach vorn und unten gefalteten Ohren der Scottish Fold Katze sind erblich bedingt. Die Kätzchen werden mit normalen Ohren geboren, die nach vier Wochen aber nicht mehr in die Höhe, sondern abgeknickt nach vorne wachsen. Zusammen mit dem runden Kopf und den runden Augen gibt dieses der Katze ihren besonderen Gesichtsausdruck. Der Körper ist gedrungen mit stämmigen Beinen und einem dicken Schwanz.

Die gefalteten Ohren werden als eine unvollständige Dominante (Symbol Fd) vererbt. Diese Katze ist gewöhnlich heterozygot (Fdfd); die homozygote Katze (FdFd) trägt mit hoher Wahrscheinlichkeit einen genetischen Defekt in der Entwicklung der Epiphysenfuge, der Wachstumszone der Knochen. Dies führt zu Gelenksdeformationen und daraus resultierend zu schmerzhaften Bewegungsstörungen. Bei den heterozygoten Scottish-Fold-Katzen gibt es diese Probleme ebenso wie bei homozygoten Scottish-Fold-Katzen.

Entstehung der Rasse Ausgehend von dem ersten Wurf mit faltohrigen Kätzchen begann die Zuchtarbeit der Scottish Fold. Das Governing Council of the Cat Fancy (GCCF) erkannte Scottish Fold 1966 als neue Rasse an, schloss das Zuchtbuch allerdings 1971 vorläufig, da unklar war, inwieweit das Merkmal der Faltohren gesundheitliche Probleme wie Milbenbefall oder Hörprobleme begünstigt. Daraufhin verlagerte sich die Zucht der Scottish Fold in die USA. Dort wurde 1974 die Anerkennung bei der Cat Fanciers’ Association (CFA) beantragt, die 1978 erteilt wurde. Auch die TICA erkennt die Rasse an, nicht aber vorwiegend europäische Zuchtverbände wie die Fédération Internationale Féline (FIFe) oder GCCF. Heute sind die Scottish Folds vor allem in den USA beliebt, werden jedoch auch in Europa (Deutschland), Russland und Australien gezüchtet.

Probleme bei der Zucht Schottischer Faltohrkatzen (SF) Nach dem Auftauchen der natürlichen Mutation der Faltohren wurden bald kritische Stimmen laut, die ein Verbot der Zucht forderten, denn die gefalteten Ohren würden zu Ohrmilbenbefall und Taubheit führen.Ortrun Wagner: Scottish-Fold-Katzen sowie Scottish-Fold-Langhaar, Scottish-Straight und Scottish-Straight-Langhaar. Kauf – Haltung – Pflege. Parey, Hamburg u. a. 1991, ISBN 3-490-43412-9. Die GCCF strich die Katze aus dem Zuchtbuch, sodass die Zucht ab 1973 in England verboten war, obwohl Taubheit in den meisten Fällen etwas mit der Fellfarbe zu tun hat (in der Tat waren die ersten SF-Katzen reinweiß) und der Ohrmilbenbefall eine Frage des Pflegezustandes ist. Paradoxerweise ist die Weiterzucht einem echten Problem zu verdanken. Eine Züchterin bemerkte bei einigen Jungtieren Skelettveränderungen (verkürzte Schwanzwirbel, verdickte Knochen). Ein Kätzchen bekam der Genetiker O. Jackson zur Untersuchung, der mit der betreffenden Katze züchtete und Inzuchtversuche betrieb. Diese moralisch und wissenschaftlich fragwürdigen Versuche wurden 1975 in einer StudieO. F. Jackson: Congenital bone lesions in cats with folded ears. In: The Bulletin of the Feline Advisory Bureau. Bd. 14, 1975, , S. 2–4. veröffentlicht, die auch heute noch unkritisch zitiert wird.Masamine Takanosu, T. Takanosu, Hiroetsu Suzuki, Katsushi Suzuki: Incomplete dominant osteochondrodysplasia in heterozygous Scottish Fold cats. In: Journal of Small Animal Practice. Bd. 49, Nr. 4, 2008, , S. 197–199, doi:10.1111/j.1748-5827.2008.00561.x.R. Malik, G. S. Allan, C. R. Howlett, D. E. Thompson, G. James, C. McWhirter, K. Kendall: Osteochondrodysplasia in Scottish Fold cats. In: Australian Veterinary Journal. Bd. 77, Nr. 2, 1999, , S. 85–92, doi:10.1111/j.1751-0813.1999.tb11672.x.Madeleine Hubler, Mathias Volkert, Barbara Kaser-Hotz, Susi Arnold: Palliative irradiation of Scottish Fold osteochondrodysplasia. In: Veterinary Radiology & Ultrasound. Bd. 45, Nr. 6, 2004, , S. 582–585, doi:10.1111/j.1740-8261.2004.04101.x. Jackson fand heraus, dass sich das Fd-Gen autosomal-dominant vererbt. Er empfahl die Zucht von Faltohr- mit Geradohr-Katzen.

1974 wurde in den USA die International Scottish Fold Association ISFA gegründet, die die Zucht der SF koordiniert, die Anerkennung der SF durch die Cat Fanciers Association erfolgte wenig später.

Nachdem bekannt geworden war, dass homozygote (Fd/Fd-) Katzen besonders von Skelettabnormalitäten betroffen waren,Neil B. Todd: Folded-ear cats: further observations. In: Carnivore Genetics Newsletter. Bd. 2, Nr. 3, 1972, , S. 64–65. beschloss man, durch regelmäßige Fremdeinkreuzungen die Gesundheit der SF zu stabilisieren. Heute werden besonders Britisch-Kurzhaar-Katzen zur Zucht mit Faltohrkatzen genommen, die Verpaarung von Faltohrkatzen untereinander wird unterlassen. In „Robinsons Genetics for Cat Breeders“ wird beschrieben, dass die Knochendefekte durch selektive Züchtung bei SFs stark zurückgegangen seien.Carolyn M. Vella, Lorraine M. Shelton, John J. McHonagle, Terry W. Stanglein: Robinson’s Genetics for Cat Breeders & Veterinarians. 4. Auflage. Butterworth-Heinemann, Oxford 1999, ISBN 0-7506-4069-3. Schon allein diese Formulierung aus dem Jahr 1999 zeigt jedoch, dass es bei der Zucht von Faltohrkatzen immer schon massive gesundheitliche Probleme gab, und dass es diese Probleme trotz der selektiven Züchtung immer noch gibt – ein Umstand, der auch durch immer mehr Publikationen jüngeren Datums untermauert wird. Diese zeigen, dass die massiven Gelenkprobleme der Osteochondrodysplasie auch bei heterozygoten, also mischerbigen Tieren regelmäßig anzutreffen sind, und lassen den Ruf nach einem Verbot der Züchtung immer lauter werden.

In einer Studie von Rorden et al.Rorden C. et al. Radiographical Survey of Osteochondrodysplasia in Scottish Fold Cats caused by the TRPV4 gene variant. Hum Genet. 2021 Nov;140(11):1525–1534. wurden Radiologen gebeten, Röntgenbilder von Scottish Folds und Straights zu untersuchen. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass sie den OCD-Schweregrad unterscheiden konnten, dieser aber weniger schwer war als in früheren Publikationen beschrieben (“Although each reviewer, on average, gave a numerically worse ‘severity score’ to folded-ear cats relative to straight-ear cats, the images in heterozygous cats showed much milder radiological signs than previously published”). Takanosu beschrieb die heterozygoten Tiere als wenig betroffen (“Symptoms in heterozygous cats are mild and do not impair the quality of life”).Takanosu M, Hattori Y. Osteochondrodysplasia in Scottish Fold cross-breed cats. J Vet Med Sci. 2020 Dec 26;82(12):1769-1772. doi:10.1292/jvms.20-0299.

Aydin überprüft in seiner Arbeit unterschiedliche Therapieansätze für die Behandlung der Osteochondrodysplasie von 11 Scottish-Fold-Katzen und bestätigt, dass auch heterozygote Tiere erkranken, wenn auch später und mit leichteren Symptomen als homozygote Tiere. Gleichzeitig hält er fest, dass die Erkrankung weder chirurgisch noch durch konservative medikamentöse Maßnahmen geheilt werden kann. Somit bedeutet jede Form von Therapie für die Katze lediglich eine temporäre Verbesserung der Lebensqualität.

Takanosu erkannte in Japan anhand von Stammbaumanalysen und Kreuzungsversuchen, dass alle von ihm beurteilten Katzen mit Scottish-Fold-Bezug und Faltohren, auch die heterozygoten, an unterschiedlichen Schweregraden von Osteochondrodysplasie erkrankten. Auch in dieser Studie erkrankten homozygote Tiere früher und stärker, heterozygote später und leichter. Hubler beschreibt eine palliative Behandlung mittels Strahlentherapie bei einer dreijährigen SF-Katze mit Osteochondrodysplasie, die nach der Behandlung wieder weitgehend beschwerdefrei war. ChangJinhwa Chang, Joohyun Jung, Sunkyoung Oh, Sungok Lee, Gyeongmin Kim, Haksang Kim, Ohkyeong Kweon, Junghee Yoon, Mincheol Choi: Osteochondrodysplasia in three Scottish Fold cats. In: Journal of Veterinary Science. Bd. 8, Nr. 3, 2007, , S. 307–309, doi:10.4142/jvs.2007.8.3.307. beschreibt drei Fälle in Südkorea und empfiehlt chondroprotective Substanzen wie Glucosamin und Chondroitin-Sulfat gegen Arthritis und Gelenkschmerzen der Tiere. Malik schildert sechs Fälle in einer australischen SF-Cattery, die 14 Monate bis 6 Jahre alt waren und alle Skelettabnormalitäten aufwiesen. Jedoch waren die meisten Tiere hier miteinander verwandt. Zudem ist der Tierbestand in Australien so klein, dass Inzuchtfälle oder unzulässige Verpaarungen eine Rolle spielen dürften. Auf einer Genetikkonferenz 2000 riefen seine Ergebnisse Widerspruch hervor.Margarete Klotz: Literaturstudie zum Thema Qualzucht. 2001 (Deutsch)

Obwohl die GCCF und die Federation International Feline aufgrund der Knochendefekte weiterhin die Registrierung als Rasse verweigern, ist sie dennoch äußerst populär.Danièlle Gunn-Moore, Claire Bessant, Richard Malik: Breed related disorders of cats. In: The Journal of Small Animal Practice. Bd. 49, Nr. 4, 2008, S. 167–168, doi:10.1111/j.1748-5827.2008.00572.x.

Osteochondrodysplasie der Schottischen Faltohrkatze Die Erkrankung ist eine genetisch bedingte Veränderung der Knochen („osteo“) und Knorpel („chondro“), die in dieser Form als Fehlbildung (Dysplasie) auftritt. Die Schädigung des Knorpelgewebes, die an den geknickten Ohren einfach erkennbar ist, betrifft das gesamte Knorpelgewebe des Körpers. Sie führt zu einem schweren, unheilbaren Leidensprozess für die Katze.

Als Symptome weisen erkrankte Katzen schmerzhafte Knochendeformationen auf, die zu einer starken Verdickung der unteren Extremitäten führen können sowie zu einem ebenfalls verdickten, nicht mehr biegsamen, brettartigen Schwanz. Die Tiere werden aufgrund der Schmerzen unwillig, sich zu bewegen oder gar zu springen. Tun sie es doch, fallen Lahmheit, ein eigenartiger steifer Gang und geschwollene Gelenke auf. In besonders schweren Fällen vermeidet die Katze jede Form der Fortbewegung. Auf Berührung reagiert sie oft aggressiv.

Die Diagnose erfolgt radiologisch durch Knochenszintigraphie, MRT und Spiral-CT der betroffenen Körperteile. Mittels Röntgen können erste Veränderungen bei homozygoten Katzen ab dem Alter von 7 Wochen identifiziert werden, bei heterozygoten Katzen ab dem 6. Lebensmonat. Seit 2016 existiert ein Gentest für die sichere Identifizierung von Merkmalsträgern.