mini|Provinzhaus Vorsehungsschwestern Münster 2025
Die Schwestern von der Göttlichen Vorsehung – Deutsche Provinz (allgemein Vorsehungsschwestern genannt) sind ein katholischer Frauenorden. Bereits seit ihrer Gründung erfüllen die Vorsehungsschwestern ihren Auftrag im Dienst und zum Wohl notleidender Menschen. Der Orden wurde 1842 durch den Priester Eduard Michelis (1813–1855) in Münster gegründet.
Geschichte Gründungsgeschichte Die Not der Waisenkinder, die kein Anrecht auf einen Platz im Bürgerwaisenhaus hatten, veranlasste den Priester Eduard Michelis zur Gründung eines Armen-Waisenhauses in Münster. Um die Fürsorge für die Waisenkinder gewährleisten zu können, gründete er zudem die „Genossenschaft der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung“. Eduard Michelis bestimmte den 3. November 1842 für den Einzug in das in St. Mauritz errichtete Waisenhaus und zum Gründungstag der Genossenschaft.Unsere Kongregation, abgerufen am 14. Oktober 2025. Aus diesen Anfängen des Ordens entwickelten sich im Laufe der nachfolgenden Jahre weitere Aufgabengebiete für die Schwestern: der Unterricht an Schulen, die Arbeit in Kindergärten, die Leitung von Koch- und Nähschulen, die Mitwirkung in Lehrerinnen- und Kindergärtnerinnenseminaren sowie die Haushaltsführung in katholischen Einrichtungen.
Ausbreitung der Ordensgemeinschaft Im Jahr 1867, 25 Jahre nach der Gründung, zählte die Ordensgemeinschaft 77 Professschwestern und 12 Novizinnen. Diese sorgten für 200 Waisen- und etwa 1000 Volksschulkinder.
Es bestanden folgende Niederlassungen: Das Armenwaisenhaus St. Mauritz und das Bürgerwaisenhaus in Münster Die Waisenhäuser in Coesfeld, Bremen, Borken und Rheine Die Volksschulen in Papenburg, Wachtendonk, Grefrath, Bremen und Haren Das Pensionat im Mutterhaus in Münster
Außerdem war den Schwestern die Haushaltsführung in folgenden kirchlichen Einrichtungen anvertraut: Collegium Borromaeum und Ludgerianum in Münster Priesterseminar in Münster Knabenkonvikt in Emmerich
Seit 1871 betreuten die Schwestern auch das Priesterhaus in Kevelaer.
Vertreibung und neuer Anfang Als Folge der preußischen Kulturkampfgesetze durften die Schwestern weder den Unterricht in ihren Schulen noch die Haushaltsführung in den kirchlichen Einrichtungen fortsetzen. Am 5. Januar 1876 traf die Verfügung der königlichen Regierung in Münster ein, das Mutterhaus und alle Waisenhäuser der Genossenschaft bis zum 1. April 1876 aufzulösen. Die Mehrzahl der Schwestern zog daraufhin in die Verbannung in die Niederlande, statt Beruf und Gemeinschaft aufzugeben. In der Folge breitete sich der Orden dort weiter aus. Erst durch ein Gesetz vom 29. April 1887 wurde die Rückkehr der Schwestern nach Deutschland und die Wiedereröffnung der Häuser gestattet. In Westfalen, am Niederrhein und in den benachbarten Niederlanden entstand ein dichtes Netz von Niederlassungen. 1920 gründete die Vorsehungsschwester Thusnelda Mölleney in Münster die Hildegardisschule, ursprünglich als reine Frauenschule, deren Trägerin bis 1994 die Ordensgemeinschaft der Schwestern der Göttlichen Vorsehung war.
Zeit des Nationalsozialismus In der Ordensgemeinschaft stieß der Nationalsozialismus auf nachhaltigen Widerstand, die Schwestern widersetzten sich der allgegenwärtigen antichristlichen Propaganda und die Gemeinschaft der Schwestern wuchs weiter an. Beim 100-jährigen Bestehen im Jahr 1942 wirkten 3029 Schwestern in 204 Niederlassungen: Deutschland: 1642 Schwestern in 125 Häusern Indonesien: 780 Schwestern in 32 Häusern Brasilien: 607 Schwestern in 47 Häusern
Die Herrschaft des Nationalsozialismus bedrohte dennoch die Existenz der Schwesterngemeinschaft. Der NS-Staat unterwarf sich das gesamte Erziehungswesen und verbot nach und nach den Schwestern den Unterricht in den Schulen und die Betreuung in Waisenhäusern und Kindergärten. Viele Niederlassungen wurden ganz oder teilweise beschlagnahmt.
Nach dem Ende des Krieges lagen durch die Bombenangriffe die meisten Häuser in Trümmern. Die Schwestern standen vor der Aufgabe des Wiederaufbaus, der Wiedereröffnung aller Einrichtungen und der Wiederaufnahme der Beziehungen zu den ausländischen Provinzen. Bereits im Frühjahr 1945 nahmen die Schwestern in den Trümmern ihrer vom Krieg zerstörten Gebäude ihre Arbeit wieder auf.
Zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts Die inzwischen weltweit aktive Gemeinschaft der Vorsehungsschwestern wurde nach und nach in Provinzen eingeteilt. Das nach dem Zweiten Weltkrieg einberufene internationale Generalkapitel im Jahr 1949 eröffnete Wege für zeitgemäße Änderungen: eine erneuerte Lebensform, neue Ansätze im apostolischen Dienst, notwendige Berufsausbildung der Schwestern, Vertiefung des Gebetslebens und größere Selbstständigkeit der einzelnen Provinzen.
In den 1950er Jahren entstanden in der Bundesrepublik Deutschland zwei Provinzen: Am 7. Oktober 1950 die Rheinische Ordensprovinz und am 2. Juli 1954 die Westfälische Ordensprovinz.
Eine geistliche Erneuerung in den 1960er Jahren, beeinflusst durch das Zweite Vatikanische Konzil, begünstige die Entwicklung der Provinzen. Das Konzil rief die Ordensgemeinschaften dazu auf, sich neu an ihren Wurzeln zu orientieren. Perfectae caritatis, das Konzilsdekret über die zeitgemäße Erneuerung des Ordenslebens, wurde so zu einem Meilenstein in der Ordensentwicklung. Spirituelle Erneuerung und Öffnung nach außen prägten die Ordensgemeinschaft der Vorsehungsschwestern in den Jahren nach dem Konzil.
21. Jahrhundert Der Orden befindet sich seit jeher in einem Prozess stetiger Veränderung: Es wurden neue Aufgaben übernommen, Einrichtungen aufgebaut und wieder abgegeben, je nach der Not der Zeit. Als Antwort auf den Ruf der Zeit hat sich in den letzten Jahrzehnten eine vielfache Veränderung bezüglich der Tätigkeiten der Schwestern ergeben und der Schwerpunkt hat sich vom pädagogischen in den pflegerischen und pastoralen Bereich verlagert.
Zudem unterliegt der Orden einem demografischen Wandel. Es fanden in den letzten Jahrzehnten immer weniger Frauen den Weg in die Ordensgemeinschaft, sodass sich die Mitgliederzahl in den Provinzen verringerte. Die Westfälische und Rheinische Ordensprovinz gründeten daher 2007 die Deutsche Provinz. Sie hat seit 2020 ihren Sitz an der Offenbergstraße in Münster, neben dem bisherigen Provinzialat, der „Friedrichsburg“.
Im Zuge der Gründung der Deutschen Provinz wurde 2007 auch die Stiftung der Schwestern der Göttlichen Vorsehung Deutsche Provinz ins Leben gerufen.Die Stiftung, abgerufen am 14. Oktober 2025. Den Ordensschwestern lag daran, die Verantwortung als Träger des Altenheimes Friedrichsburg in Münster und des Eduard-Michelis-Hauses in Gladbeck abzugeben und die Häuser in guten Händen zu wissen. Seit 2017 ist die Stiftung Gesellschafterin der beiden gGmbH-Töchter. Mit der Stiftung schuf der Orden eine von der Entwicklung des Ordens unabhängige Rechts- und Organisationsstruktur, damit das Charisma des Ordens in den Einrichtungen weiterlebt.
Die Vorsehungsschwestern in der Welt Die Ordensgemeinschaft gliedert sich in Provinzen, Regionen und eine Kommunität.Provinzen + Regionen, abgerufen am 14. Oktober 2025. Heute ist die Ordensgemeinschaft auf vier Kontinenten vertreten:Irmãs da Divina Providência – História, abgerufen am 14. Oktober 2025 (portugiesisch). Europa: Schon 1876 übersiedelten die Schwestern infolge des in Deutschland vorherrschenden Kulturkampfes in die grenznahen Gebiete der Niederlande. In Europa leben derzeit mehr als 100 Schwestern, aufgeteilt in die Deutsche Provinz und in die Niederländische Kommunität. Südamerika: Im Jahr 1895 wanderten Schwestern nach Brasilien aus. Heute leben dort über 400 Schwestern in einer Provinz; brasilianische Schwestern sind auch in den Nachbarländern Paraguay und Bolivien sowie in Mosambik und in Zentralafrika tätig. Asien: Im Jahr 1934 entsandte die holländische Provinz die ersten Schwestern nach Indonesien. Dort wirken heute knapp 100 Schwestern auf verschiedenen Gebieten sowie ebenfalls in drei Niederlassungen auf Westtimor. Afrika: Die im Jahr 1960 begonnene Mission in Malawi und in Zentralafrika wird dort heute von mehr als 30 Schwestern weitergeführt.
Heute leben gut 700 Vorsehungsschwestern in Lateinamerika, Indonesien, Afrika, Niederlande und Deutschland.
Generaloberin („Generalkoordinatorin“ genannt) war seit 2015 Schwester Márian Ambrósio.Schwestern von der Göttlichen Vorsehung: Generalkoordination, abgerufen am 3. Februar 2020. Sie hatte zuvor die brasilianische Ordensprovinz geleitet und war von 2007 bis 2013 die Präsidentin der brasilianischen Ordenskonferenz (Conferência dos Religiosos do Brasil – CRB). Papst Franziskus berief sie 2021 zur Beraterin der Kongregation für die Institute geweihten Lebens und für die Gesellschaften apostolischen Lebens.Laatste Nieuws, 2. März 2021, abgerufen am 14. Oktober 2025 (niederländisch). Seit 2025 ist Sandra Judite Roaris die Generalleiterin der Gemeinschaft.
Literatur Angelika Welzenberg: Die Westfälische Provinz der Ordensgemeinschaft der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung, Band 1: 1842 bis 1970. Münster 1992.
Weblinks Vorsehungsschwestern – Deutsche Provinz Vorsehungsschwestern – Generalat museum-digital: westfalen: Postkarte: Münster: Generalmutterhaus Friedrichsburg der Schwestern von der Göttlichen Vorsehung, um 1934
Fußnoten
Kategorie:Frauenorden Kategorie:Sterkrade Kategorie:Christentum in Münster Kategorie:Katholische Missionsgesellschaft Kategorie:Gründung einer religiösen Organisation 1842