mini|Figürlicher Schmuck des „Ubiermonuments“ in Köln, Akanthusornament mini|Schloss Augustusburg in Brühl mini|Landtagsgebäude Nordrhein-Westfalen
Die Architektur in Nordrhein-Westfalen umfasst Bauwerke fast aller Epochen der mitteleuropäischen Architekturgeschichte. Frühe Zeugnisse einer architectura hinterließ die römische Zivilisation am Rhein. Der älteste datierte römische Steinbau in Nordrhein-Westfalen – gleichzeitig auch der älteste Steinbau nördlich der Alpen, Artikel vom 4. März 2016 im Portal focus.de, abgerufen am 5. März 2016 – ist das sogenannte Ubiermonument in Köln, das als Hafenturm der Befestigung oder Bewachung des Oppidum Ubiorum gedient haben könnte. Die Fällung der Eichenstämme seiner Pfahlgründung datiert auf das Jahr 4 nach Christus. Die ältesten im Kern erhaltenen Bauwerke in Nordrhein-Westfalen stammen aus der spätantiken Zeit. Bedeutendstes frühes Architekturzeugnis Nordrhein-Westfalens ist die Pfalzkapelle Karls des Großen in Aachen, das architektonische Hauptwerk der Karolingischen Renaissance. Herausragende Beispiele neuerer Architekturgeschichte sind vor allem die zahlreichen Industriedenkmäler der industriellen Zentren an Rhein und Ruhr.
Nordrhein-Westfalen bildete nie einen einheitlichen Kulturraum und ist erst seit 1946/47 als Land eine staatliche Einheit. Da sich die baugeschichtliche Entwicklung des heutigen Bundeslandes meist in einem deutschen oder europäischen Kontext vollzog, gibt es keine Architektur, die als spezifisch nordrhein-westfälisch zu kennzeichnen wäre. In den 1920er Jahren gab es zwar in den Zentren des rheinisch-westfälischen Raums ein breites und stadtbildprägendes Baugeschehen im Architekturstil des Backsteinexpressionismus, das diesen Raum mit den Zentren Norddeutschlands, wo diese Strömung zeitweise ebenfalls dominierte, baugeschichtlich verbindet. Generell prägende kulturgeschichtliche Konstanten sind jedoch die territoriale und konfessionelle Zersplitterung des Raums, die Abhängigkeit der Teilräume von verschiedenen, oft entfernt gelegenen Zentren sowie unterschiedliche soziale, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklungen in den Teilräumen. Diese Umstände führten dazu, dass in Nordrhein-Westfalen eine Vielzahl sich unterscheidender Kulturräume und Kulturschichten mit entsprechend unterschiedlichen Siedlungs- und Bauformen sowie Architekturtraditionen vorzufinden ist. Einige regionale Entwicklungen wie die Weserrenaissance hatten zwar ihren Schwerpunkt im heutigen Nordrhein-Westfalen, strahlten aber nie gleichermaßen auf das gesamte heutige Gebiet des Landes aus. Daher gibt es keinen typisch nordrhein-westfälischen Architekturstil. Im Zuge der Globalisierung prägen heute zunehmend internationale Verflechtungen der Kommunikationsstrukturen, der Konzerne, der Kapitalgeber, die Allverfügbarkeit der Materialien und Techniken, die Prestigebedürfnisse der Auftraggeber sowie internationale Wettbewerbe und Ausschreibungen große Teile des Baugeschehens in Nordrhein-Westfalen.Wolfgang Pehnt: Zwischen Bescheidenheit und Hybris. Zur Architektur der Nachkriegszeit in NRW. In: Sonja Hnilica, Markus Jager, Wolfgang Sonne (Hrsg.): Auf den zweiten Blick. Architektur der Nachkriegszeit in Nordrhein-Westfalen. transcript Verlag, Bielefeld, 2010, ISBN 978-3-8376-1482-4
Einziger deutscher Träger des Pritzker-Preises, der weltweit renommiertesten Auszeichnung für Architektur, ist der nordrhein-westfälische Architekt Gottfried Böhm. Ein berühmter und stilbildender, in rheinischen und westfälischen Landesteilen tätiger Baumeister war der Barockarchitekt Johann Conrad Schlaun. Als der weltweit einflussreichste und bekannteste Architekt aus dem Gebiet des heutigen Nordrhein-Westfalens dürfte der Bauhauslehrer Ludwig Mies van der Rohe anzusprechen sein.
Als bedeutendstes Architekturdokument der staatlichen Repräsentation Nordrhein-Westfalens gilt das Gebäude des Landtags Nordrhein-Westfalen im Regierungsviertel der Landeshauptstadt Düsseldorf.
Sakralbauten mini|Kölner Dom um 1900 Kirchen und Kapellen Die Kirche St. Gereon ist eine der zwölf großen romanischen Basiliken in der Altstadt Kölns. St. Gereon, dessen Geschichte bis in Kölns römische Zeit zurückreicht, ist ein herausragendes Zeugnis spätantiker Architektur. Ihr Baukern aus spätantiker Zeit macht die Kirche zu einem der ältesten Gebäude des Landes. Die größte Touristenattraktion des Landes und zugleich der Bundesrepublik ist der Kölner Dom mit rund 6 Millionen Besuchern jährlich. Nach dem Mailänder Dom ist der Kölner Dom die größte gotische Kathedrale der Welt. Wie der Aachener Dom zählt er zu den Welterbestätten. Eine weitere baugeschichtlich herausragende Kirche ist der Altenberger Dom, der eine der größten Simultankirchen Deutschlands ist. Weitere Dome befinden sich in Essen, Minden, Münster und Paderborn.
Peter Zumthors 2007 errichtete Feldkapelle für den Heiligen Bruder Klaus ist ein herausragendes Zeugnis zeitgenössischer christlicher Kapellen in Nordrhein-Westfalen.
Klöster Das Kloster Corvey ist eine der herausragendsten und besterhaltenen Klosteranlagen aus karolingischer Zeit.
Moscheen In neuerer Zeit machte unter anderem die 2008 eröffnete Merkez-Moschee in Duisburg von sich reden, weil sie die größte Moschee des Landes ist und weil sie mit ihrem islamisch-osmanisch geprägten Bauprogramm eine neue, bedeutende Facette der nordrhein-westfälischen Religionslandschaft repräsentiert. Die während ihrer Planungs- und Bauzeit ebenfalls kontrovers diskutierte DITIB-Zentralmoschee Köln wurde im Jahr 2018 eröffnet, ihr Entwurf stammt von Gottfried und Paul Böhm.
Siehe auch: Liste der Klöster und Stifte in NRW
Profanbauten Schlösser und Burgen mini|Schloss Nordkirchen Die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl sind herausragende Beispiele des Barocks und Rokokos. Der sie umgebende Schlosspark ist eine der schönsten Werke der Landschaftsarchitektur im Land. Ein weiteres bekanntes Schloss ist das Westfälische Versailles: Schloss Nordkirchen im Münsterland. Schloss Burg war die Stammburg der Grafen und Herzöge zu Berg. Beliebtes Ausflugsziel und festes „Inventar“ der Rheinromantik ist die Burgruine Drachenfels im Siebengebirge.
Siehe auch: Liste der Burgen, Schlösser und Adelssitze in NRW
Rathäuser mini|Gotischer Giebel des historischen Rathauses in Münster Eines der bekanntesten Rathäuser Nordrhein-Westfalens ist das Historische Rathaus in Münster. 1648 wurde dort der Westfälische Frieden verhandelt. Das Rathaus wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach vereinfacht rekonstruiert. Das Rathaus gilt trotzdem als eines der bedeutendsten Baudenkmäler sowie einer der schönsten Profanbauten der Gotik. Im Aachener Rathaus, das im 14. Jahrhundert im Stil der Gotik entstand, wurde das Königsmahl der neugekrönten römisch-deutscher Kaiser abgehalten. Jährlich wird im Rathaus der Internationale Karlspreis verliehen. Das barocke Rathaus in Bonn ist vor allem durch zahlreiche Staatsgäste bekannt, die während der Hauptstadtzeit Bonns das Rathaus besuchten. Das historische Rathaus in Bocholt aus dem 17. Jahrhundert ist ein Beispiel für die Niederländische Renaissance in Nordrhein-Westfalen. Das Kölner Rathaus gilt als eines der ältesten urkundlich belegten Rathausbauten Deutschlands. Es wurde im 14. Jahrhundert erbaut und im Krieg stark zerstört. Trotzdem gelten insbesondere die teilrekonstruierte Rathauslaube im Renaissancestil sowie der Rathausturm als bedeutende Zeugnisse mittelalterlicher Baukunst in Nordrhein-Westfalen. Das im Kern gotische Rathaus der lippischen Kleinstadt Lemgo mit einem Baukern aus dem 14. Jahrhundert gilt als eines der schönsten Rathäuser der Weserrenaissance. Das alte Rathaus des ostwestfälischen Mindens stammt aus dem 13. Jahrhundert und wurde ursprünglich im Stil der Gotik erbaut. Im letzten Krieg wurde es schwer beschädigt, der gotische Laubengang aus dem 13. Jahrhundert ist aber im Original erhalten. Weitere sehr alte Rathäuser befinden sich beispielsweise in Brilon, Warburg, Erkelenz, Hattingen Um 1905 entstand das Rathaus in Remscheid, das bis heute durch seine Lage und wuchtige Architektur das Stadtbild prägt.
Das Bensberger Rathaus aus den 1960er Jahren von Gottfried Böhm ist ein preisgekröntes Beispiel für Rathausneubauten des 20. Jahrhunderts. Alfred Fischer schuf in Gelsenkirchen mit dem Hans-Sachs-Haus eines der bedeutendsten Rathäuser der Moderne. Friedrich Pützers Rathaus der Stadt Oberhausen stammt aus derselben Epoche wie das Hans-Sachs-Haus.
Wohnhäuser und Wohnsiedlungen Eines der bekanntesten Wohnhäuser des Landes ist die Villa Hügel in Essen. Sie gilt als das hervorragendste Beispiel der Schloss-ähnlichen Wohnhäuser der Industriellen im Ruhrgebiet. Die ebenfalls in Essen gelegene Siedlung Margarethenhöhe gilt als eine der ambitioniertesten und gelungensten Arbeitersiedlungen an Rhein und Ruhr. Die Zechenbetreiber errichteten in der Nähe ihrer Betriebsstätten wegweisende Arbeitersiedlungen, bei denen nicht selten auch eine soziale Verantwortung der Industriebarone für ihre Angestellten Form und Ausführung bestimmte, wenngleich wohl meist eher ein betriebswirtschaftlicher Vorteil im Vordergrund stand. Die Themenroute Arbeitersiedlungen verbindet Beispiele dieser Siedlungsform miteinander. Ihr Gegenstück – die Villen ihrer Arbeitgeber – sind in der Themenroute Unternehmervillen zusammengefasst. Ein radikales Beispiel der Postmoderne ist das Haus ohne Eigenschaften in Köln. mini|Eckmännekenhaus (1471), eines der ältesten datierten Fachwerkhäuser NRWs in Warburg Insbesondere im westfälisch-lippischen Landesteil sowie auch im Sauerland und in der Eifel ist die Fachwerkbauweise Stadtbild prägend für zahlreiche Klein- und Mittelstädte in Nordrhein-Westfalen. Diese Bauweise war seit dem 15. bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts die dort weit verbreitete Architekturform. In den Regionen des Sauerlands und der Eifel erfolgt zudem nicht nur eine Dacheindeckung, sondern die gesamte Verkleidung der Fachwerkfassade mittels Schiefer. Die beiden derzeit ältesten datierten Fachwerkhäuser Nordrhein-Westfalens befinden sich in Warburg im südlichen Ostwestfalen (unter anderem mit den Gebäuden des Eckmännekenhauses von 1471 oder der Hirsch-Apotheke von 1452.)
Architektur im Zuge der Umnutzung ehemaliger Industrieflächen Beispiele der Stadtentwicklung des ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhunderts sind der Medienhafen in Düsseldorf, der Duisburger Innenhafen, der Rheinauhafen am Kölner Rheinufer sowie die Neue Mitte Oberhausen. In Düsseldorf sind es u. a. die Bauten Frank O. Gehrys („Neuer Zollhof“), die den Medienhafen bekannt gemacht haben; in Köln gilt dies vor allem für die Kranhäuser Hadi Teheranis. Diese Beispiele stehen exemplarisch für den Wandel ehemaliger Industrieflächen, meist bereits zu Brachen verkommen, mitten in der Stadt, die im Zuge des Wandels zur Wissensgesellschaft einer neuen Bestimmung zugeführt wurden. Wegweisend für diese Antworten der Stadtplanung auf den Strukturwandel war vor allem die Internationale Bauausstellung Emscher Park.
Hochschulneubauten mini|Die Bergische Universität Wuppertal als typischer Hochschulbau der 1970er Jahre