mini|Verbindungstrakt zwischen dem Postgebäude und dem 1983 fertiggestellten PTT-Betriebs- und Verwaltungsgebäude (Blaue Post), Chur. Richard Brosi (* 8. Mai 1931 in Chur; † 11. April 2009 in Zürich) war ein Schweizer Architekt. mini|In seiner Frühphase plante und realisierte Brosi mehrere Schulbauten im Stil der Nachkriegsmoderne. Hier das Montalinschulhaus, Chur.

Werdegang Richard Brosi schloss sein Architekturstudium 1958 an der ETH Zürich ab. Nach Praktika bei Otto Glaus und Jakob Zweifel arbeitete er 1959 für ein Jahr in Rotterdam. Anschliessend eröffnete er ein eigenes Architekturbüro und beteiligte sich erfolgreich an zahlreichen Wettbewerben, insbesondere im Schulbau in Graubünden. Nach seinen Plänen entstanden unter anderem die Schulen im Averstal (1965), in Pany und Compatsch (1968) sowie in Santa Maria Val Müstair (1972).Staatsarchiv Graubünden: Nachlass Architekt Richard Brosi (1931–2009), Chur, Bestand XXI L, Abschnitt «Administrative / biographical history».

Einen weiteren Schwerpunkt seines Schaffens bildeten Bauten für die PTT in Chur, die teilweise in Zusammenarbeit mit Robert Obrist entstanden. Zu den bekanntesten Arbeiten aus diesem Zusammenhang zählt das 1983 fertiggestellte Betriebs- und Verwaltungsgebäude für die PTT, die sogenannte «Blaue Post». Zum selben Tätigkeitsfeld gehört die markante Überdachung der PTT-Postautostation beim Bahnhof Chur, die Brosi und Obrist gemeinsam mit dem Tragwerksplaner Peter Rice entwickelte. Überdachung der Postautostation. Das 1991/92 entstandene Bauwerk wurde 1994 mit der «Auszeichnung guter Bauten im Kanton Graubünden» gewürdigt. Beide Bauten zählen zu den prominentesten Beispielen von Brosis Architektur in Chur.

Zu den Architekten, die zeitweise in Brosis Büro arbeiteten, gehörte von 1977 bis 1979 auch der Schweizer Architekt, Maler und Bildhauer Gioni Signorell.

Werk mini|PTT-Postautodeck, Chur. Für die Tragkonstruktion zeigte sich Peter Rice verantwortlich, der auch an der Tragwerksplanung des Sydney Opera House beteiligt war. Brosis Architektur ist der Bündner Nachkriegsmoderne zuzuordnen. Sein Werk ist von funktionaler Klarheit, einem ausgeprägten Interesse an Konstruktion und Material sowie, insbesondere in seinen späteren Bauten, von technisch-expressiven Elementen geprägt (siehe High-Tech-Architektur). Als eines seiner Schlüsselwerke gilt das 1983 fertiggestellte PTT-Betriebs- und Verwaltungsgebäude («Blaue Post») in Chur.

Brosi orientierte sich auch an internationalen Entwicklungen in Architektur, Kunst und Design. Insbesondere Italien und die Künstler- und Designgruppe Memphis dienten ihm als Inspirationsquellen.

Kulturelles Engagement Neben seiner Tätigkeit als Architekt engagierte sich Brosi gemeinsam mit seiner Frau Liliana im Churer Kulturleben. 1975 eröffneten sie in der Rabengasse die Galerie Studio 10. In der Rabengasse betrieben sie zudem das Kulturzentrum Pestalozza, das Brosi 1981 umbaute. Dort fanden regelmässig Vorträge und Ausstellungen statt, darunter auch Veranstaltungen zu architektonischen Themen. Brosi präsidierte zudem seit 1998 die Mario- und Hélène-Comensoli-Stiftung, welche den künstlerischen Nachlass des Schweizer Malers Mario Comensoli (1922–1993) und dessen Ehefrau verwaltet. Brosi hatte Comensoli während seiner Studienzeit in Zürich kennengelernt und war freundschaftlich mit dessen Familie verbunden.

Bauten (Auswahl) 1963: Montalinschulhaus, Chur (2017 erweitert von Conradin Clavuot) 1965: Schulhaus, Avers-Cresta 1968: Schulhaus, Pany 1968: Schulhaus, Samnaun-Compatsch 1972: Schulhaus, Santa Maria im Münstertal 1974: Schulhaus mit Hallenbad, Zernez 1979: Jakobuskapelle, Acla 1978/1992: Plantahof, Landwirtschaftliche Schule, Erweiterung und Umbau, Landquart 1974–1982: PTT-Betriebs- und Verwaltungsgebäude («Blaue Post»), Chur 1981: Kulturzentrum Pestalozza, Chur 1988: Braun’sches Gut – Wohnsiedlung, Chur 1993: Überdachung PTT-Postautodeck mit Robert Obrist, Chur 1995: Graubündner Kantonalbank, Davos-Platz 1996: Schweizerisches Institut für Schnee- und Lawinenforschung, Davos

Auszeichnungen und Preise 1963: 3. Preis im Wettbewerb für die Erweiterung der Bündner Kantonsschule, Chur 1994: Auszeichnung für gute Bauten Graubünden für die Überdachung der Postautostation am Bahnhof Chur, Chur

Literatur Ursula Riederer: Richard Brosi. In: Isabelle Rucki und Dorothee Huber (Hrsg.): Architektenlexikon der Schweiz – 19./20. Jahrhundert. Birkhäuser, Basel 1998, ISBN 3-7643-5261-2, S. 98.

Einzelnachweise

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