Die belgische Regierung Martens VIII war vom 9. Mai 1988 bis zum 29. September 1991 im Amt. Am 15. Mai 1988 erhielt sie das Vertrauen der Abgeordnetenkammer und am 19. Mai 1988 das des Senats. Sie bestand aus neunzehn Ministern (Premierminister inbegriffen) und dreizehn Staatssekretären.
Diese achte von Wilfried Martens (CVP) angeführte Regierung setzte sich aus flämischen und frankophonen Christlichsozialen (CVP und PSC) und Sozialisten (SP und PS) und der flämisch-nationalistischen Volksunie (VU) zusammen. Die Regierung Martens VIII war die Nachfolgerin der kurzlebigen Regierung Martens VII, die aus Christlichsozialen und Liberalen zusammengestellt war. Bei den vorgezogenen Wahlen vom 13. Dezember 1987, die durch die Regierungskrise rund um die Gemeinde Voeren und der Person José Happart (PS) ausgelöst worden waren, hatten sowohl die flämischen Christlichsozialen als auch die französischsprachigen Liberalen Stimmen eingebüßt, während die Sozialisten zur stärksten politischen Familie wurden, sodass eine Fortführung der scheidenden Regierung nicht mehr möglich war. Die Regierungsbildung, bei der vor allem Jean-Luc Dehaene (CVP) das Gros der Arbeit leistete (zu dieser Zeit fiel der Spruch „Sire, geben Sie mir hundert Tage“, den Dehaene an den König adressierte), war äußerst lang und zäh, da sie eine Lösung für das Problem Voeren und die Grundprinzipien einer neuen Staatsreform voraussetzte.
Während ihrer Laufzeit wurden in der Regierung Martens VIII mehrere Male tiefgreifende Personaländerungen vorgenommen. So verließen folgende Politiker die Regierung für andere Funktionen: Herman Van Rompuy (Parteivorsitz der CVP), Norbert De Batselier und Luc Van den Bossche (flämische Regierung), Paula D’Hondt (Königliche Kommissarin für die Ausländerpolitik), Michel Hansenne (Internationale Arbeitsorganisation), Leo Tindemans (Europäisches Parlament) und Alain Van der Biest (wallonische Regierung). Pierre Chevalier räumte sein Amt wegen Problemen mit der Justiz. Vor allem aber die dritte Staatsreform, bei der einige Zuständigkeiten an die Gliedstaaten abgetreten wurden und die Region Brüssel-Hauptstadt aus der Taufe gehoben wurde, sorgte für einige Personalumbesetzungen und Neuverteilungen der Ämter.
Die Regierung Martens VIII fand ihr Ende, als die VU sich weigerte, dem Export von Waffen aus der Wallonischen Region nach Saudi-Arabien zuzustimmen. Daraufhin ersetzte der Premierminister die VU-Minister in seiner Regierung und bildete mit Christlichsozialen und Sozialisten alleine die Regierung Martens IX. Ohne die VU besaß die Regierung zwar immer noch eine absolute Mehrheit im Parlament, jedoch keine Zweidrittelmehrheit, die für weitere Staatsreformen notwendig gewesen wäre.
Zusammensetzung Minister Name Partei Premierminister Wilfried Martens CVP Vizepremierminister, Minister für institutionelle Reformen, beauftragt mit der Neustrukturierung des nationalen Unterrichtswesens und des Ministeriums der Brüsseler Regionbis 11. Juli 1989: Vizepremierminister, Minister der Brüsseler Region und für institutionelle Reformen, beauftragt mit der Neustrukturierung des nationalen Unterrichtswesensbis 16. Januar 1989: Vizepremierminister, Minister der Brüsseler Region und für institutionelle Reformen Philippe Moureaux PS Vizepremierminister, Minister für Wirtschaft, Planung und die Neustrukturierung des nationalen Unterrichtswesensbis 16. Januar 1989: Vizepremierminister, Minister für Wirtschaft, Planung und für das nationale Unterrichtswesen Willy Claes SP Vizepremierminister, Minister für Verkehrswesen und institutionelle Reformen Jean-Luc Dehaene CVP Vizepremierminister, Minister für Justiz und den Mittelstand Melchior Wathelet PSC Vizepremierminister, Minister für den Haushalt und für Wissenschaftspolitik Hugo Schiltz VU Minister für äußere Angelegenheiten Mark Eyskensbis 19. Juni 1989: Leo Tindemans CVPCVP Minister für Finanzen Philippe Maystadt PSC Minister für Außenhandel Robert Urbain PS Minister für den öffentlichen Dienst Raymond Langendriesbis 2. März 1989: Michel Hansenne PSCPSC Minister für Post-, Telegrafen- und Telefonwesen Marcel Collabis 16. Januar 1989: Freddy Willockx SPSP Minister für Soziales Philippe Busquin PS Minister für Landesverteidigung Guy Coëme PS Ministerin für öffentliche ArbeitenAmt am 16. Januar 1989 aufgelöst -bis 16. Januar 1989: Paula D’Hondt -CVP Minister für innere Angelegenheiten, die Modernisierung des öffentlichen Dienstes und nationale kulturelle und wissenschaftliche Einrichtungen Louis Tobback SP Minister für nationales UnterrichtswesenAmt am 16. Januar 1989 aufgelöst -bis 16. Januar 1989: Yvan Ylieff -PS Minister für Entwicklungszusammenarbeit André Geens VU Minister für Pensionen Gilbert Mottardbis 2. Mai 1990: Alain Van der Biest PSPS Minister für Beschäftigung und Arbeit Luc Van den Brande CVP Staatssekretäre Name Partei Staatssekretär für Energie Élie Deworme PS Staatssekretär für den Mittelstand und Kriegsopfer Pierre Mainil PSC Staatssekretär für Europäische Angelegenheiten und Landwirtschaft Paul De Keersmaeker CVP Staatssekretär für die Brüsseler RegionAmt am 11. Juli 1989 aufgelöst -bis 11. Juli 1989: Jean-Louis Thys -PSC Staatssekretärin für Umwelt, soziale Emanzipation Miet Smet CVP Staatssekretärin für Europa 1992 Anne-Marie Lizin PS Staatssekretär für die Brüsseler RegionAmt am 11. Juli 1989 aufgelöst -bis 11. Juli 1989: Jef Valkeniers -VU Staatssekretär für öffentliche Gesundheit und Behindertenpolitik Roger Delizée PS Staatssekretärin für Pensionen Leona Detiège SP Staatssekretär für Wissenschaftspolitik Erik Deryckebis 18. Januar 1990: Pierre Chevalierbis 16. Januar 1989: Marcel Colla SPSPSP Staatssekretär für das nationale UnterrichtswesenAmt am 16. Januar 1989 aufgelöst -bis 16. Januar 1989: Pierre Chevalierbis 18. Oktober 1988: Luc Van den Bossche -SPSP Staatssekretärin für Finanzenbis 18. September 1988: Staatssekretär für Finanzen und KMU Wivina Demeesterbis 18. September 1988: Herman Van Rompuy CVPCVP Staatssekretär für institutionelle Reformen, KMU und die Neustrukturierung der öffentlichen Arbeitenbis 16. Januar 1989: Staatssekretär für institutionelle Reformen und KMUbis 18. Oktober 1988: Staatssekretär für institutionelle Reformen Jos Duprébis 18. Oktober 1988: Norbert De Batselier CVPSP
Weblinks Premier.be - Offizielle Webpräsenz des belgischen Premierministers (mehrsprachig)
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