mini|Monschauer Heckenland
Die Natur in Nordrhein-Westfalen ist typisch für den mitteleuropäischen Naturraum. Verbreitet sind in Nordrhein-Westfalen vor allem Arten, die an offene Kulturlandschaften oder waldige Mittelgebirgslandschaften angepasst sind. Flora und Fauna sind jedoch aufgrund der hohen Siedlungsdichte, der großen Industriezentren des Landes, des Bergbaus, der fast flächendeckenden landwirtschaftlichen und forstwirtschaftlichen Nutzung und der dichten verkehrstechnischen Erschließung wie in kaum einer anderen Region Europas verändert. Die ursprüngliche, artenreiche Flora und Fauna des Landes wurde dadurch in Teilen zerstört. Der Umweltschutz wurde daher in den letzten Jahrzehnten zu einem herausragenden Thema für die Politik der verschiedenen Landesregierungen.
Schwerpunkt dieser Beschreibung ist die belebte Natur (Flora und Fauna usw.). Aspekte unbelebter Natur wie beispielsweise herausragende abiotische Naturdenkmäler werden nur am Rande behandelt. Für eine großräumige Betrachtung der nicht belebten Natur Nordrhein-Westfalens (Geologie, Klima, Landschaften und Naturräume usw.) wird auf Geographie Nordrhein-Westfalens verwiesen.
Flora mini|Wald im Nationalpark Eifel
In Nordrhein-Westfalen bilden rund 2040 Pflanzenarten (im engeren Sinn, d. h. Pteridophyta und Spermatophyta), fast 1000 Moose und fast ebenso viele Flechtenarten die heimische Flora.Natur-in-nrw.de: Tier-, Pflanzen- und Pilz-Artenlisten für den Verbreitungsraum NRW.
Ohne menschliche Besiedlung wäre Nordrhein-Westfalen wie fast ganz Mitteleuropa weitgehend mit Buchen- und Eichenlaubwäldern bedeckt. Vorherrschende Waldgesellschaften wären in Nordrhein-Westfalen Hainsimsen-Buchenwälder, Eichen-Buchenwälder und Drahtschmielen-Buchenwälder.Richard Pott: Potenzielle natürliche Vegetation in Westfalen. Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.). Heute ist Nordrhein-Westfalen zu etwa 27 Prozent mit Wald bedeckt. Es handelt sich vorwiegend um Wirtschaftswald, der intensiver forstwirtschaftlicher Nutzung unterliegt und einen für diese Breitengrade hohen Anteil von Nadelbäumen, vor allem Fichten, aufweist. Während im natürlichen Wald Nadelbäume nahezu fehlen würden (mit Ausnahme weniger Waldkieferbestände an MoorrändernHerbert Hesmer & Fred-Günter Schroeder: Waldzusammensetzung und Waldbehandlung im Niedersächsischen Tiefland westlich der Weser und in der Münsterschen Bucht bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Forstgeschichtlicher Beitrag zur Klärung der natürlichen Holzartenzusammensetzung und ihrer künstlichen Veränderungen bis in die frühe Waldbauzeit. Decheniana, Beiheft 11 (1963), 304 S.) und vergesellschaftete Eiben, beträgt ihr Anteil am heutigen Wirtschaftswald 42 Prozent.Landesbetrieb Wald und Holz NRW: Die Wälder Nordrhein-Westfalens im Blick. Ergebnisse der landesweiten Waldinventur 2014. Broschüre, 46 Seiten. In den Wäldern finden sich vereinzelt auch importierte Arten wie die Douglasie (Anteil etwa 1 Prozent), Roteiche, Grauerle und Robinie.
Im Einzelnen setzt sich der Baumbestand vorwiegend zusammen aus Buchen (19 Prozent der Gesamtwaldfläche), Eichen (17 Prozent), anderen Laubbäumen (22 Prozent), Fichten 30 Prozent, Kiefer (8 Prozent), Lärche (3 Prozent), Douglasie (1 Prozent) der Waldfläche. Aktuell finden sich im Land auf über 40 Prozent der Fläche Hainsimsen-Buchenwälder, gefolgt von „Montanen Buchenwäldern teils mit Fichte“ auf rund 14 Prozent der Waldfläche. Größere Erlen- oder Auwälder in den Flussniederungen oder Sieken wurde durch wasserbauliche Maßnahmen wie Flussbegradigungen oder Eindeichungen der Lebensraum weitestgehend entzogen, so dass diese in den heimischen Breiten natürlich vorkommenden Baumbestände nur in Resten erhalten sind. Rund zwei Drittel des gesamten Baumbestandes gelten als geschädigt. Grund ist vor allem die Luftbelastung durch Industrieanlagen und Verkehrsemissionen.Lutz Falkenried: Monitoring zur Vitalität der Baumkronen 2009. Kurzbericht zu: Landesbetrieb Wald und Holz NRW (Hrsg.): Waldzustandsbericht 2009 (PDF; 1,6 MB).
Die Offenlandflächen unterliegen fast vollständig einer intensiven oder extensiven landwirtschaftlichen Nutzung. In der Münsterländer Bucht und in anderen Regionen wird die Landschaft häufig als „Münsterländer Parklandschaft“ charakterisiert. Diese Kulturlandschaft bietet nur wenig Artenvielfalt. Angebaut werden Getreide, Mais, Raps, Rüben und Kartoffeln, auf sandigen Böden auch Spargel. Grünlandflächen werden meist als Weide genutzt. In der Eifel finden sich auf solchen Grünflächen Wildnarzissen. Wertvolle Landschaftselemente der Parklandschaften wie Hecken oder Alleen werden durch die landwirtschaftliche Nutzung zunehmend reduziert; als Ausnahme kann das Monschauer Heckenland gelten. Die bodenfeuchten oder moorigen Landschaften in der Rheinebene und in der Tiefebene wurde fast vollständig trockengelegt. Reste der einzigartigen Moorvegetation sind nur wenige erhalten. Ein Beispiel ist das Große Torfmoor, das als letztes großes Hochmoor Westfalens gilt.Karl-Heinz Otto: „Rot und braun kannst du trau’n, grün und gelb, Gott help!“ – über Hochmoore in Westfalen. Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) In Teilbereichen finden sich Heidelandschaften wie Senne oder Wahner Heide mit ihrer besonderen Vegetation wie Wacholdersträuchern oder Besenginsterbüschen. Zu bedenken ist, dass aber auch die Landschaftsform Heide ohne die Nutzung des Menschen langfristig zunächst von Pioniergehölzen wie Birken, später wie anderswo von Mischlaubwald besiedelt werden würde.Ingo Hetzel und Thomas Schmitt: Über die Heide geht mein Gedenken … – Heidegebiete in Westfalen. Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.).
Eine Besonderheit im Land sind Schwermetallrasen mit einzigartiger Vegetation. Besonders die durch teils jahrhundertelangen Bergbau und Metallverarbeitung stark geprägte Landschaft rund um Stolberg (siehe auch Natur in Stolberg) sowie Teilbereiche im Ruhrgebiet und Siegerland sind für diese Vegetationsform Lebensraum.
Funga mini|Der giftige Fliegenpilz ist wegen seines auffälligen Aussehens und seiner weiten Verbreitung einer der bekanntesten Pilze Nordrhein-Westfalens
Neben Flora und Fauna bilden die Pilze ein eigenes Reich. In Nordrhein-Westfalen sind rund 1550 Arten bekannt.Natur-in-nrw.de: Pilzlisten (Fungi). Weiterhin finden sich rund 1000 Flechten, die häufig zur Flora gerechnet werden. Von allen Ausprägungen dieser Artengruppe sind besonders die Ständerpilze bekannt. Ihre auffällige Form und ihre Beliebtheit vieler Arten als Speisepilze tragen dazu bei. Zu den besonders beliebten Speisepilzen, die vorwiegend im Herbst in den nordrhein-westfälischen Regionen gesammelt werden können, zählen beispielsweise viele Champignonarten, Steinpilzarten und Pfifferlinge.
Fauna Die Fauna des Landes unterlag wie die Flora insbesondere in den letzten 1000 Jahren erheblichen anthropogenen Veränderungen. Insbesondere die Großtierfauna wurde in Zahl und Vielfalt enorm reduziert und verändert und zeigt demnach heute nur noch ein fragmentarisches Bild der ursprünglichen Vielfalt.
Säugetiere mini|Dülmener „Wildpferde“ mini|hochkant|Wildkatze
In Nordrhein-Westfalen kommen 51 Säugetiere im engeren Sinne regelmäßig vor. Zusammen mit den seltenen Streifgästen wurden in den letzten Jahrzehnten über 80 Säugetierarten nachgewiesen.AG Säugetierkunde in NRW: Atlas der Säugetiere Nordrhein-Westfalens. Dazu gehören rund 20 Fledermausarten.
Die Wälder des Landes, vornehmlich die größeren zusammenhängenden Waldflächen in Eifel, Sauerland, Bergischem Land und Weserbergland sind beziehungsweise waren Lebensraum für die größten Säugetiere des Landes. Als besonders lohnende Jagdbeute wurden vermutlich bereits im Frühmittelalter die beiden heimischen Wildrindarten Auerochse und Wisent sowie das westeurasische Wildpferd massiv dezimiert und spätestens im Hochmittelalter restlos ausgerottet. Elche kamen vermutlich bis ins 11. Jahrhundert vor, wenn man den dürftigen Quellen trauen darf. Seit Mitte der 1960er Jahre wandern vereinzelte Tiere aus Osteuropa ein. 1972 gelangte ein Elch – in der Presse „Kasimir“ genannt – bis Dinslaken, wo er bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.Rüdiger Schröpfer, Reiner Feldmann u. Henning Vierhaus (Hrsg.): Die Säugetiere Westfalens. Erschienen als Heft 4, 46. Jahrgang, Abhandlungen, Westfälisches Museum für Naturkunde, Münster 1984, ISBN 3-924590-04-4. S. 9, 270, 269–270, 320–322, 326–327, 359–360.
Die heute noch vorkommenden großen Säugetierarten sind vor allem Paarhufer wie Hirscharten (vor allem Rehe, seltener auch Damhirsche und Rothirsche, noch seltener Sikahirsche) und Wildschweine. Diese Arten werden intensiv bejagt und gehegt. Ihre Population entspricht daher in den Wirtschaftswäldern nur selten den natürlich zu erwartenden Populationsgrößen. Manche dieser Arten wie Skiahirsche und Damhirsche sind eingeführte Arten. Zu den Neozoen zählt auch das mittlerweile in Nordrhein-Westfalens Wäldern, hauptsächlich in der Eifel, weit verbreitete Mufflon. In den Wäldern, teils auch in offenen Landschaften finden sich aber auch viele mitteleuropäischen Arten von Niederwild, darunter häufig Wildkaninchen und Feldhasen, letztere gelten allerdings in Nordrhein-Westfalen als gefährdet, da offene Brachlandschaften durch die intensive Landwirtschaft und Zersiedlung immer seltener werden. Der Rotfuchs gilt in Nordrhein-Westfalen dagegen als ungefährdete Art, da er sich als Kulturfolger auch in urbanen Räumen behaupten kann. Zu den weiteren Beutegreifern im Land zählen der Iltis (Populationsschwerpunkt: Münsterland), der Steinmarder, der Baummarder (gilt in Nordrhein-Westfalen als gefährdete Art), das Mauswiesel, Dachs und Hermelin. Mittlerweile hat sich auch der eingeschleppte Waschbär in der heimischen Fauna einen festen Platz erobert, seltener ist der von Osten her eingewanderte Marderhund. Der in Nordrhein-Westfalen einst ausgerottete Biber konnte sich nach erfolgreichen Wiederansiedlungsmaßnahmen seit den 1980er Jahren in Teilen der Eifel und am Niederrhein wieder ausbreiten.Naturschutzbund Deutschland e. V. (Hrsg.); Ralf Schulte: Außerdem kommt er auch wieder in der Lippe im Kreis Soest vor.AG Säugetierkunde in NRW: Atlas der Säugetiere Nordrhein-Westfalens: Dalbeck L (2015): Biber (Castor fiber).