mini|Augusta von Zitzewitz, etwa 1930 (Fotografie von Mario von Bucovich) Auguste Rosalie Helene von Zitzewitz (* 26. Dezember 1880 in Berlin; † 14. November 1960 ebenda) war eine deutsche Künstlerin. Die Berliner Porträtmalerin lebte und arbeitete von 1932 bis 1960 in der Reichsstraße 97 in Berlin-Westend.

Leben Augusta von Zitzewitz war die Tochter des preußischen Oberstleutnants und kaiserlichen Flügeladjutanten Coelestin (oder Cölestin) von Zitzewitz (1847–1892) und seiner englischen Ehefrau Elise, geborene Köbel (1847–1922). Sie wurde von ihren Eltern wahrscheinlich nach der liberalen und pazifistischen Kaiserin Augusta benannt. Nach dem Tod des Vaters am 27. Februar 1892 wurde sie im Potsdamer Kaiserin-Augusta-Stift aufgenommen, das Christa Winsloe Anlass zum Roman Mädchen in Uniform und Leontine Sagan zu dem 1932 in Venedig ausgezeichneten Film Mädchen in Uniform wurde. Die Mutter Augustas verstarb im Jahr 1922.

miniatur|Gedenktafel für Augusta von Zitzewitz an ihrem Wohnhaus Reichsstr. 97 in Berlin-Westend Offenbar mit Unterstützung, vermutlich nicht gegen den Willen der Mutter, begann Augusta 1907 – da Frauen zu dieser Zeit die Ausbildung an Kunstakademien noch verwehrt war – eine Ausbildung beim Verein Berliner Künstlerinnen und wurde – nachdem sie auf Empfehlung von Käthe Kollwitz in Paris moderne Kunst und Künstler kennengelernt hatte – 1914 Mitglied der Berliner Freien Sezession. Von 1917 bis 1932 erstellte sie Holzschnitte unter anderem für die linksliberale Zeitschrift Aktion. Sie malte Porträts unter anderem von Claire Waldoff, Renée Sintenis, Hedwig Heyl und Louise Schroeder.

Augusta von Zitzewitz war Mitglied des Deutschen Künstlerbunds, und nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde sie obligatorisch Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste. Sicher belegt ist ihre Teilnahme 1933 an der Ausstellung Deutscher Künstlerbund. Erste Ausstellung in Magdeburg und Saarbrücken und 1936 in Hamburg an der Ausstellung des Deutschen Künstlerbunds Malerei und Plastik, die nach 10 Tagen auf Anordnung der Reichskammer mit der Begründung geschlossen wurde, es würde Kunst der „Verfallszeit“ gezeigt.

Sowohl wegen ihrer Ehe mit dem jüdischen Kunsthistoriker Erich Römer wie wegen ihrer eigenen Werke verboten ihr die Nationalsozialisten dann Arbeit und Ausstellungen. Ihre Kunst galt als entartet. Das Berliner Adressbuch verzeichnete sie allerdings 1943 weiter als Kunstmalerin in der Charlottenburger Reichsstraße 97.

Nach dem Ende des NS-Staats arbeitete sie in West-Berlin wieder als freischaffende Malerin. 1945/1946 war sie in Ost-Berlin auf der vom Kulturbund zur Demokratischen Erneuerung Deutschlands veranstalteten Ausstellung Bildender Künstler mit dem Ölgemälde Osterglocken vertreten. 1950 und 1958 hatte sie ehrende Ausstellungen in Charlottenburg. 1961 folgte eine Gedächtnisschau im Rahmen der Großen Berliner Kunstausstellung und 1980 eine Ausstellung der Stiftung Pommern im Rantzaubau des Kieler Schlosses.Augusta v[on] Zitzewitz. Stiftung Pommern, Kiel 1980, .

mini|hochkant|Grab von Augusta von Zitzewitz auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend Ihr Grab befindet sich auf dem landeseigenen Friedhof Heerstraße in Berlin-Westend (Grablage: II-W 12-300).Hans-Jürgen Mende: Lexikon Berliner Begräbnisstätten. Pharus-Plan, Berlin 2018, ISBN 978-3-86514-206-1, S. 497.

Eine entfernte Verwandte, Anette von Zitzewitz, hat als Filmemacherin über die Malerin einen sehr beachtenswerten Film gedreht, der zeigt, was aus einem „Mädchen in Uniform“ mit pommersch-adeligem und preußisch-militärischem Hintergrund im Laufe der turbulenten Geschichte des 20. Jahrhunderts werden konnte bzw. welche Hindernisse sich ihrer Karriere und ihrer heutigen Bekanntheit entgegenstellten.

Familie Von Zitzewitz ehelichte 1914 den Kunsthistoriker Erich Römer (1888–1933), mit dem sie eine Tochter namens Ilse Marie (1915–1964) hatte. In zweiter Ehe, die kinderlos blieb, war sie von 1924 bis 1927 mit dem Landwirt Benno Georg Franz von Stülpnagel (1876–1940) verheiratet.

Ehrungen Am Haus Reichsstr. 96/97, 14052 Berlin, befindet sich eine Gedenktafel für Augusta von Zitzewitz. Diese Gedenktafel wurde am 17. August 2003 enthüllt.

Museen und öffentliche Sammlungen mit Werken Augusta von Zitzewitz‘ (unvollständig) Berlin: Neue Nationalgalerie Berlin: Kupferstichkabinett, Staatliche Museen zu Berlin Berlin: Berlinische Galerie Berlin: Kunstsammlung des Stadtbezirks Berlin-Charlottenburg Braunschweig: Herzog Anton Ulrich-Museum

Werke (Auswahl) Porträt von Max Herrmann-Neiße. Ölgemälde, Berlin 1929. Blumenstilleben. Öl auf Leinwand, 1925–1929. Blumenstilleben. Öl auf Leinwand, 1931. Mädchenbildnis mit Puppe (Öl auf Hartfaserplatte, 68 × 50 cm; Museum Kunst der Verlorenen Generation, Salzburg) Stilleben mit Kornblumen und Margeriten. o. J. Herbstlandschaft mit kleinem See. Öl auf Leinwand: 69 × 89,5 cm, Auktionshaus Quentin Berlin, Auktion 24, Los Nr. 76.

Literatur Werner von Kieckebusch: Geschichte des Geschlechts v. Stülpnagel. Band 1. Verlag "Die Wehrmacht", Berlin 1938, , S. 229.

Heinrich Eugen von Zitzewitz: Augusta von Zitzewitz. Waisenhaus Buchdruckerei, Braunschweig 1978. Walter von Hueck (Bearb.): Genealogisches Handbuch der adeligen Häuser. Teil A, Band 12 (= Genealogisches Handbuch des Adels. Band 55). C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1973, , S. 365. Rainer Zimmermann: Expressiver Realismus. Malerei der verschollenen Generation. Hirmer, Berlin 1994, ISBN 3-7774-6420-1, S. 464. Zitzewitz, Augusta von. In: Hans F. Schweers (Hrsg.): Gemälde in Museen. Deutschland, Österreich, Schweiz. Katalog der ausgestellten und depotgelagerten Werke. Teil 1: Künstler und ihre Werke. Band 3: R–Z. 5., aktualisierte und erweiterte Ausgabe, Saur, München 2008, ISBN 978-3-598-24250-2, S. 1829. Karl Heinrich von Stülpnagel: Geschichte des Geschlechts von Stülpnagel. Band 2. Markkleeberg 2009, ISBN      978-3-00-025430-7, S. 235. Joachim Gunkel: Malweib und Grande Dame. Augusta von Zitzewitz (1880–1960). In: Pädiatrie. Organ des NipD e.V. 24 (2012), Nr. 5, , S. 376. Katja Behling: Augusta von Zitzewitz 1880–1960. In: Dies., Anke Manigold: Die Malweiber. Unerschrockene Künstlerinnen um 1900. Insel-Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-458-35925-8, S. 80–82.

Filmografie 2001/2002: ...Grande Dame der Malerei – Augusta von Zitzewitz 1880 – 1960. Dokumentarfilm, Regie: Anette von Zitzewitz.

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Einzelnachweise

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