mini|Pendelbahn Furtschellas (Schweiz) mini|Schema einer Pendelbahnkabine Eine Pendelbahn, auch Pendelseilbahn, ist eine Luftseilbahn, bei der die Kabinen an einem oder mehreren Tragseilen hängend zwischen der Tal- und der Bergstation hin- und herfahren, also pendeln. Die Pendelbahn, insbesondere die Zweiseil-Pendelbahn, wird häufig als die klassische Luftseilbahn angesehen.
Funktionsweise Die Kabine, auch Wagen bzw. fachsprachlich Fahrbetriebsmittelbeispielsweise § 2 SeilbG 2003 (Österreich) genannt (Gondel ist technisch gesehen unzutreffend, siehe dazu Gondelbahn), ist über ein Gehänge mit dem Laufwerk verbunden, das mit seinen Laufrollen auf dem oder den Tragseilen fährt und von einem oder mehreren Zugseilen gezogen wird, so dass die Fahrzeuge – auf ihren jeweiligen Fahrbahnseiten verbleibend – zwischen den Stationen ohne Stationsdurchfahrt mit wechselnder Fahrtrichtung hin und her pendeln. Das gegenteilige Konstruktionsprinzip zur Pendelbahn ist die Umlaufseilbahn.
Zweispurige und einspurige Pendelbahnen mini|Die Urdenbahn zwischen Arosa und Lenzerheide, zwei voneinander unabhängige, einspurige Pendelbahnen
Pendelbahnen sind meist zweispurig. Bei dieser Bauart verkehren zwei Fahrzeuge jeweils auf einer eigenen, aus einem oder mehreren Tragseilen bestehenden Fahrbahn. Beide Fahrzeuge sind mit einem in der Bergstation über eine Seilscheibe geführten Zugseil fest verbunden, das sie hin und her bewegt, so dass ein Fahrzeug bergauf gezogen wird, während das andere bergab fährt. Das Gewicht der Fahrzeuge, genauer gesagt die Hangabtriebskraft, gleicht sich dabei weitgehend aus. Eine Kraftdifferenz kann sich aus unterschiedlicher Beladung und wechselnden Steigungen im Verlauf der Strecke ergeben. Die resultierende Zugkraft und die Kraft zur Überwindung der Reibung muss der Antriebsmotor aufbringen. Um das Zugseil spannen zu können und um die wandernden Seillasten auszugleichen, sind die Fahrzeuge über eine Umlenkscheibe in der Talstation mit dem Gegenseil verbunden, so dass Zugseil und Gegenseil eine geschlossene Schleife bilden.
Es existieren auch einspurige Pendelbahnen mit nur einer Fahrbahn und einem Fahrzeug. Sie können mit einer geschlossenen Zugseilschleife ausgeführt sein, bei der das Zugseil leer oder mit Ballast zurückläuft, oder als sog. Windenbahn, bei der das Fahrzeug von einer in der Bergstation untergebrachten Seilwinde bewegt wird. Ein neueres Beispiel einer einspurigen Windenbahn ist die 2005 eröffnete Luftseilbahn Lauterbrunnen–Grütschalp. Als kostengünstigere Materialseilbahnen zu Bergbauernhöfen werden auch einspurige Pendelbahnen gebaut, bei denen das rücklaufende Zugseil als Tragseil genutzt wird; dabei wird das Tragseil eingespart, aber die Haltbarkeit der tragenden Rollen wird halbiert, da sich ja zusätzlich der Fahrweg in der Gegenrichtung bewegt und sich dadurch verdoppelt.
Beispiele für eine einspurige Pendelbahn sind die obere Sektion der Nordkettenbahn von der Seegrube zur Hafelekarspitze und verschiedene Kleinseilbahnen in der Schweiz (s. u.). Bei einigen zweispurigen Pendelseilbahnen, die lediglich geringe Höhenunterschiede überwinden müssen, werden für jede Richtung getrennte Zugseilschleifen und Antriebe eingesetzt (das Zugseil läuft dabei leer, bei größeren Spannfeldern ggf. an nur für sie eingerichteten Tragseilen hängend zurück). Solche Anlagen können unabhängig voneinander betrieben werden; in Zeiten geringen Fahrgastaufkommens kann der Fahrbetrieb auf eine Spur reduziert werden, ebenso kann eine Gondel als Bergefahrzeug für eine womöglich stecken gebliebene Gondel der anderen Spur eingesetzt werden. Beispiele für solche Anlagen sind die Roosevelt Island Tramway seit dem Umbau im Jahre 2010, der Vanoise Express oder die Urdenbahn. Funifor-Anlagen basieren im Regelfall ebenfalls auf diesem Prinzip.
Zweispurige Pendelbahnen, die Bergbauernhöfe mit dem Tal verbinden, werden auch als Wasserballastbahn gebaut. Dabei wird am Berg ein unter dem Fahrzeug befindlicher Wasserbehälter gefüllt (oder das zweite Fahrzeug führt nur Wasser), dessen zusätzliches Gewicht die Lasten nach oben zieht. Im Kärntner Lesachtal wurden aber auch Wassermühlen zum Antrieb von Materialseilbahnen oder von Seilzügen, um steile Hänge bergauf pflügen zu können, verwendetMühlenweg Maria Luggau, Website des Tourismusverbands Lesachtal Mühlenweg Maria Luggau, bei kleindenkmaeler.at; siehe dazu auch Luggauer Mühlen.
Gruppenpendelbahn
Es können aber anstelle der beiden großen Kabinen auch Gruppen von kleineren Fahrbetriebsmitteln (in der Praxis zwei bis fünf Fahrzeuge), die unmittelbar hintereinander am Zug- oder Förderseil angebracht sind, auf den jeweiligen Spuren pendelnd verkehren (Beispiel: die Obersalzbergbahn). Durch diese Anordnung können an der Berg- und Talstation schmalere Gebäude gebaut und Seilbahnstützen mit kürzeren Kragarmen verwendet werden. Bei dicht hintereinander gehängten Kabinen müssen diese untereinander verbunden werden, um ein gegenseitiges Anstoßen zu verhindern.
Einseilpendelbahnen Es gibt auch Einseil-Pendelbahnen, die statt auf Zug- und Tragseil lediglich mittels eines Förderseils verkehren, das die Funktionen von Zug- und Tragseil vereint, beispielsweise die Rosh-Hanikra-Seilbahn.
Fahrzeuge Kabinen Die Kabinen sind in der Regel geschlossene Metallkonstruktionen unterschiedlicher Größe mit normalerweise rechteckigem Grundriss. Sie haben meist keine oder nur wenige Sitzplätze, aber Stehplätze für häufig über hundert Passagiere. Bei sehr leistungsfähigen Anlagen werden in Einzelfällen doppelstöckige Kabinen eingesetzt, so erstmals die mit 180 Plätzen bei der Doppelstockbahn Samnaun in der Schweiz oder die beim Shinhotaka Ropeway in Japan mit 121 Plätzen. Die derzeit größten Kabinen sind die beiden 200 Personen fassenden zweistöckigen Kabinen des Vanoise Express in Frankreich, die voll beladen je 29 t wiegen, und seit 2016 die 230 Personen fassenden Kabinen der Ha-Long-Queen-Seilbahn in Vietnam.
Eine Sonderform sind runde Kabinen, bei denen sich der Kabinenboden mit den Fahrgästen während der Fahrt um sich selbst dreht, wie die 80 Personen fassenden Kabinen der Titlis-Rotair-Bahn in der Schweiz (bis 2014), die der Table Mountain Aerial Cableway, die Kabinen der Palm Springs Aerial Tramway in Kalifornien mit 80 Plätzen und die Kabinen der Funivia Malcesine – Monte Baldo am Gardasee für 80 Personen. Das Gewicht einer Kabine beträgt z. B. bei der Palm Springs Aerial Tramway leer 10 t und voll beladen über 16 t. Seit November 2014 sind bei der Titlis-Rotair-Bahn neue Kabinen im Einsatz, bei denen sich erstmals das vollständige Kabinengehäuse um die eigene Achse dreht und nicht nur der Kabinenboden.Das ist die neue Gondel auf den Titlis, neue Luzerner Zeitung online vom 14. November 2014, abgerufen am 11. Februar 2015
Die bezüglich zulässige Traglast pro Fahrzeug mit bis 40 Tonnen leistungsfähigste Seilbahn wurde für Materialtransporte des Ausbaus der Kraftwerke Linth-Limmern im Kanton Glarus (Schweiz) gebaut. Die beiden Tragseile sind dabei 90 mm dick. PDF, abgerufen am 25. November 2011
In der Anfangszeit der Pendelbahnen nach dem Ersten Weltkrieg wurden auch zwölfeckige Kabinen gebaut, etwa von Adolf Bleichert & Co. bei der Predigtstuhlbahn, der Seilbahn zum Montserrat oder der Hafenseilbahn Barcelona. Es gab auch offene Kabinen, wie die Sommerkabine bei der Raxseilbahn, die nur eine Reling hatte und mit einer Zeltplane gegen Regen geschützt werden konnte, oder geschlossene Kabinen mit offenen Plattformen wie bei der Kohlerer Bahn.
Gehänge Das Gehänge ist die Stahlkonstruktion, die die eigentliche Fahrgastkabine mit dem Laufwerk verbindet. Es ist im Regelfall starr mit der Kabinenoberseite und drehbar gelagert mit dem Laufwerk verbunden, um ein Längspendeln von Kabine und Gehänge zuzulassen und das Befahren wechselnder Steigungen zu ermöglichen. Es muss so hoch sein, dass die Kabine auch an der steilsten Stelle bei möglichem Ausschwingen nicht an die Tragseile schlägt. Außerdem verlaufen Pendelbewegungen bei langen Pendeln langsamer als bei kurzen. Meist wird zwischen dem Laufwerk und der Kabine auch ein Schwingungsdämpfer eingebaut. Bei Bahnen mit Stützen ist eine asymmetrische Ausführung des Gehänges notwendig, damit das Fahrzeug die Lagerungen der Seile auf den Kragarmen der Stützen seitlich mit sicherem Abstand überfahren kann. Bei Pendelbahnen ohne Stützen hat das Gehänge oft eine symmetrische Form wie ein A, wobei die Seile durch die Spitze des A laufen, so dass eine Entgleisung ausgeschlossen ist. Bei der Lagazuoi-Seilbahn besteht das symmetrische Gehänge nicht aus einer festen Konstruktion, sondern tatsächlich nur aus Stahlseilen. Am Gehänge ist regelmäßig eine Leiter angebracht, um dem Seilbahnpersonal den Aufstieg vom Kabinendach zum Laufwerk zu ermöglichen.
Siehe auch Hauptartikel: Gehänge (Seilbahn).
Laufwerke mini|Laufwerk einer Pendelbahn, zwei Tragseile Mit den Laufwerken fahren die Kabinen auf den Tragseilen. Sie enthalten – je nach Anzahl der Tragseile – ein- oder mehrspurig die Rollenbatterien, mit denen das Gewicht der Kabine auf einen längeren Bereich des oder der Tragseile verteilt wird. Die Laufwerke kleiner, leichter Pendelbahnen haben nur zwei Rollen, bei großen Kabinen können die Laufwerke mehrere Meter lang sein und Rollenbatterien mit 24 und mehr Rollen enthalten. Die Rollen haben auswechselbare Einlagen aus elastischem Material, die für eine weichere und leisere Fahrt sorgen und sowohl Rollen als auch Tragseile vor Verschleiß bewahren. An den Laufwerken befinden sich die Befestigungen der Zugseile, die Fangbremsen und vor allem die drehbar aus einem großen Bolzen bestehende Lagerung des Gehängearmes.
Seile Tragseile Jedes Fahrzeug fährt auf einem oder mehreren Tragseilen, die die Funktion haben, das Fahrzeug zu tragen und zu führen sowie im Fall eines Zugseilrisses als Angriffspunkt für die Fangbremse/Tragseilbremse zu dienen. Tragseile sind in Abhängigkeit von ihrer Länge, dem Gewicht der Kabinen und anderer Faktoren bis zu 90 mm stark. Bei größeren und schwereren Fahrzeugen oder zu transportierenden Lasten werden mehrere Tragseile (im Abstand von ca. 80 cm oder mehr) eingesetzt. Das reduziert die Last pro Seil und das zu tragende Eigengewicht der Seile. Ein Fahren auf mehreren Seilen dämpft seitliches Pendeln der Kabinen, das bei Seitenwind auftritt. Tragseile sind meist vollverschlossene Seile mit einer angenähert glatten Oberfläche, um eine möglichst ruhige Fahrt zu erreichen. Seit einigen Jahren können sie sogar Elektro- oder Lichtwellenleiter enthalten, über die die Kommunikation zwischen der Tal- und der Bergstation läuft. Zwischen Doppeltragseilen sind in größeren Abständen V-förmige Seilreiter befestigt, die den Abstand der Tragseile sicherstellen und mit einer kleinen Rolle gleichzeitig als Unterstützung und Führung des Zugseiles dienen.
Bei den stützenlosen Bahnen mit nur einem Spannfeld können die Tragseile häufig sowohl an der Bergstation als auch an der Talstation fest verankert werden, da temperatur- und lastbedingte Längenänderungen der Seile nur dazu führen, dass sie etwas mehr oder weniger durchhängen. Führen die Seile jedoch über Seilbahnstützen, werden die Tragseile nur an einer Station, meist an der Bergstation fest verankert. An der Gegenstation werden die Tragseile dann über Umlenkrollen an sehr großen, viele Tonnen wiegenden Gewichten aus Beton befestigt, die frei in Schächten hängen, die so tief sein müssen, dass die Gewichte jede Längenänderung der Seile ausgleichen können. Diese Spanngewichte sorgen für eine gleichbleibende Grundspannung der Seile, um bei der wandernden Belastung der Seilstrecken durch die Fahrzeuge und auch der Überfahrt selbiger über die Stützen gleichbleibende Spannungsverhältnisse zu erreichen.