Rychliki ( Reichenbach) ist ein Dorf im Powiat Elbląski (Kreis Elbing) der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren. Es ist Sitz der gleichnamigen Landgemeinde.

Geographische Lage Das Kirchdorf liegt im ehemaligen Ostpreußen, etwa zwölf Kilometer südwestlich von Pasłęk| (Preußisch Holland) und fünf Kilometer nordöstlich von Kwietniewo (Königsblumenau).

Geschichte Ortsgeschichte Zu dem alten Kirchdorf Reichenbach, das im Jahre 1310 gegründet wurde,Informationszentrum Ostpreußen: Rychliki – Reichenbach gehörte neben einer 300 Meter südöstlich des Dorfes im Wald gelegenen Försterei noch eine Molkerei.Dietrich Lange: Reichenbach, in: Geographisches Ortsregister Ostpreußen (2005) Im Jahre 1785 wurde Reichenbach als „elbingsches Hospitaldorf“ mit 16 Feuerstellen, im Jahre 1820 als „königliches Bauerndorf“ mit 53 Feuerstellen bei 312 Einwohnern genannt.GenWiki: Reichenbach (Landkreis Preußisch Holland) Das Dorf lag im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs.

Von 1874 bis 1945 war Reichenbach Sitz des gleichnamigen Amtsbezirks im Kreis Preußisch Holland.Rolf Jehke: Amtsbezirk Reichenbach

Im Jahre 1885 hatte Reichenbach 831 Einwohner, im Jahre 1910 waren es 726. 1933 belief sich ihre Zahl auf 708, 1939 auf 732.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Region im Frühjahr 1945 von der Roten Armee besetzt. Nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde Reichenbach seitens der sowjetischen Besatzungsmacht zusammen mit der südlichen Hälfte Ostpreußens der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Soweit die einheimischen Dorfbewohner nicht geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit von der polnischen Administration aus dem Kreisgebiet vertrieben oder an der Rückkehr gehindert.

Im Jahre 1945 erhielt Reichenbach die polnische Namensform „Rychliki“. Von 1954 bis 1972 war das Dorf Sitz einer Gromada, und es ist heute Zentrum der Gmina Rychlikiim Powiat Elbląski, von 1975 bis 1998 der Woiwodschaft Elbląg, seither der Woiwodschaft Ermland-Masuren zugehörig. Im Jahre 2021 zählte Rychliki 645 Einwohner.

Amtsbezirk Reichenbach (1874–1945) Als am 28. Mai 1874 der Amtsbezirk Reichenbach errichtet wurde, gehörten fünf Ortschaften dazu. Aufgrund struktureller Veränderungen waren es am Ende noch drei:LG = Landgemeinde, Forst = Forstgutsbezirk

Deutscher Name Polnischer Name Anmerkungen Buchwalde (LG) Buczyniec Buchwalde (Forst) Buczyniec (Osada leśna) 1928 in die LG Buchwalde eingegliedert Dosnitten Dziśnity 1928 nach Günthersdorf eingemeindet Günthersdorf Gołutowo Reichenbach (LG) Rychliki ab 1877:Reichenbach (Forst) 1928 in die LG Reichenbach eingegliedet ab 1930:Laubnitz Łubnica bis 1930 zum Amtsbezirk Rossitten zugehörig

Patenschaft mini|Gedenkstein Patenschaft Krempe-Reichenbach (Rychliki) Mit Rychliki (Reichenbach) ist die Stadt Krempe im Kreis Steinburg, Deutschland, durch eine Patenschaft seit dem 7. September 1963 verbunden. Daran erinnert ein Gedenkstein in der schleswig-holsteinschen Kleinstadt.

Religion Kirchengebäude Kirche von 1310 Eine Kirche wurde in Reichenbach bereits 1310 von den Ordensrittern erbaut.Agathon Harnoch: Reichenbach, in: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Neidenburg 1890, S. 147–148 Es handelte sich um einen gotischen Ziegelbau, untermischt mit Feldsteinen. Ein Turm aus Holz, versehen mit drei Glocken, wurde sehr viel später vorgebaut. Im Jahre 1875 wurde die Kirche abgerissen.

Kirche von 1877 Die jetzige Kirche Reichenbachs wurde am 27. September 1877 eingeweiht.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 2 Bilder ostpreussischer Kirchen, Göttingen 1968, S. 77, Abb. 283, 284 Das verputzte Gebäude steht auf einem rechteckigen Grundriss, in romanischem Stil, mit Apsis. An der westlichen Nordseite steht Turm mit den Glocken aus der alten Kirche.

Altar, Kanzel, Orgel und Kronleuchter schmücken Schnitzwerke von Wilhelm Gottfried Grzybowski, einem Meister in der Skulptur, der von 1863 bis 1882 Pfarrer an der Reichenbacher Kirche war. In seinen Werken zeichnet Grzybowski hier die allmähliche Entwicklung des Gottesbegriffs vom Heidentum über das Judentum zum Christentum nach. Bemerkenswert ist ein von ihm in Lindenholz kunstvoll geschnitzter Ecce homo, der sogar auf der Weltausstellung Paris 1867 war und dort nicht unbeachtet blieb.

Die Orgel mit Pedal hatte 13 Register. Ein früheres von Orgelbauer August Terletzki aus Elbing stammendes Werk aus der alten Kirche wurde wohl an die Pfarrkirche in Albrechtsdorf verkauft.Informationszentrum Ostpreußen: Rychliki – Reichenbach Aus der alten Kirche stammt noch ein Kruzifix aus Holz aus der Zeit um 1425.

Die alte Ausstattung der Kirche ging fast völlig verloren.

Bis 1945 war die Reichenbacher Kirche ein evangelisches Gotteshaus. Nach baulichen Veränderungen und Verbesserungen nutzt es heute die römisch-katholische Kirche.Diecezja Elbląska: Rychliki: Parafia Niepokalanego Serca NMP (polnisch)

Kirchengemeinde Eine Kirche wurde in Reichenbach um 1310 gegründet.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 472, siehe auch: 413, 428, 434 und 442 Mit der Reformation übernahm sie die lutherische Lehre.

Evangelische Kirche Kirchengeschichte In der Zeit um 1720/25 war die Kirchengemeinde Reichenbach in das Erzpriestertum Preußisch Holland eingegliedert, gehörte 1854 und 1916 zur Inspektion Preußisch Holland und dann bis 19045 zum Kirchenkreis Preußisch Holland in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union. Das Kirchenpatronat oblag dem Magistrat in Elbing. Das Kirchspiel zählte im Jahre 1925 1.900 Gemeindeglieder und umfasste zwölf Dörfer und Ortschaften.

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzten 1945 der evangelischen Gemeinde in Reichenbach ein Ende. Heute hier lebende evangelische Kirchenglieder gehören zur St.-Georgs-Kirche in Pasłęk, einer Filialkirche der Pfarrei in Ostróda innerhalb der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.

Kirchspiel Zum Kirchspiel Reichenbach gehörten bis 1945 die Orte:Der * kennzeichnet einen Schulort Deutscher Name Polnischer Name Deutscher Name Polnischer Name *Buchwalde, Dorf Buczyniec *Hohendorfmit Grundmühle Wysokamit Grądowy Młyn Buchwalde, Forst Buczyniec (Osada leśna) *Klein Tippeln Topolno Małe Buchwalde, Ebene Buczyniec Laubnitz Łubnica *Dosnitten Dziśnity Neu Kampenau Nowe Kępniewo Groß Tippeln Topolno Wielkie *Reichenbach Rychliki Günthersdorf Gołutowo *Stühmswalde Stankowo

Pfarrer An der Pfarrkirche in Reichenbach amtierten als evangelische Geistliche:Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg 1968, S. 120 NN. Joachim Hermann, ab 1578 Michael Kalowius, um 1590 Elias Lerch, bis 1602 Simon Petri, 1602–1611 Thomas Lichtenstein, 1611 Johann Schiel, 1611–1612 Michael Wannowius, 1617–1621 Johann Ebel, 1619–1622 Caspar Martini, 1620 Jacob Stillerus, 1622–1625 David Holst, 1625–1630 Arnold Schüler, 1632–1646 Ernestus Hesychius, 1636–1641 Caspar Kaulbarsch, 1642–1648 Christian Ladmann, 1648–1655 Christoph Laser, um 1655 Johann Gueldenius, 1655–1661 Augustin Bachmann, 1662–1672 Friedrich Zamehl, 1670–1673 Heinrich Koncius, 1675–1684 Christoph Zeidler, 1685–1693 Theodor Cunovius, 1693–1708 Martin Raschke, 1708–1711 Andreas Schubert, 1711–1717 Christoph Zeidler, 1717–1719 Daniel Rittersdorf, 1719–1723 Elias Sagatz, 1723–1727 Heinrich Cunovius, 1727–1734 Samuel Kienast, 1734–1742 Christian Schwark, 1742–1753 Ephraim Gottl. Marsilius, 1753–1755 G3eorg Ephraim Thomas, 1755–1760 Gotthard Christ. Güzttner, 1760–1776 Gottfr. Theodor Friedr. Reuß, 1777–1784 Johann Christian Schusterus, 1784–1792 Jacob Heinrich Schreiber, 1792–1797 Martin Georg Cuntius, 1797–1809 Johann Jacob Rahts, 1809–1840 Robert Feodor Jansson, 1841–1863 Wilhelm Gottfried Grzybowski, 1863–1880 Eugen Oskar Theod. Weiß, 1882–1888 August Konrad Wiederhold, 1889–1902 Richard Echternach, 1901–1903 Paul Schmidt, 1903–1945

Römisch-katholische Kirche Vor 1945 gehörten die römisch-katholischen Kirchenglieder Reichenbachs zur Pfarrei St. Josef in der seinerzeitigen Kreisstadt Preußisch Holland. Sie war dem damaligen Bistum Ermland zugeordnet.

Nach 1945 übernahmen die zahlreich zugewanderten katholischen Einwohner Rychlikis die bisher evangelische Kirche als ihr Gotteshaus. Sie wurde dem Unbeflecktem Herz Mariä gewidmet. Am 1. Juni 1962 errichtete man in Rychliki eine Pfarrei, die jetzt dem Dekanat Pasłęk II im Bistum Elbląg zugehört.

Verkehr Rychliki liegt an der verkehrsreichen Woiwodschaftsstraße 527, die von Dzierzgoń über Pasłęk und Morąg bis nach Olsztyn verläuft. Die Woiwodschaftsstraße 526 ist sowohl über Myślice als auch über Śliwica zu erreichen. Die Nachbarorte Buczyniec und Wysoka sind durch Nebenstraßen mit Rychliki verbunden.

Die nächste Bahnstation ist Pasłęk an der Bahnstrecke Olsztyn–Bogaczewo.

Persönlichkeit Friedrich Wilhelm Markull (* 17. Februar 1816 in Reichenbach), deutscher Organist, Pianist und Kompnist, „Königlicher Musikdirektor“ († 1887)

Literatur Reichenbach, Dorf und Försterei, Kreis Preußisch Holland, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen. In: Meyers Gazetteer, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Reichenbach (meyersgaz.org). August Eduard Preuß: Preußische Landes- und Volkskunde oder Beschreibung von Preußen. Ein Handbuch für die Volksschullehrer der Provinz Preußen, so wie für alle Freunde des Vaterlandes. Gebrüder Bornträger, Königsberg 1835, S. 445 (Google Books).

Weblinks Bildarchiv Ostpreußen: Slideshow Reichenbach

Einzelnachweise

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