mini|hochkant=1.32|Mértola – Ortsansicht mit Río Guadiana Mértola ist eine Kleinstadt (Vila) mit Einwohnern (Stand ) in der Provinz Alentejo im Südosten Portugals.
Lage und Klima Mértola liegt in einer Höhe von ca. 80 bis in der waldreichen zerklüfteten Felslandschaft des östlichen Alentejo auf einer Felsnase über der Mündung des Río Oeiras in den Río Guadiana. Die Stadt Beja ist knapp 53 km (Fahrtstrecke) in nordwestlicher Richtung entfernt; bis zur Atlantikküste bei Vila Real de Santo António sind es ca. 68 km. Das Klima ist gemäßigt bis warm; Regen (ca. 500 mm/Jahr) fällt überwiegend im Winterhalbjahr.Mértola – Klimatabellen
Geschichte Vorgeschichte Die Region um Mértola weist eine Reihe von Menhiren auf, wie die „Menires de Lavajo“ und im „Vale das Antas“, deren Errichtung auf etwa 3000 v. Chr. datiert wird.Susanna Gómez Martínez: La céramica islámica de Mértola: Producción y comercio, Diss. Madrid 2004, S. 32. An der Straße zur Mina de São Domingos, 3 km vom Ort entfernt, fanden sich Spuren der Kupferverarbeitung aus dem 3. Viertel des 3. vorchristlichen Jahrtausends. Zwar vermutet man auch eine Siedlung aus dieser Zeit auf dem Stadtgebiet, doch fanden sich bisher mangels entsprechender Forschungen keine weiteren Spuren.
Keltiberer, Phönizier Die in der Umgebung lebenden Kelten dürften dem Stamm der „Cunii“ angehört haben, wie sie in den lateinischen Quellen heißen, und die schon Herodot als „Cynesii“ nannte, die bei ihm allerdings keine Kelten waren, und die im äußersten Westen Europas lebten (II, 33Herodot II, 33 in englischer Übersetzung.). Sie benutzten für ihre Grabsteine ein semitisches Alphabet. Wahrscheinlich lebten sie bereits im 9. Jahrhundert v. Chr. am Río Guadiana.Jorge de Alarcão: O Domínio Romano em Portugal, Publicações Europa-América, 1988, S. 13. Doch für die Bronzezeit sind die Hinweise auf Besiedlung des Stadtgebiets eher vage, gesichert ist sie erst für den Anfang der Eisenzeit.
Erst als vor 750 v. Chr. Phönizier in die Region kamen, entstand eine Handelsdynamik, die einen geschützten Hafen und eine Sicherung der Handelswaren notwendig machte. Dementsprechend war die geschützte Lage über dem Guadiana, die die Verschiffung von Gold, Silber und Zinn, vor allem aber von Kupfer gestattete, von größter Bedeutung. Ob aber das Königreich von Tartessos eine ähnliche oder noch größere Rolle bei diesem Prozess gespielt hat, ist unklar. Eine Nekropole aus dem 7. bis 5. Jahrhundert v. Chr. befand sich dort, wo sich heute der Rossio do Carmo unterhalb der Stadtfestung befindet. Ob letztlich die Cunii die Stadt gründeten, oder Phönizier, ist ungeklärt, wobei die Annahme einer phönizischen Gründung nur auf dem Namen „Myrtilis“ beruht. Griechischer Einfluss, der sich vielfach zeigen lässt, wurde durch die Händler als Intermediäre eingetragen.
Die ältesten archäologischen Spuren einer Stadtmauer fanden sich unter der Casa do Pardal und stammen aus dem 5. Jahrhundert v. Chr.; dort fand sich auch die älteste phönizische Amphore der Stadt. Die älteste schriftliche Quelle meint nur lakonisch, Myrtilis sei ein „oppidum antiquum et praeclarum“ (Ptolemaios, 2. Jahrhundert v. Chr.), ein altes und bedeutendes Oppidum. Neben keltischen und iberischen Gruppen lebten die Turdetaner um Mértola, das eine ihrer Städte in der Algarve war, ebenso wie, folgt man Ptolemaios, Balsa, Ossonoba, Pax Iulia, Salacia und Caetobriga. An der Mündung der Guadiana saßen die Baesuri, die den Zwischenhandel Richtung Küste kontrollierten. Die Annahme, Mértola habe später zu Karthago gehört, basiert nur auf der Tatsache, dass der karthagische Name für die Guadiana überliefert ist, nämlich Hanas. Erst während des ersten punischen Krieges (264–241 v. Chr.) versuchten die Karthager ihren Einflussbereich auf die gesamte iberische Halbinsel auszudehnen.
Römer Die Römer nannten den Ort Iulia Myrtilis, unter Augustus wurde er zum Municipium erhoben. Sie nutzten ihn zur Verschiffung der Erze, die sie in den Minen der Region förderten. Dabei folgte der offenbar leichten Eroberung gegen geringen keltischen Widerstand ein langer Krieg mit den Lusitanern, der im Kern von 155 bis 138 v. Chr. dauerte. Erste Angriffe auf die mit den Römern verbundenen Städte hatten bereits 194 oder 193 v. Chr. begonnen. Damit wurde das sowieso stark befestigte Mértola zu einer der Ausgangsbasen für militärische Operationen der Römer.
Eine Mauer aus der frühen Kaiserzeit wird seit 2000 partiell ausgegraben und dokumentiert. Sie dürfte etwa 4 km lang gewesen sein und war 5 m hoch, wahrscheinlich wies sie vier Türme auf. Eines der monumentalen Portale war der Cerro do Furadouro, ein zweiter der Cerro do Benfica; sie stammten bereits aus dem 4. Jahrhundert v. Chr., wurden aber umgebaut. Dabei war die doppelte Steinmauer mit Erde und unregelmäßigen Steinen verfüllt. Diese Umbautätigkeit ließ in der späten Kaiserzeit nach und Häuser wurden unmittelbar an die Stadtmauer gebaut.
L. Appuleius Decianus ließ in Mértola Münzen prägen (83–82 v. Chr.), was vermutlich mit den Kämpfen zwischen Quintus Sertorius, der eine starke Machtbasis im Süden besaß, und Pompeius bzw. Metellus zusammenhing (bis 72 v. Chr.).
Zu offenen Kämpfen kam es erst wieder im 2. Jahrhundert, als die Mauri im Jahr 171 in die römische Provinz Baetica einfielen. Ein in Mértola aufgefundener Stein steht mit den Kämpfen unter Marc Aurel in Zusammenhang, ebenso wie Funde aus Pax Iulia – Béja und Ammaia zur Zeit des Lucius Verus.Jorge de Alarcão: O domínio romano em Portugal, Publicações Europa-América, 1988, S. 29 f. In einer Inschrift danken die Anwohner einem Berilo, procurator et rationalium vicarius (S. 130). Mit der zunehmenden Unsicherheit dürfte der massive Ausbau der Stadtmauer in Zusammenhang stehen, dessen Verlauf in der späten Kaiserzeit etwa dem heutigen entsprach. Ab 400 wurden die Befestigungsanlagen mehrfach verstärkt und ausgebessert. Hinzu kamen Regenwasserreservoirs (Ajibe) in Form unterirdischer Zisternen.
Um die Metallgewinnung trotz der zunehmenden Unsicherheit zu schützen, entstanden um die Munizipien Castro Verde, Almodôvar, Mértola und Alcoutim mindestens 20 Festungen oder befestigte Orte, die das flache Land deckten.Am besten erforscht ist Manuel Galo etwa 25 km südlich von Mértola. Kolonen, die üblicherweise den Landbau betrieben, gab es offenbar nicht. Ein procurator aus der Zentralstadt Merida überwachte den Abbau des Kupfers. Für die Minen von Aljustrel war Mértola höchstwahrscheinlich der einzige Ausfuhrhafen. Eine Straße verband Mértola mit der Hauptstadt des conventus, mit Beja (Pax Iulia); Abschnitte zweier Straßen sind um Mértola wieder sichtbar gemacht worden.
Die Wasserversorgung erfolgte über ein unterirdisches Kanalsystem, das seine Ausgangspunkte an zwei Brunnen außerhalb der Stadtmauer nahm. Wahrscheinlich war dieses Versorgungssystem bis in das 16. Jahrhundert in Gebrauch (vgl. Wasserkunst von Mértola).
Trotz der schon unter Caesar angenommenen fortgeschrittenen Romanisierung lassen Inschriften ein Fortleben vorrömischer Kultur erkennen. So war eine Inschrift der Dea Sancta geweiht, womit wohl die keltische Göttin Ataegina gemeint war. Auch entwickelte Mértola eine weit ausgreifende Anziehungskraft, die zahlreiche Kolonen, Freigelassene, aber auch fahrendes Volk in die Stadt brachte. So kam etwa ein Firmidius Peregrinus, aus Utica in Africa; andere kamen aus Italien oder Griechenland. Umgekehrt ging der in Mértola geborene Messius Fructusa Mitte des 2. Jahrhunderts nach Tunesien. Überraschend war ein Fund von Münzen aus Jerusalem, die möglicherweise auf die Anwesenheit von Juden hinweisen. Die Münzen stammen aus den Jahren 6 bis 66 n. Chr.Rui M. S. Centeno, J. M. Valladares Souto: Depósito de moedas da Judeia achado em Mértola, in: Nvmmvs, 2a serie, XVI-XX (1993-1997) 197-203, hier: S. 200. Weitere Schatzfunde im Umfang von etwa 8000 und 4000 Denaren sowie 690 Numismata kommen hinzu.
Als 1982 das Rathaus, die Câmara Municipal, Opfer eines Brandes wurde, blieb nur die Fassade bestehen. Unter der Schicht des 16. Jahrhunderts fand sich ab 1984 ein römisches Haus, das Umbauspuren aus dem 3. und 4. Jahrhundert aufwies. Zudem fanden sich 2002 bis 2004 Räumlichkeiten, die zum Wohnen, aber auch als Gasthäuser (tabernae) genutzt wurden, was sich mit der Nähe zum Hafen erklären lässt. Die Funde beherbergt mittlerweile das eigens gegründete Römische Museum von Mértola.
Etwa 500 m außerhalb der Stadt fand sich eine römische Nekropole, die im Kern vom 2. bis 5. Jahrhundert in Gebrauch war. Eine weitere Nekropole fand sich jenseits des Rossio do Carmo. Die Toten wurden ost-westwärts in offenen Gräbern beigesetzt; die Bedeckung erfolgte durch Glimmer, Tegulae oder einfach Erde. Nur ein Grab, ein Kindergrab, wies Goldschmuck auf, die übrigen Keramik. Seine Goldkette wies ein Chrismon mit Alpha und Omega auf. Die Männer waren etwa 1,60 m groß, die Frauen meist zwischen 1,42 m und 1,52 m, was dem iberischen Durchschnitt entsprach. Während die Zähne der römischen Gräber durch starken, getreidebedingten Verschleiß gekennzeichnet waren, stach bei den späteren muslimischen Gräbern hervor, dass die Menschen eher von Karies betroffen waren, was auf eine Reduzierung des grob gemahlenen Getreides und einen Anstieg der Süßspeisen hindeutet.
Alanen, Sueben, Westgoten Um 411 erschienen Alanen und Vandalen im Süden Portugals, die Region um Mértola wurde von Alanen besetzt. Diese beiden Völker verließen die iberische Halbinsel jedoch bereits 428, um Nordafrika zu erobern. Ihnen folgten um 430 die Sueben, die ab 438 die Baetica angriffen und um 440 Mértola eroberten. Dort empfing ihr König einen kaiserlichen Gesandten; der Süden der iberischen Halbinsel blieb wohl bis 458 in suebischer Hand, doch unterlagen sie gegen die Westgoten. Diese besetzten 473 Sevilla und dürften zwischen 466 und 474 auch Mértola erobert haben; die Sueben zogen sich dauerhaft in den Nordwesten der iberischen Halbinsel zurück. Möglicherweise war die Stadt Zentrum mehrerer Rebellionen im Rahmen des Tolosanischen Reiches.
Die Stadt wurde von einer Handelsmetropole zu einem kirchlichen und militärischen Zentrum der Region, die zudem rudimentäre Verwaltungsstrukturen beibehielt. Nur wenige Quellen berichten zur Zeit der Völkerwanderung. Unter diesen sind die Chronik des Hydatius von Aquae Flaviae. Dort taucht die Lokativform des Stadtnamens als „Martyli“ auf, was von den Arabern möglicherweise als Mértola weiterentwickelt wurde.
Griechische Grabsteine des 6. und 7. Jahrhunderts gehen wohl auf die Anwesenheit byzantinischer Händler zurück; Byzanz besetzte ab 554 bis etwa 615 nur den Süden der iberischen Halbinsel, jedoch wahrscheinlich ohne weiter nach Westen ausgreifen zu können. Andererseits nahmen von 589 bis 634 keine Gesandten der Stadt an westgotischen Konzilien teil, was ein Hinweis auf byzantinischen Einfluss sein könnte.
Deutlich erkennbar ist die relative ökonomische Isolation, da der Handel über die Guadiana mit dem Mittelmeerraum erheblich schwieriger geworden war. So war man sowohl wirtschaftlich, als auch kulturell stärker auf sich gestellt. Andererseits prägten Kirchen und Eremitagen die Stadt und ihre Umgebung zunehmend. So entstand etwa im Umkreis von 12 km eine Reihe von Einsiedeleien, wie die Nossa Senhora do Amparo. Dort fanden sich Bruchstücke eines Altars aus dem 7. Jahrhundert. Eine weitere bestand bei S. Bartolomeu de Via Gloria mit Überresten aus dem 4. bis 8. Jahrhundert, dann bei S. Barão (wohl 3. bis 7. Jahrhundert, das heutige Bauwerk stammt aus dem 18. Jahrhundert). Bei Mosteiro fand sich eine Einsiedelei, die möglicherweise auf die Überreste eines römischen Hauses zurückgeht. Sicherlich nutzten die Bauern und Hirten die verfallenden römischen villae so lange wie möglich. Zahlreiche Bruchstücke von Häusern aus dieser Zeit finden sich an Kirchen, aber auch in der Burg.
Die Umayyaden