Elliehausen () ist ein Dorf in Südniedersachsen am Westrand des Leinetals und westlicher Stadtbezirk von Göttingen, Niedersachsen. Elliehausen bildet zusammen mit Esebeck eine Ortschaft im Sinne des Niedersächsischen Kommunalverfassungsgesetzes. Bis zur Gemeindegebietsreform 1973 blieb Elliehausen selbstständig, seither gehört es als Stadtteil zu Göttingen. Heute ist der Ort vor allem eine Wohngemeinde mit einigen landwirtschaftlichen Betrieben.
Geographie Geographische Lage mini|hochkant=2|Elliehausen am unteren Westhang des Leinegrabens Elliehausen liegt unmittelbar am Übergang der nahezu ebenen Talaue des Leinegrabens zum unteren westlichen Hang des Leinetals auf einer Höhe von etwa und etwa 5 km westnordwestlich der Innenstadt von Göttingen. Mehrere kleine, heutzutage regulierte Bäche entspringen im und in der Nähe des Ortes und fließen nach Osten ab: Nördlich der Kirche entspringt ein Bach, der südlich des Hagenbergs in Göttingen als Elliehäuser Bach in die Grone mündet, den südlichen Teil des Dorfes durchfließen der Burggraben und der Talgraben und südlich des Ortes fließt der Gallwiesengraben entlang. Das Gemarkungsgebiet von Elliehausen erstreckt sich vom flachen Leinetal (tiefster Punkt ) am Hang des Leinetals bis auf eine Höhe von . Im Süden wird die Gemarkungsgrenze durch das Börltal markiert. Benannte Berge sind der Gallbühl () unmittelbar südöstlich am Dorfrand und der Sommerberg () im westlichen Gebiet der Gemarkung.Stadt Göttingen, Vermessungsamt: Stadtplan – Maßstab 1:10000 in 2 Teilen, Göttingen 1995 Die Gemarkung Elliehausens unmittelbar westlich und südlich des bebauten Ortsgebietes liegt im 1992 eingerichteten Landschaftsschutzgebiet Leinetal. Der nördlich an die Elliehäuser Gemarkung grenzende Bereich der Gemeinde Bovenden mit dem Sauenberg und dem Oberen Holz gehört zum 2004 ausgewiesenen Landschaftsschutzgebiet Leinebergland.
Geologie Das bebaute Ortsgebiet von Elliehausen befindet sich auf den tonigen Schluffen des Pleistozän, die die Leinetalaue begleiten. Unmittelbar westlich des Bebauungsgebietes am Hang zur Dransfelder Hochebene steht der obere Muschelkalk an, teilweise mit einer kurzen Übergangszone aus Tonstein oder Mergelstein und Sandstein. Der Gallbühl südöstlich des Ortes ist eine Erhebung des Oberen Muschelkalks im Leinetal-Lösslehm.Geoportal, Kartenserver des NIBIS: Geologische Karte. – Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), Hannover. Abgerufen am 15. Februar 2018Ulrich Nagel, Hans Georg Wunderlich: Geologisches Blockbild der Umgebung von Göttingen. Kommissionsverlag Druckhaus Göttinger Tageblatt GmbH & Co., Göttingen 1976.
Ausdehnung des Ortsgebiets Die Gemarkung von Elliehausen erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung über maximal 2,8 Kilometer, in Ost-West-Richtung über maximal 4,6 Kilometer. Von den 632 Hektar Gemarkungsfläche werden etwa 40 Prozent dem Leinetal zugeordnet, die restlichen 60 Prozent dem Osthang des Leinegrabens und der Dransfelder Hochebene.
Nachbarorte Die Gemarkung Elliehausen hat im Norden ein kurzes Stück Grenze zum Gemeindegebiet von Bovenden mit dem Ortsteil Lenglern und grenzt ansonsten an andere Göttinger Stadtteile: im Nordosten an Holtensen, im Osten an die Stadt mit dem Bezirk Weststadt, im Südosten an Grone, im Südwesten an Hetjershausen, im Westen an Knutbühren und im Nordwesten an Esebeck.
Geschichte Südlich des Ortskerns wurde bei der Anlage des Neubaugebietes Am Gesundbrunnen in einem bereits bekannten Fundbereich eine Siedlung mit mehreren Langhäusern der jungsteinzeitlichen Rössener Kultur ausgegraben und archäologisch untersucht. Außerdem wurden Reste einer früheisenzeitlichen Siedlung aufgedeckt.
Ein Zusammenhang dieser Siedlungen mit dem heutigen Ort im Sinne einer Kontinuität in der Besiedlung ist jedoch nicht nachweisbar, so dass als eigentliche Gründungszeit Elliehausens aufgrund der Etymologie des Ortsnamens im Zusammenhang mit den historischen regionalen Verhältnissen das Frühmittelalter angenommen wird. Eine genaue Gründungszeit ist nicht bekannt. Der erste schriftliche Hinweis auf die Existenz des Ortes ist in einer im 13. Jahrhundert gefälschten und in einer Abschrift des 15. Jahrhunderts erhaltene Urkunde, die sich auf die erste Hälfte des 12. Jahrhunderts (1118–1137) bezieht, enthalten. Der Ortsname lautet dort, wie auch in späteren Nennungen, Ellingehusen. Die nächstjüngere schriftliche Erwähnung aus dem Jahr 1207 ist in einer Abschrift des 16. Jahrhunderts erhalten.
Herrschafts- und Besitzverhältnisse Bedeutendste Grundherren waren im Mittelalter die Herren von Plesse, die in Elliehausen wahrscheinlich seit dem 13. Jahrhundert Allodialgüter und auch welfisches und mainzisches Lehen im Gesamtumfang von etwa 135 Hektar Ackerland mit einer größeren Anzahl Höfen innehatten. Urkundlich fassbar werden die Edelherren von Plesse als Lehnsherren jedoch erst 1325.Heinz Ahlborn, Ulrich Scheuermann: Beiträge zur Geschichte Elliehausens (Stadt Göttingen). Heft 1: Die Edelherren von Plesse als Grundherren in Elliehausen. Sonderdruck aus Plesse-Archiv 28, Bovenden 1992 Diese Besitzungen wurden an verschiedene Lehnsleute ausgegeben, zunächst an Adelige, dann häufig an Göttinger Bürger, ab der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurden in Elliehausen meist ortsansässige Bauern direkte Lehnsnehmer, die die betreffenden Ländereien oft bereits vorher als Meier der adeligen oder bürgerlichen Lehnsvasallen bestellt hatten. Nach dem Aussterben der Herren von Plesse 1571 fielen die ehemaligen plessischen Eigengüter an die Landgrafen von Hessen, später an die hannoverschen Landesherren, die welfischen Lehen fielen an diese zurück. Ab dem 13. April 1836 ermöglichte ein hannoversches Gesetz „über die Ablösbarkeit des Lehns-Verbandes […]“, dass die Besitzer des Lehens die bewirtschafteten Höfe und Felder zum Eigentum bekommen konnten.
Daneben gab es auch Besitz des Hospitals St. Spiritus unmittelbar westlich von Göttingen, der zusammen mit dem Spital 1336 an das Kloster Lippoldsberg übertragen wurde. Einige Zeit nach der Säkularisation des Klosters wurde ein Teil der ehemaligen Klostergüter, die sich auf welfischem Gebiet befanden, darunter auch ein größerer Komplex in Elliehausen, an die ursprünglich bürgerliche Familie Götz verlehnt, die 1591 durch Kaiser Rudolf II. nobilitiert wurde und sich nach ihrem wichtigsten Sitz „von Olenhusen“ nannte. Auch die Stadt Göttingen und mehrere Göttinger Bürger hatten Besitz bzw. Lehen in Elliehausen.
Verwaltungsrechtlich gehörte Elliehausen seit dem Mittelalter zum Amt Harste, nach dessen Auflösung zum Amt Göttingen. Aus Elliehausen mussten vier Gespanne, jeweils aus mehreren Höfen zusammen, dem Amt Spanndienste leisten.
Ortsstruktur und -entwicklung Erstmals 1432 wird bei der Verlehnung eines Anwesens schriftlich festgehalten, dass in Elliehausen – wie in den meisten anderen Dörfern der Region – ein Thie existierte. In einer Urkunde von 1545 wird außerdem ein „oberes Tor“ erwähnt, wodurch belegt ist, dass Elliehausen befestigt war, wenn auch wahrscheinlich nur mit einem Knick. Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges wird bereits ein organisiertes Selbstverteidigungswesen der Elliehäuser Bauern mit Schüttenhoff erwähnt, wobei offenbar mit Feuerwaffen geschossen wurde.
Der alte Ortskern mit unregelmäßiger Bebauung um die Kirche wurde im 17. und 18. Jahrhundert im Osten, Süden und Südwesten durch planmäßig angelegte neue Siedlungsbereiche erweitert, die Anzahl der Hofstellen erhöhte sich von 38 im Jahre 1655 auf 75 am Ende des 18. Jahrhunderts. Trotz deutlicher Zunahme der Bevölkerung erfolgten bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs keine weiteren bedeutenden Ortserweiterungen. Im Zuge der Industrialisierung wurden viele Einwohner Elliehausens Arbeiter bei der Bahn und bei anderen Industriebetrieben in der Nähe wie der Tuchfabrik Levin, einer Saline oder einer Ziegelei in Grone. Viele dieser Arbeiter waren sozialdemokratischen Organisationen nahestehend und die Unterstützung des Nationalsozialismus war in Elliehausen deutlich geringer als in vergleichbaren Dörfern der Gegend und in der Stadt Göttingen. Um 1884 wurden nach der Verkoppelung der Feldmark die Verbindungsstraßen zu den Nachbarorten ausgebaut, die alte Verbindung nach Hetjershausen allerdings aufgegeben. 1938 erfolgte unmittelbar östlich des Ortes der Bau der Autobahn, Elliehausen wurde durch eine neu ausgebaute Straße mit Autobahnüberführung an die Straße von Holtensen nach Göttingen angebunden und erhielt damit eine direktere Straßenverbindung zur Stadt.
Seit dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort um Neubaugebiete im Osten, Südwesten und besonders im Süden stark erweitert. Die Erweiterungen im Norden sind dagegen sehr gering.
Am 1. Januar 1973 wurde Elliehausen in die Kreisstadt Göttingen eingegliedert.
Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahl von Elliehausen im Jahr 1689 betrug 264. Einen vorläufigen Höhepunkt erreichte sie Ende des 19. Jahrhunderts und stieg dann nach dem Zweiten Weltkrieg wieder sehr stark an. Eine besondere Zunahme der Bevölkerung ist jeweils infolge der Ortserweiterungen der 1960er und 1970er Jahre sowie um 1997 festzustellen. Ende 2022 hatte Elliehausen 2921 Einwohner, davon 2805 mit Erstwohnsitz.
+Einwohnerentwicklung von Elliehausen ab 1885 Jahr Einwohner Jahr Einwohner davon Hauptwohnsitz Jahr Einwohner davon Hauptwohnsitz 1885 675 1952 942 1995 2192 2089 1910 640 1961 999 2002 2716 2620 1925 630 1970 1510 2005 2754 2646 1933 562 1980 2084 2009 2825 2700 1939 596 1987 2190 2047201930252891 1945 1024 1990 2178 2093
Religionen Eine Kirche in Elliehausen wurde 1273 erstmals schriftlich erwähnt. Die Kirche gehörte wie alle Göttinger Kirchen zum Erzpriestersitz St. Martin in Geismar im Archidiakonat Nörten, Patronatsherren waren 1519/20 die Herren von Hardenberg, nach der Reformation bis zu ihrem Aussterben im Jahre 1957 die Herren von Adelebsen. Nach der Einführung der Reformation im Zuge der Generalvisitation 1542 wurde nach dem Tod seines Vorgängers Balthasar Ricke im Jahr 1553 Zacharias Kempe als erster protestantischer Pfarrer eingesetzt. Bei einer Visitation 1588 musste der Elliehäuser Pfarrer bereits auch die Kirche St. Pankratius in Esebeck mit betreuen und in beiden Kirchen sonntags predigen. Dabei wird die Esebecker Kirche teilweise als Filialkirche von Elliehausen, teilweise als mit ihr verbundene Mutterkirche beschrieben, die Kapellengemeinde St. Katharinen in Knutbühren war bis zum 1. Juli 1974 Filial von Elliehausen. Im Jahr 2021 waren 37,8 Prozent der Einwohner evangelisch und 12,4 Prozent katholisch.
Name Der Ortsname hat sich durch Synärese aus dem vielfach überlieferten Ellingehusen über die Zwischenstufen Elligehusen und Ellijehusen entwickelt. Er ist erstmals um 1521 in der kontrahierten Form und gleichzeitig mit der hochdeutschen Endung -hausen anstelle der bis dahin durchgehend verwendeten niederdeutschen Endung -husen überliefert. Das Zwischenglied -inge- ist ursprünglich eine Endung des Genitiv Plural zu dem vorhergehenden Personennamen, in diesem Falle dem Kurznamen Ello/Allo oder Elli, der sich aus dem germanischen Stamm *alja- „anderer, fremd“ ableitet. „Elliehausen“ ist also die „Siedlung der Leute des Ello (oder Elli)“.
Die neuniederdeutsche Namensform lautet Eljehusen.
Politik Wappen mini|Elliehäuser Wappen Das Wappen von Elliehausen zeigt auf grünem Grund ein silbernes Wellenband, das von rechts oben nach links unten läuft und das Gewässer des Eikborns darstellt. Unterhalb sind drei goldene Sterne, oberhalb ein goldener Stern und eine Mondsichel abgebildet. Diese Elemente sollen für Schafe und Hirten stehen und somit auf die früher überwiegend landwirtschaftliche Prägung des Ortes hinweisen.
Ortsrat Elliehausen hat zusammen mit Esebeck einen Ortsrat, der aus neun Mitgliedern besteht. Der Ortsrat von Elliehausen hat beratende Funktion bei Entscheidungen des Rates der Stadt Göttingen, die die Ortschaft Elliehausen/Esebeck betreffen. Seit der Kommunalwahl 2021 ist dieser wie folgt besetzt: