A Letter to Uncle Boonmee (Thai: ; ) ist ein thailändischer Kurzfilm von Apichatpong Weerasethakul aus dem Jahr 2009. In Deutschland feierte der Film am 5. Mai 2009 bei den Internationalen Kurzfilmtagen in Oberhausen Premiere.

Handlung Der Film stellt einen autobiografisch-fiktiven persönlichen Brief Weerasethakuls an den verstorbenen Onkel Boonmee dar (vorgelesen von einem Einheimischen), in dem er ihm sein Dorf Nabua beschreibt. Er beginnt als Making-of eines Projekts, das nicht realisiert wurde. Der Regisseur bespricht mit seinen Darstellern im Off das Skript. Mehrere Zeilen werden wiederholt. Die Kamera zeigt das Innere eines Hauses, die Umgebung und verliert sich schließlich im Dunkel des Dschungels. In einer weiteren Szene ist eine Gruppe junger Soldaten (oder Darsteller in Uniform) zu sehen, die faulenzt.

Entstehungsgeschichte Der Film entstand im Rahmen des „Primitive Project“ im thailändischen Dorf Nabua. Im Jahr 1965 fanden dort nach Aussagen von Einheimischen politische Säuberungen gegen vermutete Kommunisten statt. Soldaten sollen Einwohner vergewaltigt und ermordet haben. Die überlebenden männlichen Dorfbewohner flüchteten in die Bergregionen. Die folgende männliche Generation wuchs deshalb ohne Väter auf.vgl. Tsui, Clarence: Open letters. In: South China Morning Post, 7. Februar 2010, S. 9

Inspiriert wurde Apichatpong Weerasethakul durch das Buch „Ein Mann, der sich seiner vergangenen Leben entsinnen kann“ (1983) von Phra Sripariyattiweti. Der Abt eines Klosters hatte mit einem Mann namens Boonmee in einem nahe gelegenen Tempel zusammen gelebt, der behauptete, er könne in tiefer Meditation seine früheren Leben an sich vorbeiziehen sehen.vgl. zum Film bei festival-cannes.fr (PDF-Datei, 6,98 MB; aufgerufen am 22. Mai 2010) Apichatpong Weerasethakul ließ sich zu einem Drehbuch inspirieren, unternahm Reisen in die Region und machte die zwei Söhne Boonmees ausfindig. Im Dezember 2008 besuchte der Regisseur Nabua, wählte Häuser für die Dreharbeiten aus und schrieb einen persönlichen Brief an Boonmee, der bereits vor einigen Jahren verstorben war.vgl. bei kickthemachine.com (englisch; aufgerufen am 27. Mai 2010)

Der Film besteht aus Abendaufnahmen von leeren Häusern, mit Ausnahme von einem, in dem sich eine Gruppe junger Soldaten aufhält. Diese werden von Jugendlichen aus dem Dorf gespielt. Zwei von diesen wurden auch als Erzähler für den Film ausgewählt.

Kritiken

Dietmar Kammerer (die tageszeitung) bemerkte, die Kamera suche „beständig das Offene, den Blick in die Weite des Himmels“.vgl. Kammerer, Dietmar: Unter freiem Himmel. In: die tageszeitung, 7. Mai 2009, S. 17 Die Figur des Boonmee werde „zur Verkörperung von Transformation und Erinnerung an die brutale Kommunistenjagd von 1960 bis 1980“, so Gabrielle Schultz (Die Welt).vgl. Schultz, Gabrielle: Außer Atem. In: Die Welt, 8. Mai 2009, Nr. 106/2009, S. 24 Im September 2009 wurde der Kurzfilm auf dem Toronto International Film Festival gezeigt. Mathew Kumar (Torontoist) bemerkte, dass der Film „fesselnd, aber völlig rätselhaft“ wäre. „Ominös aber auch obskur, er (der Film) bleibt bei uns hängen, auch wenn wir ihn nicht begreifen.“vgl. Kumar, Mathew: TIFF 2009: Catastrophe In Comparison. In: Torontoist, 13. September 2009, 11:00 AM EST (aufgerufen via LexisNexis Wirtschaft) Die Kritikerin Manohla Dargis (The New York Times) wies darauf hin, dass Apichatpong Weerasethakul „Erinnerung und Ungewissheit“ sichtbar mache.vgl. Dargis, Manohla: Revisiting a Cinematic Smackdown, and Other Avant-Garde Pleasures. In: The New York Times, 2. Oktober 2009, Section C, S. 8

Auszeichnungen Internationale Kurzfilmtage Oberhausen 2009 Großer Preis der Stadt Oberhausen Preis des Ministerpräsidenten des Landes NRW

Spielfilm 2010 entstand der preisgekrönte Spielfilm Uncle Boonmee erinnert sich an seine früheren Leben, der ebenfalls von der Figur Onkel Boonmees inspiriert wurde.

Einzelnachweise

Weblinks

Animate Projects: A Letter to Uncle Boonmee (englisch; mit Filmausschnitt)

Kategorie:Filmtitel 2009 Kategorie:Thailändischer Film Kategorie:Kurzfilm