mini|Neubau der NKSA (1989), Foto Januar 2012

Die Neue Kantonsschule Aarau (NKSA) ist eine öffentliche Mittelschule in Aarau. Sie besteht aus einer Maturitäts- und einer Fachmittelschule. Gegenwärtig wird die NKSA von über 900 Schülern besucht.

Nach der Einführung gymnasialer Strukturen in den 1970er Jahren hiess sie ab 1978 Kantonsschule Zelgli. Nachdem sich das damals bereits bestehende GymnasiumVgl. Heinrich Staehelin: Die Alte Kantonsschule Aarau 1802–2002. Aarau 2002. auf dem Platz Aarau in den 1980er Jahren die Bezeichnung Alte Kantonsschule Aarau gegeben hatte, änderte 1989 die Kantonsschule Zelgli aus Symmetriegründen ihren Namen in Neue Kantonsschule Aarau (NKSA).Vgl. Protokolle der Lehrerkonferenzen von 1988 im Archiv der Neuen Kantonsschule Aarau.

Geschichte Die Geschichte der Schule lässt sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. 1787 wurde in Aarau ein privates Töchterinstitut eingerichtet. Die erste Lehrerin war Dorothea Ziegler. Nach einigen Jahren muss die Schule untergegangen sein. Sie wurde jedenfalls 1822 formell neu gegründet. Ab 1881 verfügte die Schule über eine eigene Bibliothek mit gedrucktem Katalog. 1935 erfolgte die Umbenennung zur Töchterschule, 1989 die Umwandlung in eine (zweijährige) Diplommittelschule (DMS), die schliesslich Anfang des 21. Jahrhunderts zur (dreijährigen) Fachmittelschule (FMS) ausgebaut wurde. Seit Neuem besteht im Anschluss an die FMS die Möglichkeit, die Fachmaturität zu erwerben, die den Zugang zur Fachhochschule eröffnet.

Die Vorgeschichte des gymnasialen Lehrgangs geht auf das Jahr 1873 zurück. Damals wurde das Lehrerinnenseminar eröffnet. Die Verstaatlichung fand erst 1911 statt.Franz Kretz: Schritte aus dem Haus. Anfänge und Jugendzeit der Lehrerinnen-Bildung in Aarau. Aarau 1994. Von 1919 bis 1978 war dem Lehrerinnenseminar eine Übungsschule (1.–6. Klasse) angegliedert. Seit 1902 wurden ausserdem unter der Schirmherrschaft der Kulturgesellschaft des Bezirks Aarau «weibliche Fortbildungskurse» eingeführt. Daraus entstand das Hauswirtschaftslehrerinnen-Seminar, das Anfang 1960er Jahre nach Brugg überführt wurde.Vgl. Archiv der Neuen Kantonsschule Aarau, Protokolle der Kommission für hauswirtschaftliche Bildungskurse.

Die 1960er Jahre brachten zwei grosse Veränderungen: Einerseits wurde die Koedukation eingeführt, anderseits 1965 aufgrund des damaligen Lehrermangels eine Zweigschule in Zofingen eröffnet, die sich aber schon nach wenigen Jahren verselbständigte. Ab 1976 erfolgte die Überführung der seminaristischen Lehrerbildung in die neu gegründete HPL (Höhere Pädagogische Lehranstalt) in Zofingen. Die gleichzeitig aufgebaute Kantonsschule umfasste zunächst die Typen D (neusprachlich) und PSG (pädagogisch-soziales Gymnasium), die seit 2002 vollständig durch Maturitätsklassen nach MAR (eidgenössisches Maturitätsanerkennungsreglement) ersetzt sind.Vgl. dazu Christian Lerch, Patrick Zehnder, Manuel Pörtner (Hrsg.): In 200 Jahren von 1 auf 7. Die Aargauer Kantonsschulen. Aarau 2002. 2010 erhielt die Neue Kantonsschule Aarau den Schulpreis der Wissenschafts-Olympiade. 2017 überreichte die Stiftung Schweizer Jugend forscht der Neuen Kantonsschule Aarau eine Auszeichnung für die Schule mit den meisten Preisträgern in den Jahren 2006–2016.

Architektur, künstlerische Ausstattung Der 1955 eingeweihte Altbau im ruhigen ZelgliquartierVgl. dazu: Stadtmuseum Schlössli Aarau (Hrsg.): Hausgeschichten aus dem Zelgli. Aarau 2009. ist ein Werk der Gebrüder Oeschger,Isabelle Rucki, Dorothee Huber (Hrsg.): Architektenlexikon der Schweiz. 19./20. Jahrhundert. Basel 1998. deren Namen auch mit der Nationalbibliothek in Bern (1927/1931), dem City-Hochhaus in Zürich (1953/1958) und mehreren Flughafengebäuden (darunter Kloten 1947/1962) verbunden ist.Vgl. dazu den Nachlass Oeschger im gta-Archiv an der ETHZ.

Der Altbau wurde bald zu klein für die wachsende Schülerzahl. 1966 und 1970 wurden deshalb provisorische Bauten errichtet, um dem Platzmangel entgegenzuwirken. 1989 wurde der Neubau eingeweiht, ein kompaktes, schlichtes und transparentes Werk der Architekten Alfons Barth und Hans Zaugg.Baudepartement des Kantons Aargau (Hrsg.): Neue Kantonsschule Aarau. Erweiterungsbau. Aarau 1989.

Kunst: Im Altbau sind unter anderem die Majolika (Wandkeramik) von Wilhelm Schmid (1892–1971) und eine Glaswand von Max Hunziker (1901–1976) erwähnenswert.Vgl. dazu: Beat Wismer, Paul-André Jaccard: Werke des 20. Jahrhunderts von Cuno Amiet bis heute. Aargauer Kunsthaus Aarau. Sammlungskatalog Band 2. Aarau 1983.

Eine umfassendere Würdigung der Kunst am Bau auf dem ganzen Schulgelände erfolgte 2023/24 im Rahmen eines interdisziplinären Projekts "Kunst ans Licht".Campus, auf nksa.ch, abgerufen am 12. Februar 2026

Personen mini|hochkant=1.2|Klassenfoto des Lehrerinnenseminars aus dem Jahr 1905 Ehemalige Lehrkräfte (Auswahl) Urs Bitterli (* 1935), Geschichte und Deutsch Anna Blattner (1866–1935), Französisch und Englisch Josef Burgmeier (1844–1905), Gesang Elisabeth Flühmann (1851–1929), Geschichte, Kirchengeschichte, Geographie, Turnen und Italienisch Regula Frei-Stolba (* 1940), Geschichte Karl Fricker (1870–1933), Turnen Abraham Emanuel Fröhlich (1796–1865), Deutsche Sprache und Literatur Eugen Kuhn (1895–1970), Schreiben Eugen Kutschera (1852–1918), Musik Rudolf Siegrist (1886–1965), Naturwissenschaften Charles Tschopp (1899–1982), Mathematik und Naturgeschichte Werner Wehrli (1892–1944), Musik Rosemarie Wildi-Benedict (1924–2010), Italienisch Max Wolfinger (1837–1913), Zeichnen Josephine Zehnder-Stadlin (1806–1875), Deutsch, Französisch, Geschichte und Geographie Marco Käppeli (* 1951), Schlagzeug Zsolt Balkanyi-Guery (* 1975), ehemaliger Rektor

Ehemalige Schülerinnen und Schüler (Auswahl) Gertrud Villiger-Keller (1843–1908), Führerin schweizerische Frauenbewegung, Präsidentin des Schweizerischen Gemeinnützigen Frauenvereins Elise Hunziker (1860–1935), Blumen- und Früchtemalerin Anna Iduna Zehnder (1877–1955), Malerin der Moderne, Ärztin und Anthroposophin Sophie Haemmerli-Marti (1868–1942), Mundartschriftstellerin Clara Ragaz (1874–1957), Frauenrechtlerin und Friedensaktivistin Eva Nadig (1871–1961), Pädagogin und Frauenrechtlerin Maja Einstein (1881–1951), deutsche Romanistin und die jüngere Schwester des Physikers Albert Einstein Mathilde Lejeune-Jehle (1885–1967), Lehrerin, Pazifistin und Bildungspolitikerin Marie Munzinger (1885–1952), Lehrmittel-Autorin Hanna Brack (1873–1955), Lehrerin Lydia Jakob Helen Dünner (1899–1985), erste Rechtsanwältin und erste Notarin im Kanton Aargau Erika Burkart (1922–2010), Schriftstellerin Christine Egerszegi-Obrist (* 1948), Politikerin (FDP) Markus Hediger (* 1959), Schriftsteller und Übersetzer Andreas Neeser (* 1964), Schriftsteller Susanne Hochuli (* 1965), Politikerin (Grüne), 2009 bis 2016 Regierungsrätin des Kantons Aargau Serena Owusua Dankwa (* 1975), Sozialanthropologin, Geschlechterforscherin, Fernsehmoderatorin und Journalistin Sibylle Marti (* 1980), Historikerin und Politikerin (SP). Seit 2015 ist sie Mitglied des Zürcher Kantonsrats Colette Basler (* 1973), Politikerin der Sozialdemokratischen Partei (SP). Seit 2017 Mitglied Grosser Rat des Kantons Aargau Patti Basler (* 1976), Bühnenpoetin, Autorin, Kabarettistin und Satirikerin Dagobert (Sänger) (* 1982), Sänger mit Wohnsitz in Berlin Katy Winter (* 1983), Sängerin und Tattookünstlerin Sabine Kuster (* 1979), Journalistin Joel Blunier (* 1974), Politiker (EVP) Leyla Gül (* 1974), Politikerin (SP)

Literatur Beat Hodler: Junge Schule, lange Geschichte. Die Neue Kantonsschule Aarau. Hier und Jetzt, Baden 2014, ISBN 978-3-03919-329-5. Franz Kretz: Schritte aus dem Haus: Anfänge und Jugendzeit der Lehrerinnen-Bildung in Aarau, Aarau 1994.

Weblinks

Website der Neuen Kantonsschule Aarau Virtueller Rundgang, Arbeit einer NKSA-Schülerin Datenbank mit den Schülerinnen und Lehrkräften an den Vorgängerschulen der NKSA zwischen 1787 und 1874

Einzelnachweise

Aarau, Neue Kantonsschule Kategorie:Bauwerk in Aarau Kategorie:Bildungseinrichtungsgründung 1979