Die Geschichte der Stadt Chemnitz umfasst die Entwicklungen auf dem heutigen Gebiet der Stadt Chemnitz von der ersten Besiedlung, der ersten urkundlichen Nennung 1143 bis zur Gegenwart. Die Stadt bietet eine reiche Gewerbegeschichte mit Bergbau, Metall- und Textilbetrieben. Die industrielle Entwicklung war rasant und trieb die Einwohnerzahl in den 1920er Jahren auf über 360.000 Personen. Für die Zeit der DDR war die Umbenennung in Karl-Marx-Stadt (1953 bis 1990) markant.

Namensursprung Der Name Chemnitz leitet sich vom gleichnamigen Fluss ab, der die Stadt durchfließt. Dessen Name wiederum geht auf die altsorbische Bezeichnung „Kamenica“ (= Steinbach, Sorbisch „kamjeń“ = „Stein“; vgl. Kamenz) zurück.Ernst Eichler, Hans Walther (Hrsg.): Historisches Ortsnamenbuch von Sachsen, Berlin 2001, Band I, S. 141, ISBN 3-05-003728-8 Im heutigen Obersorbischen heißt die Stadt Kamjenica.

Ortsnamenformen 1143: Kameniz, 1218: Camnizensis Conventus, 1254: Kemeniz, 1264: Kemniz, 1293: Kemnicz, 1308: Kempniz, 1378: Kemnicz, 1389: Kempnicz, 1492: Kembnicz.Die Schreibweise mit Ch beginnt um 1630.

Von den Anfängen bis zum Ende des Mittelalters Aus der Zeit vor 1300 liegen lediglich sieben Urkunden vor, doch konnten die stadtarchäologischen Untersuchungen, die gleichzeitig mit dem Wiederaufbau ab 1953 einsetzten und besonders nach 1993 große Teile der Innenstadt erfassten, viele neue Erkenntnisse zur Stadtentstehung und -entwicklung beisteuern.

Hochmittelalter Die älteste Urkunde stammt aus dem Jahr 1143 und enthält neben der Bestätigung König Konrads III. für das um 1136 von seinem Vorgänger Lothar gegründete Benediktinerkloster St. Marien auch die Verleihung eines Marktrechtsprivilegs an das Kloster. Dabei wird auch ein „locus Kamenicz“ genannt. Der Standort der ersten klösterlichen Marktsiedlung wird mit guten Gründen unterhalb des Kapellenberges mit der Nikolaikirche auf der anderen Seite der Chemnitz vermutet.

Der klösterliche Markt bildete jedoch nicht den unmittelbaren Vorgänger der königlichen Stadt, sondern die Gründung einer Reichsstadt erfolgte vermutlich unter Friedrich Barbarossa zwischen 1171 und 1174 im hochwasserfreien Bereich um die Johanniskirche. Das staufische Königshaus verfügte bis 1264 über deren Patronat und sie gilt (nach Manfred Kobuch) als erste Stadtkirche.

Auf Grund der zunehmenden Bevölkerungszahl und des gewerblichen Wachstums sowie unzureichender Befestigungsmöglichkeit wurde die Stadt um 1200, vielleicht aber auch schon ein bis zwei Jahrzehnte früher, in die Talaue verlegt. Die ältesten bei den jüngsten stadtarchäologischen Untersuchungen geborgenen und dendrochronologisch bestimmten Hölzer wurden um 1199, um 1200 bzw. 1208 verbaut. Es muss jedoch weiterhin offenbleiben, wer der Gründer der hochmittelalterlichen Stadt in der Aue war. Hierfür kommen Friedrich I. Barbarossa (in seinen letzten Regierungsjahren um 1180), Heinrich VI. und Philipp von Schwaben in Betracht. In einem Zinsregister von 1216 wird Chemnitz erstmals civitas genannt.

Spätmittelalter Im Zentrum der Stadtanlage wurde um 1200 die neue Stadtpfarrkirche St. Jakobi gegründet, die 1254 erstmals urkundlich genannt wird. Zunächst war nur der Bereich am Markt und entlang der Langen Straße besiedelt. Diese querte als einzige den gesamten Stadtgrundriss und verband vermutlich ursprünglich die älteren Siedlungskerne um St. Johannis und St. Nikolai. Erst etwas später, wohl in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, möglicherweise aber noch vor 1220, wurde der nordwestliche Teil des Stadtkerns aufgesiedelt. Dabei wurden Trockenlegungshorizont aus Astwerk und Holzresten niedergelegt sowie Kanäle zur Entwässerung gegraben, um die vernässte Chemnitzaue begeh- und besiedelbar zu machen. Allerdings bestanden noch bis ins 14. Jahrhundert hinein Freiflächen und offene Gewässer sowie offenbar landwirtschaftlich genutzte Flächen innerhalb des Berings und erst zu dieser Zeit ist die Stadtstruktur weitgehend festgelegt worden. Eine wesentliche Rolle scheint dabei dem Stadtbrand von 1333 zuzukommen. Weitere Brände folgten 1379, 1389 und 1395. Auch der Neumarkt war ursprünglich bebaut und erhielt erst in der Neuzeit seinen Platzcharakter. Hinsichtlich einiger Überlegungen zur Datierung und Anlage der mittelalterlichen Stadt anhand des jüngeren Stadtgrundrisses muss festgestellt werden, dass es im Mittelalter noch zahlreiche Änderungen im Straßengefüge und in der Stadtstruktur gab und damit von der neuzeitlichen Stadtstruktur ausgehenden Überlegungen wenig Wert besitzen.

Die Stadt wurde bald nach ihrer Gründung befestigt. Im Jahr 1264 wurde eine Stadtmauer indirekt genannt, 1296 folgte die direkte urkundliche Erwähnung. Von der Ummauerung sind heute nur wenige Reste erhalten und ihr Verlauf ist im Stadtbild kaum mehr nachzuvollziehen. Doch sind Verlauf, Gestalt und bauliche Entwicklung auf Grund von bildlichen und schriftlichen Quellen sowie der Ergebnisse der stadtarchäologischen Untersuchungen inzwischen gut bekannt. Der Mauerring, mit einer Länge von circa 1650 m, umschloss eine annähernd runde Fläche mit einem Durchmesser von etwa 500 m. Er besaß vier Tore jeweils mit Turm, 21 weitere Türme mit Abständen von weniger als 70 m und eine Pforte. Davor lagen die Zwingermauer mit halbkreisförmigen barocken Bastionen und der 16 bis 33 m breite Stadtgraben mit innerer und äußerer Stadtgrabenmauer. Die in Lehm gesetzte Stadtmauer wird in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datiert, die Zwingermauer stammt aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts.

Der Stadt wurde 1290/91 der Charakter einer „Reichsstadt“ bestätigt. Aus der Urkunde lassen sich erstmals Hinweise auf die Existenz von Richter, Räten und einer Ratsverfassung entnehmen, die für 1298 sicher bezeugt sind. 1308 verlor Chemnitz seinen Stand als Reichsstadt wieder, als es nach der Schlacht bei Lucka an das Haus Wettin fiel.

Mit dem verstärkten Einsetzen der schriftlichen Quellen im 14. Jahrhundert und den archäologischen Ausgrabungen ist das Handwerk in Chemnitz gut erforscht. 1357 erhielt die Stadt ein landesherrliches Bleichprivileg. Das Bleichmonopol bedeutete, dass jede in der Mark Meißen produzierte Rohleinwand zum Veredeln auf die Chemnitzer Bleichpläne gebracht werden musste. Dies bildete eine wesentliche Grundlage für den Aufstieg, durch den sich Chemnitz zum Zentrum der obersächsischen Leineweberei und ab dem 16. Jahrhundert auch der Baumwollweberei und Färberei entwickelte. Einen zweiten wirtschaftlichen Schwerpunkt bildete die Metallverarbeitung, speziell das Hüttenwesen.

In Chemnitz bestand im MA auch eine Kalandsbruderschaft mit dem Namen fraternitas corporis Christi (Bruderschaft des Leibes Christi), dessen Mitglieder, in der Regel aus den angesehensten Familien der Stadt, zu dem Zwecke zusammengetreten waren, um am ersten Tag des Monats durch Beten das Heil ihrer Seelen zu fördern, so dass die frommen Werke der Genossenschaft jedem Einzelnen zugutekamen. 1412 stiftete die Kalandsbruderschaft den Fronleichnamsaltar in der Jacobikirche. Die Kalandsbruderschaft wurde auch Constabelgesellschaft genannt.

Durch Ankauf von Fluren fast aller Klosterdörfer des Benediktinerklosters (1402) erweiterte die Stadt ihr Gebiet beträchtlich, neue Vorstädte konnten sich entwickeln.

Im 15. Jahrhundert war Chemnitz weiterhin von der Textilherstellung geprägt. Mit dem Großen Berggeschrey um 1470, das mit dem Fund von Silber in Schneeberg einherging, begann für Chemnitz eine neue gewerbliche Phase. Chemnitzer Familien beteiligten sich nicht nur am Bergbaugeschäft, sondern auch an der nachfolgenden Be- und Verarbeitung. Kupferhammer und Saigerhütte wurden vor den Stadttoren an der Chemnitz errichtet. Ende des 15. Jahrhunderts entstanden mit dem Rathaus, dem Gewandhaus der Tuchmacher, der Lateinschule und mehreren Bürgerhäusern die Stadt prägende Gebäude.

Zerstörte Bauten aus dem Mittelalter Für die (zumindest in Teilen) erhaltenen Bauten aus dem Mittelalter siehe Liste von Sehenswürdigkeiten in Chemnitz.

mini|Chemnitz um 1885

Neben der erhaltenen Stadtkirche St. Jacobi existierte intra muros noch eine zweite große Kirche, die Neue St. Johannis-Kirche bzw. ab 1876 St.-Pauli-Kirche. Sie wurde 1750–56 an der Stelle der Klosterkirche des 1481 gegründeten Franziskanerklosters gebaut. Auch dieser Bau wurde im Krieg zerstört, zunächst teilweise wiederaufgebaut und 1961 gesprengt. 1955–58 und 1961/62 wurde der Grundriss des Franziskanerklosters mit dem Pfortenturm untersucht und damit die Deutung einer Zeichnung des Klosters von 1756 möglich sowie der Grundriss der gesamten Anlage mit der dreischiffigen Hallenkirche bekannt.

Weitere öffentliche Gebäude aus der Zeit des Mittelalters waren schon früher der Spitzhacke zum Opfer gefallen: Das Gewandhaus aus der Zeit um 1500 wurde 1826/27 abgebrochen. Die alte Lateinschule aus dem Ende des 14. Jahrhunderts wurde beim Bau des Neuen Rathauses zwischen 1908 und 1911 abgetragen, nur das Portal blieb erhalten.

Zu den Chemnitzer Bürgerhäusern liegen Aussagen fast ausschließlich aus den jüngsten archäologischen Untersuchungen vor, denn für bauhistorische Untersuchungen fehlen die Objekte. Bei den ältesten Häusern aus der Zeit um 1200 handelte es sich um Ständerbohlenbauten mit Firstständern, zeitlich folgten mehrere Fachwerkhäuser des 13. Jahrhunderts auf Steinfundamenten, die ebenfalls als Ständerbohlenbauten ausgeführt waren. Die Häuserflucht am Markt verschob sich zwischen Anfang des 13. und dem 14. Jahrhundert kontinuierlich in Richtung Markt und blieb dann mit der Errichtung von Steinhäusern im 14. Jahrhundert bis zur Zerstörung 1945 konstant.

Als einiges der wenigen zumindest durch Fotos aus den 1870er-Jahren bekannten Häuser erscheint die ehemalige Adler-Apotheke. 1495 war sie im Besitz des Bürgermeisters Ulrich Schütz; nach dem Umbau 1673 (?) wurde die Apotheke Ende des 19. Jahrhunderts abgebrochen, heute ist nur noch ein gedrechseltes Geländerteil aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts überliefert.

Weiterhin sind zwei Hausportale aus der Frührenaissance erhalten geblieben: Das Judith-Lucretia-Portal, datiert 1559, das jetzt am Alten Rathaus angebracht ist, befand sich bis 1910 am sogenannten „Neefeschen Haus“. Es wurde um 1555 vom Ratsherrn, Tuchmacher und -händler Merten Groß errichtet, kam um 1580 an die Erben Agricolas und 1589 in den Besitz der Familie Neefe. Erst 1804 wurde es von diesen verkauft und 1815 zum Hotel „Römischer Kaiser“ umgebaut. 1921 musste das Haus nach einem Großfeuer abgebrochen werden.

Das Gute-Hirten-Portal von 1542, das sich nun im Schloßbergmuseum befindet, war ursprünglich in einem Haus in der Inneren Klosterstraße eingebaut, das früher fälschlich „das Kloster“ genannt wurde. 1868 ist es abgebrannt und nur durch eine Zeichnung des Stadtbaurats A. Gottschaldt überliefert.

Nach der Blütezeit der Stadt im 15./16. Jahrhundert endete weitgehend auch die Errichtung von glanzvollen Bauten. Eine Ausnahme stellt das Siegertsche Haus am Markt mit einer prachtvollen Barockfassade dar.

Die Nikolaikirche mit dem klösterlichen Markt wurde 1884 abgebrochen und östlich von ihr ein Neubau errichtet, der wiederum im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Von der Vorgängerkirche wurde nur wenig Bauplastik geborgen, hinzuweisen ist besonders auf ein Kapitellstück des romanischen Eingangstores. Durch radiometrische Messungen konnte zumindest die Lage des Grundrisses im Gelände eindeutig bestimmt werden.

Frühe Neuzeit Reformation, Hexen, Kriege Im Jahre 1539 wurde die Reformation im albertinischen Sachsen und in der Stadt eingeführt. In dieser Zeit wurde Chemnitz ein Zentrum des Humanismus, als der Montanwissenschaftler, Arzt und Humanist Georgius Agricola wirkte. Ab etwa 1531 lebte er als Stadtarzt in Chemnitz. In den Jahren 1546, 1547, 1551 und 1553 übernahm er auf Anordnung des Herzogs Moritz von Sachsen das Amt des Bürgermeisters. Hier entstand sein Hauptwerk De re metallica libri XII.