Havana Club ist eine Marke für kubanischen Rum und wurde 1935 in den Markt eingeführt. Der Rum belegte 2007 auf der „Impact ranking of international Premium spirits brands“ einen Platz unter den ersten 30 weltweit meistverkauften Spirituosen.Pernod Ricard Markenpräsentation: , Seite 32, 2007/08, PDF Nachdem das französische Unternehmen Pernod Ricard ab 1993 den internationalen Vertrieb übernommen hatte, ist der Absatz des Rums weltweit stark angestiegen. Bacardi hatte aber die Markenrechte in den USA für sich in Anspruch genommen, was jedoch keinen Bestand hatte: Dem kubanischen Staatsunternehmen Cubaexport wurde die Lizenz zur Erneuerung der Markenrechte erteilt. Gegen diese Entscheidung klagte Bacardi vor einem Bezirksgericht im US-Bundesstaat Virginia. Die Klage wurde jedoch im April 2022 abgewiesen. Seither ist die Marke Havana Club ausschließlich dem Kubanischen Staat und Vertragspartnern vorbehalten. In Deutschland sind der „Añejo 3 Años“ und der „Añejo 7 Años“ die meistverkauften Produkte von Havana Club.

Geschichte Der Ursprung von Havana Club ist eng mit dem Namen José Arechabala verbunden. Der gebürtige Baske kam 1862 im Alter von 15 Jahren von Spanien nach Kuba. 1878 gründete er die Rumdestillerie „La Vizcaya“ (span. für „die Biskaya“) in Cárdenas, in der später der Havana Club gebrannt werden sollte. , spanischsprachiger Reiseführer. In den Folgejahren wuchs der Absatz der Destillerie stetig an. 1921 schloss sie sich mit anderen Destillerien aus dem Ort zu einer Gesellschaft namens „José Arechabala S.A.“ zusammen. Der erste Präsident wurde der damals 75-jährige Gründer José Arechabala, der aber schon zwei Jahre später starb. Es folgte eine kurze, durch diverse Familientragödien und damit von wechselnden Unternehmenschefs gekennzeichnete Periode, die 1926 mit der Ernennung von Arechabalas Großneffen José Fermín Iturrioz y Llaguno zum neuen Unternehmensführer endete.Geschichte von José Arechabala S.A.

Das Geburtsjahr der Marke Havana Club ist 1935. In diesem Jahr verkaufte die Destillerie erstmals Rum unter diesem Namen. Gleichzeitig begann sie mit dem Export in die USA und ließ dort Markenrechte eintragen.Businesswire.com: U.S. Government Resolves Havana Club Dispute in Bacardi’s Favor; Cuba’s Trademark Registration Cancelled/Expired. 8. August 2006. Im selben Jahr wurde an der Plaza de la Catedral im Zentrum Havannas auch die Havana Club Bar eröffnet, die ein zunehmend internationales Publikum anzog. , Cubatravel.cu

Die große Wende in der Unternehmensgeschichte kam 1960, als das Unternehmen José Arechabala S.A. infolge der marxistischen Prinzipien der Revolutionäre um Fidel Castro verstaatlicht und dem Staatsunternehmen CubaexportDer offizielle Name von Cubaexport ist Empresa Cubana Exportadora de Alimentos y Productos Varios, die Firma tritt außerhalb Kubas aber unter Cubaexport auf. einverleibt wurde. Die bisherige Eigentümerfamilie Arechabala emigrierte nach ihrer entschädigungslosen Enteignung via Spanien in die USA. Das Ende für die Havana-Club-Destillation in Cárdenas kam 1970, als die Produktion in die dafür neu errichtete Destillerie in Santa Cruz del Norte verlagert und erheblich ausgeweitet wurde. 1973 lief der Schutz der Marke Havana Club, die sich noch im Besitz der Familie Arechabala befand, aus. Da diese die Markenrechte nicht verlängerten, meldete Cubaexport die Marke in rund 70 Ländern neu an. In den folgenden Jahrzehnten wurde der Rum hauptsächlich in die RGW-Staaten exportiert, davon allein 70 % in die Sowjetunion. Ein Verkauf in den USA ist seit der Revolution aufgrund des US-Embargos gegen Kuba ausgeschlossen.Gesche Wüpper und Dirk Nolde: Flaschenpost aus Kuba. In: Die Welt, 23. April 2004.

Im November 1993 gründeten auf der einen Seite Cubaexport als Eigner der Destillerie und Cuba Ron als zentraler kubanischer Distributor und auf der anderen Seite Pernod Ricard zusammen ein Joint-Venture. Dieses sieht u. a. vor, dass Pernod Ricard die Produkte von Havana Club weltweit vertreibt, während Cuba Ron die Produkte von Pernod Ricard in Kuba vertreibt., Seite 10. Seit Beginn dieser Zusammenarbeit stieg der Absatz von Havana Club mit jährlich zweistelligen Zuwachsraten kontinuierlich an. So konnte das Gemeinschaftsunternehmen seinen Absatz 2008 um 13 % gegenüber dem Vorjahr auf 30,6 Mio. Liter steigern. Deutschland hat sich dabei zum Hauptabsatzmarkt entwickelt: Der Absatz konnte im selben Zeitraum um 26 % gesteigert werden. 2009 wurde Havana Club in 125 Ländern vertrieben., Februar 2009, Firmenpräsentation, PDF, 22 S.

2000 wurde mit der Fundación Havana Club in der Altstadt von Havanna ein Museum eröffnet, das sich dem Unternehmen und seinen Produkten widmet und Anfang 2009 seinen millionsten Besucher hatte.RIA Novostny: Kuba: Rum-Museum begrüßt den millionsten Besucher. 19. Januar 2009 In San José wurde 2007 eine weitere Destillerie eröffnet, die laut Firmenangaben 66 Mio. US-Dollar gekostet hat. Sie ist die modernste Destillerie Kubas und mit einer Kapazität von 12.000 Flaschen pro Stunde außerdem eine der größten Destillerien der Welt. Dort wird ausschließlich brauner Rum hergestellt. Verkauf in die USA ist weiterhin ausgeschlossen. Die kubanische Regierung bezifferte 2005 die hierdurch entgangenen Einnahmen aus ihrem Anteil am Joint-Venture auf 28,4 Mio. Dollar. , August 2005, Seite 38, PDF.

Das Verkaufsziel von Pernod Ricard war es, den Absatz bis zum Jahr 2013 auf 5 Millionen Kisten (à 9 Liter) zu steigern und die Marke zum Weltmarktführer im Segment der älteren braunen Rums auszubauen., pernod-ricard.com, 8. März 2007, PDF

mini|zentriert|750px|In den Hallen der Destillerie in Santa Cruz del Norte lagern die Rumfässer.

Logo mini|hochkant=1.2|Wetterfahne La Giraldilla auf dem Glockenturm des Castillo de la Real Fuerza

Das Logo zeigt La Giraldilla (von Spanisch giralda: Wetterfahne in Menschen- oder Tiergestalt), die berühmte bronzene Wetterfahne in Frauengestalt auf dem Glockenturm des Castillo de la Real Fuerza in der Nähe der Einfahrt zum Hafen Havannas. Sie gilt als das inoffizielle Wahrzeichen der Stadt.Angela Oramas Camero: . In: Granma Internacional vom 3. September 2009, abgerufen am 25. Juli 2012 (englisch).

Markenstreit mit Bacardi Ungeachtet der Enteignung durch die kubanische Regierung 1960 verkaufte die Familie Arechabala die Marke Havana Club 1995 an Bacardi. Daraufhin begann Bacardi massiven Einfluss auf die Politik zu nehmen, um seine erworbenen Markenrechte durchsetzen zu können. Denn nach der Rechtslage von 1994 war es äußerst zweifelhaft, ob die Arechabalas die nunmehr verkauften Rechte überhaupt noch besessen haben, da diese 1973 abgelaufen waren. Zunächst exportierte Bacardi 1995 16 Kisten eines auf den Bermudas destillierten Rums gleichen Namens in die USA. Gleichzeitig forcierte man mittels massiver Wahlkampfspenden an ausgewählte Senatoren den Helms-Burton Act, der auch als Bacardi Act/Law in die US-Rechtsgeschichte einging. Das Gesetz sieht vor, dass US-Firmen juristisch gegen Unternehmen vorgehen können, die enteigneten Besitz auf Kuba nutzen.

Nachdem das Gesetz im März 1996 verabschiedet war, begann man ab Mai des gleichen Jahres mit der verstärkten Einfuhr des Bacardi-Havana-Clubs in insgesamt sieben US-Bundesstaaten. Daraufhin verklagte Pernod Ricard den Distributor Galleon und Bacardi vor dem U.S. District Court for the Southern District. Parallel zum anschließenden Prozess weitete Bacardi seine Lobbyarbeit weiter aus. So erhielt beispielsweise Jeb Bush, der Gouverneur von Florida, Wahlkampfhilfen von insgesamt 200.000 US-Dollar und versuchte daraufhin das Verfahren zu beschleunigen. 1998 wurde dann ein weiteres Gesetz namens Omnibus Appropriations Act erlassen. Dessen Section 211 wurde weitgehend von einem Lobbyisten Bacardis verfasst, der dafür 600.000 US-Dollar bekam, und verbietet Eintrag und Verlängerung von Markenschutzrechten in den USA, die früher einmal enteigneten Kubanern gehört haben.Ann Louise Bardach: Cuba confidential: love and vengeance in Miami and Havana, Seite 131 Damit war es ab diesem Zeitpunkt der Havana Club Holding nicht mehr möglich, das Markenrecht an Havana Club nach Ablauf der Schutzfrist in den USA zu verlängern.

Der Gerichtsprozess ging durch mehrere Instanzen und wurde in unterschiedlichen Konstellationen geführt. Während Pernod Ricard gegen Bacardi wegen der Einfuhr des Rums klagte, versuchte Bacardi parallel dazu, die Markenanmeldung aus dem Jahr 1976 anzufechten. Zwischeninstanzlich unterlag Bacardi bei der Anfechtung der Markenanmeldung, in der nächsten Instanz fiel das Ergebnis hingegen wieder umgekehrt aus, da Section 211 zwischenzeitlich in Kraft getreten war. Sogar die WTO schaltete sich ein und erklärte Section 211' für illegal. Die USA wurden aufgefordert, das Gesetz bis Ende 2004 abzuschaffen, was bis Stand 2009 nicht geschehen war. Schließlich zogen sich die Prozesse so lange hin, dass der Markenschutz am 3. August 2006 auslief. Da die Havana Club Holding die Marke aufgrund von Section 211 nicht neu anmelden konnte, entfiel der Grund für den Rechtsstreit, und das Verfahren wurde vorläufig eingestellt, ohne dass es ein letztinstanzliches Urteil gab. Fünf Tage später begann Bacardi mit dem Verkauf seiner eigenen Version von Havana Club in den USA, nunmehr hergestellt in Puerto Rico. Nachdem der Oberste Gerichtshof der USA die beantragte Revision des Verfahrens im Mai 2012 abgelehnt hatte, registrierte Pernod Ricard die Marke „Havanista“, unter der der in Kuba hergestellte Havana-Club-Rum in den USA angeboten werden soll, sobald das dies noch verhindernde Handelsembargo gegen Kuba aufgehoben werden sollte.Pernod Ricard: Pressemitteilung auf: Reuters.com vom 14. Mai 2012, abgerufen am 15. Mai 2012 (englisch).

In Spanien kam es 1999 ebenfalls zu einem Prozess zwischen Bacardi und Pernod Ricard über die Marke Havana Club. Nachdem Bacardi nach mehreren Instanzen 2007 unterlag, beschwerte sich das Unternehmen vor dem obersten Gerichtshof des Landes. Dieser lehnte die Beschwerde 2011 ab. In: just-drinks.com, 4. Februar 2011.

2006 strengte Pernod Ricard einen Prozess gegen Bacardi an, in dem Bacardi wegen einer angeblich irreführenden Herkunftsangabe verklagt wurde. Laut Pernod Ricard halten 18 % der US-amerikanischen Konsumenten die Bezeichnung „Havana Club – Puerto Rican Rum“ für kubanischen Rum.Phil Milford: Pernod Ricard, Bacardi Start Trial Over ‘Havana Club’, Bloomberg L.P., 3. März 2009 Die Verhandlungen wurden im März 2009 aufgenommen und endeten ein Jahr später mit der Abweisung der Klage. Die Bezeichnung „Puerto Rican Rum“ genüge laut dem Gericht, um zu erkennen, dass der Rum in Puerto Rico hergestellt wird.Jonathan Stempel: "Pernod loses lawsuit on Bacardi's Havana Club rum", Reuters, 6. April 2010.

Im Dezember 2024 unterzeichnete der scheidende Präsident Joe Biden ein "No Stolen Trademarks Honored in America Act of 2023" genanntes Gesetz, welches die Ausübung der Markenrechte in den USA möglicherweise verunmöglicht.

Im Juni 2026 bestätigte ein US-Berufungsgericht, dass die Markenrechte für Havana Club beim kubanischen Staat liegen würden.

Eigentümerstruktur mini|hochkant=1|Eigentümerstruktur im Überblick

Havana Club International (HCI) wurde als Joint-Venture von Cubaexport und Pernod Ricard gegründet, die beide je zur Hälfte beteiligt sind. Cubaexport übertrug mit der Gründung von HCI seine Destillerien in Santa Cruz del Norte auf HCI. Pernod Ricard brachte seine weltweiten Vertriebswege und sein Know-how im Marketing ein. Seitdem ist HCI für Produktion und Vertrieb des Rums verantwortlich.

Eigentümer der Marke ist Havana Club Holding (HCH), welche die Markenrechte 1995 von Havana Rum & Liquors übertragen bekam. Diese wiederum bekamen die Rechte zuvor von Cubaexport. HCH gehört ebenfalls je zur Hälfte Cubaexport und Pernod Ricard. Seit Erhalt der Markenrechte vergibt HCH diese in Exklusivlizenz an HCI.Havana Club Holding, S.A., Havana Club International, S.A. versus Galleon S.A., Bacardi-Martini Usa, Inc., 4. Februar 2000