Kir Royal (Aus dem Leben eines Klatschreporters) ist eine sechsteilige Fernsehserie von Helmut Dietl aus dem Jahr 1986. Dabei handelt es sich um eine Persiflage auf die Münchner Abendzeitung, ihren Klatschreporter Michael Graeter und die Herausgeberin Anneliese Friedmann. Die Serie über den Boulevard-Reporter Baby Schimmerlos spielt in der Münchner Schickeria der 1980er Jahre. Die Serie ist nach dem damals beliebten Aperitif Kir Royal benannt.
Episoden
1. Wer reinkommt, ist drin Baby Schimmerlos, Klatschreporter und Kolumnist der Münchner Allgemeinen Tageszeitung, pflegt einen aufwendigen Lebensstil: Allein für seine 150-Quadratmeterwohnung in bester Lage zahlt er gut 3000 DM warm, dazu 450 Mark für die Putzfrau und 700 Mark Telefonkosten. Hinzu kommen monatlich 1200 Mark für Benzin und Versicherung seines Porsche Targas und noch mal 2000 bis 3000 Mark je Monat für elegante Kleidung, Kosmetik, Versicherungen und Lebensmittel. Außerdem teure Restaurantbesuche mit Prominenten und Informanten. Bei letzteren fallen binnen zwei Wochen schon mal Kosten in Höhe von 7000 Mark an. Kein Wunder, dass ihn Geldsorgen plagen und Lebensgefährtin Mona ihn drängt, endlich die Spesenabrechnung beim Verlag einzureichen. Doch Baby steht der Kopf momentan woanders: Er schreibt gerade eine Serie über die Münchner Restaurants, in denen die Schickeria verkehrt. Mona sieht das praktischer: Der Handwerksmeister, der den Marmorboden der Wohnung erneuern soll, würde statt der dafür veranschlagten 12.000 Mark einen deutlich günstigeren Preis machen, wenn er in der Schimmerlos-Kolumne vorkäme. Baby lehnt empört ab. Kaum in der Redaktion angelangt, geht es mit der versuchten Vorteilsnahme gerade so weiter. Fotograf Herbie möchte seine 18-jährige, noch „unentdeckte“ Gespielin Lisa, Sekretärin Edda ihren Zahnarzt in der Kolumne unterbringen. Baby spricht ein Machtwort – er will seine Unabhängigkeit bewahren.
Am Abend versucht der schwerreiche, aber von seinem Leben angeödete Kleberfabrikant Heinrich Haffenloher vergeblich, Baby Schimmerlos zu finden. Haffenloher ist auf Publicity aus und will mit allen Mitteln erreichen, dass eine Story über ihn in der Zeitung platziert wird. Auf Empfehlung des Hotelportiers landet Haffenloher im Edelrestaurant Villa Medici, wo Baby gelegentlich verkehrt. Dieser besucht aber gerade das Restaurant Champs Elysées. Der Betreiber ist besorgt, schlecht wegzukommen, weil in seinem Restaurant nichts los ist. Als Baby erschienen ist, lässt er „die üblichen Schnorrer“ zusammentelefonieren, um etwas Stimmung in die Bude zu bekommen. Was dann auch gelingt. Nur Mona ist genervt von der inszenierten Fröhlichkeit, der allgemeinen Anbiederung an Baby und auch der kulinarischen Ideenlosigkeit – das gleiche Nouvelle-Cuisine-Menu hatten sie bereits am Vortag im Restaurant Villa Medici serviert bekommen. Haffenloher findet das Champs Elysées durch Zufall doch noch – sieht, dass dort auf den Tischen getanzt wird, und will mitmachen; man lässt ihn aber nicht rein. Frustriert telefoniert er mit der Chefin von Schimmerlos, der Verlegerin von Unruh, und bietet an, teure Anzeigen zu schalten, wenn er in die Klatschkolumne kommt. Von Unruh will daraufhin Schimmerlos die Spesen nur erstatten, wenn er über Haffenloher schreibt. Widerwillig trifft der Journalist Haffenloher daraufhin in dessen Hotel. Von Schmeicheleien, Drohungen und Bestechungsversuchen („ich scheiß dich zu mit meinem Geld“) zermürbt lenkt Schimmerlos schließlich ein. Im Champs Elysées wird der vorherige Abend für die Fotokamera von Herbie noch einmal neu inszeniert; zu den bereits am Vortag Anwesenden stoßen der Handwerksmeister, der Zahnarzt und Haffenloher. Am Ende bekommen alle, was sie wollen. Mona ihren Fußboden, Frau von Unruh ihre Anzeigen, die Möchtegerns und der Restaurantbetreiber Publicity. Nur Schimmerlos, der gegen seine Überzeugung gehandelt hat, sitzt resigniert vor dem Lokal, rauchend und trinkend, während die Musik des Cancan aus der Operette Orpheus in der Unterwelt aus dem Restaurant dringt.
Haffenloher – Mario Adorf Püppi – Harald Leipnitz Paula – Peter Kern Taxifahrer – Walter Kraus Sedlacek – Rudolf Wessely Oberkellner – Edgar Selge Lisa – Corinna Drews Dr. Carl Friedmann – Martin Wimbush Barkeeper Wolfi – Heinz Werner Kraehkamp Michi – Peter Berling
2. Muttertag Babys verwitwete Mutter ist herzkrank und lebt in einem bescheidenen Haus in der Einflugschneise des Flughafens Riem. Eines Morgens fährt sie wieder einmal zu ihm in die Stadt, um seine mondäne Wohnung zu putzen und dem Buben endlich mal ein ordentliches Essen aufzutischen – zumal Mona gerade verreist ist. Doch was sie vorfindet, ist eine ihr fremde junge Blondine in Babys Bett. Es kommt zum Streit zwischen der Mutter und Babys Gespielin. Baby ist wie immer unterwegs auf der Suche nach einer Story. Fanny Kessler, die Hauptdarstellerin einer neuen TV-Seifenoper, soll schwanger sein. Baby fährt ins Filmstudio und lässt sich auch von Intrigen am Set und selbst Drohungen des Produzenten Georg Kanter nicht abschrecken, der Sache auf den Grund zu gehen. Der Regieassistent dreht Schimmerlos eine falsche Urinprobe für den Schwangerschaftstest an. Da der Redaktionsschluss naht, kann er das Ergebnis des Tests jedoch ohnehin nicht abwarten. Als ihn dann ein anonymer Anrufer bedroht, entschließt er sich, die Nachricht über die Schwangerschaft ohne Beweis in die Zeitung zu bringen (Fanny schwanger, Kanter sauer, Millionenfilm geplatzt). Bei einem sommerlichen Abendempfang unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten an der Bavaria-Statue am selben Abend kommt es zum Showdown zwischen Baby, dem erbosten Produzenten und Mona, die mittlerweile von Babys Seitensprung erfahren hat. Sowohl Kanter, der sich durch Babys Schlagzeile ruiniert sieht, als auch die eifersüchtige Mona planen, Baby vor Ort umzubringen, und haben Waffen eingeschmuggelt. Der Anschlag des Produzenten wird vom zufällig dazukommenden Ministerpräsidenten verhindert. Kurz darauf erhält Baby die Nachricht vom Tod seiner Mutter. Sie hatte bei der Live-Übertragung des Empfanges ihren Sohn entdeckt und beim verzweifelten Versuch, ihren Videorekorder in Gang zu bringen, vor Aufregung einen Herzinfarkt erlitten. Mona bringt es nun nicht mehr übers Herz, ihr Vorhaben auszuführen, und tröstet den weinenden Baby.
Mama Schimmerlos – Erni Singerl Fanny Kessler – Christine Schuberth Filmproduzent Kanter – Hanno Pöschl Regisseur – Rolf Olsen Ministerpräsident – Georg Marischka
3. Das Volk sieht nichts Baby glaubt, er habe den ganz großen Coup gelandet. Sein alter Bekannter Hubert Dürkheimer, Honorarkonsul einer Bananenrepublik, will am Starnberger See einen noblen Country Club bauen. Das passende Seegrundstück mit der baufälligen Villa des berühmten „Kunstmalers und Vertreters der voralpenländischen Schule“ Wilfried Schildkraut gehört der örtlichen Gemeinde St. Peter am See, deren Bürgermeister aber partout nicht an einen Spekulanten wie Dürkheimer verkaufen will. Baby soll als Strohmann aushelfen und, mit dem Geld des Konsuls ausgestattet, als Käufer auftreten. Der mit rund 39 Millionen DM hoch verschuldete Dürkheimer versucht, hierfür einen Kredit seiner Bank über 3,5 Millionen einzufädeln. Doch Baby hat eigene Pläne. Er will den Konsul übers Ohr hauen und die Villa nach dem Kauf selbst behalten. Gleichzeitig hintertreibt der ehrgeizige Landtagsabgeordnete Joseph Gaishofer im Namen der Gemeinnützigen Gesellschaft Volkswohl und Öffentliches Interesse die Pläne von Baby und Dürkheimer. Er sorgt dafür, dass der Kredit platzt, und treibt Dürkheimer damit in den Ruin und in den Selbstmord. Baby, der den Kaufvertrag für die Villa bereits unterschrieben hat, muss nun schleunigst wieder verkaufen, um ohne Dürkheimer und dessen Geld nicht von den Zinsen erdrückt zu werden. Die Villa wird schließlich von Gaishofers gemeinnütziger Stiftung erworben und zu deren Hauptsitz ausgebaut.
Konsul Dürkheimer – Boy Gobert Butler – Kurt Raab Landtagsabgeordneter – Hanns Zischler Bürgermeister – Willy Harlander Pfarrer – Karl Obermayr Notar – Toni Berger
4. Adieu Claire In München ist zur Abwechslung mal nichts los. Nur Edda und Mona haben sich nach einer bizarren neuen Modetorheit, dem sogenannten Marines look, gekleidet und raspelkurz frisieren lassen. Aber für Baby ist weit und breit keine Story zu finden. Er verzweifelt fast daran, seine Dreiviertelseite mit Klatsch zu füllen, da erwischt ihn auch noch ein Polizist beim Zeitungsklau zu Recherchezwecken.
Als sich alles gegen Baby zu wenden scheint, kommt zum Glück doch noch eine vielversprechende Geschichte auf. Der mittellose jüdische Komponist Friedrich Danziger hat nicht mehr lange zu leben, wie ihm sein Freund und Arzt, Dr. Krakauer, eröffnet. Die berühmte Chansonsängerin Claire Maetzig, die Frau, die er seit 50 Jahren liebt und die sich nach dem Nationalsozialismus geschworen hat, nie wieder einen Fuß auf deutschen Boden zu setzen, lebt seitdem in Paris. Schließlich finden Baby und Herbie heraus, dass man den alten Danziger in der Teeküche von Krakauers Privatklinik untergebracht hat. Herbie macht einige grausige Fotos des Todkranken. Frau von Unruh ist dagegen, das als Skandalgeschichte herauszubringen. Schließlich hat sie die Idee zu einer Geschichte: Baby soll nach Paris reisen, um „die alte Schrulle“ mit dem Foto vom Sterbebett doch noch zu einem letzten Besuch bei ihrem alten Freund in Deutschland zu bewegen. So macht er sich mit Herbie und Mona nach Paris auf. Mit drei falschen Adressen ausgestattet, können sie die Maetzig allerdings nicht finden. Dr. Krakauer und Claire gelingt es, die Verfolger auszutricksen. Sie fährt mit ihrer Haushälterin im Nachtzug nach München und wird von Krakauer in Pasing abgeholt. Während die Haushälterin, mit Sonnenbrille und Kopftuch als Double von Claire Maetzig verkleidet, die journalistischen Schnüffler in die Irre führt, besucht diese heimlich Friedrich Danziger im Krankenhaus, organisiert seine Verlegung in eine Klinik in der Schweiz und verlässt noch in derselben Nacht mit ihm zusammen die Stadt. Der erhoffte Scoop endet für Baby und Herbie deshalb nur in einem Umtrunk mit dem Polizeipräsidenten.
Dr. Krakauer – Richard Münch Claire Maetzig – Marianne Hoppe Friedrich Danziger – Curt Bois Polizeipräsident Dr. Adolph – Hans Korte Verkäufer Holger – Udo Kier Chefkoch im Aubergine – Eckart Witzigmann Kellner im Aubergine – Dirk Bach Butzi – Charles Regnier
5. Königliche Hoheit Die Königin des fernen Inselstaates Mandalia wird zu einem Besuch in München erwartet. Die ganze Stadt fiebert ihrer Ankunft entgegen, zumal Königin Kathi eine gebürtige Münchnerin ist, die ihre Kindheit und Jugend in kleinen Verhältnissen im Stadtteil Hasenbergl verbracht hat.