Synodontis ist eine Gattung der Fiederbartwelse (Mochokidae), einer ausschließlich in Afrika verbreiteten Welsfamilie.

Der Name Synodontis leitet sich von einem Namen für einen Fisch her, der bereits bei Plinius erstmals erwähnt wurde. Cuvier, der den Namen zunächst für eine Untergattung aufgegriffen hatte, glaubte, dass er für einen Fisch aus dem Nil im Altertum verwendet wurde. Vom Nil stammen auch die meisten der zunächst beschriebenen Arten. Die älteste bekannte davon, Synodontis clarias, ist auch die Typusart der Gattung. Sie wurde bereits 1758 von Linnaeus beschrieben.

Die Erforschung der Gattung ist noch in vollem Gange. In den letzten Jahren wurden wieder verstärkt wissenschaftlich neue Arten beschrieben,Friel, J. P. & T. R. Vigliotta (2006): Synodontis acanthoperca, a new species from the Ogôoué River system, Gabon with comments on spiny ornamentation and sexual dimorphism in mochokid catfishes (Siluriformes: Mochokidae). Zootaxa, 1125: 45-56.Wright, J. J. & L. M. Page (2006): Taxonomic revision of Lake Tanganyikan Synodontis (Siluriformes: Mochokidae). Bulletin of the Florida Museum of Natural History, 46 (4): 99-154.Musschoot, T. & P. Lalèyè (2008): Designation of a neotype for Synodontis schall (Bloch and Schneider, 1801) and description of two new species of Synodontis (Siluriformes: Mochokidae). Journal of Natural History, 42 (17-18): 1303-1331. aber auch stammesgeschichtliche Untersuchungen aufgrund molekularer Untersuchungen veröffentlicht.Day, J. J. & M. Wilkinson (2006): On the origin of the Synodontis catfish species flock from Lake Tanganyika. biology letters, 2 (4): 548-552.

Beschreibung Die überwiegende Zahl der Synodontis-Arten hat einen mäßig gedrungenen Körper, der seitlich leicht abgeflacht ist. Die obere Profillinie ist stark ausgebogen. Rücken- und Brustflossen haben jeweils einen kräftigen, oft gezähnten Stachel. Die Fettflosse ist verhältnismäßig groß und ohne Stützstrahl. Drei Paar Barteln sind relativ weit vorn am Kopf angebracht. Die beiden Oberkieferbarteln sind die längsten; sie sind nur ausnahmsweise gefiedert, dafür aber mitunter mit einer Membran an der Basis versehen. Die des Unterkiefers sind fast immer gefiedert und deutlich kürzer als die des Oberkiefers. Bei vielen Arten sind die Männchen an einem kleinen „Stäbchen“ erkennbar, das die Geschlechtsöffnung bildet. 1990 wurde entdeckt, dass Synodontis-Arten mit Schwimmblasenmuskeln elektrische Felder zwecks Kommunikation erzeugen (Hagedorn et al.Brain Behav Evol 1990;35:268-277 .).

Vorkommen Synodontis-Arten sind vom Nil in Ägypten im äußersten Norden Afrikas bis Südafrika verbreitet, im Westen vom Senegal und Gambia bis zu Küstenflüssen in Tansania und Kenia. Schwerpunkte mit starker Artaufspaltung bilden sicherlich der Kongo-Fluss, aber auch der Tanganjikasee.

Lebensweise miniatur|links|Ein Synodontis nigriventris in Rückenlage Freilandbeobachtungen sind relativ selten, da viele Arten in Gewässern mit geringen Sichtweiten leben. Von Aquarienbeobachtungen weiß man, dass zahlreiche Synodontis-Arten tagsüber eine versteckte Lebensweise bevorzugen und erst nachts wirklich munter werden. Allerdings gewöhnen sich viele dieser Fische schnell an das Leben in Gefangenschaft und werden sogar zutraulich, d. h., sie lassen sich beim Füttern sogar am Bauch kraulen. Mehrere Synodontis-Arten nehmen gerne Futter von der Wasseroberfläche auf. Manche Arten, beispielsweise der Rückenschwimmende Kongowels, bevorzugen sogar die Rückenlage als normale Schwimmhaltung. Es ist aber auch von anderen Arten (z. B. Synodontis eupterus) bekannt, dass sie gelegentlich in Rückenlage umherschwimmen, auch wenn sie gerade nicht von der Wasseroberfläche fressen. Vermutlich leben sie in der Natur an der Uferböschung unter Wurzeln von Bäumen, die ihre Ausläufer ins Wasser ausstrecken. Sie finden dort in Rückenlage den weichen Bauch geschützt am Astwerk und von unten bewahrt sie der wehrhafte Rückenstachel und der Kopfpanzer vor Fressfeinden. Aus dem Tanganjikasee gibt es Berichte, dass der Kuckucks-Fiederbartwels in so großen Schwärmen auftreten kann, dass die Netze der Fischer so mit Fischen gefüllt sind, dass sie nicht mehr in der Lage sind, diese einzuholen, weil sie sonst Gefahr laufen, die kleinen Boote zum Kentern zu bringen.

Fortpflanzung Die meisten Synodontis-Arten betreiben keine Brutpflege. Von manchen Arten ist bekannt, dass sie ihre Eier und das Sperma in Höhlen und Spalten einfach ins Wasser entlassen und sich auch als Elterntiere an ihrem eigenen Laich vergreifen. Befruchtete Eier, die in Spalten fallen, entwickeln sich dort zu Larven, die alsbald frei schwimmen. Von bisher zwei Arten ist aber auch ein Brutparasitismus bekannt (Synodontis multipunctatus und Synodontis grandiops), hierbei werden die Eier der Welse laichenden maulbrütenden Buntbarschen untergeschoben.

Nutzung miniatur|Synodontis auf dem Fischmarkt in Kairo / Ägypten Zahlreiche Synodontis-Arten sind beliebte Aquarienfische. Die meisten, aber nicht alle Arten, sind verträgliche Bewohner, die ihresgleichen, aber auch anderen Aquarienbewohnern kein Leid zufügen. Vor allem die Arten aus dem TanganjikaseeSchraml, E. (2003): Fiederbartwelse aus dem Tanganjikasee (Teil 1). Datz, 56 (8): 60-65.Schraml, E. (2003): Fiederbartwelse aus dem Tanganjikasee (Teil 2). Datz, 56 (10): 18-23. sind begehrte Aquarienpfleglinge. Nicht vergessen werden darf aber, dass alle Synodontis-Arten nicht nur potenzielle (Jung-)Fischfresser sind (vor allem Fischlarven und Fischlaich sind in Gefahr), sondern auch durch ihre nächtliche Lebensweise eine gewisse Unruhe ins Aquarium bringen, durch die empfindliche Mitbewohner gestresst werden. Fiederbartwelse können, in menschlicher Obhut gepflegt, relativ alt werden. Belegt sind Pflegezeiten von über 30 Jahren.

Es gibt unterschiedliche Meldungen darüber, ob Synodontis-Arten als Speisefische geschätzt werden. Zwar werden sie als solche auf den Märkten in Afrika angeboten, aber bereits frühe Autoren schreiben, dass sie bei den Konsumenten nicht sonderlich beliebt sind, weil ihr Fleisch nicht gut schmeckt.

Arten Gegenwärtig gibt es ca. 130 bekannte Arten:

miniatur|Jungfisch von Synodontis angelicus miniatur|Jungfisch von Synodontis batensoda miniatur|Großaugen-Kuckucks-Fiederbartwelse (Synodontis grandiops) miniatur|Synodontis eupterus miniatur|Synodontis leopardinus miniatur|Synodontis membranaceus miniatur|Synodontis multipunctatus miniatur|Rückenschwimmende Kongowelse (Synodontis nigriventris) miniatur|Synodontis nigromaculatus miniatur|Synodontis petricola miniatur|Synodontis schall miniatur|Synodontis thamalakanensis miniatur|Synodontis woosnami

Synodontis acanthomias Boulenger, 1899 Synodontis acanthoperca Friel & Vigliotta, 2006 Synodontis afrofischeri Hilgendorf, 1888 Synodontis alberti Schilthuis, 1891 Synodontis albolineatus Pellegrin, 1924 Perlhuhnwels (Synodontis angelicus) Schilthuis, 1891 Synodontis annectens Boulenger, 1911 Synodontis ansorgii Boulenger, 1911 Synodontis arnoulti Roman, 1966 Synodontis aterrimus Poll & Roberts, 1968 Synodontis bastiani Daget, 1948 Synodontis batesii Boulenger, 1907 Synodontis batensoda (Rüppell, 1832)Thomas R. Vigliotta: A phylogenetic study of the African catfish family Mochokidae (Osteichthyes, Ostariophysi, Siluriformes), with a key to its genera (PDF; 643 kB). Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia, 157(1):73-136. 2008 Synodontis brichardi Poll, 1959 Synodontis budgetti Boulenger, 1911 Synodontis camelopardalis Poll, 1971 Synodontis carineae Vreven & Ibala Zamba, 2011 Synodontis caudalis Boulenger, 1899 Synodontis caudovittatus Boulenger, 1901 Synodontis centralis Poll, 1971 Synodontis clarias (Linnaeus, 1758) Synodontis comoensis Daget & Lévêque, 1981 Synodontis congicus Poll, 1971 Synodontis contractus Vinciguerra, 1928 Synodontis courteti Pellegrin, 1906 Synodontis cuangoanus Poll, 1971 Synodontis dageti Poll & Roman, 1967 Synodontis decorus Boulenger, 1899 Synodontis dekimpei Paugy, 1987 Synodontis denticulatus Kasongo Ilunga et al., 2019 Synodontis depauwi Boulenger, 1899 Synodontis dhonti Boulenger, 1917 Synodontis dorsomaculatus Poll, 1971 Synodontis eburneensis Daget, 1965 Schmuckflossen-Fiederbartwels (Synodontis eupterus Boulenger, 1901) Synodontis fascipinna Nichols & La Monte, 1953 Synodontis filamentosus Boulenger, 1901 Synodontis flavitaeniatus Boulenger, 1919 Synodontis frontosus Vaillant, 1895 Synodontis fuelleborni Hilgendorf & Pappenheim, 1903 Synodontis geledensis Günther, 1896 Synodontis gobroni Daget, 1954 Synodontis grandiops Wright & Page, 2006 Synodontis granulosus Boulenger, 1900 Synodontis grenshoffi Schilthuis, 1891 Synodontis guttatus Günther, 1865 Synodontis haugi Pellegrin, 1906 Synodontis hollyi Pellegrin, 1929 [species inquirenda] Synodontis ilebrevis Wright & Page, 2006 Synodontis irsacae Matthes, 1959 Synodontis ituriensis Boulenger, 1920 Synodontis iturii Steindachner, 1911 Synodontis katangae Poll, 1971 Synodontis khartoumensis Gideiri, 1967 Synodontis koensis Pellegrin, 1933 Synodontis kongonensis Musschoot & Lalèyè, 2008 Synodontis laessoei Norman, 1923 Synodontis latifrons Blache, 1964 Synodontis leopardinus Pellegrin, 1914 Synodontis leopardus Pfeffer, 1896 Synodontis levequei Paugy, 1987 Synodontis longirostris Boulenger, 1902 Synodontis longispinis Pellegrin, 1930 Synodontis lucipinnis Wright & Page, 2006 Synodontis lufirae Poll, 1971 Synodontis macrophthalmus Poll, 1971 Synodontis macrops Greenwood, 1963 Synodontis macropunctatus Wright & Page, 2008 Synodontis macrostigma Boulenger, 1911 Synodontis macrostoma Skelton & White, 1990 Synodontis maculosus Rüppell, 1829 Synodontis manni De Vos, 2001 Synodontis marmoratus Lönnberg, 1895 Synodontis matthesi Poll, 1971 Synodontis melanopterus Boulenger, 1903 Synodontis melanostictus Boulenger, 1906 Synodontis membranaceus (Geoffroy St. Hilaire, 1809) Synodontis multimaculatus Boulenger, 1902 Kuckucks-Fiederbartwels (Synodontis multipunctatus) Boulenger, 1898 Synodontis nebulosus Peters, 1852 Synodontis ngouniensis De Weirdt, Vreven & Fermon, 2008 Synodontis nigrita Valenciennes, 1840 Rückenschwimmender Kongowels (Synodontis nigriventris) David, 1936 Synodontis nigromaculatus Boulenger, 1905 Synodontis njassae Keilhack, 1908 Synodontis notatus Vaillant, 1893 Synodontis nummifer Boulenger, 1899 Synodontis obesus Boulenger, 1898 Synodontis ocellifer Boulenger, 1900 Synodontis omias Günther, 1864 Synodontis orientalis Seegers, 2008 Synodontis ornatipinnis Boulenger, 1899 Synodontis ornatissimus Gosse, 1982 Synodontis ouemeensis Musschoot & Lalèyè, 2008 Synodontis pardalis Boulenger, 1908 Synodontis petricola Matthes, 1959 Synodontis pleurops Boulenger, 1897 Synodontis polli Gosse, 1982 Synodontis polyodon Vaillant, 1895 Synodontis polystigma Boulenger, 1915 Synodontis pulcher Poll, 1971 Synodontis punctifer Daget, 1965 Synodontis punctulatus Günther, 1889 Synodontis punu Vreven & Milondo, 2009 Synodontis rebeli Holly, 1926 Synodontis resupinatus Boulenger, 1904 Synodontis ricardoae Seegers, 1996 Synodontis robbianus Smith, 1875 Synodontis robertsi Poll, 1974 Synodontis ruandae Matthes, 1959 Synodontis rufigiensis Bailey, 1968 Synodontis rukwaensis Hilgendorf & Pappenheim, 1903 Synodontis schall (Bloch & Schneider, 1801) Synodontis schoutedeni David, 1936 Synodontis serpentis Whitehead, 1962 Synodontis serratus Rüppell, 1829 Synodontis smiti Boulenger, 1902 Synodontis soloni Boulenger, 1899 Synodontis sorex Günther, 1864 Synodontis steindachneri Boulenger, 1913 Synodontis tanganyicae Borodin, 1936 Synodontis tessmanni Pappenheim, 1911 Synodontis thamalakanensis Fowler, 1935 Synodontis thysi Poll, 1971 Synodontis tourei Daget, 1962 Synodontis unicolor Boulenger, 1915 Synodontis vaillanti Boulenger, 1897 [species inquirenda] Synodontis vanderwaali Skelton & White, 1990 Synodontis velifer Norman, 1935