Wahrer Bärenklau (Acanthus mollis), auch Weicher Akanthus genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Akanthus (Acanthus) innerhalb der Familie der Akanthusgewächse (Acanthaceae). Sie ist im Mittelmeerraum verbreitet. Gelegentlich findet sie Gebrauch als Zierpflanze. Im deutschen Sprachraum ist auch die Bezeichnung Weicher Bärenklau gebräuchlich. Der Wahre Bärenklau ist aber nicht näher verwandt mit der auch als Bärenklau bekannten Gattung Heracleum aus der Familie der Doldenblütler (Apiaceae).

Beschreibung mini|Zygomorphe Blüte mini|Früchte mini|Früchte und Samen mini|Zygomorphe Blüte mit Blütenbesucher mini|Illustration von Hans Simon Holtzbecker aus dem Gottorfer Codex mini|Illustration aus Hortus Romanus juxta systema Tournefortianum

Vegetative Merkmale Der Wahre Bärenklau ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 70, selten bis zu 100 Zentimetern erreicht. Die Wurzeln sind knollig verdickt, Die oberirdischen Pflanzenteile sind mehr oder weniger behaart oder kahl. Die aufrechte Sprossachse ist unverzweigt.

Die meisten Laubblätter sind grundständig angeordnet und in Blattstiel sowie -spreite gegliedert. Der Durchmesser der Blattrosette beträgt etwa 50 Zentimeter. Ihr Blattstiel ist mit einer Länge von 20 bis 30 oder bis zu 60 Zentimetern relativ lang. Ihre Blattspreite ist kahl bis kurz flaumig behaart und bei einer Länge von 20 bis 60, selten bis zu 100 Zentimetern sowie einer Breite von 15 bis 30 Zentimetern elliptisch bis eiförmig oder länglich-eiförmig und fiederspaltig mit am Ansatz nicht verschmälerten, an der Spitze nicht verdornten Fiederabschnitten, der Blattrand ist eingeschnitten gezähnt. Die wenigen, mehr oder minder ungestielten Laubblätter am Stängel sind bei einer Länge von 1 bis 3 Zentimetern mehr oder minder eiförmig oder eiförmig-lanzettlich, ihr Rand dornig gezähnt.

Generative Merkmale Der Blütenstandsschaft ist bis zu 1 Meter hoch. In einem endständigen, bei einer Länge von 0,3 bis 2 Metern zylindrischen, ährigen Blütenstand sind dicht zahlreiche Blüten angeordnet. Die laubblättähnlichen, kahlen oder flaumig behaarten Tragblätter sind bei einer Länge von 2,5 bis 4 Zentimetern eiförmig-länglich oder eiförmig, gezähnt mit sieben Nerven. Unter jeder Blüte sind zwei flaumig behaarte, fast linealische Deckblätter, die viel kleiner als das Tragblatt sind, vorhanden.

Die zwittrigen Blüten sind zygomorph mit doppelter Blütenhülle. Die vier fast kahlen Kelchblätter sind untereinander verwachsen und der flaumig behaarte Kelch endet in ungleichen Kelchlappen, von denen die unteren sowie oberen länger und die seitlichen kürzer sind. Die Kronröhre ist nur kurz. Die Krone 4 bis 5 Zentimeter lang und von weißer Farbe mit purpurfarbener Nervatur. Die Oberlippe ist stark reduziert. Die flaumig behaarte, dreilappige Unterlippe ist 3,5 bis 5 Zentimeter lang. Die vier Staubblätter überragen bei einer Länge von 3 bis 3,5 Zentimetern die Blütenkrone nicht. Die Staubfäden sind kahl. Die ungleichen, purpurfarbenen oder braunen Staubbeutel weisen eine Länge von 10 bis 12 Millimetern sowie eine Breite von 2 bis 3 Millimetern auf. Der 4 bis 5 Millimetern sowie 2 bis 3 Millimetern eiförmige Fruchtknoten ist zweikammerig. Der Griffel ist mit einer Länge von 3 bis 4 Zentimetern relativ lang und viel länger als die Staubblätter.

Die bei einer Länge von 2 bis 3,5 Zentimetern eiförmige, ledrige Kapselfrucht enthält ein oder zwei oder bis zu vier Samen. Die braunen, kahlen Samen sind 10 bis 14 Millimeter lang und etwa 8 Millimeter breit.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 36 oder 56.

Vorkommen Acanthus mollis ist im westlichen und zentralen Mittelmeerraum verbreitet. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Wahren Bärenklaus umfasst Marokko, Algerien, Tunesien, Frankreich, Italien, Kroatien, Montenegro, die Türkei und das Gebiet von Syrien und Libanon. In Griechenland kommt die Art eingebürgert vor. Acanthus mollis gedeiht beispielsweise in Macchien oder in Tälern.

Systematik und Verbreitung Die Erstveröffentlichung von Acanthus mollis erfolgte 1753 durch Carl von Linné in seinem Werk Species Plantarum, Tomus I, S. 639. Synonyme für Acanthus mollis sind: Acanthus longifolius non Acanthus longifolius , Acanthus spinulosus .

Je nach Autor gibt es etwa zwei Unterarten: Acanthus mollis subsp. mollis: Sie kommt in Frankreich, auf Korsika, in Italien und Marokko vor. Acanthus mollis subsp. platyphyllus : Sie kommt in Marokko, Algerien, Tunesien und in Spanien vor.

Nutzung Acanthus mollis wird als Zierpflanze verwendet und ist nur bedingt winterhart, weshalb sie über klimatisch begünstigte Regionen Mitteleuropas hinaus nur selten gepflanzt wird.

Die medizinischen Wirkungen wurden untersucht.

In alter Zeit wurde die Pflanzenart branca ursina (lat. Bärenklaue), womit (eher im Süden?) sowohl der Wahre Bärenklau (branca ursina romana) als auch (eher im Norden?) der Wiesen-BärenklauVgl. etwa Otto Zekert (Hrsg.): Dispensatorium pro pharmacopoeis Viennensibus in Austria 1570. Hrsg. vom österreichischen Apothekerverein und der Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie. Deutscher Apotheker-Verlag Hans Hösel, Berlin 1938, S. 137 (Branca ursina: „Heracleum Spondylium L., Bärenklaue, Bärentatze“). gemeint sein konnte, als Zutat zu Medikamenten eingesetzt. Im Jahr 1542 wurde diese Pflanzenart mit dem Namen Bärentāpe bezeichnet und einer ihrer Trivialnamen ist auch heute noch Bärentap(p)e.

Einzelnachweise Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 2, eingescannt. Heinrich Marzell: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen. 5 Bände, Leipzig, ab Band 3 Stuttgart/Wiesbaden, Band I, 1937, S. 61. Hans-Joachim Poeckern: Die Simplicien im Nürnberger Dispensatorium des Valerius Cordus von 1546 und ihre Erläuterung in den kursiv gedruckten Fußnoten, unter besonderer Berücksichtigung der Dioskuridesanmerkungen und Pflanzenbeschreibungen des Valerius Cordus. Mathematisch-naturwissenschaftliche Dissertation, Halle an der Saale 1970, S. 138. Sylvia M. Haslam, Peter D. Sell, Patricia A. Wolseley: A Flora of the Maltese Islands. Malta University Press, Msida (Malta) 1977, S. 293. CLI. ACANTHACEAE: J. Paiva: 1. Acanthus L.: Acanthus mollis L., S. 78–79. In: J. Paiva, A. Herrero, C. Aedo (Hrsg.) Flora Ibérica, Volume XIV: Myopporaceae - Campanulaceae, RJB/CSIC, Madrid, 2001. Volltext-PDF.

Hans Christian Weber, Bernd Kendzior: Flora of the Maltese Islands. A Field Guide. Margraf, Weikersheim 2006, ISBN 3-8236-1478-9, S. 226. Peter Schönfelder, Ingrid Schönfelder: Die neue Kosmos-Mittelmeerflora. Franckh-Kosmos-Verlag Stuttgart 2008, ISBN 978-3-440-10742-3. S. 66. Datenblatt Acanthus mollis bei Electronic Flora of South Australia. Datenblatt Acanthus mollis bei eGardenGo website von Darcy Daniels des Bloomtown Gardens. Karol Marhold, 2011: Acanthaceae. Datenblatt Acanthus mollis In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity.

Weblinks

Thomas Meyer, Michael Hassler: Datenblatt mit Fotos Acanthus mollis L. (Weicher Akanthus) in Mittelmeer- und Alpenflora. Datenblatt mit Fotos und Verbreitung in Frankreich von Acanthus mollis L. bei Tela Botanica. Datenblatt mit Fotos und Verbreitung in Portugal von Acanthus mollis L. bei Jardim Botânico UTAD. Phillip G.Kodel, 2023 - Robyn M. Barker: Datenblatt Acanthus mollis, In: P.G. Kodela (Hrsg.): Flora of Australia. Australian Biological Resources Study, Department of Climate Change, Energy, the Environment and Water,: Canberra. Datenblatt mit Foto von Acanthus mollis L. bei Flowers of India. Datenblatt Acanthus mollis bei Global Invasive Species Database. B. J. Conn, 2005: Datenblatt Acanthus mollis bei New South Wales Flora online. Datenblatt Acanthus mollis bei NParks Flora & Fauna Web. Datenblatt Acanthus mollis - PDF bei FloraVeg.EU = Database of European Vegetation, Habitats and Flora. Datenblatt Acanthus mollis bei Weedbusters - PDF.

Kategorie:Akanthusgewächse