Der Ausbruch des Vulkan-Systems Eyjafjallajökull () im Jahr 2010 fand in den Monaten März bis Mai an zwei etwa 8 km voneinander entfernten Stellen statt. Die ersten Eruptionen gab es am 20. März am Fimmvörðuháls (Ostrand der Gletscher-Hochebene Eyjafjallajökull), und am 14. April am Rande der Gipfel-Caldera. Weitere Eruptionen, in deren Folge erhebliche Asche-Mengen in die Atmosphäre geschleudert wurden, ereigneten sich bis zum 24. Mai. Dampfwolken über den Vulkanen bildeten sich noch bis zum Juli 2010.

Eyjafjallajökull ist sowohl der Name eines Gletschers (jökull) als auch des Vulkan-Systems, das von diesem Gletscher bedeckt ist.In den folgenden Text-Details ist darauf zu achten, ob ein Berg bzw. das Material, aus dem er besteht, oder das über ihm befindliche Eis gemeint ist.

mini|Ausbruchsstelle am Fimmvörðuháls, von Austurgigar aus, 29. März 2010 mini|Eyjafjallajökull am 17. April 2010 mini|Fimmvörðuháls, 26. März 2010 mini|Gipfelkratereruption, 10. Mai 2010 mini|Fimmvörðuháls, 26. März 2010 mini|Aschewolke des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull über dem nördlichen Oberrheingraben am 19. April 2010 Der Ausbruch des Eyjafjallajökull hatte über Island hinaus großräumige Auswirkungen. Insbesondere musste Mitte April 2010 auf Grund der ausgetretenen Vulkanasche der Flugverkehr in weiten Teilen Nord- und Mitteleuropas eingestellt werden, was eine bis dahin beispiellose Beeinträchtigung des Luftverkehrs in Europa infolge eines Naturereignisses darstellte. Am 19. April 2010 konnte die aus nordwestlicher Richtung eintreffende Aschewolke vom 517 Meter hohen Berg Melibokus an der Hessischen Bergstraße deutlich wahrgenommen werden.

Überwachung des Gebietes des Eyjafjallajökull und Herkunft der wissenschaftlichen Daten In Island arbeiten zwei Institutionen zusammen an der Überwachung der Vulkane und damit auch des Eyjafjallajökull. Dies ist einerseits das Vulkanologische Institut der Universität Island (Nordic Volcanological Center) und andererseits das Isländische Wetteramt, das z. B. für Erdbebenmessungen, Wasserstandsmessungen und die Voraussage von Bewegungen der Aschewolken zuständig ist.Veðurstofa Íslands: Þjónusta Veðurstofu Íslands (isl.); Icelandic Met Office: Update on activity (engl.) So erklärt sich auch, dass die beiden Institutionen gemeinsame tägliche Berichte zum Stand der Eruption auf Isländisch und Englisch veröffentlichten.

Chronologie der Ereignisse mini|hochkant=1.3|Ehemalige (2, 3) und aktuelle (1, 4) Riftzonen in Island: Der Eyjafjallajökull liegt in der Zone 4, ganz im Süden (halb verdeckt vom braunen Streifen), direkt westlich neben dem größeren Mýrdalsjökull; diese östliche Vulkanzone ist vermutlich dabei, sich zu einer neuen Riftzone zu entwickeln. In diesen Zusammenhang sind auch die Ausbrüche 2010 zu stellen. mini|hochkant=1.6|Gipfelcaldera und Fimmvörðuháls, der Gletscher Mýrdalsjökull mit dem Vulkan Katla im Osten, das Tal Goðaland und der Tindfjallajökull direkt nördlich des Eyjafjallajökull, ganz im Norden die Torfajökull-Region. Mit Schnee bedeckte Gebiete zwischen Mýrdalsjökull und Torfajökull. (Satellitenaufnahme der NASA, 26. März 2010)

Vorzeichen des Ausbruchs Schon 1999 hatte man erhöhte Erdbebenaktivität am Eyjafjallajökull und Mýrdalsjökull festgestellt. Im Winter 1999 auf 2000 konzentrierten sich diese Erdbeben auf den Eyjafjallajökull, und man stellte im Herbst 2000 einen kleinen Gletscherlauf im Fluss Lambfellsá fest, der von der chemischen Zusammensetzung her vom Vulkan stammte. Aus beiden Ereignissen schlossen die Vulkanologen, dass sich Magma im südlichen Eyjafjallajökull ansammelte.

Seit Ende Januar 2002 waren zwei neue Spalten am Gipfelkrater des Eyjafjallajökull zwischen Goðasteinn und Guðnasteinn bekannt, aus denen schwefeldioxidgesättigter Dampf aufstieg. Seither war die Überwachung des Berges intensiviert worden. Zugriff: 3. Januar 2011

Ostern 2009 begann eine Phase erhöhter seismischer Aktivität im Bereich des Eyjafjallajökull mit Tausenden kleiner Erdbeben, die meist eine Magnitude zwischen 1 und 2 erreichten und ihr Hypozentrum vorwiegend in Tiefen von sieben bis zehn Kilometern unter dem Vulkan hatten. (5. März 2010)

Ab Anfang Februar 2010 zeigten GPS-Messungen deutliche Veränderungen der Oberfläche des Vulkans. Die Geräte hatten das isländische Wetteramt und die Universität Island an zahlreichen Stellen um den Vulkan, unter anderem bei dem Bauernhof Þorvaldseyri etwa 15 Kilometer südwestlich der Ausbruchsstelle am Fimmvörðuháls, aufgestellt. Bei der Auswertung der Ergebnisse zeigte sich eine Verformung der Erdkruste unmittelbar am Eyjafjallajökull um bis zu 15 Zentimeter, wobei sich die Kruste innerhalb der letzten vier Tage vor dem Ausbruch stellenweise um mehrere Zentimeter deformiert hatte.

Die ungewöhnlich hohe Anzahl an Erdbeben zeugte zusammen mit der schnellen Krustenausdehnung von einströmendem Magma unterhalb der Erdoberfläche. (26. Februar 2010)

In den folgenden Wochen erhöhte sich die Anzahl der gemessenen Erdbeben noch und erreichte mit 3000 Erdbeben, die zwischen dem 3. und 5. März 2010 festgestellt wurden, einen vorläufigen Höhepunkt. Die meisten Erdstöße waren relativ schwach (weniger als Magnitude 2); wobei aber gerade diese oft Indikatoren für einen sich vorbereitenden Ausbruch sind. Einige lagen auch über Magnitude 2 und konnten in nahegelegenen Orten gespürt werden.

Am 19. März verlagerte sich die Erdbebenserie leicht nach Osten und nach oben (Erdbebenherde in vier bis sieben Kilometer Tiefe).

Am 21. März stellte man eine weitere Verschiebung nach Osten fest; die Erdbebenherde befanden sich teilweise in Oberflächennähe.Isländisches Wetteramt, Zugriff am 27. März 2010.

Eruptionen am Fimmvörðuháls: 20. März bis 12. April 2010 Am 20. März 2010 begann kurz vor Mitternacht eine Eruption des Vulkans, eine effusive Eruption, wie sich erweisen sollte.Isländisches Wetteramt: Eruption on Fimmvörðuháls; engl.; Zugriff am 21. März 2010. Ausnahmezustand. Gletscher-Vulkan auf Island ausgebrochen. In: Spiegel Online, 21. März 2010. Die Ausbruchsstelle lag auf der Hochebene Fimmvörðuháls zwischen Eyjafjallajökull und Mýrdalsjökull.Island: Vulkanausbruch am Gletscher. In: Spiegel Online, Zugriff am 21. März 2010. Die angrenzende Region Fljótshlíð und die Südküste zwischen Hvolsvöllur und Vík í Mýrdal mit rund 500 Bewohnern wurden zeitweilig evakuiert.AFP-Meldung bei Yahoo: Vulkanausbruch vertreibt 500 Menschen aus ihren Häusern; Zugriff am 10. Jänner 2014.

Die Messgeräte stellten am 21. März 2010 gegen 22:30 Uhr schwache Unruhe und vulkanischen Tremor an drei Orten fest, die dem Eyjafjallajökull nächstgelegen waren. Etwa zur gleichen Zeit kam die Nachricht, dass ein Vulkanausbruch oben am Gletscher begonnen habe. Bald darauf stellte sich heraus, dass die Ausbruchsstelle auf der Hochebene Fimmvörðuháls zwischen Eyjafjallajökull und Mýrdalsjökull lag. Reykjavík Grapevine, Zugriff: 21. März 2010

Evakuierungsmaßnahmen Vorsichtshalber wurde die unmittelbare Umgebung des Vulkans in den Bezirken Fljótshlíð, Eyjafjöll und Landeyjar evakuiert, wobei 500 Menschen in Sicherheit gebracht wurden. Kurzfristig schloss man die Flughäfen von Reykjavík und Keflavík. Der internationale Flughafen wurde jedoch am Abend des 21. März wieder für den Verkehr freigegeben.Gos hafið í Eyjafjallajökli, Visir, 21. März 2010 Icelandair, Zugriff: 21. März 2010.

Die Einwohner der Zone rund um den Vulkan konnten fast alle am 22. März 2010 wieder in ihre Häuser zurückkehren. (22. März 2010) Allerdings waren die Wege in die Þórsmörk und auf den Pass Fimmvörðuháls am 27. März 2010 noch gesperrt.

Lavaströme an den ersten Ausbruchstagen mini|Fimmvörðuháls, 27. März 2010

Es handelte sich bis zum 27. März 2010 größtenteils um einen effusiven Vulkanausbruch, der bis zu 150 Meter hohe Lavafontänen aus 10–12 Kratern entlang einer circa 500 Meter langen Spalte produzierte. Die Lava war ungefähr 1000–1200 °C heiß, von alkalibasaltischer Zusammensetzung und dünnflüssig.

Die flüssige Lava strömte etwa zwei Kilometer nach Nordosten und dann zunächst in die Schlucht Hrunagil, wobei sie einen mehr als 200 Meter hohen Lavafall bildete.

Am 25. März 2010 gelang es Wissenschaftlern zum ersten Mal, die Bildung von Pseudokratern zu verfolgen.Viðtal við Ármann Höskuldsson eldfjallafræðing In: Fréttastofa Stöðvar Tvö, o.A.

In den ersten beiden Eruptionstagen wurde eine Ausdehnung der Erdkruste am Eyjafjallajökull festgestellt, die jedoch mit zunehmender Eruptivtätigkeit abnahm. Die Wissenschaftler nahmen an, dass der Magmaeintrag in die Magmakammer im Volumen in etwa der eruptiven Ausstoßmasse entspräche und der Ausbruch damit ein gewisses Gleichgewicht gefunden habe.Veðurstofa Íslands (24. März 2010)

Der Geophysiker Magnús Tumi Guðmundsson erklärte, dass die Eruption im Vergleich etwa mit der der Hekla im Jahr 2000 bisher einen relativ geringen Umfang habe. Dies könne sich allerdings ändern, falls sich das Eruptionszentrum unter den Gletscher verlagern würde. Damit würde sich auch das Risiko von Gletscherläufen ergeben. Die Radare des isländischen Wetteramtes entdeckten noch keinen nennenswerten Aschenfall in den ersten beiden Tagen, erst am Abend des 22. März fiel etwas Asche in Fljótshlíð und Hvolsvöllur.

Der Lavafluss spaltete sich am 26. März auf, ein größerer Teil bildete einen Lavafall in der Hvannagil, einer Schlucht, die westlich der Hrunagil liegt.Birgir Vilhelm Óskarsson: Am 27. März gegen Abend durchbrach ein weiterer Teil der Laven die Südwand eines Kraters und bewegte sich in Richtung des Wanderwegs von Skógar auf den Fimmvörðuháls, der gesperrt wurde.vgl. Website der Zeitung Morgunblaðið Zugriff: 27. März 2010

Am Abend des 28. März hatte sich ein dritter Strom gebildet, der über einen „Lavafall“ zwischen den beiden anderen in die Schlucht Hrunagil abfloss. Magnús Tumi Guðmundsson erklärte, dass die Fördermenge nicht nachgelassen habe und bei etwa 20–30 Kubikmeter pro Sekunde liege.vgl. Website der Zeitung Morgunblaðið Zugriff: 28. März 2010

Eruptionswolken mini|NASA-Aufnahme am 24. März 2010

Am 22. März gegen 7 Uhr stieg eine Eruptionswolke von der Ausbruchsstelle bis in etwa 4000 Meter Höhe. Am 23. März 2010 erreichte eine derartige Wolke 7000 Meter Höhe.Ríkisútvarpið fréttavefur

Wassermenge in den Flüssen Krossá und Hruná Am 22. März 2010 gegen 10 Uhr wurde ein plötzlicher, kurzzeitiger Anstieg von Wassermenge und Temperatur im Fluss Krossá festgestellt. Man schrieb dies den eruptiven Aktivitäten in der Nähe zu.Meteorological Institute of Iceland: Eruption in Fimmvörðuháls mountain pass

Am 27. März 2010 fuhr eine Gruppe Geologen zu Untersuchungen in die Schlucht Hrunagil, in die inzwischen Lava einströmte. Das Wasser des Flüsschens Hruná dampfte. Die Geologen schätzten die Wassertemperatur auf 50–60 °C. Sie vermuteten außerdem einen kleinen Gletscherlauf in der Hruná, weil man kurzzeitig eine erhöhte Wassermenge gemessen hatte. (PDF; 107 kB) Zugriff: 28. März 2010

Ausgestoßenes Gestein und Fluorgehalt Die Analyse von vulkanischer Asche und Laven der Ausbruchsstelle zeigte als Grundbestandteil Siliciumdioxid (47 %) und Aluminiumoxid (16 %). Geologisches Institut, Universität Island. Abgerufen am 17. April 2010 mit einem Spurenanteil von 0,1 Gramm Fluorid pro Kilogramm. Die höher katapultierten Aschepartikel können viel höhere Fluoranteile enthalten (bis zu 0,5 Gramm pro kg). Da das Fluorid in Wasser und Futter die Calciumverwertung negativ beeinflussen könnte, wurden die Bauern der Umgebung angehalten, ihre Tiere möglichst im Stall zu behalten und ihnen viel (reines) Wasser und Futter zu geben. Die Viehwirtschaft ist ausgesprochen wichtig im Süden Islands, wo circa 28 Prozent der Arbeitnehmer auf Bauernhöfen beschäftigt sind.