Die 10,5-cm-leichte Feldhaubitze 16 war ein leichtes Feldgeschütz. Sie wurde vom deutschen Heer im Ersten Weltkrieg eingesetzt, von der Reichswehr übernommen und teilweise auch noch von der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg verwendet.

Erprobung und Vorserie Spätestens nachdem die Einführung der s.F.H.13 mit einer Schussweite von 8,5 km befohlen worden war, war klar, dass die 10,5-cm-leichte Feldhaubitze 98/09 hinsichtlich ihrer Schussweite den an eine moderne Feldhaubitze zu stellenden Anforderungen nicht mehr genügte. Im Frühjahr 1914 erging daher von der Artillerieprüfungskommission an die Firmen Krupp und Rheinmetall die Aufforderung, ein Nachfolgemodell zu entwickeln, das bei gleichem Kaliber eine Schussweite von mindestens 7,5 km und ein maximales Gewicht von 2,1 Tonnen in Fahrstellung und 1,2 Tonnen in Feuerstellung aufweisen sollte.Muther, S. 48 Bevor dies indessen geschehen konnte, brach der Krieg aus, und es erwies sich, dass die lFH 98/09 zwar eine sehr brauchbare Waffe war, jedoch eine zu geringe Schussweite hatte. Also wurde Anfang des Jahres 1915 von der Obersten Heeresleitung eine hochrangige Besprechung mit den Vertretern der Firmen Krupp und Rheinmetall in Charleville angesetzt, bei der die eigene Artillerieausrüstung Thema war. Unter den Teilnehmern war für das Unternehmen Rheinmetall der Chefkonstrukteur für Artilleriematerial, Abteilungsdirektor Karl Böller. Bei Rheinmetall beschloss man, insbesondere bei der Lafettenkonstruktion so weit möglich auf die in Produktion befindlichen Teile der l.F.H. 98/09 zurückzugreifen, um so den Aufwand bei der Produktionsumstellung so gering wie möglich zu halten: Berechnungen hatten ergeben, dass die ältere Lafette stabil genug war, auch ein erheblich längeres Rohr aufzunehmen. Gleichzeitig wurde für die Waffe auf die Erkenntnisse aus der Entwicklung und Fertigung der 10,5-cm-Haubitzkanone L/22Diese Waffe, als Einheitsgeschütz gedacht, war im Frühjahr 1915 mit vier Probeexemplaren von Rheinmetall an das Heer geliefert worden, das sie als Batterie im Feldartillerie-Regiment 209 an der Ostfront einsetzte. zurückgegriffen: Entscheidende Änderung gegenüber der l.F.H. 98/09 war die Verlängerung des Rohrs von Kaliberlänge L/11,9 auf L/22. Eine mit l.F.H.16 ausgestattete Versuchsbatterie war im Sommer 1916 fertig und wurde an der Front erprobt und bewährte sich gut.

Technische Beschreibung Als Verschluss wurde zunächst der Leitwellverschluss der l.F.H.98/09 beibehalten, später verwendete man aus Fertigungsgründen einen Schubkurbelverschluss. Gegenüber der l.F.H.98/09 waren Lafette, Pivotlager und Pivotzapfen, Zahnbogen und äußere Höhenrichtwelle verstärkt. Gleiches galt für die Vorhol- und Ausgleichsfedern.Muther, S. 50 Mit einer Schussweite von 8400 m regulär (und von 9700 m mit C-Geschoss und 9. Ladung) war das Geschütz bei seiner Einführung eine sehr moderne Konstruktion. Das Gewicht von 1380 kg in der ursprünglichen Ausführung war für die Bewegung im Gelände nicht zu hoch.

Als im Laufe des Jahres 1917 das C-Geschoss eingeführt wurde, traten vermehrt mit der 9. Ladung Hülsen- und Verschlussklemmungen ein. Dies galt insbesondere, wenn der Laderaum bereits ausgeschossen war. Die Ursache lag unter anderem darin, dass man wegen Rohstoffmangels Stahl- statt Messinghülsen verwenden musste. Man versuchte den Mangel zu beheben, indem man den Gebrauch des C-Geschosses auf große Entfernungen beschränkte und bestimmte, dass die 9. Ladung nur in dringenden Fällen auf lohnende Ziele angewendet werden durfte.Muther, S. 52

Munition Wie bei der lFH 98/09 gab es die dort aufgeführte Granat- und Schrapnellmunition. Daneben gab es als Gasgranaten: Grünkreuz: Die Granaten enthielten Phosgen, Diphosgen und Chlorpikrin Gelbkreuz: Die Granaten enthielten S-Lost und N-Lost, das auch als Senfgas bezeichnet wurde Blaukreuz: Die Granaten enthielten Diphenylarsinchlorid, einen Rachenreizstoff.

1917 wurde ein aerodynamisch günstiger geformtes Geschoss, das sogenannte „C-Geschoss“ eingeführt, durch dessen Verwendung die Schussweite auf 9.700 m gesteigert werden konnte.

Verwendung im Ersten Weltkrieg Nach Abschluss der Erprobungen lief noch im Sommer bis Herbst 1916 die Produktion der l.F.H. 16 an. Neben Rheinmetall beteiligten sich die staatliche Geschützgießerei in Spandau, ferner die Firmen Henschel in Kassel, Hanomag in Hannover, Borsig in Berlin, Hartmann in Chemnitz, Thyssen in HambornSchwarte Org. 1. Teil S. 99 und Bochumer VereinWeyrauch S. 62 an der Produktion der l.F.H.16 als Nachfolgegeschütz der l.F.H. 98/09. Lediglich Krupp baute ein eigenes Geschütz, die 10,5-cm-leichte Feldhaubitze Krupp. Wie viele l.F.H. 16 exakt gefertigt wurden, ist nicht genau ermittelbar, da in den vorliegenden Statistiken nur die monatliche Produktion aller Feldhaubitzen zusammen (l.F.H.98/09, l.F.H.16 und l.F.H. Krupp) angegeben sind. Unterstellt man, dass von den von September bis Dezember 1916 gebauten rund 500 Feldhaubitzen etwa die Hälfte l.F.H. 16 waren, so haben wir für 1916: 250 Stück 1917 wurden an Feldhaubitzen insgesamt gebaut: rund 4.600 Stück von Januar bis Ende Oktober 1918 wurden insgesamt gebaut: rund 9.300 Stück,Weyrauch Anhang 6 und schätzt man Nov.1918 bis Anfang 1919 Fertigstellung restlicher 500 Stück (oder mehr) so ergeben sich insgesamt 14.650 Stück. Hiervon sind 720 l.F.H. Krupp abzuziehen, sodass rund 14.000 von Herbst 1916 bis Anfang 1919 gefertigte l.F.H.16 verbleiben.

Nach der Stärke-Nachweisung für die Feldartillerie vom Nov. 1917 betrug die Stärke einer Feldhaubitz-Batterie auf dem westlichen Kriegsschauplatz 6 Offiziere (1 Batterieführer u. 5 Leutnants), 20 Unteroffiziere (dav. 3 Trompeter, 1 Fahnenschmied, 1 San-Uffz.) und 114 Mannschaften, an Fahrzeugen 4 Geschütze (sechsspännig), 1 Beobachtungswagen (sechsspännig), 7 vierspännige Fahrzeuge: 4 Munitions-, 1 Vorrats-, 1 Futter- und 1 Lebensmittelwagen; ferner eine zweispännige kleine Feldküche. Einschließlich Reit- und Vorratspferden hatte die Batterie 90 Pferde. Die Munitionswagen beim Ostheer wurden der schlechten Wegeverhältnisse wegen sechsspännig gefahren, die Batterie hatte daher 10 Pferde mehr.

Jede Infanterie-Division hatte ab spätestens Anfang 1917 nach der Kriegsgliederung eine AbteilungIm deutschen Heer hießen bei fahrenden und reitenden Truppen (Kavallerie, Artillerie, Nachrichtentruppe, Train) Formationen in Bataillonsstärke bis 1945 Abteilung zu je 3 Batterien leichter Feldhaubitzen (sowie zwei Abteilungen Feldkanonen), wobei die ältere l.F.H. 98/09 vor allem beim Westheer ständig durch die neu zulaufenden l.F.H. 16 ersetzt wurde. Bei Kriegsende waren 751 Batterien mit l.F.H. 16 ausgerüstet,Muther, S. 57 woraus sich ein Bestand von 3004 l.F.H. 16Kosar, Feldgeschütze, S. 93 beim Feldheer errechnet.

Vergleichbare Geschütze anderer Staaten Die bei der russischen Armee 1909 bzw. 1910 eingeführte 122-mm-Haubitze M1909 bzw. M1910 hatte in Feuer- wie auch in Fahrstellung etwa das gleiche Gewicht, ihre Schussweite war aber mit 7,7 km erheblich geringer. Die russische l.F.H. war allerdings nicht Teil der Divisions-, sondern der Korpsartillerie. Die 1917 eingeführte britische QF 4,5-Zoll-Haubitze Mk.II wog etwa 100 kg mehr als die l.F.H. 16, hatte aber auch nur eine Höchstschussweite von 7,5 km. Das Geschossgewicht war etwa gleich groß wie das der l.F.H.16, trotz größeren Kalibers war also die Wirkung im Ziel etwa die gleiche. Österreich-Ungarn führte 1915 eine neue Feldhaubitze, die 10-cm-Feldhaubitze M. 14 ein.Kosar, Feldgeschütze, S. 208 Dieses sehr moderne Feldgeschütz entsprach mit seinem Gewicht in Feuer- und Fahrstellung etwa der deutschen l.F.H. 16, hatte aber ein etwas geringeres Kaliber, die Granate entfaltete daher geringere Wirkung im Ziel. Die Höchstschussweite war mit 8 km geringer als die der l.F.H.16. Vorteil des österreichischen Geschützes war die Rohrgleichheit mit der 10-cm-Gebirgshaubitze M. 16. Andere Staaten im Ersten Weltkrieg (insbesondere Frankreich und die USA) hatten keine leichten Feldhaubitzen aus eigener Produktion.

Angesichts dieses Vergleiches kann man daher die l.F.H.16 mit Fug und Recht als beste leichte Feldhaubitze des Ersten Weltkrieges betrachten, ein Urteil, das auch mehrfach von in- und ausländischen Fachleuten bestätigt wurde.Muther, S. 54–55

Einsatz bei der Reichswehr Die 1916 eingeführte Feldhaubitze wurde nach dem Ende des Ersten Weltkriegs in die Reichswehr der Weimarer Republik übernommen. Der Friedensvertrag von Versailles bzw. seine Ausführungsbestimmungen gestattete eine Höchstzahl von 84 l.F.H.16, gegliedert in 21 Batterien.Koch, Horst Adalbert: Das Reichsheer 1921–1932, Feldgrau 1964 S. 27 Die 2., 5. und 8. Batterie eines jeden der 7 erlaubten Artillerie-Regimenter war mit l.F.H. 16 ausgestattet.Koch, Horst Adalbert: Das Reichsheer 1921–1932, Feldgrau 1964 S. 52 Insgesamt durften pro Geschütz 800 Schuss Munition bereitgehalten werden – ein Vorrat, der im Kriegsfalle in maximal einer Woche aufgebraucht gewesen wäre. Feldgeschütze mit einem Kaliber von über 10,5 cm waren verboten. Das Halten einer „Reserve“ von 1/50 der vorgenannten Geschütze, hier also 1 bis 2 l.F.H.16, war ebenfalls erlaubt (Art. 168 des Vertragswerks).

Die Batterie hatte als Sollstärke 6 Offiziere, 25 Unteroffiziere und 94 Mann, 34 Reit- und 58 Zugpferde, 13 sechsspännige Fahrzeuge (4 Geschütze, 8 Munitionswagen, 1 Beobachtungswagen), eine vierspännige große Feldküche, ein zweispänniger leichter Fernsprechwagen.Koch, Horst Adalbert: Das Reichsheer 1921–1932, Feldgrau 1964 S. 164

Angesichts der Tatsache, dass Geschütze vom Kaliber 10,5 cm die schwersten für Deutschland erlaubten Geschütze waren, entschied man Ende 1928, dass das Kaliber 10,5-cm den Schwerpunkt der künftigen Ausstattung der Feldartillerie bilden solle. Dies war die Geburtsstunde für das Nachfolge-Modell der l.F.H. 16, die 10,5-cm-leichte Feldhaubitze 18.

Einsatz bei der Wehrmacht Die von den Siegermächten im Versailler Vertrag zugestandenen Höchstgrenzen an Waffen wurden allerdings in Deutschland in allen Fällen erheblich überschritten, indem man versteckt vor den Kontrollkommissionen der Siegerstaaten Waffen irgendwo lagerte, um im Falle des Angriffs eines Anrainerstaates weitere Formationen aufstellen und mit Waffen ausrüsten zu können. Die Anzahl dieser „Schwarzbestände“ ist teilweise sehr detailliert überliefert, für die l.F.H.16 wird für 1934 ein Gesamtbestand (einschließlich der 84 „erlaubten“) von 496 Stück angegebenEngelmann S.8 Allerdings wurden einige Teile an der l.F.H. 16 in dieser Zeit geändert und modernisiert, dadurch stieg das Gewicht in Feuerstellung auf 1525 kg, die Höchstschussweite wird jetzt mit 9.225 m angegeben. Bis zur Einführung der leichten Feldhaubitze 18 ab dem Jahr 1935 war die leichte Feldhaubitze 16 das Standardgeschütz der Divisionsartillerie mit vier Geschützen je Batterie.F. H. von Senger und Etterlin, Die deutschen Geschütze 1939–1945, Bernard & Graefe, 1998, S. 82.