Würzberg ist mit 509 Metern der höchstgelegene Stadtteil von Michelstadt im südhessischen Odenwaldkreis. Bekannt ist der Ort durch die archäologischen Zeugnisse des römischen Limes, den hier gelegenen Eulbacher Park beim Jagdschloss Eulbach und den Sender Würzberg des Hessischen Rundfunks.
Geografische Lage und Siedlungsstruktur mini|Blick von Südwesten auf das Dorf Würzberg, erkennbar die Streifenflur des Waldhufendorfes und im Hintergrund das bayerische Nachbardorf Boxbrunn.
Das offene Dorf Würzberg liegt im Buntsandstein-Odenwald, ca. 7 km östlich von Erbach und 6,4 km nordwestlich der Kernstadt. Das Gebiet des Stadtteils besteht aus der Gemarkung Würzberg mit einer Fläche von 1493 Hektar, davon sind 812 Hektar Wald.
Würzberg ist der südöstlichste Stadtteil von Michelstadt. Die Gemarkung erstreckt sich in Nord-Süd-Richtung auf einer Länge von acht Kilometern entlang der hessisch-bayerischen Landesgrenze auf dem Höhenzug, der das Mümlingtal im Westen vom Mudtal im Osten trennt. Die höchste Erhebung liegt mit 544 Metern im Westen der Gemarkung im Wald beim Friedhof und hat wegen ihrer geringen Schartenhöhe keinen eigenen Namen; der Rote Buckel südöstlich davon erreicht 540,2 Meter. Die Ortslage befindet sich auf 480 bis .
Der Hauptteil der Gemarkung entwässert nach Osten über Mangelsbach und hauptsächlich Heinstermühlbach (früher auch Steinbächel genannt),Gustav Simon: Die Geschichte der Dynasten und Grafen zu Erbach und ihres Landes. Frankfurt am Main 1858, S. 82. die im Waldbach zusammenfließen, in Richtung Mud und Main. Wo der Heinstermühlbach nach Bayern hin bei der namengebenden ehemaligen Mühle die Gemarkung verlässt, befindet sich mit ca. 370 Höhenmetern der tiefste Punkt des Ortes. Lediglich ein kleiner Zipfel im Süden Würzbergs mit der Quelle der hier Euterbach genannten Itter entwässert Richtung Neckar; der Euterbach verlässt die Gemarkung im Eutergrund in ca. 403 Höhenmetern. An einigen Stellen in der Gemarkung gibt es in Senken im Gelände keine unmittelbare Entwässerung durch ein Fließgewässer. Dort bestanden historisch Hochmoore, die allerdings heute als prägende Landschaftsform durch Kultivierungsmaßnahmen weitgehend verschwunden sind. Nur im Gemarkungsteil mit dem Namen Mies (süddeutsch = ’Sumpf‘, ’Moor‘) sind zwischen dem Römerkastell und der Quelle des Euterbachs noch kleine Reste mit der typischen Vegetation (u. a. Torfmoose, Wollgräser, Arnika und Rundblättriger Sonnentau) anzutreffen, der größte Teil ist dort jedoch nach Nadelholz-Bepflanzung seit dem 19. Jahrhundert und Wiesennutzung trockengefallen. Die Flurbezeichnung Wasserlöcher nordöstlich des Römerkastells, heute Ackerland, erinnert ebenfalls noch an den alten Zustand, und der unweit davon verlaufende „Seeweg“ verweist auf eine in diesem Bereich im 19. Jahrhundert zur winterlichen Eisgewinnung angelegte Wasserfläche ohne Abfluss, die jedoch bereits um 1900 trockengelegt wurde. Auch beim Gelände des seit Anfang des 19. Jahrhunderts angelegten Eulbacher Parks und seiner Umgebung handelt es sich größtenteils um eine ehemalige Hochmoorfläche.
Die Feldflur von Würzberg zeigt das typische Streifenmuster eines Waldhufendorfes.Walter Weidmann: Das Waldhufendorf Würzberg im Odenwald. In: Darmstädter Geographische Studien 3 (1982), S. 87–120. An ihm orientiert sich der höher gelegene und ältere Teil des Ortes als ein in einer leichten Einsenkung der so genannten Würzberger PlatteUmweltatlas Hessen (Abgerufen am 24. Dezember 2016) angelegtes Reihendorf. Im 19. Jahrhundert siedelten sich im tiefer gelegenen Teil der Rodungs- und Siedlungsfläche im Südosten kleinere Hausbesitzer an, die mehrheitlich als Tagelöhner und Kleingewerbetreibende – zum Teil verbunden mit einer Kleinlandwirtschaft – ihren Lebensunterhalt verdienten. Dieser im örtlichen Sprachgebrauch „Vorstadt“ genannte Bereich durchbricht durch seine unregelmäßige Struktur das an den Hufen ausgerichtete sonstige Siedlungsbild.
Zur Gemarkung Würzberg zählen die beiden eingemeindeten Weilern Mangelsbach und Eulbach (der letztgenannte an der Stelle eines im Dreißigjährigen Krieg abgegangenen eigenständigen Dorfes), ebenso die östlich des Euterbachs gelegenen vier Häuser in der Tallage Eutergrund (die westlich gelegenen Häuser bilden den Ortsteil Bullauer Eutergrund und gehören politisch zur Kreisstadt Erbach). Weiterhin sind als weitab vom Dorf liegende bewohnte Einzellagen zu nennen: die Heinstermühle im Tal des nach ihr benannten Bachs unmittelbar an der Grenze zu Bayern, das ehemalige Torwärterhaus Hubertus, an einem Waldweg nach Bullau an der Grenze zwischen den erbach-erbachischen und erbach-fürstenauischen Waldbesitzungen gelegen, und das Forsthaus Sylvan im Wald nahe Eulbach, unmittelbar an der Gemarkungsgrenze an einem alten Fußweg nach Michelstadt. Zwei weitere Wohnplätze, das Forsthaus Lichte PlatteNorbert Allmann: Die Lichte-Platte. Eine schon fast vergessene Siedlung. In: Gelurt (2017), S. 200–210. an der Straße von Eulbach nach Norden an der Grenze zur historischen Herrschaft Breuberg und das Torwächterhaus Aurora an der Straße von Eulbach Richtung Osten nach Amorbach an der Grenze zu Bayern, wurden in den Jahren 1919 und 1920 aufgegeben und zum Abbruch versteigert.
Geschichte mini|rechts|Reste der römischen Therme (Römerbad) beim Kastell Würzberg (Kastellwall erkennbar im Hintergrund)
Ortsgeschichte In römischer Zeit verlief auf dem Würzberger Höhenzug der Neckar-Odenwald-Limes, dessen Trasse an einer Reihe archäologisch nachgewiesener Wachtturmstellen als Denkmäler in der Gemarkung erkennbar ist. Zwei Römerkastelle lagen hier, das Kastell Eulbach etwa zwei Kilometer nördlich und das Kastell Würzberg zwei Kilometer südlich des Dorfes. Eine durchgehende Besiedlung wie bei den großen römischen Stadtgründungen gab es jedoch nicht, die Siedlungsform Waldhufendorf legt vielmehr eine planmäßige Anlage des heutigen Dorfes Würzberg als Rodungssiedlung während des mittelalterlichen Landesausbaus im 11. und 12. Jahrhundert nahe, wobei eine aktive Rolle des Klosters Amorbach zu unterstellen ist. Die älteste erhalten gebliebene urkundliche Erwähnung als Wizberg datiert von 1310; 1426 ist der Ortsname als Werzeberg und 1496 als Witzberg belegt.
mini|links|Wappen der Grafen zu Erbach und Herren zu Breuberg mini|Wappen der Grafen von Ingelheim, genannt Echter von und zu Mespelbrunn
Nach dem Dreißigjährigen Krieg war der Ort mit nur noch zwei Männern und deren Angehörigen nahezu entvölkert und wurde neu besiedelt. Es bestanden – an alte Besitzrechte anknüpfend – zwei selbständige Dörfer, Ober-Würzberg im Westen und Unter-Würzberg im Osten und Süden. Ober-Würzberg unterstand vollständig den Grafen von Erbach, im größeren Unter-Würzberg hatten die Grafen von Ingelheim in der Nachfolge des Ministerialengeschlechts der Echter als ursprüngliche örtliche Lehensnehmer der Landgrafen von Hessen Vogteirechte und die „Niedere Gerichtsbarkeit“ inne. So gab es einen „gräflich-erbachischen Schultheißen“ in Ober-Würzberg und einen „gräflich-ingelheimischen Schultheißen“ in Unter-Würzberg.
1806 wurde die Grafschaft Erbach durch das Großherzogtum Hessen mediatisiert, wobei aber alte Rechte der Erbacher und Ingelheimer Grafen in Ober- und Unter-Würzberg gewahrt blieben. Würzberg gehörte, nachdem die Erbacher Grafen 1817 die verbliebenen Rechtstitel der Grafen von Ingelheim von diesen erworben hatten, vollständig zum Amt Erbach. Nach Absprachen mit dem Großherzogtum wurde 1822 eine Verwaltungsreform vorgenommen und Würzberg gehörte nun zum Landratsbezirk Erbach, ab 1852 zum Kreis Erbach (ab 1939: „Landkreis Erbach“), der – mit leichten Grenzberichtigungen – seit 1972 Odenwaldkreis heißt.
Nach Auflösung des Amtes Erbach 1822 nahm die erstinstanzliche Rechtsprechung für Würzberg das Landgericht Michelstadt wahr, ab 1879 das Amtsgericht Michelstadt.
Erst zwei Jahrzehnte nachdem die Erbacher Grafen 1817 die Rechte der Grafen von Ingelheim übernommen hatten, wurden Ober- und Unter-Würzberg 1838 unter dem Namen Würzberg zu einer politischen Gemeinde vereinigt. Die Gewannbezeichnung Ingelheimer Berge im nordöstlichen, heute im Eigentum der Evangelischen Kirche befindlichen Würzberger Wald erinnert an die alten Rechts- und Besitzverhältnisse.
In den Jahren 1927 und 1962 wurden die nördlich angrenzenden Weiler Mangelsbach und Eulbach, letzterer vor allem bestehend aus dem Jagdschloss der Grafen zu Erbach-Erbach und dem dazugehörenden Englischen Garten, in die Gemarkung Würzberg eingegliedert; die standesamtliche, schulische und kirchliche Zuständigkeit hatte schon zuvor bei Würzberg gelegen.
mini|links| Der Eberhardstein mit der Inschrift EBERHARD G:Z:E: HAT HIER NACH L JAHREN WAIDMANNSZEIT SEINEN LETZTEN WILDPARK-HIRSCH ERLEGT. XXI. AUG. MDCCCLXXXIII. PATRI FILIUS G. A.G:Z:E: für Graf zu Erbach; L röm. Ziffer für 50; PATRI FILIUS lat. für Dem Vater der Sohn, G. A. für Georg Albrecht. Der Geehrte ist Graf Eberhard XV. zu Erbach-Erbach (1818–1884). Die Einschusslöcher auf der Platte stammen vom Kriegsende 1945.
An die Zugehörigkeit weiter Flächen der heutigen Gemarkung zum Wildpark der Grafen zu Erbach-Erbach, der zeitweise ca. 3000 ha Fläche umfasste, in Teilen bis zum Ersten Weltkrieg bestand und das Dorf auf chaussierten Straßen nur durch von Torwächtern betreute Gattertore im Parkzaun zugänglich machte, erinnern unter anderem noch die Flurbezeichnung Gauls Tor beim Weiler Mangelsbach, der Wohnplatz Jägertor in Außenlage an der Hesselbacher Straße, das oben erwähnte ehemalige Torhaus Hubertus und mittelbar auch der Adlerstein. Wenige 100 Meter Luftlinie nördlich des Ortseingangs aus Richtung Eulbach steht im Hochwalddistrikt Vogelherdschlag neben dem so genannten Kutschenweg – knapp schon auf der Ernsbacher Gemarkung gelegen – der Eberhardstein, dessen Gedenktafel auf den ehemaligen Wildpark verweist.
mini|rechts| Versetztes Torwächterhaus vom Frankfurter Tor
Östlich der Dorfgemarkung schloss sich unmittelbar jenseits der hessisch-bayerischen Landesgrenze der noch größere umzäunte Wildpark der Fürsten zu Leiningen an. Hier befand sich als Zugang nach Würzberg aus Richtung Breitenbuch und Hesselbach das Frankfurter Tor, das ebenfalls als Flurbezeichnung fortlebt. Das dortige Torwächterhaus ist als Fachwerkhaus nach seinem Funktionsverlust im 19. Jahrhundert in die Würzberger „Vorstadt“ versetzt worden (Zum Römerbad 17) und steht unter Denkmalschutz.Walter Weidmann: Das ehemalige Parktorhaus vom Frankfurter Tor im Leiningischen Wildpark. In: Der Odenwald 57 (2010), H. 3, S. 122–124.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Die beiden letzten ehrenamtlichen Bürgermeister der selbständigen Gemeinde Würzberg waren nach Kriegsende 1945 Leonhard Walther (1945–1955) und Adam Damm (1955–1972). Die bis dahin selbständige Gemeinde Würzberg schloss sich im Zuge der Gebietsreform in Hessen zum 1. Februar 1972 freiwillig der Stadt Michelstadt an. Wie für alle nach Michelstadt eingegliederten Gemeinden wurde auch für Würzberg ein Ortsbezirk eingerichtet. Ortsvorsteher waren seither Werner Weyrauch (1972–1977), Adam Mohr (1977–1981), Willi Brohm (1981–1985), abermals Werner Weyrauch (1985–1995), Karl-Heinz Lang (1995–2006) und Matthias Weyrauch (2006–2016); seit 2016 hat Manuel Dingeldein das Amt inne.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Würzberg angehört(e):
vor 1718: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Erbach, Amt Erbach (Zent Erbach) / teils reichsfreier Besitz des Grafen von Ingelheim ab 1718: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Erbach-Erbach, Anteil an der Grafschaft Erbach, Amt Erbach / teils reichsfreier Besitz des Grafen von Ingelheim ab 1806: Großherzogtum Hessen (Souveränitätslande),Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Erbach (zur Standesherrschaft Erbach gehörig)