Die Württembergische Hofkapelle Stuttgart war die Musikkapelle des württembergischen Herrscherhauses.

Geschichte Die Kapelle wurde schon im 16. Jahrhundert beschrieben und hatte im Laufe der Jahrhunderte wechselnde Besetzungen. Nachdem eine erste Hofkapelle 1519 wegen der Vertreibung von Herzog Ulrich aufgelöst worden war, wurde sie nach seiner Rückkehr ab 1534 neu besetzt und bestand um 1550 aus acht Sängern und zwölf Sängerknaben, einem Organisten, drei Posaunenbläsern, einem Violinisten, einem Heerpauker und sechs Trompetern.Landesmuseum Württemberg (Hrsg.): Christoph 1515–1568. Ein Renaissancefürst im Zeitalter der Reformation. Süddeutsche Verlags-Gesellschaft, Ulm 2015, ISBN 978-3-88294-471-6 (Katalog zur Ausstellung im Landesmuseum Württemberg, Stuttgart, 2015–2016), S. 135

1617 bestand sie aus 50 „vorzüglichen Sängern“ und war dem fürstlichen Kammermusikensemble angegliedert, 1699 aus 11 Kapellknaben; in der Zeit von 1736 bis 1750 wurden aus der Kapelle Chorsänger und Kapellknaben zu Opernaufführungen herangezogen. In dieser Zeit wandelte sich die Hofkapelle offensichtlich in einen Opernchor, aus welchem später der Stuttgarter Staatsopernchor hervorgehen sollte, während sich unter der Bezeichnung Hofkapelle ein Orchester entwickelte.

Im Jahr 1818 wurden unter Johann Nepomuk Hummel Abonnementskonzerte eingeführt. Dies förderte die Entwicklung des Orchesters von einem Hoforchester zu einem modernen Symphonieorchester. Das heutige Württembergische Staatsorchester Stuttgart steht in der Tradition der Württembergischen Hofkapelle.

Seit 2002 benennt der Dirigent Frieder Bernius sein 1991 gegründetes Barockorchester Stuttgart auch als Hofkapelle Stuttgart.

Hofkapellmeister Bekannte Musiker der Hofkapelle Stuttgart waren: Die angegebenen Jahreszahlen für das jeweilige Wirken als Hofkapellmeister in Stuttgart sind hier nicht in allen Fällen belegt und können deshalb nur als Richtschnur gelten

Hofkapellmeister: 1552–1554 Sigmund Hemmel (seit 1544 als Tenorist, später bis zu seinem Tod 1565 als Komponist) 1554–???? Philip Weber 1572–1589 Ludwig Daser 1589–1594 Balduin Hoyoul (seit 1561 Diskantist, seit 1565 Altist und Komponist) 1594–1606 Leonhard Lechner (seit ca. 1585 als Tenorist) 1607–???? Ludwig Hoyoul 1608–1611 Johann Konrad Raab 1611–1621 Tobias Salomon 1621–1637 Basilius Froberger, Vater von Johann Jakob Froberger …………… 1650–1657 Carl Michael Linder 1657–1665 Samuel Capricornus …………… 1676–1688 Johann Friderich Mack …………… 1690–1700 Theodor Schwartzkopff (1659–1732) 1700–1704 Johann Sigismund Kusser …………… 1706–1716 Johann Christoph Pez, Oberkapellmeister 1717–1737 Giuseppe Antonio Brescianello 1738–1744 Johann Daniel Hardt, OberkapellmeisterBei Nägele (Hrsg.) auf Seite 30 wird Hardt von 1739 bis 1745 als Oberkapellmeister dargestellt, von 1746 bis 1755 als Kapellmeister (abweichend zur bisherigen Darstellung im Wikipedia-Artikel, der von 1738 bis 1745 lediglich vom Rang eines Oberkonzertmeisters ausgeht) 1744–1755 Giuseppe Antonio Brescianello, wieder (zum zweiten Mal) Oberkapellmeister 1750–1753 Ignaz Holzbauer, Oberkapellmeister 1753–1768 Niccolò Jommelli (auch Hof-Opernkomponist) 1770–1777 Antonio Boroni 1779–1781 Ferdinando Mazzanti 1783–1792 Agostino Poli -1796 Johann Georg Distler (1781–1796 an der Hofkapelle, zuletzt als Kapelldirektor) 1792–1802 Johann Rudolph Zumsteeg (1760–1802) (1781–1791 als Violoncellist) 1803–1806 Johann Friedrich Kranz 1806–1808 Justin Heinrich Knecht 1807–1812 Franz Danzi 1812–1816 Conradin Kreutzer 1816–1818 Johann Nepomuk Hummel 1819–1856 Peter Joseph von Lindpaintner 1851–1861 Friedrich Wilhelm Kücken 1861–1867 (?) Karl Anton Eckert 1865–1898 Karl Doppler 1867–1888 Johann Joseph Abert (1853–1867 als Kontrabassist) 1888–1891 (?) Paul Klengel 1891–1895 Hermann Zumpe 1895–1900 Aloys Obrist 1898–1903 Hugo Reichenberger 1900–1907 Karl Pohlig um 1904 (?)… Schinte 1905 bis mindestens um 1912 Erich Band Im Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg wird er nur einmal, im Band von 1908, jedoch anstatt mit dem Vornamen Erich als Richard Band, Hofkapellmeister, zusammen mit Matthäus Pitteroff, erwähnt bis 1908 Matthäus Pitteroff 1908–1918 Max von Schillings (Generalmusikdirektor)

Sonstige Musiker Philipp Friedrich Böddecker (seit 1639 als Mitglied der Kapelle genannt) Johann Michael Nicolai (1655–1685 Violonist) Johann Gumprecht (1645–1715), aus Straßburg stammender Lautenist und Komponist für Laute, Angelica, „Cithara“ und Theorbe, um 1688 „Titularrath“ in StuttgartJosef Zuth: Handbuch der Laute und Gitarre. Verlag der Zeitschrift für die Gitarre, Wien 1926 (1928), S. 129 Jean-Joseph Rodolphe (Johann Joseph Rudolph) (1760–1766 Erster Hornist) Pietro Nardini (1763–1765 Konzertmeister) Johannes Nisle (1763–1766 Zweiter Hornist, 1766–1773 Erster Hornist) Ludwig Abeille (ab 1802 Konzertmeister, 1815 Hoforganist) Johann Wilhelm Friedrich Nisle (1805–1835 Violoncellist) Carl Maria von Weber (1806–1807 Musikintendant) Josef Rudolf Lewy (1819–1826 Hornist und Bratschist) Johann Martin Friedrich Nisle (1821–1824 Bratschist) Wenzel Neukirchner (1829–1889 Fagottist) Joseph Huber (ab 1865 als Violinist und Komponist) Hugo Wehrle, ab 1868 für 30 Jahre Musikdirektor, zusammen mit Edmund Singer

Literatur Reinhard Nägele (Hrsg.): Musik und Musiker am Stuttgarter Hoftheater (1750-1918). Quellen und Studien, Württembergische Landesbibliothek, Stuttgart 2000, ISBN 3-88282-054-3.

Quellen

Kategorie:Orchester (Stuttgart) Kategorie:Württembergische Geschichte Kategorie:Ersterwähnung im 16. Jahrhundert