Seeheim (im lokalen Dialekt: See’m)Darmstädter Echo, Montag, 17. August 2015, S. 19 ist der größte Ortsteil der Gemeinde Seeheim-Jugenheim im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg. Seeheim ist Sitz der Gemeindeverwaltung.

Geographische Lage Seeheim liegt im Naturpark Bergstraße-Odenwald an der Bergstraße im Odenwald. Die Ortslage ist mit dem südwestlich benachbarten Jugenheim baulich fast zusammengewachsen. Die Gemarkungsgrenze zwischen beiden Ortschaften folgt im Groben dem Lauf des Stettbachs. Das Schuldorf Bergstraße liegt, auf zwei Seiten von Wald umgeben, am Ortsrand im Südwesten der Gemarkung Seeheim. Der Ortsteil Seeheim besteht aus der Gemarkung Seeheim.

Geschichte Ortsgeschichte Soweit bekannt wurde Seeheim im Jahre 874 erstmals in einer Schenkung an das Kloster Lorsch urkundlich erwähnt. Die Ortsendung -heim deutet aber auf eine frühe Gründung durch die Franken hin. In den historischen Unterlagen wird Seeheim unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Seheim (874–1229), Seheym (1420), Sehem (1440) und Seeheimb (1553). Dabei geht aus den Unterlagen hervor, dass: 1239 Seeheim sich im Besitz von Kuno II. von Münzenberg befindet, in der Folge die Grafen von Erbach stückweise Besitzanteile an Seeheim erwerben, seit 1510 die Grafen von Erbach das Dorf von Hessen zu Lehen haben, 1571 steht das Dorf den Schenken von Erbach zu während der Landgraf von Hessen die hohe Obrigkeit ausübt. 1714 verkaufen die Grafen von Erbach das Dorf zusammen mit dem Amt Seeheim-Tannenberg an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Seeheim:

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, von 1897 bis 1955, verkehrte eine Dampflok-betriebene Nebenbahn zwischen Bickenbach, Alsbach, Jugenheim und Seeheim. Die Planungen für die Verbindung hatten bereits 1869 begonnen, aber es gab viele Widerstände gegen den Bau. So fürchtete man Lärm, Störung der Feldarbeit und die Abwanderung von Feriengästen. Zur damaligen Zeit war die Bergstraße ein beliebtes Erholungsgebiet für Gäste aus ganz Europa, vor allem aus den Fürstenhäusern. Die Nebenbahn verband die nördliche Bergstraße mit der wichtigen Main-Neckar-Bahn am Bahnhof Bickenbach. Neben den Feriengästen benutzte auch die einheimische Bevölkerung die „Ziggelsche“ genannte Nebenbahn. Da einige Züge bis nach Darmstadt fuhren und von Reisenden zum Besuch des Darmstädter Staatstheaters genutzt wurden, erhielten diese auch Spitznamen „Theaterzug“.

Von 1895 bis 1960 hatte Seeheim mit einem eigenen Bahnhof Anschluss an das Eisenbahnnetz mit der Nebenbahnstrecke Bickenbach–Seeheim. Der Personenverkehr wurde hier schon 1955 eingestellt. Bis 1930 war der Endbahnhof der Strecke, Seeheim, sogar Lokomotivbahnhof.Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft (Hg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion in Mainz vom 17. Mai 1930, Nr. 25. Bekanntmachung Nr. 345, S. 155.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde zum 31. Dezember 1971 die die bis dahin selbständigen Gemeinden Malchen und Ober-Beerbach auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Seeheim eingemeindet. Zum 1. Januar 1977 wurden dann die Gemeinden Jugenheim a. d. Bergstraße und Seeheim kraft Landesgesetz zur neuen Gemeinde Seeheim zusammengeschlossen. Die Gemeinde Seeheim wurde zum 1. Januar 1978 in Seeheim-Jugenheim umbenannt. Malchen und Ober-Beerbach wurde eigene Ortsteile für die je ein Ortsbezirk errichtet wurde. Details hierzu, siehe in den Artikeln der jeweiligen Ortsteile.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Seeheim angehört(e):

vor 1714: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Erbach Amt Seeheim-Tannenberg ab 1714: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (durch Kauf), Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Seeheim-Tannenberg ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Seeheim-Tannenberg ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Seeheim ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung., Provinz Starkenburg, Amt Seeheim ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk BensheimTrennung zwischen Justiz (Landgericht Zwingenberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Heppenheim ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DarmstadtIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Gemeinde SeeheimAm 1. Januar 1977 als Ortsteil zur neuen Gemeinde Seeheim. ab 1978: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Gemeinde Seeheim-JugenheimAm 1. Januar 1978 in Seeheim-Jugenheim umbenannt.

Gerichte Zuständiges Gericht der ersten Instanz war 1405: Halten die Grafen von Katzenelnbogen Zentgericht 1484: Zentgericht Jugenheim ab 1803: Amt Seeheim ab 1821: Landgericht Zwingenberg ab 1879: Amtsgericht Zwingenberg ab 1934: Amtsgericht Bensheim ab 1968: Amtsgericht Darmstadt

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Seeheim 8457 Einwohner. Darunter waren 582 (6,9 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 1275 Einwohner unter 18 Jahren, 3012 zwischen 18 und 49, 1791 zwischen 50 und 64 und 2379 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 4017 Haushalten. Davon waren 1404 Singlehaushalte, 1275 Paare ohne Kinder und 978 Paare mit Kindern, sowie 288 Alleinerziehende und 72 Wohngemeinschaften. In 1167 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 2406 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1629: 160 Hausgesesse • 1695: 14 Mann • 1806: 737 Einwohner, 126 Häuser • 1829: 941 Einwohner, 144 Häuser • 1867: 1080 Einwohner, 174 Häuser

Religionszugehörigkeit • 1829: 887 lutheranische (= 94,26 %), ein reformierter (= 0,11 %), 48 jüdische (= 5,10 %) und 5 katholische (= 0,53 %) Einwohner • 1961: 3867 evangelische (= 78,09 %), 815 katholische (= 16,46 %) Einwohner

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Brunnen "Seeheimer Halbkreis" mit Figurengruppe von Peter LenkSeeheimer Halbkreis beim HVV-SeeheimBrunnen "Die lustigen Zeitgenossen", Schulpädche, Seeheim, darmstadt-dieburg-entdecken.de

Regelmäßige Veranstaltungen August: Kerb November/Dezember: WeihnachtsmarktDarmstädter Echo, Mittwoch, 27. November 2019, S. 21. Vierter Adventssamstag: GlühweinkerbDarmstädter Echo, Montag, 17. Dezember 2018, S. 19.

Bauwerke Das Tagungshotel Lufthansa Seeheim. Dort traf sich von 1978 bis 1984 ein vier Jahre zuvor gegründeter Arbeitskreis aus SPD-Abgeordneten, der sich daher auch als „Seeheimer Kreis“ bezeichnet. Das Seeheimer Schloss war einst Sommerresidenz des Großherzoglichen Hauses Hessen-Darmstadt. Es entstand in den Jahren 1831 bis 1834 unter Großherzog Ludwig II. Burgruine Tannenberg Altes Rathaus (Fachwerk-Renaissancebau), davor: Florian-Brunnen Evangelische Kirche

Natur und Schutzgebiete In der Gemarkung von Seeheim gibt es mehrere geschützte Sandbiotope: eine Teilfläche des Naturschutzgebiets „Kalksandkiefernwald bei Bickenbach, Pfungstadt und Seeheim-Jugenheim“ sowie das FFH-Gebiet und flächenhafte Naturdenkmal Seeheimer Düne. Die Dünen „Neben Schenkenäcker“ zwischen Seeheim und Jugenheim und „Oberste und unterste Röder nördlich Seeheim“ sind ebenfalls FFH-Gebiete. Ein weiteres Naturdenkmal ist die Sanddünenflora bei Seeheim. In den geschützten Sandrasen und Steppen-Trockenrasen leben zahlreiche seltene und bedrohte Pflanzen- und Tierarten.

Die Waldflächen in der südöstlichen Gemarkung von Seeheim sind Teil des FFH-Gebiets „Kniebrecht, Melibocus und Orbishöhe bei Seeheim-Jugenheim, Alsbach und Zwingenberg“.

Wirtschaft und Infrastruktur Tagungshotel Lufthansa Seeheim Die Deutsche Lufthansa AG betreibt in Seeheim-Jugenheim ihr Tagungshotel Lufthansa Seeheim, welches oberhalb des Ortskerns Seeheim liegt. Es wurde im Frühjahr 2009 als modernes Tagungshotel nach einem umfassenden Neubau wieder eröffnet.

Verkehr Westlich in Ortsnähe führt die Landesstraße 3100 am Ort vorbei, parallel dazu verläuft einige hundert Meter entfernt die Bundesstraße 3. Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3100.

Persönlichkeiten Karl Heinrich Lieser (* 1921 in Ludwigshafen; † 2005), Chemiker, ordentlicher Professor für Anorganische Chemie und Kernchemie in Darmstadt, lebte und starb in Seeheim.

Literatur

Weblinks

Webauftritt der Gemeinde Seeheim-Jugenheim.

Fußnoten Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Geographie (Seeheim-Jugenheim) Kategorie:Ort im Landkreis Darmstadt-Dieburg Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Darmstadt-Dieburg) Kategorie:Weinort in Hessen Kategorie:Ersterwähnung 874 Kategorie:Gemeindeauflösung 1977