mini|Frieda Rosenthal, Foto archiviert im Ida-Seele-Archiv mini|Stolperstein für Frieda Rosenthal vor ihrem Wohnhaus in der Fanningerstraße in Lichtenberg Frieda Rosenthal, geb. Schrinner (* 9. Juni 1891 in Berlin; † 15. Oktober 1936 ebenda) war eine Berliner Kommunalpolitikerin (USPD, KPD, SPD) und Widerstandskämpferin gegen das NS-Regime.

Leben Frieda Schrinner kam in einer Arbeiterfamilie zur Welt und lernte nach dem Besuch der Gemeindeschule Näherin. Bis zum Jahr 1919 hatte sie in einer Kleiderfabrik gearbeitet. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete sie als (unausgebildete) Fürsorgerin. Sie fand eine Anstellung im Amt für Sozialfürsorge in der Stadt Lichtenberg.Hans Werner Sandvoß: Widerstand in Friedrichshain und Lichtenberg, 1933–1945. Gedenkstätte Deutscher Widerstand, 1998, S. 131f. Erst 1930 absolvierte sie die erforderliche Abschlussprüfung am Sozialpolitischen Seminar der der Deutschen Hochschule für Politik.

Im Jahr 1919 wurde sie Mitglied der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USPD) und bereits im Folgejahr in die Bezirksversammlung Lichtenberg gewählt. Hier wechselte Frieda, die inzwischen geheiratet hatte und nun Rosenthal hieß, in die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD). 1929 wurde sie im Auftrag der KPD Stadträtin im Bezirksamt Mitte. Als die deutschen Kommunisten den Säuberungskurs in der Sowjetunion nach stalinistischem Vorbild gutzuheißen begannen, trat sie dagegen auf. Sie unterschrieb eine Erklärung und wurde deshalb aus der Partei ausgeschlossen. Anfang der 1930er Jahre trat Frieda der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) bei, in deren Auftrag sie die politische Arbeit der SPD-Gruppe im Bezirk Friedrichshain leitete. Frieda Rosenthal war in den Jahren 1932 bis 1933 Abgeordnete im Bezirk Kreuzberg. Weil sie ihrer kommunistischen Grundhaltung vor allem nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten treu blieb, war sie im antifaschistischen Widerstand aktiv und wurde im Jahr 1936 deshalb verhaftet. Bei den Verhören und Folterungen im Gefängnis Berlin-Moabit wurde versucht, sie zur Preisgabe von Namen weiterer Parteifunktionäre zu veranlassen.

Frieda Rosenthal wurde schließlich die Vorbereitung zum Hochverrat zur Last gelegt, worauf die Todesstrafe stand. Um bei den Folterungen niemanden verraten zu können, erhängte sie sich am Heizkörper ihrer Gefängniszelle.Namen mit Vergangenheit. Straßen im Wohnpark Carlsgarten nach Kommunalpolitikern benannt. In: Berliner Woche, Ausgabe für Lichtenberg vom 17. März 2010; S. 4.

Würdigungen mini|Gedenkstätte der Sozialisten, Porphyr-Gedenktafel an der Ringmauer mit Urnensammelgrab Frieda Rosenthals Urne wurde nach dem Zweiten Weltkrieg auf dem Berliner Zentralfriedhof Friedrichsfelde in der Gedenkstätte der Sozialisten (Urnensammelgrab bei der großen Porphyr-Gedenktafel auf der rechten Seite der Ringmauer) beigesetzt. Siehe die Aufzählung von Frieda Rosenthal, geb. Schrinner unter den im Urnensammelgrab vor der großen Namenstafel der Gedenkstätte der Sozialisten bestatteten Personen im Abschnitt „Archiv: Gedenktage 2005–2022“ auf www.sozialistenfriedhof.de Auf der Gedenktafel selbst ist unter „R“ auch der Name von Frieda Rosenthal eingemeißelt.

In der Rathausstraße in Berlin-Mitte befand sich eine Gedenktafel für Frieda Rosenthal.Erinnerung an 38 Abgeordnete Berlins im Ehrungsverzeichnis des Luisenstädtischen Bildungsvereins.

Im Jahr 2005 organisierte der Verein Aktives Museum im Auftrag des Senats und des Abgeordnetenhauses von Berlin die Ausstellung „Vor die Tür gesetzt. Im Nationalsozialismus verfolgte Stadtverordnete und Magistratsmitglieder 1933–1945“. Zunächst wurde im Wappensaal des Roten Rathauses (September und Oktober 2005), im Folgejahr in den Räumen des Abgeordnetenhauses (Juni und Juli 2006) an das Schicksal von Frieda Rosenthal und weiteren 31 Persönlichkeiten erinnert. (Einführung, Presse u. a.).

Im Rahmen der Aktion Stolpersteine wurde am 1. Oktober 2008 ein Stolperstein für Frieda Rosenthal in der Fanningerstraße 53 vor ihrem Wohnhaus feierlich eingeweiht. (abgerufen am 13. April 2010). Die Anregung stammt von Birgit Monteiro.

Seit März 2010 trägt eine neu angelegte Straße im Ortsteil Berlin-Karlshorst ihren Namen..

Frieda-Rosenthal-Preis Im Jahr 2009 stiftete Birgit Monteiro den „Frieda-Rosenthal-Preis“, mit dem verdienstvolle vor allem im Sozialbereich tätige Lichtenberger Bürger geehrt werden. Vorschläge können von allen Einwohnern eingereicht werden. SPD-Fraktion der BVV Lichtenberg.

+ Übersicht der Preisträger wann verliehen Preisträger Begründung Architektin und freischaffende Bildhauerin aus Lichtenberg Sie erhielt die Ehrung für ihr Engagement, mit Skulpturen und Denkmalen die Erinnerung an die Schrecken des Nationalsozialismus wach zu halten.Verleihung des Frieda-Rosenthal-Preises im Herbst 2009 auf YouTube; Kurzvideo (8:19 Min). Zuerst kämpfte sie zehn Jahre um die Aufstellung eines Denkmals für die Opfer nationalsozialistischer Euthanasieverbrechen, das schließlich auf dem Gelände des Klinikums Buch Platz fand. Gegenwärtig arbeitet sie an einer Porträtplastik zum Andenken an eine der letzten Überlebenden dieser medizinischen Experimente am lebenden Menschen. Die Preisverleihung sollte ihr vor allem moralische Unterstützung geben.birgit-monteiro.de: Verleihung des Frieda-Rosenthal-Preises 2009. Theologe und Musiker, Dozent für Geschichte der Weltreligionen an Berliner Volkshochschulen Olaf Ruhl, Sänger jiddischer Lieder bei Veranstaltungen und Festen, die das friedliche Miteinander der Menschen zum Ziel haben, erhielt die Auszeichnung für sein Engagement für Verständigung und gegen Rassismus im Lichtenberger Weitlingkiez und darüber hinaus. Er ist aktives Mitglied im Lichtenberger Bündnis für Demokratie und Toleranz.birgit-monteiro.de: Verleihung des Frieda-Rosenthal-Preises 2010. Techniker und Ökonom Er wurde für seine ehrenamtliche Tätigkeit als Heimfürsprecher und gelegentlich auch Mediator im Seniorenheim am Tierpark geehrt. Außerdem ist er in der Lichtenberger Seniorenvertretung und für die Berliner Tafel aktiv. Die Geschäftsführerin des Verbundes Lichtenberger Seniorenheime, Kati Kühne, würdigte ihn: „Mit seinem großen Engagement für die Belange der Senioren und seiner ruhigen und sachlichen Art ist er in den vielen Jahren der Zusammenarbeit für uns ein wichtiger Partner und Helfer geworden“.birgit-monteiro.de: Verleihung des Frieda-Rosenthal-Preises 2011 in der Kiezspinne Lichtenberg. Handelskauffrau und ehrenamtliche Sozialberaterin Evelin Pakosta wurde für die umfangreich geleistete ehrenamtliche Sozialberatung, ihre jahrelange Mitarbeit in der Kiezspinne sowie in vielen anderen Projekten geehrt. Der Lichtenberger Bürgermeister Andreas Geisel fasste bei der Preisverleihung das mit den folgenden Worten zusammen: „Wo immer ich in der Frankfurter Allee Süd hingehe, welche Veranstaltung auch immer ich besuche, Frau Pakosta ist schon da. Sie berät Bürger, sie demonstriert für das Hubertusbad, […] und wenn der Finanzsenator über die Haushaltsentwicklung Berlins streitet, dann sitzt Frau Pakosta schon vor ihm. Die Bandbreite ihres Engagements ist enorm, aber das Eintreten für die Menschen steht jedes Mal im Mittelpunkt. Frau Pakosta lebt die Demokratie und hält die Demokratie deshalb vor Ort am Leben. Ohne Menschen wie Evelin Pakosta ginge das nicht.“birgit-monteiro.de: Was für ein Mensch – was für eine Preisträgerin: Evelin Pakosta., Laudatio für Evelin Pakosta anlässlich der Frieda-Rosenthal-Preisverleihung am 7. September 2012; abgerufen am 3. Januar 2013. von Beruf Lehrerin für Hauswirtschaft und seit 1995 in Deutschland Sie engagiert sich seit Jahren für die Verbesserung nachbarschaftlicher Beziehungen zwischen der einheimischen Wohnbevölkerung und solcher mit Migrationshintergrund, u. a. durch Mitgliedschaft im Vorstand des Lichtenberger Aussiedlerbeirats. Eugenia Schatz organisierte vielfältige kulturelle und jahreszeitliche Veranstaltungen, bei denen sie auch selbst mitwirkte wie das Multi-Kulti- und das Kiez-Kultur-Fest im Bereich Frankfurter Allee Süd. Sie ist persönliche Ansprechpartnerin und Begleiterin für Bedürftige und als ehrenamtliche Mitarbeiterin des Bezirksamts Lichtenberg in der Sozialkommission tätig.Information der Preisverleihungskommission unter Vorsitz von Birgit Monteiro an 44Pinguine am 16. September 2013. von Beruf Sozialwissenschaftler Andreas Wächter war von 2007 bis Mai 2014 Koordinator für die beiden Lokalen Aktionspläne in Lichtenberg-Mitte und Hohenschönhausen, die im Rahmen des Bundesprogramms Toleranz fördern – Kompetenz stärken finanziert werden. Er hat in dieser Tätigkeit und durch sein persönliches Engagement darüber hinaus entscheidend die bezirkliche Auseinandersetzung mit Rassismus, Antisemitismus und Diskriminierungen jeglicher Form geprägt und viele Aktionen gegen antidemokratische Kräfte im Bezirk koordiniert, so z. B. Aktionen gegen NPD-Wahlkampfaktivitäten oder einen Nazi-Treff. Wächter ist Mitinitiator des Lichtenberger Bündnisses für Demokratie und Toleranz und hat die Kampagne Bunter Wind für Lichtenberg auf den Weg gebracht.birgit-monteiro.de: Begründung der Jury-Entscheidung für den Frieda-Rosenthal-Preisträger 2014. Vorsitzende des Gemeindekirchenrates der evangelischen Kirchengemeinde Hohenschönhausen Beate Held hat sich um die Erinnerungskultur in Lichtenberg verdient gemacht. Innerhalb der Kirchgemeinde hat sie stets das Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus wach gehalten und dabei auch die Verantwortung der Kirche nicht ausgespart. Ihr Engagement für die Versöhnung mit dem Judentum, dem Staat Israel und der stete Einsatz für Frieden in der Region sind insbesondere in Zeiten des Wiederaufflammens von Antisemitismus, Rassismus und Antijudaismus ein wichtiger Beitrag für das demokratische Gemeinwesen. Darüber hinaus hat Beate Held sich im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit sehr für den Erhalt und den Ausbau der Kita der Gemeinde im Malchower Weg eingesetzt. Ihrem Einsatz und Engagement ist es zu verdanken, dass die Kita in dieser Weise besteht und nicht nur Kindern der Gemeinde, sondern auch Familien aller sozialen, kulturellen oder religiösen Herkünfte offensteht. Vorsitzende des Berliner DGB-Kreisverbandes OstDagmar Poetzsch führt eine Lichtenberger Stolpersteininitiative, abgerufen am 10. Oktober 2016. an, die die Schicksale von in der NS-Zeit gestorbenen, ermordeten und deportierten Lichtenbergerinnen recherchiert und dokumentiert. Die Stolpersteine bieten ihr den gut sichtbaren Aufhänger dazu, die Erinnerung wach zu halten.