Don Bosco (vereinzelt auch Neugries) ist eines der fünf Stadtviertel der Südtiroler Landeshauptstadt Bozen (Italien). Mit mehr als 26.000 Einwohnern ist es nach Gries-Quirein das bevölkerungsreichste und mit mehr als 5.800 Einwohnern pro km² nach Europa-Neustift das am zweitdichtesten besiedelte Stadtviertel. Don Bosco gehörte früher zur Marktgemeinde Gries und ist noch heute Teil der Katastralgemeinde Gries. Südöstlich der Don-Bosco-Kirche, in Richtung Eisack, finden sich die Reste des Chorherrenstifts Maria in der Au, dem ursprünglichen Konvent der Regularkanoniker des Stifts Gries.
Obwohl die zahlreichen Sozialwohnungen des Viertels zum Teil auch von Zuwanderern bewohnt werden, ist deren Anteil mit 8,4 % geringer als in anderen Stadtvierteln der Stadt.
Geografie Lage Don Bosco liegt im Bozner Talkessel im Etschtal und nimmt grob den südwestlichen Teil des Gemeindegebiets ein. Im Norden und Nordwesten ist es durch die Drusus-Allee und die Sigmundskroner Straße vom Stadtviertel Gries-Quirein abgegrenzt. Im Westen überschreitet Don Bosco die Etsch und erreicht an der Grenze zur Überetscher Gemeinde Eppan den sogenannten Kaiserberg, das Nordende des Mitterbergs mit der aufgelassenen Mülldeponie der Stadt Bozen und Schloss Sigmundskron. Im Süden bildet der Eisack die natürliche Grenze zum Stadtviertel Oberau-Haslach. Die Ostgrenze zum Stadtviertel Europa-Neustift folgt kleineren Straßenverläufen: vom Eisack beginnend nordwärts der Palermostraße entlang, dann an der Mailandstraße Richtung Westen, am Neubruchweg wieder Richtung Norden, an der Europa-Allee ein kurzes Stück Richtung Osten und die Sorrentstraße erneut Richtung Norden bis zur Drususallee.
Gliederung des Stadtviertels Don Bosco Europaallee Pius X.–Reschenstraße Sigmundskron Ortler Kaiserau Firmian
Geschichte mini|Älteste Bozner Stadtansicht von 1541, angefertigt von Bürgermeister Leonhard Hörtmair zur Dokumentation von Überschwemmungsschäden, mit dem heutigen Gebiet von Neugries-Don Bosco am orografisch rechten Eisackufer (linke Bildhälfte) Der Eisack änderte vor seiner Regulierung sein Bett oftmals und überflutete immer wieder weite Teile des damals Kaiserau oder Au genannten Viertels. Kaiserau ist ein Gegendname, der im 16. Jahrhundert geprägt wurde, als Kaiser Ferdinand I., Erzherzog von Österreich, im Jahr 1562 vom Bischof von Trient mit dem Gericht Firmian-Sigmundskron belehnt wurde. Der Herrscher gab damit dem gesamten Gebiet östlich der Burg seinen heutigen Namen. Allerdings liegt der Bezeichnung der weit ältere Ortsname „Au“ zugrunde. Dieser Flurname ist schon seit dem 12. Jahrhundert als „Howe, Aue, Aw“ belegt. Er gab auch dem ehemaligen Augustiner-Chorherrenstift St. Maria in der Au seinen Namen, dessen Überreste heute im Park in der Alessandriastraße besichtigt werden können. Es war auf Eigenbesitz der Grafen von Morit-Greifenstein errichtet worden, ihre Rechtsnachfolger waren nacheinander die Grafen von Tirol, die Meinhardiner und die Habsburger.
Auf der vom Bozner Bürgermeister Leonhard Hiertmayr (Hörtmair) angefertigten Überschwemmungskarte von 1541 ist das Gebiet gut zu sehen. Der ehemals sumpfige, allenfalls landwirtschaftlich genutzte Ortsteil Quirein (Kaiserau) wurde 1925 zusammen mit der früheren Gemeinde Gries nach Bozen eingemeindet. Ab Mitte der 1930er begann die Bebauung des heutigen Stadtviertels Don Bosco. Ziel war es, für die vom italienischen Faschismus nach Bozen geholten Arbeiter des jenseits des Eisacks gelegenen neuen Bozner Industriegebiets Wohnraum zu schaffen (siehe dazu Italianisierung).
Chorherrenstift Maria in der Au Das später nach Gries übersiedelte Chorherrenstift Maria in der Au (lat. Sancta Maria de Augea) wurde 1165/66 in den Eisack-Auen durch Graf Arnold III. von Morit-Greifenstein und seine Gemahlin Mathilde von Valley errichtet. Der Konvent erhielt 1166 von Kaiser Friedrich I. ein Schutz- und Besitzbestätigungsprivileg, seine Vogtei gelangte in die Hände der Grafen von Eppan, die gut 20 Jahre zuvor das Chorherrenstift St. Michael an der Etsch begründet hatten. Die Chorherren kamen von Kloster Neustift bei Brixen und von Stift Klosterneuburg bei Wien.
Ende des 13. Jahrhunderts wurden die Konventsgebäude durch eine Überschwemmung in Mitleidenschaft gezogen. In der Folge wurde das Areal immer wieder überflutet, so dass die Chorherren 1412 in die ehemalige Burg der Grafen von Morit-Greifenstein in Gries zogen, die dem Konvent von Herzog Friedrich IV. von Österreich-Tirol zur Verfügung gestellt worden war. Das alte Stift wurde daraufhin verschüttet und erst 1986 bei Bauarbeiten wiederentdeckt. 2007 wurde ein Park eröffnet, in dessen Mitte die Reste der Anlage zu besichtigen sind.
Schloss Sigmundskron
Zeit des Faschismus Als in der Zeit des Faschismus die Italianisierung Bozens angelaufen war, wurde das heutige Stadtviertel Don Bosco ausgewählt, die Arbeiter des an der linken Seite des Eisacks ab 1935/36 errichteten Industriegebiets zu beherbergen. Da viele dieser Arbeiter aus ländlichen Verhältnissen stammten, entstand – im Sinne der ruralistischen Ideologie des Faschismus – ein sogenanntes „halbländliches“ Gebiet mit Häusern für zwei bis vier Familien und jeweiligem Gemüsegarten hinter dem Haus. Zugleich diente die geschlossene Ansiedlung weit abseits des Stadtzentrums der sozialen Segregation der Arbeiterfamilien, deren Sympathien das Regime nie völlig gewiss war.
Der Rione Dux mini|Haus des Semirurali-Viertels, in dem ein Stadtviertelmuseum eingerichtet wurdeHarald Dunajtschik: Erinnerungskulturen in Bozen. Giorno della Memoria und Friedensplatz – Stolpersteine und Semiruralihaus. Phil. Diss., Fakultät für Politikwissenschaft und Soziologie der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck 2017, S. 180 (Digitalisat). Für die ersten Neu-Siedler wurde ab 1935 das Rione Littorio um die Piazza Littoria (heute Matteottiplatz im Stadtviertel Europa-Neustift) errichtet. Dort entstanden mehrstöckige Mietshäuser in einem städtischen Ambiente. Da aber immer mehr Zuwanderer mit bäuerlichem Hintergrund in Bozen ankamen, wurde in den Jahren 1938 bis 1939 südlich des Rione Littorio der Rione Dux mit den oben beschriebenen Häusern und Gärten errichtet, der später Semirurali (Halbländliches Viertel) genannt wurde.Vgl. beispielsweise den Bericht der faschistischen Alpenzeitung vom 23. Mai 1939. S. 5: Die Gärten der halbländlichen Wohnbauten. Die Straßen waren zum Teil nicht asphaltiert und erhielten alle Namen von italienischen Städten. Diese sind bis heute erhalten geblieben (z. B. Parma, Mailand, Cagliari, Genua, Gorizia/Görz, Sorrent und Bari).
In dem Viertel wurden keine Geschäfte errichtet, allein ein Platz wurde angelegt (der heutige Don-Bosco-Platz).
Ein halbes Jahr nach Abschluss der Arbeiten wurden am nordöstlichen Eck des neuen Viertels (Palermostraße-Mailandstraße) neue Geschäfte eröffnet. In der Nähe dieser Geschäfte wurde in einem der Häuser eine Kapelle eingerichtet, die schon dem heiligen Johannes Bosco geweiht war.
Das Durchgangslager Bozen Vom nationalsozialistischen Durchgangslager Bozen, das sich westlich der Reschenstraße befand, ist nur mehr eine Begrenzungsmauer erhalten geblieben. Im April 2004 wurde hier eine Erinnerungsstrecke (Passage der Erinnerung) eröffnet, prominentester Gast bei der Veranstaltung war Mike Bongiorno, einst selbst für kurze Zeit im NS-Lager inhaftiert.
Ausbau des Viertels in der jüngeren Zeit mini|links|Hochhäuser in der Europaallee Die Häuser, die in den 1950er Jahren südlich der ursprünglichen Semirurali-Zone gebaut wurden, hatten einen eher städtischen Charakter. In den 1970er Jahren wurde am nördlichen Rand des Viertels, zwischen Mailandstraße und Drususallee, eine neue Straße angelegt, die Europa-Allee. Längs dieser Straße entstanden durchwegs zehnstöckige Wohnhäuser, darunter auch die bis dato höchsten Wohnhäuser der Region (die Gebäude sind 49,5 Meter hoch und haben 15 Stockwerke). Es existieren zwar Pläne, neben dem neuen City-Tower, der mit einer Höhe von 42 Metern die Ansicht Bozens von Osten prägt, ein weiteres, noch höheres Hochhaus zu bauen. Die Bauarbeiten hierfür haben jedoch noch nicht begonnen.
Anfang der 1990er Jahre stand man vor der Wahl, die Semirurali-Häuser aufwendig zu restaurieren und mit Heizungen auszustatten, oder sie großteils abzubrechen und durch neue, zeitgemäßere und aufnahmefähigere Mehrfamilienhäuser (Mietwohnungen des Südtiroler Wohnbauinstituts) zu ersetzen. Bis heute sind nur zwei Semirurali-Häuser erhalten geblieben. Eines davon wird weiterhin bewohnt, im anderen wurde ein Semirurali-Museum eingerichtet.
Aufgrund des weiter gestiegenen Wohnraumbedarfes wurden im Stadtviertel in den letzten Jahren zwei neue Wohnbauzonen eingerichtet; in den früheren Obstwiesen östlich der Reschenstraße entstand zwischen der Mailandstraße und der Drususallee das Quartier Firmian (benannt nach einem mit Schloss Sigmundskron in Verbindung stehenden Tiroler Adelsgeschlecht). Auf 17 ha Fläche entsteht dort ein Wohngebiet für etwa 4000 Einwohner. 2004 ergab sich die Möglichkeit in der Kaiserau, östlich des Quartiers Ortlerstraße-Similaunstraße, nahe dem Eisackufer und der Bahnstrecke Bozen–Meran eine Fläche von 10 ha zu verbauen. Diese Wohneinheiten für etwa 3000 Menschen sollten ausschließlich Genossenschaften des geförderten Wohnbaus und dem Wohnbauinstitut zur Verfügung gestellt werden. Der Bozner Stadtrat hat diesem Projekt Priorität eingeräumt und umgehend einen Wettbewerb für die einheitliche Bebauung dieses neuen Quartiers Kaiserau ausgelobt. Der Sieger dieses Projektes schlug vor, sogenannte „Schlösser“ verschiedener Höhe mit viel Grün dazwischen zu errichten. In Firmian wird ein guter Teil der Kubatur von privaten Bauherren zum freien Verkauf errichtet; angesichts der aktuellen Entwicklungen am Wohnungsmarkt wurden die Projekte jedoch teilweise zurückgestellt. Da die Bauherren des Quartiers Kaiserau sich am eigenen Bedarf orientieren, ist das Quartier fast fertiggestellt. Es fehlen noch die geplanten Zusatzgebäude, etwa ein Gebäude, das im Erdgeschoss verschiedene Geschäfte und eine Bar sowie in den Obergeschossen Wohnungen für den sogenannten Mittelstand (also jene, die einen Mietvertrag mit Kaufoption erhaltengemeinde.bozen.it) enthalten soll. Die Genossenschaften haben jetzt ein Konsortium gegründet und wollen das Gebäude errichten. In Firmian wurde die deutschsprachige Grundschule „Alexander Langer“ errichtet. Dazu wurde eine Kirche erbaut und der „Mutter Teresa von Kalkutta“ gewidmet.
Politik Stadtviertelrat
1995 wurden die ersten Stadtviertelräte gewählt und Bozen in die fünf Stadtviertel aufgeteilt. Die Stadtviertelräte und die beigeordneten Bürgerschalter haben einige Zuständigkeiten in den Bereichen Meldeamt, öffentliches Grün und Spielplätze sowie Straßenbau, daneben werden kulturelle und soziale Tätigkeiten im Stadtviertel unterstützt.
Amtszeit Name Partei 1995–1997 Tiziano Cabrele Alleanza Nazionale 1997–1999 Maria Teresa Tomada Alleanza Nazionale 1999–2000 Donata Fabbri Forza Italia 2000–2005 Enio Marcelli Noi per l'Alto Adige 2005 Enio Marcelli La Margherita 2005–2010 Enrico Lillo Forza Italia 2010–2011 Luigi Baratta Partito Democratico 2011–2015 Pasquale Morabito Partito Democratico seit 2015 Federico De Piccoli Fünf-Sterne-Bewegung
Der Stadtviertelrat besteht aus 11 Mitgliedern, der Präsident und sein Stellvertreter werden aus deren Mitte gewählt. Der Präsident ist in Don Bosco immer italienischer Sprache, sein Stellvertreter muss der deutschen Sprachgruppe angehören. Anders als im Gemeinderat, in dem die Parteien der deutschsprachigen Bevölkerung höheres Gewicht haben, geht die Mehrheit der Sitze in Don Bosco eher an Mitte-Rechts.
Wirtschaft und Infrastruktur