mini|hochkant=1.5|Altes Schloss im Barock-Stil und Neues Schloss im Neorenaissance-Stil mini|Blick über den Luciesee zum Alten Schloss mini|Das Neue Schloss mini|Die Rampe vor dem Neuen Schloss wird seit 2010 wieder von zwei Löwen flankiert. mini|Zugang zum Innenhof mini|Das Neue Schloss Muskau von Nordwesten aus der Luft gesehen

Schloss Muskau ist eine bedeutende Schlossanlage im Norden des sächsischen Landkreises Görlitz. Weltweit bekannt ist das Schlossensemble durch seine Lage im Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau. Die Parkanlage gehört seit dem 2. Juli 2004 zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Beschreibung Schloss, Mittelpunkt einer standesherrschaftlichen Hofanlage Bei den Muskauer Schlossanlagen handelt es sich um einen Komplex mehrerer Gebäude. Diese sind über ein großes Areal im Landschaftspark verteilt. Der Gebäudekomplex besteht aus: dem Neuen Schloss dem Alten Schloss oder Rentamt bzw. Amtshaus dem Gartenpalais oder Kavaliershaus dem Marstall mit Schlossvorwerk und der Orangerie mit gärtnerischen Betriebseinrichtungen.Pückler-Muskau 1977, S. 89. Die Bauten sind über Jahrhunderte währenden Baugeschehens als zweckdienliche Anlagen des jeweiligen Muskauer Standesherren entstanden bzw. verändert worden. Sie dienten in frühester Zeit Sicherungs- und Schutzaufgaben, was heute nicht mehr ohne weiteres erkennbar ist. Später wurden die Gebäude als Verwaltungssitz sowie vornehmlich als Wohn- und Repräsentationsbauten der Herrschaft genutzt. Beim Bau und den späteren Umbauten wurden der Charakter und die Gebäudefunktion den jeweiligen Aufgaben und kulturellen Ansprüchen angepasst. Mit der Zeit entstand eine dem Charakter nach standesherrschaftliche Hofanlage.Arnim, S. 311 f.

Der heutige Zustand zeigt die Gebäude, den Vorstellungen des Fürsten Pückler entsprechend, durch einen Pleasureground in die Parkgestaltung einbezogen. Seine landschaftsgärtnerischen Überlegungen gingen davon aus, dass das Neue Schloss das Zentrum aller Schlossbauwerke und gleichzeitig gemeinsam mit der Stadt den Mittelpunkt des Landschaftsparks bilden sollte.Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“, S. 91.Hermann Fürst von Pückler-Muskau: Andeutungen über Landschaftsgärtnerei verbunden mit der Beschreibung ihrer praktischen Anwendung in Muskau. , hrsg. von Günter J. Vaupel. Frankfurt am Main / Leipzig 1988, ISBN 3-458-32724-X, S. 362.

Altes Schloss mini|Fassade des Alten Schlosses

Es handelt sich um eine barocke Anlage, die im Grundriss und in der Fassade streng symmetrisch angelegt ist. Die dominierende Rechteckgestaltung wird in der Hauptfront durch zwei außenliegende Stummelflügel unterbrochen. Das Gebäude trägt ein mit Erkern besetztes steil ansteigendes Walmdach.

Bei diesem Gebäude handelt es sich jedoch in keiner Weise um ein einstiges Schloss.Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“, S. 46. Es ist das von Curt Reinicke II. von Callenberg zum Verwaltungssitz umgebaute, der Stadt zugerichtete Torhaus der alten Burganlage.Arnim, S. 82. Die Eingangshalle mit den beiden seitwärtigen Treppenaufgängen lässt die einstige Funktion noch erahnen. Die Bezeichnung „Altes Schloss“ geht auf Herrmann von Pückler zurück,Pückler-Muskau 1977, S. 80. der für seine Parkschöpfung, ähnlich den britischen Landschaftsparks, ein älteres Bauwerk als Statussymbol brauchte.

Die Hauptfront ist der Stadt zugewandt. Das prächtige barocke Eingangsportal unterstreicht den schlossartigen Charakter. Das angedeutete Giebelfeld des Portals ziert das Doppelwappen der Adelsfamilien Callenberg und Dohna. Das schmiedeeiserne Ziergitter im Toroberlicht trägt die Initialen von Traugott von Arnim. In Nischen über dem Eingang stehen die Symbolfiguren „Wilder Mann“, Wappenträger der Stadt Muskau, Flora und Hygeia. Diese wurden 1974 nach erfolgtem Wiederaufbau des Gebäudes eingebracht. Schöpfer ist der Dresdner Bildhauer Werner Hempel. Ursprünglich standen in den Nischen die Steinplastiken der ehemaligen Besitzer der Standesherrschaft, Fabian von Schoenaich (Standesherr von 1558 bis 1589), Carl Christoph von Dohna (1606–1625) und Curt Reinicke II. von Callenberg (1672–1709), die 1863 vom Prinzen der Niederlande aufgestellt wurden. Diese Plastiken wurden im Zweiten Weltkrieg stark beschädigt. Teile davon stehen heute im Treppenaufgang des Neuen Schlosses.

Auf der Rückfront des Baues ist ein prächtiger Mittelrisalit ausgeprägt. Dessen Putzstruktur, wie schon beim Eingangsportal, durch Quaderungen und Nutungen geschmückt sind. Der Risalit nimmt das rückwärtige Portal und zwei Rundbogenfenster im ersten Stock auf. Das Portalgesims trägt einen angedeuteten Fensterbalkon.

Heute sind in diesem Gebäude das Stadtmuseum und das Standesamt untergebracht. Das ausgebaute Dachgeschoss beherbergt einen kleinen Konzertsaal.

Neues Schloss mini|Das Neue Schloss Muskau, Mitte des 19. Jahrhunderts

Beim Neuen Schloss handelt es sich um eine Dreiflügelanlage im Neorenaissancestil.Lars-Arne Dannenberg, Matthias Donath: Schlösser in der östlichen Oberlausitz. Meißen 2009, S. 122. Der Schlosshof öffnet sich nach Osten zum Park hin. Die Verbindung zum Park wird durch eine von Schinkel entworfene gewaltige Schlossrampe gebildet, wodurch eine schlüssige Verbindung von Parklandschaft und Bauwerk entsteht. Der Mittel- oder Westflügel ist ein viergeschossiger Bau. An seinen Scheitelpunkten zum Süd- und Nordflügel befindet sich je ein Rundturm von unterschiedlicher Höhe. Die Seitenflügel sind dreigeschossig ausgeführt.

mini|Südflügel des Neuen Schlosses Das Schloss zeichnet sich dem Baustil entsprechend durch eine Vielzahl von Schmuckelementen aus, wie Ziergiebel und -gitter, Balkone, Figuren, Laternen, Schmuckfriesen und filigrane Turmhauben. Den Südgiebel des Mittelflügels zieren die zwei Sandsteinfiguren der Architekten Maximilian Franz Strasser und Hermann Wentzel, die von 1863 bis 1866 im Auftrag des Prinzen der Niederlande den Umbau im Neorenaissancestil planten und durchführten.Arnim, S. 313.

Der Bau weist mehrere Besonderheiten auf, die baugeschichtlichen Ursprungs sind. Zu nennen sind die an beiden Seitenflügeln nach Osten zeigenden Turmstümpfe. Es sind die vom Bauherren übernommenen, noch vorhandenen Bastionen aus der frühen Neuzeit. Der Nordflügel fügt sich nicht rechtwinklig in das Gesamtbauwerk ein und die beiden Seitenflügel sind ungleich breit. Die Ursachen dafür liegen in der Nutzung der Fundamente der Bauten der mittelalterlichen Wasserburg und der ersten Schlossanlage von 1520/30. Die Stockwerksgliederung von Hof- und Außenseite sind nicht identisch. Curt Reinicke II. von Callenberg ließ nach 1672 mit einer zweiten Zugbrücke nach Osten eine unmittelbare Verbindung zum Barockgarten herstellen, deshalb war die Aufschüttung des Innenhofs bis zum 1. Stock notwendig.

Heute ist im Mittelflügel des Neuen Schlosses die Besucherinformation der Fürst-Pückler-Stiftung untergebracht. Der Südflügel beherbergt die ständige Ausstellung zum Leben und Wirken des Parkschöpfers und der Nordflügel die Grüne Schule, eine Aus- und Weiterbildungsstätte für Parkpflegernachwuchs. Der Südwestturm ist als Aussichtsturm besteigbar und bietet aus 35 m Höhe einen guten Blick auf die Parkanlage.Erlebnis Schlossturm auf der Webseite der Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“

Kavaliershaus mini|Kavaliershaus, bis 2009 Moorbad mit Gaststätte

Das äußerlich schlichte Bauwerk wendet sich mit der Hauptfront dem Neuen Schloss zu. Es ist ein zweigeschossiger Bau mit Mansarddach. Dieses ist durch Dacherker untergliedert. Den Rechteckbau ziert ein Mittelrisalit, dessen breiter Dreiecksgiebel in das Dach hineinreicht. Die zum Eingang führende Freitreppe, das Korbbogenportal und die seitlichen, überdimensionalen Rundbogenfenster im Mittelrisalit unterstreichen den herrschaftlichen Eindruck.

Das Gebäude hat in seiner Geschichte recht vielseitige Funktionen erfahren. Nach seiner Erbauung durch Curt Reinicke II. von Callenberg diente es als Gartenpalais.Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“, S. 93. Später wurde es als TheaterStiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“, S. 95. und unter Prinz Friedrich der Niederlande als Gästehaus genutzt. Unter Graf Hermann von Arnim-Muskau erhielt das Gebäude sein heutiges, schlichtes Aussehen. Er baute 1934 das vormalige Kavaliershaus zum Witwensitz seiner Mutter Sophie von Arnim um.Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“, S. 100.

Das Kavaliershaus ist eines der wenigen Gebäude im Park, das keine Kriegsschäden erlitt. Von 1946 bis 1949 war hier das Krankenhaus eingerichtet.Merkle, S. 88. Am 12. Mai 1950 wurde das Gebäude einer weiteren Bestimmung übergeben. Es beherbergte seit diesem Zeitpunkt das Kurmittelhaus des Moorbades der Stadt Bad Muskau.Merkle, S. 90.

Marstall mit Schlossvorwerk mini|Marstall, von Süden aus gesehen

Bei diesem Gebäudekomplex handelt es sich um die Anlagen der herrschaftlichen Reitstallungen und Stellplätze für die Kutschen sowie um einen Wohnbereich für die Beamten der Herrschaftsverwaltung. Ein weiterer Teil wurde als Remise zur Abstellung von Gartengeräten benutzt.

Baulich stellt die Anlage einen offenen Vierseitenhof dar. Der Gebäudekomplex ist einstöckig gehalten. Bei den Gebäuden treffen zwei Baustile aufeinander. Das nordwärts stehende Wohngebäude ist im Stil der normannischen Gotik errichtet. Die übrigen Gebäude sind im Stil der Neorenaissance ausgeführt. Die Gebäude zeichnen sich durch Ziergiebel und Gesimse entsprechend dem Baustil aus.

Der Marstall befindet sich in der Südfront. Er trägt ein Mansarddach. Ihn zeichnen vier Eingangsportale aus, davon auf der Westseite ein bedachtes vorgesetztes Portal und auf der Nordseite drei Portale mit dachüberscheitenden Ziergiebel.

Bei dem westwärts und ostwärts gerichteten Gebäude handelt es sich in der Dachgestaltung um Krüppelwalmdächer, die mit Dacherker untergliedert sind. Das nach Osten zeigende Wohngebäude enthält eine Gebäudedurchfahrt in Richtung der Schlossgärtnerei. Etwas abseits im Park befindet sich die ehemalige Reithalle von 1922/1923.Merkle, S. 77.

Die Gebäude werden derzeit als Wohnungen, Vereinsräume, Café und Verkaufsräume für Gewerbetreibende genutzt. Der Marstall diente zuletzt als Ausstellungshalle. Es ist vorgesehen ihm die Funktion eines Konzertsaals zuzuweisen um die Orangerie ihrer eigentlichen Bestimmung zuführen zu können.Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“, S. 118.

Orangerie und Gewächshäuser mini|Orangerie

Die Muskauer Orangerie hat eine bewegte Geschichte. Sie wurde wegen der ungünstigen parkgestalterischen Standorte von Pückler zweimal abgerissen und an neuem Ort wieder aufgebaut. Neben ihrem Hauptzweck, der Überwinterungsunterbringung der großen Kübelpflanzen von der Schlossrampe, diente die Orangerie nach 1945 auch als JugendherbergeMerkle, S. 103. und Gerätehaus.

Der derzeitige Zustand entspricht weitestgehend dem Entwurf Ludwig Persius von 1844. Die Orangerie ist ein rechteckiger Flachbau mit ungewöhnlicher Architektur. Es werden gotische mit maurischen Stilelementen vermischt.Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“, S. 120. Die nach Süden ausgerichtete Hauptfront wird durch schlanke Turmandeutungen in drei, mit je drei Fenstern ausgestattete Mauerflächen unterteilt. Die Mauerkrone zieren Zinnen. An der Westseite befindet sich der über eine Holzrampe zugängliche Saaleingang. Die nördliche Rückfront des Gebäudes ist zweistöckig ausgeführt. Die Räumlichkeiten sind über drei Eingangsbereiche erreichbar. Sie dienten vormals zu Heizzwecken und als Wirtschaftsräume. Der Saal der Orangerie wird derzeit noch als Konzert- und Tagungssaal genutzt. Die 2005 geschaffenen Büroräume dienen der Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“ als Verwaltungssitz.Stiftung „Fürst-Pückler-Park Bad Muskau“, S. 27.