mini|Schloss Heiligenberg mini|hochkant|Evangelische Bergkirche in Jugenheim mini|hochkant|Friedensbrunnen in Jugenheim von Daniel Greiner

Jugenheim (mundartlich: Jurem)Darmstädter Echo, Freitag, 22. August 2014, S. 20 ist ein Ortsteil der Gemeinde Seeheim-Jugenheim im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Geographie Der Ort liegt an der Bergstraße im Naturpark Bergstraße-Odenwald, der Westflanke des Heiligenberges am Rande des Odenwaldes. Der Ortsteil Jugenheim besteht aus der Gemarkung Jugenheim.

Aktuelle und historische Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung Quelle: Historisches Ortslexikon Burg Dagsberg Wüstung Hasselbach Schloss Heiligenberg Franziskanerinnenkloster Heiligenberg

Geschichte Ortsgeschichte Jugenheim wurde im Jahre 1241 erstmals urkundlich erwähnt. Eine Besiedlung fand aber schon viel früher statt, wie archäologische Funde beweisen. Weitere schriftliche Erwähnungen fand Jugenheim unter den Ortsnamen Guginheim (1310), Gugenheim (1335), Guginheym (1340), Gugenhem (1430), Jugenheim und Gugenheim (1561), sowie Jugenheimb (1621).

Unter anderem fand Jugenheim folgende Erwähnungen: 1245, als der Ministeriale Christian von Bickenbach dem Kloster Schönau 3 ½ Morgen Weinberge in Jugenheim und Bickenbach unter Vorbehalt lebenslanger Nutzung schenkte. 1312, als die Brüder Gerhard und Giso von Jossa (auch Jazza) das zur Burg Dagsberg gehörige Jugenheim dem Erzbischof Peter von Mainz zu Lehen auftrugen. 1335, als die Brüder Gerlach und Reinhard von Jossa die Hälfte des Dorfes mit Einwilligung des Erzstifts Mainz dem Schenken Konrad von Erbach verkauften. 1714, als die Grafen zu Erbach ihre Rechte mit Zustimmung des Mainzer Kurfürsten an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt verkauften.

Im Hochmittelalter wurde das angrenzende Kloster auf dem Heiligenberg erbaut. Es wurde 1413 auf Betreiben von Kurmainz dem Kloster Lorsch inkorporiert und 1461 an die Kurpfalz verpfändet, die das Kloster 1564 aufhob und als Teil der Staatsdomäne Lorsch weiterbewirtschaftet. 1623 ging der Heiligenberg wieder an Kurmainz, um 1803 im Zuge der Säkularisation an Hessen-Darmstadt zu fallen.

mini|Die Ruine der Klosterkirche heute

Die Bergkirche wurde 1263 das erste Mal urkundlich erwähnt. Ihr heutiges Aussehen erhielt sie bei einem großen Umbau durch Prinz Alexander von Hessen, die großen Chorfenster kamen 1902 dazu.

Östlich des Klosters, am Fuße des Marienberges, errichtete der hessische Finanzminister Hofmann ab 1810 ein Hofgut, das er 1827 an die hessische Erbgroßherzogin Wilhelmine verkaufte. Diese ließ es ab 1830 zu einem Sommersitz ausbauen. Nach ihrem Tod 1836 setzte ihr Sohn Prinz Alexander diese Arbeiten bis in die 1870er Jahre fort. Alexanders Kinder und Enkel sollten in die Herrscherhäuser von England, Montenegro, Schweden und Spanien einheiraten; sein Sohn Alexander wurde 1879 der erste Fürst und Einiger des modernen Bulgarien. Schloss Heiligenberg wurde zu einem Mittelpunkt europäischer Politik und Stammsitz des Hauses Battenberg-Mountbatten. Im Jahre 1866 ließen die vier überlebenden Kinder der Großherzogin Wilhelmine zu ihrem Gedenken westlich von Klosterruine und Centlinde ein 8 1/2 Meter hohes goldenes Kreuz errichten, das bis heute ein Wahrzeichen Jugenheims ist.

mini|Goldenes Kreuz und 1889–1894 als Mausoleum errichtete Gedächtniskapelle des Hauses Battenberg im Kreuzgarten

Im Jahre 1618 gab es über 30, 1829 immerhin noch 14 Mühlen in Jugenheim.

Im Jahr 1714 war die Grafschaft Erbach, die 500 Jahre über das Odenwaldgebiet herrschte, aus Geldnot gezwungen, das Amt Seeheim-Tannenberg – und damit auch Jugenheim – an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt zu verkaufen. In Hessen bzw. dessen Vorgängerstaaten verblieb es dann bis heute. Der Heiligenberg über Jugenheim hingegen blieb bis 1806 bei Kurmainz.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Jugenheim:

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, von 1897 bis 1955, verkehrte eine dampflokbetriebene Nebenbahn zwischen Bickenbach, Alsbach, Jugenheim und Seeheim. Die Planungen für die Verbindung hatten bereits 1869 begonnen, aber es gab viele Widerstände gegen den Bau. So fürchtete man Lärm, Störung der Feldarbeit und die Abwanderung von Feriengäste. Zur damaligen Zeit war die Bergstraße ein beliebtes Erholungsgebiet für Gäste aus ganz Europa, vor allem aus den Fürstenhäusern. Die Nebenbahn verband die nördliche Bergstraße mit der wichtigen Main-Neckar-Bahn am Bahnhof Bickenbach. Neben den Feriengästen benutzte auch die einheimische Bevölkerung die liebevoll „Ziggelsche“ (= Zügelchen) genannte Nebenbahn. Da einige Züge bis nach Darmstadt fuhren und von Reisenden zum Besuch des Darmstädter Staatstheaters genutzt wurden, erhielten diese den Spitznamen „Theaterzug“.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden zum 31. Dezember 1971 die bis dahin selbstständige Gemeinde Balkhausen auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Jugenheim a. d. Bergstraße eingemeindet. Zum 1. Januar 1977 Gemeinden erfolgte dann kraft Landesgesetz der Zusammenschluss der Gemeinde Jugenheim a. d. Bergstraße und Seeheim zur neuen Gemeinde Seeheim. Am 1. Januar 1978 wurde diese Gemeinde amtlich in Seeheim-Jugenheim umbenannt. Für Jugenheim wurde kein Ortsbezirk nach der Hessischen Gemeindeordnung errichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Jugenheim angehört(e):

vor 1714: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Erbach Amt Seeheim-Tannenberg ab 1714: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt (durch Kauf), Obergrafschaft Katzenelnbogen, Amt Seeheim-Tannenberg ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Seeheim-Tannenberg ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Starkenburg, Amt Seeheim ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung., Provinz Starkenburg, Amt Seeheim ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk BensheimTrennung zwischen Justiz (Landgericht Zwingenberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Heppenheim ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Bensheim ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DarmstadtIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Gemeinde SeeheimAm 1. Januar 1977 zur neuen Gemeinde Seeheim. ab 1978: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg, Gemeinde Seeheim-JugenheimAm 1. Januar 1978 in Seeheim-Jugenheim umbenannt.

Gerichte Die zuständige Gerichtsbarkeit der ersten Instanz war: eigenes Zentgericht ab 1803: Amt Seeheim ab 1821: Landgericht Zwingenberg ab 1879: Amtsgericht Zwingenberg ab 1934: Amtsgericht Bensheim ab 1968: Amtsgericht Darmstadt

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Jugenheim 4320 Einwohner. Darunter waren 351 (8,1 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 783 Einwohner unter 18 Jahren, 1590 zwischen 18 und 49, 885 zwischen 50 und 64 und 1059 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 1812 Haushalten. Davon waren 549 Singlehaushalte, 519 Paare ohne Kinder und 540 Paare mit Kindern, sowie 153 Alleinerziehende und 48 Wohngemeinschaften. In 411 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 1161 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung • 1629: 77 Hausgesesse • 1806: 436 Einwohner, 74 Häuser • 1829: 583 Einwohner, 90 Häuser • 1867: 781 Einwohner, 104 Häuser

Historische Religionszugehörigkeit • 1829: 567 lutheranische (= 97,26 %), ein reformierter (= 0,17 %), 14 jüdische (= 2,40 %) und ein katholischer (= 0,17 %) Einwohner • 1961: 2565 evangelische (= 71,41 %), 873 katholische (= 24,30 %) Einwohner

Politik Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Schloss Heiligenberg, östlich von Jugenheim, ist der Stammsitz des Hauses Battenberg-Mountbatten mit seinen weitreichenden verwandtschaftlichen Beziehungen zu europäischen Königshäusern bis hin zum heutigen englischen Königshaus die Klosterruine Heiligenberg auf dem namengebenden Heiligenberg die evangelische Kirche Jugenheim die katholische Kirche Jugenheim

Schutzgebiete Die Waldflächen in der Gemarkung von Jugenheim sind zum großen Teil als Natura-2000-Gebiet „Kniebrecht, Melibocus und Orbishöhe bei Seeheim-Jugenheim, Alsbach und Zwingenberg“ geschützt (FFH-Gebiet 6217-305).

Regelmäßige Veranstaltungen letztes Augustwochenende: Kerb Dezember: WeihnachtsmarktDarmstädter Echo, Mittwoch, 27. November 2019, S. 21.

Wirtschaft und Infrastruktur Öffentliche Einrichtungen Im Ort befindet sich das Kreiskrankenhaus.

Verkehr Bis 1961 verfügte Jugenheim über einen Bahnhof an der einstigen Nebenbahnstrecke Bickenbach–Seeheim. Im Ort treffen sich die Landesstraßen 3100 und 3103. Jugenheim wird von den Straßenbahnlinien 6 und 8 sowie von der Buslinie BE3 angefahren. Nachtsüber fährt die Linie 8N.

Wasserbau Das Hochwasserrückhaltebecken Jugenheim im Balkhäuser Tal wurde ab Februar 2016 teilentschlammt, die Talsperre repariert und modifiziert.Ulrich Hartmann: Entschlammung Talsperre bei Seeheim-Jugenheim youtube.com, veröffentlicht am 31. Juli 2016, abgerufen am 22. September 2019. – Video (15:28)

Persönlichkeiten In Jugenheim geboren Ludwig Walther (1804–1881), Richter und Abgeordneter in Hessen Jean Christoph Harth (1882–1956), Politiker, Abgeordneter in Hessen Herbert Wiesinger (* 1948), Eiskunstläufer Hans-Joachim Heist (* 1949), Schauspieler Gerald Bernhard (* 1956), Romanist Matthias Kollatz (* 1957), Finanzsenator in Berlin

Anita Schneider (* 1961), Landrätin in Gießen Michael Paul (* 1964), Politiker, Mitglied des Bundestages Hortense Slevogt (* 1965), Medizinerin Gabriele Britz (* 1968), Richterin des Bundesverfassungsgerichts René Fahr (* 1972), Ökonom und Hochschullehrer Tom Wax, bürgerlich Thomas Wedel (* 1972), DJ, Produzent und Remixer Christian Karagiannidis (* 1973), Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Intensivmedizin Andreas Müller (* 1973), Astrophysiker, Wissenschaftsjournalist und Sachbuchautor Daniel Neumann (* 1973), Rechtsanwalt und Direktor des Landesverbandes Jüdischer Gemeinden in Hessen Christian Alvart (* 1974), Regisseur, Drehbuchautor, Kameramann und Filmproduzent Thorsten Torsun Burkhardt (1974–2023), Sänger der Electropunk-Band Egotronic Mark Taubert (* 1975), Medizinprofessor Christina Hopfe (* 1976), Bauingenieurin und Professorin

Persönlichkeiten mit Bezug zu Jugenheim Hermann Theobald (1821–1908), Oberförster sowie Landtagsabgeordneter und Ehrenbürger von Jugenheim Henny Koch (1854–1925), Übersetzerin und Schriftstellerin, gestorben in Jugenheim Daniel Greiner (1872–1943), Landtagsabgeordneter und Künstler, hatte langjährig sein Atelier in Jugenheim