mini|Selbstporträt Wilhelm Schmied, 1982

Wilhelm Schmied (* 13. April 1910 in Dresden; † 7. Dezember 1984 in Sangerhausen) war ein deutscher Maler und Grafiker des Sozialistischen Realismus.

Leben mini|hochkant|Wilhelm Schmied in seinem Atelier in Sangerhausen Süd-West, 1969, Entstehung Diptychon Bergleute heute und morgen

Schmied war der Sohn des Dekorationsmalers Wilhelm Schmied und seiner Ehefrau Ella Schmied, geborene Winkler. Er verbrachte seine Jugendjahre in Riesa, besuchte dort von 1916 bis 1924 die Volksschule und absolvierte von 1924 bis 1927 in Dresden eine Lehre als Dekorationsmaler und Lackierer mit anschließenden Gesellenjahren ab 1927 in Nürnberg, Staffelstein und Schkeuditz. Er studierte unter anderem 1930 ein Semester an der Kunstgewerbeschule in NürnbergEinar Schleef. Der Maler. Michael Freitag, Katja Schneider (Hrsg.), DuMont Buchverlag, 2008, S. 11, ISBN 978-3-8321-9089-7 und erhielt Weiterbildungen an der Burg Giebichenstein Hallehallelife.de: Ausstellungseröffnung – Wilhelm Schmied „Ein Leben für die Kunst“ vom 17. April 2018. Abgerufen am 12. November 2019 bei Charles Crodel.

Zum 1. Mai 1933 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 2.772.719).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/38440985Harry Waibel: Diener vieler Herren. Ehemalige NS-Funktionäre in der SBZ/DDR. Peter Lang, Frankfurt am Main u. a. 2011, ISBN 978-3-631-63542-1, S.. 295. 1934 legte er seine Meisterprüfung als Malermeister in Halle/Saale ab und war als solcher bis 1940 mit einem eigenen Malergeschäft in Sangerhausen tätig. In diese Zeit fiel auch seine Heirat mit Johanna Lutze aus Schkeuditz 1934 und die Geburt der Tochter Ursula (1936–2014), später selber Malerin.Schmied und Schokolade: Werke des Sangerhäuser Malers bei Halloren zu sehen. In: Fokus online vom 24. Juni 2018. Abgerufen am 11. November 2019 1940 wurde er in die Wehrmacht einberufen und geriet während des Zweiten Weltkriegs in Gefangenschaft.

Nach seiner Entlassung am 30. Januar 1946 in Passade und seiner Rückkehr Anfang März 1946Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden: Nachlaß des Malers und Grafikers Wilhelm Schmied – Mscr.Dresd.App.2483., S. 5 arbeitete er wieder in seinem Malergeschäft. 1946 begann er seine freiberufliche Tätigkeit mit autodidaktischer Weiterbildung als Maler und Grafiker und wirkte seit 1948 freischaffend in Sangerhausen.Ingrid Schulze: Wilhelm Schmied, Kunstheftreihe Maler und Werk. VEB Verlag der Kunst, Dresden 1980, S. 26–27Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden: Nachlaß des Malers und Grafikers Wilhelm Schmied – Mscr.Dresd.App.2483., S. 2 1947 trat er der Liberal-Demokratischen Partei Deutschlands bei.

1948 wurde er Mitglied der Kunstkammer Sachsen-Anhalt. Er gehörte zu den ersten bildenden Künstlern, an die ab 1949 die Generaldirektion des Mansfeld-Kombinats Aufträge erteilte und die zur künstlerischen Arbeit in die Betriebe gingen.Wilfried Falkenthal. Mansfelder Land. Auftraggeber: VEB Mansfeld Kombinat „Wilhelm Pieck“. In: Monika Flacke: Auftragskunst der DDR 1949–1990. Klinkhardt & Biermann, 1995, ISBN 3-7814-0380-7, S. 278 Er leitete dann u. a. langjährig den ab 1954 bestehenden Mal- und Zeichenzirkel des „Thomas-Müntzer-Schachtes für Bildnerisches Volksschaffen“, in dem er Laien, Arbeiter, Hausfrauen und Schüler im Sinne des „Bitterfelder Weges“ weiterbildete, darunter ab 1958 den jungen Einar Schleef,Wolfgang Behrens: Einar Schleef. Werk und Person. Theater der Zeit, Berlin 2003, S. 20Einar Schleef: Tagebuch 1953–1963. Hrsg. von Winfried Menninghaus, Wolfgang Rath, Johannes Windrich und Einar Schleef. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004, ISBN 3-518-41605-7, S. 285.Linn Settimi: Plädoyer für das Tragische: Chor- und Weiblichkeitsfiguren bei Einar Schleef. transcript Verlag, Bielefeld 2018, ISBN 978-3-8376-4630-6, S. 18 und nahm an der zweiten Bitterfelder Konferenz vom April 1964 teil. Neben seinem eigenen künstlerischen Schaffen war er in verschiedenen Gremien und Verbänden aktiv, wie etwa 1965 im Beirat für bildende Kunst zur Planung der neu entstehenden Halle-Neustadt. Von 1959 bis 1973 war Schmied Vorsitzender des Verbandes Bildender Künstler (VBK) des Bezirkes Halle. Ab 1970 war Schmied Außerordentliches Mitglied der Akademie der Bildenden Künste der DDR, ab 1974 bis zu seinem Tod Ordentliches Mitglied.Akademie der Künste: Bildende Kunst – Mitglieder. Abgerufen am 12. November 2019 Christa Böhme zählte zu seinen Schülerinnen.

Schmieds Grab befindet sich auf dem Friedhof in Sangerhausen.

Künstlerisches Schaffen Überblick und Einordnung mini|Keramische Wandfliesen, Denkmal in der Heimkehle bei Uftrungen

1951 gewann Schmied den Wettbewerb zur künstlerischen Ausgestaltung des Maxim-Gorki-Theaters in Magdeburg, entwarf 1952 aber auch die Fenster zu Weihnachten, Karfreitag/Ostern und Pfingsten im Chorraum der Jacobikirche in Sangerhausen,Ev. Kirchengemeinde St. Jacobi: Baugeschichte & Rundgang. Abgerufen am 15. November 2019 und illustrierte Christa Wolfs 1962 im Mitteldeutschen Verlag erschienene Moskauer Novelle. Er beteiligte sich an allen zentralen Ausstellungen in der DDR,Deutsche Biographische Enzyklopädie (DBE). Schlumberger – Thiersch. Rudolf Vierhaus (Hrsg.), 2. Auflg., K. G. Saur Verlag, München 2008, S. 66, ISBN 978-3-598-25030-9 erhielt zahlreiche Kunst-am-Bau-Aufträge, die er im Stil des Sozialistischen Realismus ausführte,Ralf Poschmann: Bericht des Oberbürgermeisters zur 5. Stadtratssitzung am 4. Dezember 2014. In: Sangerhäuser Nachrichten, Amtliches Mitteilungsblatt für die Stadt Sangerhausen vom 19. Dezember 2014, Sangerhausen/Südharz, Jahrgang 10, Nummer 24/2014, S. 2-3. Abgerufen am 12. November 2019 aber auch Anfang der 1970er Jahre den Auftrag zur Gestaltung eines monumentalen Wandbildes zum Gedenken an die Zwangsarbeiter in der Gedenkstätte in der Heimkehle bei Uftrungen.Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt: Berichte zur Denkmalpflege 2018, S. 82, 2019 Er schuf eine Vielzahl von Gemälden, Grafiken, dekorativen Putzarbeiten an Gebäuden und großformatigen Mosaiken. Darüber hinaus faszinierten ihn besonders die Städte- und Landschaftsansichten des Mansfelder Landes sowie die Küstenlandschaft der Ostsee und die Region um Ahrenshoop, die er in seinem umfangreichen Werk von Grafiken, Aquarellen sowie Ölgemälden festhielt. Schmied führte außerdem in den 1960er- und 1970er-Jahren Studienreisen in verschiedene sozialistische Länder und nach Ägypten durch, von denen er eine Vielzahl an Motiven mitbrachte und in späteren Bilderzyklen umsetzte.

mini|Berliner Landschaft, 1976, Kunstarchiv Beeskow Schmieds Wirken befand sich in Übereinstimmung mit der Kunstdoktrin der DDR als ideologisch begründete Stilrichtung der Kunst des 20. Jahrhunderts und den Vorgaben des Kulturbundes der DDR. So erläuterte er bereits 1954 seine Ansichten im Artikel Die Deutsche Demokratische Republik - die Pflegestätte unserer nationalen humanistischen Kultur und Förderin der bildenden Künstler in den „Heimatblättern des Kreises Sangerhausen – Kulturspiegel“, dessen „Redaktionskommission“ er angehörte: „Die deutschen Menschen fordern von den Künstlern zeitnahe, realistische Kunstwerke. (...) Nur der Künstler, welcher mit der Arbeit und dem Leben seines Volkes verbunden ist, kann die Forderung der Gesellschaft erfüllen und Werke schaffen, die in Form und Inhalt zeitnah und realistisch sind“.Wilhelm Schmied: Die Deutsche Demokratische Republik - die Pflegestätte unserer nationalen humanistischen Kultur und Förderin der bildenden Künstler. In: Heimatblätter des Kreises Sangerhausen, Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands, Kreisleitungen Sangerhausen und Artern in Verbindung mit den Räten des Kreises, Abt. Kultur. - Sangerhausen (Hrsg.), Nationales Aufbauwerk 1954, Ausgabe Oktober 1954, Folge 4 Das Organ des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) Neues Deutschland bezeichnete ihn 1983 als „eine fest umrissene Künstler-Persönlichkeit unseres Landes, deren Profil unverkennbar ist, und er hat viel Wichtiges dazu beigetragen, dass das Kunstschaffen der DDR seinen spezifischen, sozialistischen Charakter erlangte“.Ullrich Kuhirt: Mensch und Landschaft, geprägt von schöpferischer Arbeit. In: Neues Deutschland vom 2. Februar 1983 „Mit seinen überdimensionalen Wandmosaiken avancierte Schmied in der DDR schnell zum gefragten Künstler“.Beate Lindner: Wilhelm-Schmied-Verein in Sangerhausen. Im Kletteratelier wird wieder gemalt. In: Mitteldeutsche Zeitung vom 14. November 2014. Abgerufen am 12. November 2019 Gemälde Schmieds gehörten u. a. zur Ausstattung eines Konferenzraums im Palast der Republik. Als Vertreter des Sozialistischen Realismus gehörte er zu „den politisch ambitionierten Malern“,Hildtrud Ebert, Jutta Penndorf in Zusammenarbeit mit Matthias Flügge: Gutachten zum Bestand des Kunstarchivs Beeskow. Im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur (MWFK) des Landes Brandenburg, Berlin und Altenburg, Juli 2014, S. 12, 14 und 18 die mit zahlreichen staatlichen Preisen geehrt wurden. Daneben sind seine Werke heute hauptsächlich von kulturhistorischem Interesse. „Schmieds Bilder, zu DDR-Zeiten gestaltet, […] sind wertvolle Dokumente, die Sangerhausen aus der Sichtweise eines Künstlers im Sozialismus zeigen.“ Er schuf Werke, „die sich mit den Kupferschächten, den Bergleuten und der vom Bergbau geprägten Kulturlandschaft dieser Region beschäftigen“. Schmied „hat die bildende Kunst in der DDR wesentlich mitgeprägt. Mit seinen Industrielandschaften, Stadtansichten und Landschaftsbildern dokumentierte er die durch den Menschen hervorgerufenen Veränderungen und wurde so zum Zeitzeugen einer entwickelten Industriegesellschaft“, „zum Chronisten der tief in das Leben der Bewohner der Städte und Dörfer des Mansfelder Landes eingreifenden gesellschaftlichen und wirtschaftsstrukturellen Veränderungen“.Wolfgang Hütt: Künstler in Halle. Henschelverlag Kunst und Gesellschaft, Berlin 1977, Lizenz-Nr. 414.235/61/77. LSV-Nr. 8116, Buchseite 44

Seine Werke befinden sich unter anderem beim Wilhelm-Schmied-Verein zur Förderung seines künstlerischen Erbes e.V., in der Akademie der Künste Berlin, der Kunsthalle Rostock, im Museum Junge Kunst Frankfurt/Oder, im Schlossmuseum Bernburg, in der Galerie Neue Meister der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, im Museum Weißenfels, im Kunstfonds des Freistaates Sachsen in Dresden, im Kreisheimatmuseum Bad Frankenhausen, auf Burg & Schloss Allstedt, im der Kunstsammlung Gera und im Kunstmuseum Moritzburg Halle. Das Spengler-Museum Sangerhausen besitzt unter anderem die Ölgemälde Sangerhäuser Blumenstrauß und Goldene Aue sowie weitere frühere Landschaftsbilder und Stillleben aus der Zeit, als er Wohnraumschmuck malte. Viele seiner Auftragsarbeiten befinden sich eingelagert in Archiven, wie im Berliner Kunstdepot des Bundesverwaltungsamtes, die Werke aus dem Bestand der ehemaligen Mansfeld-Galerie im Kreisarchiv des Landkreises Mansfeld-Südharz (Depot Sangerhausen-Othal), im Mansfeld-Museum und zehn Gemälde im Kunstarchiv Beeskow, die heute „fast nur noch von kulturpolitischem Interesse sind“.

Kunst am Bau mini|Blick vom Bahnhofsvorplatz in Sangerhausen auf das Mosaik