Die Hansestadt Werben (Elbe) ist eine Stadt im Norden des Landkreises Stendal in Sachsen-Anhalt und Mitgliedsgemeinde der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck. Werben gehört zu den zehn kleinsten Städten in Deutschland (Stand 2024).

Geographie Lage

Werben (Elbe) liegt im Osten der Wische am linken Ufer der Elbe nordwestlich von Havelberg an der Südroute des Elberadweges in der Altmark. Im Ortsteil Räbel quert bei Stromkilometer 422,2 eine kombinierte Gier-Motorfähre die Elbe und schafft eine Verbindung nach Havelberg.

Nachbargemeinden von Werben (Elbe) sind: links der Elbe im Nordwesten Altmärkische Wische im Südwesten Osterburg (Altmark) Im Süden Iden rechts der Elbe im Norden Legde/Quitzöbel, Land Brandenburg im Nordosten Plattenburg, Land Brandenburg im Osten Havelberg im Südosten Sandau (Elbe)

Stadtgliederung mini|hochkant=1.2|Marktplatz und Rathaus Die Hansestadt Werben (Elbe) gliedert sich in sechs Ortsteile: Kernstadt Werben (Elbe) Behrendorf Berge mit den Wohnplätzen Hohehof und Neu Berge Giesenslage Kolonie Neu-Werben Räbel

Die Kolonie Neu-Werben ist der einzige Ortsteil auf dem rechten Elbufer. Durch ihn verläuft der Gnevsdorfer Vorfluter, durch den die Mündung der Havel künstlich elbeabwärts verlegt wurde, um das Eindringen der Elbehochwasser in die untere Havel zu vermindern.

Geschichte Mittelalter bis Neuzeit mini|Marktplatz mit St.-Johannis-Kirche mini|hochkant|Fabianstraße mit St.-Johannis-Kirche mini|Fachwerkhäuser in der Kirchstraße mini|Seehäuser Straße

Der Ort erschien als erstmals in den schriftlichen Quellen, und zwar verhandelte dort nach der Chronik Thietmars von Merseburg († 1018) König Heinrich II. mehrmals mit den Slawen. Der Bischof nennt dafür kein Datum; die Forschung setzt diese Zusammenkünfte in die Zeit zwischen Dezember 1005 und April 1006. Der Stadtname „Werben“ ist slawischen Ursprungs und bedeutet in etwa „unter den Weiden“. Der Ort war aufgrund seiner Lage an einem Elbübergang bereits früh von Bedeutung für Handel und Handwerk. Bei der in der Nähe der Stadt befindlichen Burg Pritzlawa fand 1056 eine Schlacht zwischen Sachsen und den Lutizen statt, in der das sächsische Kontingent fast gänzlich vernichtet wurde. Hier fiel auch der Markgraf der Nordmark, Wilhelm, am 10. September 1056 im Kampf gegen die Lutizen. Im Jahr 1358 wurde Werben Mitglied der Hanse und blieb es bis zum Bierkrieg mit dem Kurfürsten Johann Cicero 1488. In dieser Zeit wurde das Elbtor erbaut. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Werben aufgrund seiner strategischen Lage von den schwedischen Truppen in Besitz genommen, und Schwedenkönig Gustav-Adolf ließ die Schwedenschanze errichten. Mit ihr beherrschte man die Haveleinfahrt und die Elbe als wichtigste Transportader – siehe auch: Schlacht bei Werben.

Von 1898 bis 1971 war Werben über die Kleinbahn Goldbeck–Werben (Elbe) an das Eisenbahnnetz angebunden.

Zu einer Namensänderung kam es am 23. Dezember 1997, als sich die Stadt von Werben in Werben (Elbe) umbenannte. Die Namensänderung wurde am 1. Januar 1998 wirksam. Seit dem 1. Juni 2008 trägt die Stadt den Namenszusatz Hansestadt. Sie gilt als kleinste Hansestadt weltweit (Stand: Dezember 2022).

Johanniterorden

Die Stadt verfügt über die älteste Gründung des Johanniterordens auf norddeutschem Boden. Nach einer Pilgerfahrt in den Jahren 1158 und 1159 nach Jerusalem übertrug Markgraf Albrecht der Bär dem Orden 1160 die Einkünfte der Werbener Kirche samt allem Zubehör einschließlich sechs Hufen Landes dem Johanniterhospital zu Jerusalem. Dabei bestimmte er, dass der Ertrag „den im Spitale zu Jerusalem weilenden Armen alljährlich überschickt“ würde.

Neben der Kirche entstand in der Folge eine Komturei. Ältestes Zeugnis der Bautätigkeit des Ordens ist das sogenannte „Romanische Haus“ als der wohl älteste profane Backsteinbau nördlich der Alpen (früher fälschlich „Lamberti-Kapelle“ genannt). Die Komturei war anfänglich für Sachsen, die Mark Brandenburg, Pommern und das Wendland zuständig. Später war sie die Verwaltungszentrale für die Balley Brandenburg.

Eingemeindungen Bis 1807 gehörte Werben zum Seehausenschen Kreis der Mark Brandenburg in der Altmark. Danach lag es bis 1813 im Kanton Werben auf dem Territorium des napoleonischen Königreichs Westphalen. Ab 1816 gehörte die Stadt zum Kreis Osterburg, dem späteren Landkreis Osterburg. Am 1. November 1928 wurde der Gutsbezirk Domäne Werben, die 1810 aus der Kommende gebildet worden war, mit der Stadt Werben an der Elbe vereinigt.

Am 25. Juli 1952 wurde die Stadt in den Kreis Seehausen umgegliedert. Am 2. Juli 1965 erfolgte die Umgliederung in den Kreis Osterburg. Die Gemeinde Räbel wurde am 1. Oktober 1965 nach Werben eingemeindet. Die Stadt Werben gibt hingegen 1962 als Jahr der Eingemeindung von Räbel an. Am 1. Februar 1974 erfolgte die Eingemeindung der Gemeinde Wendemark in die Stadt Werben. Am 1. Mai 1984 wurde Wendemark wieder als eigene Gemeinde aus der Stadt Werben ausgegliedert, wobei die drei früheren Wendemarker Wohnplätze Delkerhof, Engelshof und Roggehof noch 1986 bei Werben als Ortsteile aufgeführt wurden. Später kamen sie wieder als Wohnplätze zu Wendemark.

Durch einen Gebietsänderungsvertrag beschlossen die Gemeinderäte der Gemeinde Behrendorf und der Hansestadt Werben (Elbe), dass ihre Gemeinden aufgelöst und zu einer neuen Gemeinde mit dem Namen Hansestadt Werben (Elbe) vereinigt werden. Dieser Vertrag wurde vom Landkreis als unterer Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt und trat am 1. Januar 2010 in Kraft.

Bevölkerung Jahr 1730 1740 1750 1770 1771 1774 1780 1790 1801 1818 1840 1848 Stadt Werben 848 863 969 1122 1202 1119 1157(mit Militär)13481372 1572 1732 1768 Jahr 1864 1871 1885 1890 1892 1895 1900 1905 1910 1925 1939 1946 Stadt Werben 1847 1736 1693 1682 1713 15951562 1595 1566 1419 1847 Domäne Werben 35 6 34 33 29 Bis 1946, wenn nicht angegeben:

Jahr Einwohner 1990 1.063 2005 849 2010 1.235 2015 1.142 2020 1.017 Jahr Einwohner 2021 989 2022 938 2023 915 2024 899 2025 898

Stand: 31. Dezember des jeweiligen Jahres (Angaben des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt), ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Der Anstieg der Einwohnerzahl zwischen 2005 und 2010 ist auf Eingemeindungen zurückzuführen.

Kernstadt

Jahr2014 2015 2017 2018 2020 2021 2022 2023 Einwohner 665668635623563583584563

Religion Konfessionen Die Volkszählung in Deutschland 2022 zeigte, dass von den 952 Einwohnern der Hansestadt Werben (Elbe) rund 25 % der evangelischen und rund 3 % der katholischen Kirche angehörten.

Christentum Die evangelischen Christen gehören heute zum Kirchspiel Werben und werden seit dem 1. Juli 2018 vom Pfarrbereich Seehausen-Werben im Kirchenkreis Stendal im Bischofssprengel Magdeburg der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland betreut. Der erste evangelische Pfarrer in Werben war Augustin Brinkmann, der im Jahre 1539 berufen wurde. Die ältesten überlieferten Kirchenbücher für Werben stammen aus dem Jahre 1594.

Die katholischen Christen werden heute von katholischen Pfarrei St. Anna (Stendal) im Dekanat Stendal des Bistums Magdeburg betreut. Ursprünglich wurden sie auch von der Pfarrei in Stendal betreut, ab 1917 dann von der Filialvikarie in Osterburg. Am 29. März 1928 entstand in Giesenslage eine katholische Filialvikarie. Am 1. November 1948 wurde die zugehörige Filialkirchengemeinde errichtet. 1951 war in Werben sogar eine katholische Herz-Jesu-Kapelle benediziert worden.

Politik Stadtrat Der Stadtrat von Werben besteht entsprechend der gesunkenen Einwohnerzahl der Stadt von 2024 aus 10 Mitgliedern und dem Bürgermeister.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 37 Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte bei einer Wahlbeteiligung von 68,2 % zu folgendem Ergebnis:Ergebnis der Kommunalwahl am 9. Juni 2024

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil2019Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019 Sitze2019 Stimmenanteil2024 Sitze2024 Unabhängige Wählergemeinschaft Werben 61,6 % 7 53,3 % 6 SPD 16,3 % 2 13,1 % 1 Bürger in Behrendorf/Werben 16,9 % 2 12,5 % 1 CDU 5,3 % 1 7,5 % 1 Einzelbewerber René Wolff – – 5,7 % 1 Einzelbewerber Frank Haß – – 3,9 % – Einzelbewerber Gunter Zwinscher – – 3,9 % – Insgesamt 100 % 12 100 % 10

mini|Rathaus mit Storchennest Bürgermeister 1965–1987: Ernst Reich 1987–1994: Burkhardt Fischer 1994–2001: Frank Ulrich 2001–2003: Thomas Schäfer 2003–2013: Volkmar Haase 2013–2016: Jochen Hufschmidt 2016–2017: Wolfgang Tacke seit 2018: Bernd Schulze

Schulze wurde bei der Bürgermeisterwahl am 11. Februar 2018 ohne Gegenkandidat mit 100 % der gültigen Stimmen gewählt. Am 21. Oktober 2024 wurde er wiederum ohne Gegenkandidat mit 100 % der gültigen Stimmen in seinem Amt bestätigt. Seine Amtszeit beträgt sieben Jahre.Kommunalverfassungsgesetz des Landes Sachsen-Anhalt, § 61

Wappen Das Wappen wurde am 30. April 1997 durch das Regierungspräsidium Magdeburg genehmigt.

Der Stadtrat der neugebildeten Hansestadt Werben (Elbe) beschloss am 19. Januar 2010, das Wappen und die Flagge der eingeflossenen Stadt Werben (Elbe) anzunehmen und weiterzuführen. Dies wurde am 1. Februar 2010 durch den Landkreis genehmigt.

Die Farben der Stadt sind rot-weiß.

Flagge Die Flagge wurde am 19. Oktober 2009 durch den Landkreis genehmigt.

Die Flagge ist rot-weiß (1:1) gestreift (Querformat: Streifen waagerecht verlaufend, Längsformat: Streifen senkrecht verlaufend) und mittig mit dem Stadtwappen belegt.

Sehenswürdigkeiten und Kultur mini|Fachwerkhaus am Markt mini|hochkant|Elbtor mini|Salzkirche mit Storchennest mini|hochkant|Dorfkirche Räbel

In die Storchenstadt kehren im Frühling bis zu 20 Storchenpaare ein, die regelmäßig ihre Horste auf den Dächern der alten Stadt beziehen. Werben bezeichnet sich als die storchenreichste Stadt Deutschlands. Zwar gibt es u. a. mit dem nahegelegenen Rühstädt Orte mit mehr Brutpaaren, diese sind jedoch keine Städte.

Baudenkmale Von der mittelalterlichen Stadtmauer mit ihren fünf Toren sind nur noch wenige Reste erhalten. Prächtig, wenn auch im Zinnenbereich 1907/1908 und 1997/98 stark restauriert, zeigt sich am Nordostrand der Stadt das um 1460/70 aus Backstein gemauerte Elbtor mit seiner spitzbogigen Durchfahrt neben dem runden, zinnenbekrönten Turm (heute Heimatmuseum mit Aussichtsplattform). Der Name des Baumeisters, Stephan Buxtehude, wird auch (wohl für die Torbauten) in Stendal und Tangermünde genannt.

Bedeutendstes Baudenkmal ist die mittelalterliche Pfarrkirche St. Johannis mit ihrer bemerkenswerten Ausstattung.

Von den Bauten der Komturei verblieb nur das „Romanische Haus“ (Romanisches Haus (Werben) (früher fälschlich „Lambertikapelle“ genannt)). Wie oben bereits erwähnt ist es der wohl älteste profane Backsteinbau nördlich der Alpen. Der schlichte Bau des 13. Jahrhunderts zeigt in den Giebeln das Johanniterkreuz.

Auch die Kapelle des Hl.-Geist-Spitals aus dem frühen 15. Jahrhundert wurde weltlichen Zwecken zugeführt: von ihrer Rolle als Warenlager im 18. Jahrhundert verblieb ihr der Name „Salzkirche“.

Zahlreiche Wohnbauten des 18. und 19. Jahrhunderts prägen das Stadtbild. Obwohl inzwischen viele der unter Denkmalschutz stehenden Fachwerkhäuser durch private Initiative restauriert worden sind, drohen andere noch immer zu verfallen.

Das alte Fachwerk-Schulhaus (ca. 1725) ist 2021/22 denkmalgerecht restauriert und als „Café Lämpel“ wiedereröffnet worden.

Am Sportplatz erinnert eine Gedenktafel an den kommunistischen Arbeitersportler Heinz Steyer aus Dresden, der in das Strafbataillon 999 gepresst und wegen Kooperation mit Partisanen 1944 ermordet wurde.

Mehrere kunsthistorisch bedeutende, mittelalterliche Dorfkirchen aus Backstein sind in den eingemeindeten Ortsteilen von Werben zu finden:Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Sachsen-Anhalt I. Regierungsbezirk Magdeburg. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 2002, ISBN 3-422-03069-7. St. Nikolaus, ungewöhnlich große spätromanische Dorfkirche aus der Zeit um 1220 im Ortsteil Berge