mini|300px mini|Mautern an der Donau/NÖ mini|Blick von der Ferdinand-Warte auf Krems und Mautern mini|Reste einer Römerstraße im Dunkelsteiner Wald bei Mauternbach

Das Kastell Mautern (antiker Name laut traditioneller Identifikation Favianis) war Teil der Sicherungsanlagen des römischen Limes Noricus. Es liegt in der Gemeinde Mautern an der Donau in Österreich, Bundesland Niederösterreich, Bezirk Krems.

Das Kastell diente wahrscheinlich zuerst als Reiterlager, in der Spätantike auch als Stützpunkt der Donauflotte (Classis Pannonica) und war vermutlich vom 1. bis ins 5. Jahrhundert kontinuierlich mit römischen Truppen belegt. Das Kastell ist heute zwar fast ganz durch die Altstadt von Mautern überbaut, seine Umrisse sind aber noch immer im Straßenraster auszumachen. Bedeutende Reste des spätantiken Kastells (siehe Steinperiode II) haben sich vor allem am westlichen Abschnitt der mittelalterlichen Wehranlagen und in der Margaretenkapelle erhalten. Es zählt zu den am besten erforschten römischen Fundstätten in Österreich. Das Reste des Kastell sind seit 2021 Bestandteil des zum UNESCO-Weltkulturerbe erhobenen Donaulimes.

Eine verbreitete Forschungshypothese setzt das Kastell Mautern mit dem antiken Ort Favianis gleich, der erstmals in der Notitia dignitatum erwähnt ist. Favianis gelangte vor allem im 5. Jahrhundert durch die politischen und sozialen Aktivitäten des Missionars Severin von Noricum zu größerer Bedeutung. In diesem Zusammenhang schützte es unter anderem das Severinskloster und war 488 – nach Niederwerfung des nördlich der Donau gelegenen Reiches der Rugier (siehe Rugiland) durch König Odoaker – Sammelpunkt für die Evakuierung der romanischen Bevölkerung Ufernoricums nach Italien.

Name Der heutige Ort Mautern ist um 899 erstmals in den Fuldaer Annalen als Civitas Mutarensis (die Siedlung der Mauteintreiber) bezeugt. Es gibt keine vor Ort gefundenen Schriftzeugnisse, einen zweifelsfreien Hinweis auf den antiken Namen des Kastells Mautern geben. In der Forschung weit verbreitet ist die Gleichsetzung mit dem römischen Ort Favianis, der sich in der Notitia dignitatum im Abschnitt des norischen Dux findet (Schreibweisen dort Favianae und Fafianae) und eine wichtige Rolle in der Vita Sancti Severini des Eugippius, einer spätantiken Heiligenvita des Severin von Noricum, spielt.

Der Ursprung und Bedeutung des antiken Kastellnamens Favianis konnte bisher nicht mit Sicherheit geklärt werden. Gerhard Rasch leitet den Kastellnamen von einem Personennamen, wie zum Beispiel Favius, Faventius oder Favonis, ab.Gerhard Rasch: Die bei den antiken Autoren überlieferten geographischen Namen im Raum nördlich der Alpen vom linken Rheinufer bis zur pannonischen Grenze, ihre Bedeutung und ihre sprachliche Herkunft. Dissertation Universität Heidelberg 1950, Band II, Die Siedlungsnamen, ihre Etymologie und sprachliche Herkunft, S. 21. Möglicherweise ist er auch auf die – vgl. dazu auch Comagena (Tulln an der Donau) – hier zuerst stationierte Garnisonseinheit zurückzuführen. In diesem Fall könnte es sich dabei um eine cohors Faviana (oder auch Fabiana) gehandelt haben, die wohl nach ihrem ersten Kommandeur benannt war.

Die Gleichsetzung von Favianis mit Mautern ist jedoch nicht unumstritten. Der älteste Lokalisierungsvorschlag ist die Annahme des mittelalterlichen Geschichtsschreibers Otto von Freising, dass Favianis im heutigen Wien liege. Spätere Autoren ab dem 19. Jahrhundert verorteten Favianis an der Mündung der Enns, in Pöchlarn (siehe Kastell Pöchlarn), bei Langenlebarn, in Zwentendorf an der Donau (siehe Kastell Zwentendorf), in Traismauer (siehe Kastell Traismauer), in Mauer bei Amstetten (siehe Locus Felicis) und im Wiener Stadtteil Heiligenstadt (siehe Heiligenstädter Kirche St. Jakob). Werner Lugs kam bei einer Analyse der vorliegenden Quellen und Indizien zu dem Ergebnis, dass es für eine Lokalisierung in Mautern nur wenig belastbare Hinweise gebe und Favianis tendenziell eher im Kastell Klosterneuburg zu suchen sei (auch wenn sich dies ebenfalls nicht eindeutig beweisen ließe).Werner Lugs: Die Lokalisierung von Favianis aufgrund archäologischer Quellen, der Textüberlieferung, topographischer Bedingungen und militärtaktischer Überlegungen. In: Römisches Österreich. Band 34/35, 2011/2012, S. 91–134, zu den älteren Lokalisierungsvorschlägen besonders S. 91.

Lage Am östlichen Ausgang des Durchbruchstales der Wachau fließt die Donau in ein weites Becken, das in der Antike noch eine sumpfige Aulandschaft mit zahlreichen Nebenarmen war, da der Strom mehrmals seinen Lauf geändert hat. Das Kastell stand auf einer tertiären Schotterterrasse und wurde, laut den Sedimentbefunden, offenbar mehrmals von größeren Hochwasserkatastrophen heimgesucht. Seine Überreste liegen heute fast ganz unter der Altstadt von Mautern, es ist aber noch an einigen Stellen aufgehendes Mauerwerk erhalten. Der Vicus breitete sich im Süden, im Osten und im Westen um das Lager aus und bedeckte ein Areal von rund 22 ha, was ein Vielfaches der Kastellfläche war. Mehrere Gräberfelder konnten im Osten und Südosten festgestellt werden, vereinzelt finden sich auch antike Bestattungen an der Straße nach Mauternbach.

Straßenverbindungen Bei Mautern wurden unter anderem die binnennorischen Eisen- und Salzhandelsrouten an die am Ostrand des Weinviertels entlangführende Bernsteinstraße, an Routen, die über das Kamptal in das Gebiet von Elbe-Moldau und an Handelswege, die weiter Richtung Norden führten, angeschlossen. Das Kastell lag jedoch nicht direkt an der Limesstraße. Infolge des sumpfigen und unwegsamen Geländes zwischen Melk (Namare?) und Mautern verlief sie hier nicht neben dem Donauufer, sondern einige Kilometer weiter südlich. Um dennoch die Wachturmkette an der Donau problemlos erreichen zu können, wurden von der Limesstraße aus ganzjährig begehbare Zugänge durch kleine, zum Fluss führende Täler angelegt. Westlich des Kastells Mautern wurden die Endpunkte von zwei dieser Wege durch Wachtürme bei Bacharnsdorf und Rossatz-Windstallgraben gesichert. Reste solcher Straßen (mit sehr ausgeprägten Spurrillen) kann man heute noch südwestlich von Mauternbach sowie im Kupfertal südlich von Bacharnsdorf sehen. Dort, im NW-orientierten Einschnitt des Dürrenbaches, führte die Geleisestraße über den Höhenrücken des Dunkelsteiner Waldes in Richtung St. Pölten/Aelium Cetium. Von hier aus ging es Richtung Osten zum nächsten größeren Lager Augustianis (Traismauer) und Richtung Süden nach Aelium Cetium.

Funktion Das Kastell Mautern stand, ähnlich wie die Kastelle von Linz, Enns und Klosterneuburg, an einer für den Fernhandel wichtige Querung über die Donau. Donauabwärts war ein Übersetzen aufgrund zahlreicher Nebenarme und sumpfiger Auen fast unmöglich. Donauaufwärts versperrten wiederum die steilen und unwegsamen Abhänge der Wachau den Zugang zum Stromufer. Primäre Aufgabe der Kastellbesatzung war diesen – auch strategisch bedeutsamen – Übergangspunkt zu kontrollieren. Zudem überwachte es die Verbindung zwischen den oberösterreichischen und den um Wien liegenden Beckenlandschaften.

Topographie Beim Wasserleitungsbau in der Kremser Straße konnten auch wertvolle Erkenntnisse über die Geländebeschaffenheit zur Zeit der Antike gewonnen werden. Demnach wurde als antikes Niveau nicht die Flusssandsedimentierung, die vor allem im Norden nicht mehr erreicht werden konnte, sondern die Oberkante einer lehmigen Sandschicht angenommen.Nach einer Luftbildauswertung von Michael Doneus, Institut für Ur- und Frühgeschichte, Wien. An der Terrassenkante sind die Unterschiede zwischen neuzeitlichem und antikem Niveau noch minimal. Nördlich dieser Kante wurde über die Jahrhunderte hindurch aber kontinuierlich aufgeschüttet, dies insbesondere im Mittelalter und in der Neuzeit, die natürliche Niederterrasse zeichnet sich jedoch immer noch deutlich an einer Geländekante im Bereich der Nordmauer ab.

In der mittleren Kaiserzeit war hingegen das Gehniveau im nördlichen Teil des Annexes kaum höher als zur Zeit der Spätantike. Im Bereich Kreuzung Kremser Straße mit St. Pöltner Straße konnte auf 15 m Länge ebenfalls eine aufgeschüttete Terrasse nachgewiesen werden. Das Fundament der nördlichen Kastellmauer liegt auch um fast einen Meter tiefer als die Befestigungen im Süden, ab hier fällt das Gelände auch merklich ab. Südlich der Mauer beträgt das Gefälle einen Meter über 35 m Längserstreckung, nördlich aber schon 3 m auf 35 m Länge. Die nördliche Mauer wurde also ganz bewusst nahe dieser markanten Geländekante errichtet. Der tiefste Punkt nördlich der Kastellmauer liegt bei vier Meter.

Zusammenfassend gliedert sich das untersuchte Gebiet in eine Niederterrasse bis zu einer Geländekante, einen kleinen Hang (Abfall rund vier Meter auf einer Länge von 60 m) und eine kleinere Kuppe, die um rund einen Meter höher liegt als der am tiefsten gemessene Geländepunkt. Diese Voraussetzungen waren wohl ausschlaggebend dafür, dass das Kastell hier errichtet wurde. Johann Offenberger nimmt nach einer Trockenzeit im 2. für das 3. Jahrhundert einen markanten Anstieg des Grundwasserspiegels an. Dies erfolgte wahrscheinlich durch eine allgemeine Klimaverschlechterung, die immer öfter zu großflächigen Überschwemmungen führte und die Römer zur Aufgabe von ufernahen oder tiefergelegenen Siedlungsplätzen und Befestigungen zwang.Verena Gassner, Sonja Jilek: Fundstellen. In: Verena Gassner u. a.: Das Kastell Mautern-Favianis. Der Römische Limes in Österreich 39, 2000, S. 97.

Vegetation mini|Naturbelassener Auwald an der Donau (Melk/NÖ) Makologische Untersuchungen aus der Zeitperiode des Steinkastell I bewiesen das Vorhandensein eines Laub- und Mischwaldes mit Buschland und Trockenbiotopen im Umfeld des Kastells. Entlang des Hauptstromes der Donau gab es damals noch zahlreiche Altarme, die mit den Waldgebieten des Hinterlandes verbunden waren. Ein typischer Auwald dürfte im 2. Jahrhundert aber nicht mehr vorhanden gewesen sein. Die im Kastell gefundenen Holzarten wie Eiche, Tanne, Buche und Hainbuche bestätigen diese Annahme. Die hauptsächliche Nutzung dieser Baumarten für den Hausbau führte oft zu einer dauerhaften Veränderung des natürlichen Waldbestandes in der Umgebung der Limeskastelle. Darüber hinaus fanden sich Hinweise für den Anbau von Getreide und Hülsenfrüchten, die Haltung von Nutztieren sowie Jagd und Fischerei.

Für die Spätantike können kaum Veränderungen wahrgenommen werden, es herrschte weiter Laub- und Mischwald vor, der sich mit Buschland, Stehgewässern mit Schilfbeständen und Rasenbiotopen abwechselte. Es gab keinen zusammenhängenden Auwaldgürtel. Holzkohleproben aus den Gebäuden im Lagerinneren stammen von Laub- und Nadelhölzern, wobei wiederum Eiche und Tanne identifiziert werden konnten. Eine Erweiterung der landwirtschaftlichen Nutzungsflächen um das Kastell ist für diese Zeitperiode ebenfalls auszuschließen.

Entwicklung mini|Abzug der römischen Provinzialen mit der Leiche des Hl. Severin (Abbildung aus Moritz Smets: Geschichte der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. 1878) Die Region um Mautern gehörte ab dem 2. Jahrhundert v. Chr. zum keltischen Regnum Noricum, nach dessen Eingliederung in das Imperium Romanum wurde im Zuge der verwaltungsmäßigen Neuorganisation unter Kaiser Claudius die Provinz Noricum gegründet. Mautern wird zu den ältesten Kastellen am Donaulimes gezählt, eindeutige archäologische Beweise für die Errichtung eines standardmäßigen Holz-Erde-Kastells in der Zeit der Flavier konnten allerdings bis dato nicht beigebracht werden.