Die Klever Straße ist eine innerörtliche Landesstraße in Düsseldorf, Stadtbezirk 1 (L 455). In der Straßenachse verläuft die Grenze zwischen den Stadtteilen Pempelfort und Golzheim. Die Straße kreuzt unter anderem die Fischerstraße und die Kaiserswerther Straße und verbindet die Jülicher Straße in Derendorf mit der Cecilienallee (B 1) am Rhein.
Funktion Die Klever Straße hat die Funktion eines innerörtlichen Hauptverkehrszugs und einer Ringstraße. Ihr Bau sollte die Nordstraße entlasten, deren Funktion sich schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts von einer Hauptverkehrsstraße in Richtung einer Einkaufs- und Geschäftsstraße verschoben hatte.
Benennung miniatur|links|Karte der Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg (grün) miniatur|links|hochkant|Anna von Kleve, vierte Frau Heinrich VIII. von England, ist die bekannteste Düsseldorferin mit dem Namen Kleve In ihrem Namen, dessen Vergabe am 28. März 1893 in die Zeit des Historismus fällt, erinnert die Straße an die Grafen von Kleve und die Nachfahren Herzog Adolfs II. in der märkischen Stammlinie Kleve sowie an ein historisches niederrheinisches Territorium, das in bestimmten Phasen der Stadtgeschichte von Düsseldorf als Hauptstadt aus regiert wurden: an das Herzogtum Kleve im Verbund der Vereinigten Herzogtümer Jülich-Kleve-Berg und im Verbund des Großherzogtums Kleve und Berg, ferner an den Regierungsbezirk Kleve, der 1822 im Regierungsbezirk Düsseldorf aufging. Die Fortsetzung der Klever Straße ist – nicht ohne Grund – die Jülicher Straße, die auf das mit Kleve zeitweise verbundene Herzogtum Jülich verweist. Eine Parallelstraße ist die Pfalzstraße, die Bezüge auf das Herzogtum Pfalz-Neuburg und auf die Kurpfalz herstellt, welche zeitweise ebenfalls von Düsseldorf aus regiert wurden. Auch die Klever Union, durch die eine Personalunion großer Herrschaftsgebiete in Nordwestdeutschland entstand, kommt als Bezugspunkt der Straßenbenennung in Betracht.Klever Straße. In: Adressbuch der Landeshauptstadt Düsseldorf 1952. Schwann, Düsseldorf 1952, S. 271 (Digitalisat) In ihrer räumlichen Nähe erinnern die Straßen ferner an den folgenreichen Jülich-Klevischen Erbfolgestreit, in dessen Ergebnis, dem Vertrag von Kleve, die Häuser Hohenzollern-Brandenburg-Preußen und Wittelsbach-Pfalz-Neuburg ihre Machtinteressen im Rheinland und in Westfalen zu einem Ausgleich brachten. Eine herausragende historische Bedeutung hatten der Streit und sein Ausgang insofern, als sie Preußen, seine Politik und Kultur für viele Jahrhunderte im Westen Deutschlands Fuß fassen ließen. Städtebau und Architektur der Klever Straße künden noch heute davon.
Geschichte mini|Darstellung der „Clever Strasse“ in einem Stadtplan von 1909 mini|„Clever Straße“ im Pharus-Plan „Düsseldorf“, 1910 Erbaut wurde die Klever Straße zwischen den 1890er Jahren und dem Ersten Weltkrieg in der Form eines breiten Boulevards. 1899 eröffnete die Düsseldorf-Duisburger Kleinbahn den schienengebundenen öffentlichen Personennahverkehr auf der Strecke Düsseldorf-Kaiserswerth und kreuzte auf der Kaiserswerther Straße die „Clever Straße“ – so die ursprüngliche Schreibweise. Bereits zur Zeit der Industrie- und Gewerbeausstellung Düsseldorf 1902, die nach der Rheinufervorschiebung und Anhebung der Golzheimer Insel (1898–1902) das Rheinufer nördlich der Altstadt völlig umgestaltet hatte, war die Klever Straße zwischen der Kaiserswerther Straße und der Jülicher Straße realisiert, aber erst 1904/1905 wurde ihre Verlängerung durch den Golzheimer Friedhof hindurch bis zum heutigen Rheinpark Golzheim in Angriff genommen.Clemens von Looz-Corswarem: Der Golzheimer Friedhof zu Düsseldorf. In: Rheinische Friedhöfe. Sonderhefte der Mitteilungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde, Heft 5; Nachdruck in: Veröffentlichungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde e. V.; Nr. 55; Köln 1990Otto Schmitz: Der Golzheimer Friedhof. Ein Spaziergang über den alten Friedhof zu Düsseldorf; Seite A 5/38; Verlag Traugott Bautz, Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-333-5Der Golzheimer Friedhof, Artikel des Gartenamtes der Landeshauptstadt Düsseldorf im Portal duesseldorf.de, abgerufen am 25. Januar 2013
Die Planung geht auf ein 1884 verhandeltes Gutachten zu einem schließlich im Januar 1885 fertiggestellten Bebauungsplan-Entwurf für die Stadt Düsseldorf zurück. Zu diesem Entwurf hatten die Stadtplaner Josef Stübben, Jean Geoffroy Conrath und Franz Andreas Meyer ein Verkehrskonzept mit Ringstraßen („Stübben-Ringe“), Radial- und Diagonalstraßen vorgeschlagen. Ihr Konzept stand in engem Zusammenhang mit der Hochindustrialisierung in Deutschland und dem dynamischen Wachstum der Stadt, die sich als „Schreibtisch des Ruhrgebiets“ im Begriff sah, bis zum Jahre 1930 eine Millionenstadt zu werden. Stübben, Conrath und Meyer entwickelten ein System dreier im Halbkreis um die Altstadt gelegter Ringstraßen, die sie nach ihrer Lage „Innerer Ring“, „Mittel-Ring“ und „Äußerer Ring“ nannten. Die spätere Klever Straße war in diesem System ein Teil des „Mittel-Rings“, der den prospektierten inneren Stadtverkehr vom Osten an den Rhein führen sollte, wo die Planer einen „Rhein-Quai“ als repräsentative Uferstraße vorsahen. Nach ihrem Entwurf sollte die Klever Straße einen boulevardartigen Ausbau mit einem grünen Mittelstreifen erhalten. Auch einen Straßenstern am östlichen Ende der Klever Straße sahen sie zur Querung wichtiger Diagonalstraßen vor.„Erläuterungsskizze zu dem Gutachten v. d. 10. Juni 1884 von I. G. Conrath – F. Andreas Meyer und Stübben betreffend den Bebauungsplan von Düsseldorf ausgearbeitet in Folge der Verhandlung vom 23.–25. Nov. 1884. Januar 1885“. In: Thorsten Scheer: Zur Architekturgeschichte des Behrensbaus. In: Stiftung Haus der Geschichte Nordrhein-Westfalen (Hrsg.): 110 Jahre Behrensbau. Architektur und Geschichte. Düsseldorf 2023, S. 20/21
Im Rahmen der Städte-Ausstellung für Rheinland, Westfalen und benachbarte Gebiete erhielten der aus Düsseldorf gebürtige Berliner Architekt Bruno Schmitz und der Berliner Bauingenieur Otto Blum 1912 den ersten Preis eines hierzu ausgelobten Wettbewerbs für einen ambitionierten Gesamtbebauungsplan, der bereits acht Rheinbrücken vorsah, auf welchen der Ost-West-Verkehr Düsseldorfs abgewickelt werden sollte.Paul Mahlberg: Das städtebauliche Ergebnis eines Wettbewerbes zur Erlangung eines Bebauungsplanes für Groß-Düsseldorf. In: Kunstgewerbeblatt. 24. Jahrgang (1913), S. 64–67, Abbildung S. 65 (Digitalisat)Hugo Weidenhaupt: Kleine Geschichte der Stadt Düsseldorf. Triltsch Verlag, 9. Auflage, Düsseldorf 1983, S. 144Friedrich Tamms: Von Menschen, Städten und Brücken. Econ Verlag, Düsseldorf 1974, ISBN 3-430-19004-5, S. 63 Der Neuordnungsplan Düsseldorf 1949, den der Verkehrs- und Stadtplaner Friedrich Tamms zum Wiederaufbau und zur autogerechten Umgestaltung der Landeshauptstadt entwickelt hatte, sah daran anknüpfend vor, die Klever Straße stärker für überörtliche Verkehre auszubauen und sie nach Westen über den Rheinpark Golzheim und über den Rhein bis hin nach Niederkassel und zur Hansaallee zu verlängern. Weil sich aber zeigte, dass die Oberkasseler Brücke und die Theodor-Heuss-Brücke die Verkehre aufnehmen können, und auch wegen des Drucks, den die öffentliche Kritik des Architektenrings Düsseldorf gegen diese Planung mobilisierte, wurde dieses umstrittene Vorhaben fallen gelassen.Siehe hierzu die Abbildungen bei Werner Durth: Deutsche Architekten. Biographische Verflechtungen 1900–1970. Deutscher Taschenbuch Verlag, München 1992, ISBN 3-423-04579-5, S. 352 f.
Bebauung und Straßengestaltung mini|links|hochkant|Bürohochhaus des Oberlandesgerichts Düsseldorf, Blick aus der Kurt-Baurichter-Straße in Richtung Klever Straße mini|Blick auf die Ecke Klever Straße/Mauerstraße vom Kolpingplatz mit deutlich erkennbarer Lücke in der Straßenbegrünung Eine doppelte Baumreihe aus Eschen auf einem breiten Pflanzstreifen bildet die Straßenachse als Mittelallee und verleiht dem Straßenraum eine großzügige Begrünung im Sinne der Ideen der Gartenstadt, der Stadthygiene und Stadtbaukunst, die um die Jahrhundertwende im Schwange waren. Am Pfingstmontag 2014 wurde die Allee durch Orkanböen des Tiefdruckgebiets Ela stark in Mitleidenschaft gezogen; einige Bäume stürzten um, bei vielen wurden die Kronen so stark beschädigt, dass sie gefällt werden mussten. Erhebliche Lücken verblieben. Teilweise wurden sie mit dem Japanischen Schnurbaum aufgefüllt.
Geprägt wird die geschlossene Bebauung an den Flanken von bürgerlichen, mehrgeschossigen Wohnhäusern des Jugendstils und der Reformarchitektur, die zu ihrer Entstehungszeit Etagenhäuser genannt wurden. Diese Haustypen sind zumeist mit den für diese Zeit typischen Giebeln und Erkern gestaltet. Als Produkte einer organisierten Immobilienwirtschaft reflektierten sie auf die ökonomische Situation sowie den urbanen Lebensstil einer wachsenden Mittelschicht. Im Abschnitt zwischen Schwerinstraße und Kaiserswerther Straße sind auf der Nordseite auch traufständige Mehrfamilienhäuser aus rotem Backstein im Stil des Neuen Bauens prägend. Mehrfamilienhäuser in den Architekturen der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg finden sich eher vereinzelt. Büro- und Verwaltungsbauten treten im Abschnitt zwischen Fischerstraße und Cecilienallee in Erscheinung, insbesondere die Verwaltungsbauten auf der Rückseite des Oberlandesgerichts Düsseldorf. Das Justizgebäude auf der Ecke zur Kurt-Baurichter-Straße bildet dabei als Hochhaus einen Point de vue und eine städtebauliche Dominante für die Klever Straße in Blickrichtung Westen.
In jeweils nördliche und südliche Richtung, zumeist rechtwinklig abzweigend, erschließen von der Klever Straße aus die Kaiserswerther Straße, die Schwerinstraße und die Mauerstraße als Nebenstraßen die angrenzenden, geschlossen bebauten Altbauquartiere. Große beampelte Kreuzungspunkte bildet die Klever Straße mit der Fischerstraße im Westen sowie der Roßstraße, der Moltkestraße, der Collenbachstraße und der Jülicher Straße im Osten.
In einem Abschnitt in der Mitte zwischen diesen Punkten weitet sich der Straßenraum der Klever Straße im Bereich des Kolpingplatzes nach Süden hin zu einem rechtwinkligen, von Sumpf- und Roteichen gesäumten Platz auf. Dieser in den Jahren 1902 bis 1904 von Heinrich Hillebrecht als wilhelminischer Schmuckplatz konzipierte und 1913 von Walter von EngelhardtStadtmuseum Düsseldorf; Düsseldorfer Gartenlust, Ausstellungskatalog, Düsseldorf, 1987, S. 199–200 entwurflich überarbeitete Stadtraum hieß ursprünglich „Clever Platz“ und wurde später nach dem Theologen Adolph Kolping umbenannt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Schmuckplatz zu einem modernen Spielplatz umgestaltet. Vor einigen Jahren wurde der Bereich im Innern des doppelreihigen Baumgevierts, das den Platz rahmt, durch eine Tiefgarage (Quartiersgarage) unterkellert; anschließend wurde der Spielplatz modernisiert und teilweise neu gestaltet. Entlang der Mauerstraße und der Pfalzstraße findet auf dem Kolpingplatz mittwochs und samstags der Rheinische Bauernmarkt statt.
miniatur|hochkant|Hauptfassade der Kreuzkirche am Ostende der Klever Straße