Der Passwang, früher auch Barschwang (solothurnerdeutsch Ba(r)schwang [], []Die Flur- und Siedlungsnamen der Amtei Dorneck-Thierstein (= Solothurnisches Namenbuch. Band 2). Hrsg. von Markus Gasser und Thomas Franz Schneider. Schwabe, Basel 2010, ISBN 978-3-7965-2658-9, S. 655 f., Artikel Passwang.), ist ein Bergkamm auf dem Gemeindegebiet von Mümliswil-Ramiswil im Solothurner Jura, Schweiz. Hauptgipfel des Bergkamms ist der Vogelberg mit Anteil am Massiv des Passwang haben auch die solothurnische Gemeinde Beinwil (im Nordwesten) und, im Kanton Basel-Landschaft, Lauwil (im Norden) und Reigoldswil (im Nordosten). Über den Passwang führt der gleichnamige Gebirgspass mit einer Strasse, die mit einer Passhöhe von über Mümliswil und Beinwil die südlichen Teile des Kantons Solothurn mit dem Schwarzbubenland verbindet. Die heutige Passhöhe liegt in einem kurzen Tunnel. Rund 700 Meter östlich des nördlichen Tunnelportals liegt die Passwanghöhe () und weitere 150 Meter östlich am Wegweiser Mittler Passwang mit der höchste Punkt der historischen Passstrasse über den Bergkamm. Der Passwang gilt auch als Aussichtspunkt.
Name Der Name ist erstmals um 1480 als boswand und boschwand bezeugt, später unter anderem als Porschwand (erstmals 1521), Baschwang (erstmals 1582), Barschwang (erstmals 1716).Die Flur- und Siedlungsnamen der Amtei Dorneck-Thierstein (= Solothurnisches Namenbuch. Band 2). Hrsg. von Markus Gasser und Thomas Franz Schneider. Schwabe, Basel 2010, ISBN 978-3-7965-2658-9, S. 655 f., Artikel Passwang; vgl. Noch das Geographische Lexikon der Schweiz führt seinen Artikel über den Passwang (1905) unter dem Lemma Passwang oder Barschwang. Der Namenforscher Rolf Max Kully vermutet eine ursprüngliche Namensform *borswand mit der Bedeutung «Rodung auf der Anhöhe», von althochdeutsch bor «Anhöhe» und swand «Schwende, Rodung». Der Name sei damit verwandt mit jenem des Bergs Born bei Olten. Die ältere Deutung als «bare», kahle Schwende weist Kully zurück. Kullys Deutung wurde 2010 vom Solothurnischen Namenbuch übernommen. Die volksetymologische Umdeutung zu «Pass bei der Felswand» (mundartliche Aussprache Wang) angesichts der steilen Felswand in der Nähe der Passhöhe wurde schon 1928 in einem Artikel des Basler Sekundarlehrers A. Seiler verworfen; spätere Autoren haben sich ihm angeschlossen.Die Flur- und Siedlungsnamen der Amtei Dorneck-Thierstein (= Solothurnisches Namenbuch. Band 2). Hrsg. von Markus Gasser und Thomas Franz Schneider. Schwabe, Basel 2010, ISBN 978-3-7965-2658-9, S. 655 f., Artikel Passwang; vgl. auch Die mundartliche Aussprache Barschwang hat sich in den Flurnamen Mittleri und Oberi Barschwangweid erhalten.Die Flur- und Siedlungsnamen der Amtei Thal-Gäu (= Solothurnisches Namenbuch. Band 4). Hrsg. von Beatrice Hofmann-Wiggenhauser und Jacqueline Reber. Schwabe, Basel 2017, ISBN 978-3-7965-3696-0, S. 424, unter dem Artikel Passwang.
Geographie Landschaft mini|Bergrücken am Vogelberg Die Passwangkette im weitesten Sinne erstreckt sich auf einer Länge von etwa 22 Kilometern zwischen dem Mont Raimeux an der Kantonsgrenze Bern/Jura und dem Oberen Hauenstein südlich des Waldenburgertals im Kanton Basel-Landschaft. Ihre höchsten Erhebungen (von Ost nach West) erreicht sie im Grenzgebiet der Kantone Basel-Landschaft und Solothurn im Bilsteberg (), in der Hinderi Egg () und am Vogelberg (). Zur Gänze im Kanton Solothurn liegen die Hohe Winde () und der südöstliche Kamm des Matzendörfer Stierenbergs (), der höchste Gipfel im Passwanggebiet. Auf der Grenze zwischen den Kantonen Solothurn und Bern liegt der nordwestliche Kamm des Matzendörfer Stierenbergs (). Der Schönenberg () im Grenzgebiet der Kantone Bern und Jura ist der westlichste hohe Gipfel der Passwangkette. Nördlich und südlich wird das Gebiet von weiteren mehr oder weniger ausgeprägten Bergen flankiert.
Das Passwangmassiv im engeren Sinne erstreckt sich vom Chratteneggli () im Westen bis zur Einsattelung südlich des Berggasthauses Hintere Wasserfallen () im Osten. Nach Süden fällt der Berghang ins Guldental und zum Ramiswiler Bach ab, nach Norden ist eine Abtrennung der Bergketten des Passwang an der Ulmethöchi () zu weiteren nördlich vorgelagerten Ketten topografisch schlüssig. Der Passwang besteht aus fünf bis sechs (die nördlichste Kette ist im Pt. 1038 nur angedeutet) in West-Ost-Richtung verlaufenden Bergketten, die, ineinander verschoben, einen gemeinsamen Bergstock bilden. Die südlichste Kette ist Teil des sich zur Hohen Winde hin fortsetzenden Sunnenberg, findet sich nur im westlichen Drittel des Massivs und hat ihren höchsten Punkt in der Barenflue (). Die zweite Kette von Süden hat im Westen zwei Gipfelpunkte mit identischer Höhe (), bricht östlich der Passwanghöhe ein (Karteneintrag Hell) und erreicht weiter östlich ihren höchsten Punkt in der Rotisegg (). In der dritten Kette von Süden liegt mit dem Vogelberg (/Schartenhöhe 302 Meter) der höchste Punkt des Passwangmassivs. Diese Bergreihe setzt sich nach Westen hinter dem Grateinbruch am Chessiloch im Oberschattenberg () und noch weiter westlich im Gritthorn () und im Büelchopf () fort. Weiter nördlich folgen noch die Kämme des Schattberg () und des Geitenberg ().
Das Landschaftsbild des Passwang zeichnet sich durch eine juratypische Mischung von Wald an den Steilhängen und einer Wiesen- und Weidelandschaft im weniger steilen Gelände bis in die Gipfelregionen hinein aus. Auf den verschiedenen Höhen des Gebirges finden sich zahlreiche Einzelhöfe, sechs gastronomische Einrichtungen, davon zwei mit Übernachtungsmöglichkeiten (Stand März 2024), und ein Seminarhotel. Die Luftseilbahn Reigoldswil-Wasserfallen verbindet Reigoldswil () mit der Flur Wasserfallen (). Durch die aussichtsreiche Landschaftsgestaltung ist der Passwang ein beliebtes Wandergebiet.
Die Passwangstrasse zwischen Beinwil und Mümliswil (Hauptstrasse 267) ist der einzige Strassenübergang, der die nördlichen (Schwarzbubenland) und südlichen Kantonsteile von Solothurn miteinander verbindet. Es handelt sich dabei um einen Diagonalpass, der den Gebirgskamm schräg und nicht wie üblich orthogonal überquert. Der Passbegriff als solcher ist ohnehin nur bedingt zutreffend. Die naturräumlichen Gegebenheiten sind für den Strassenbau aufgrund des tektonisch komplexen Gebiets eher ungünstig. Ausserdem fehlt dem Passwang vor allem eine gut ausgeprägte, von den Tälern aus sichtbare Übergangsstelle.
Eine topographisch-morphologische Besonderheit der Passwangstrasse besteht bei Neuhüsli unterhalb der Nordrampe, wo ein Bergsturz 1598 einen See aufstaute. Die Verlandungsebene des bereits im 18. Jahrhundert trockengelegten Gewässers ist heute noch teilweise zu erkennen, die Strasse wird über einen künstlichen Damm, genannt Schanz, daran vorbeigeführt.
Geologie und Geomorphologie mini|hochkant|Passwang-Nordseite beim Zingelentunnel mit charakteristischer Fluh Das Passwanggebiet ist Teil des Kettenjuras und zeichnet sich durch einen sehr unübersichtlichen Ketten- bzw. Faltenverlauf aus. Jüngere Störungen, die sich durch die Auffaltung des Kettenjuras ergaben, verschnitten sich mit älteren Störungen, die auf das Einsinken des Rheintalgrabens zurückgehen. Durch horizontalen Schub wurde die Sedimentdecke auf den salz- und gipsführenden Tonen des mittleren Muschelkalkes abgeschert und zu Falten aufgeworfen. Die grosse Rheintalflexur bewirkte dabei eine Versteifung. Als sichtbare Folge dieser Vorgänge existiert in diesem Gebiet eine Vielzahl von Kurzketten (Brachyantiklinalen). Aufgrund weiteren Vorschiebens der Ketten östlich der versteiften Flexur reissen die Falten häufig auf und Querbrüche entstehen, die meistens als Transversalverschiebungen erscheinen.
Die Passwangkette besteht im Kern aus Braunem Jura, der auf einer Länge von zwölf Kilometern nach Norden überschoben und teilweise aufgerissen wurde. Die Tektonik bestimmen zwei grosse Querbrüche im Bereich zwischen dem Scheltenpass und Nunningen. Eine sekundäre, nach Norden überliegende Faltung tritt an der Hohen Winde hinzu. Die Südseite der Passwangkette ist zwischen Scheltenpass und Passwang steil, aber ohne Komplikationen. Vom Scheiteltunnel der Passstrasse (Zingelentunnel) ostwärts beginnt das Massiv zu überkippen und ist durch verschiedene Störungen zerrissen. Die dadurch entstandene Lücke wurde für den Bau der Passwangstrasse genutzt. Beispielsweise beim Zingelentunnel zeigt sich der komplexe geologische Bau der Kette: Am Nordportal steigt der Braunjura-Südschenkel fast senkrecht und überkippt an der glatten Fluh. Bis zur Tunnelmitte folgt ein Paket gewellter bis etwa horizontal liegender Schichten des oberen Braunjuras. Am Südportal verläuft die Tunnelröhre in einem bergwärts einfallenden, zerklüfteten und zerrütteten Sackungskomplex des oberen Hauptrogensteins.
Bei Limmern nördlich von Mümliswil besteht am Südosthang des Vogelbergs das Schweizer Geotop Nr. 116. Dabei handelt es sich um gut erhaltene Stromatolithe aus der Lias-Zeit mit einem Alter von 177 Millionen Jahren. Diesen algenähnlichen Gebilden wird ein hoher wissenschaftlicher Wert zugeschrieben, wenngleich sie sich ökologisch nicht eindeutig interpretieren lassen. Als Erzeuger kommen sowohl Algen und Pilze als auch Bakterien in Frage. Der Aufschluss ist Teil eines der wenigen vollständigen Lias-Profile (Rhät bis Opalinuston) des Faltenjuras.
Das Belchen-Passwang-Gebiet ist mit der Nummer 1012 im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung eingetragen. Dies wird unter anderem mit der weitgehend intakten und typischen Landschaft des östlichen Faltenjuras und dem grossen geomorphologischen Formenschatz begründet.Beschreibungen der BLN-Objekte. Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesamt für Umwelt BAFU. 26. Februar 2019. Abgerufen am 6. Februar 2020. Dokument BLN 1012 Belchen-Passwang-Gebiet.pdf enthalten in der dort verlinkten ZIP-Datei 10 Ketten- und Plateaujura.
Passwangstrasse Geschichte mini|Pflästerung der alten Passwangstrasse (Südseite) in der Nähe der Passhöhe Der ursprüngliche Weg über den Passwang ist bereits seit dem Mittelalter als «öffentliche Strasse» belegt. Indizien wie ein Fund römischer Münzen in Erschwil an der Passwangstrasse lassen die Vermutung zu, dass der Übergang schon in römischer Zeit benutzt wurde, aber Klarheit sei diesbezüglich, so Max Banholzer 1975, nicht zu gewinnen. Der südseitige Teil des Wegs befand sich östlich vom heutigen Strassenverlauf. Auf beiden Seiten bestanden erhebliche Steigungen und der Pass war bis ins 18. Jahrhundert schwierig zu befahren. Eine gewisse Bedeutung hatte er für den Kanton Solothurn, seit dieser im 15. und 16. Jahrhundert die heute als Schwarzbubenland bekannten Gebiete erworben hatte, als Verbindung in den südlichen Kantonsteil und zur Hauptstadt Solothurn, aber für den Handelsverkehr zwischen Basel und Solothurn dienten die beiden Hauenstein-Pässe. Um teure Basler Zölle auf aus Lothringen bezogenes Salz zu umgehen, strebte Solothurn zu Beginn des 18. Jahrhunderts an, dieses vom Elsass über fürstbischöfliches Gebiet einzuführen. Zu diesem Zweck wurde die Passwangstrasse von 1729 bis 1732 ausgebaut. Die Strasse hatte aber weiterhin einen schlechten Ruf; so schrieb Urs Peter Strohmeier in seiner Beschreibung des Kantons Solothurn 1836:
Unter anderem aufgrund von Basler Gegenmassnahmen (Verbesserung der Strasse über den Oberen Hauenstein, Zollermässigungen), aber auch wegen der starken Steigungen und der von der fürstbischöflichen Regierung nicht wie vereinbart erstellten Verbindung Allschwil–Reinach erlangte die Passwangstrasse nicht die Bedeutung, die ihr der Kanton Solothurn damals zugedacht hatte.