mini|Wappen von Wilhelm von Savoyen. Buchmalerei aus dem 13. Jahrhundert Wilhelm von Savoyen (* um 1201; † um 1. November 1239 in Viterbo) war ein gewählter Bischof von Valence sowie Bischof von Lüttich. Er trat weniger als Kleriker, sondern auch als beeindruckender Krieger und vor allem als Diplomat in Erscheinung. Durch geschickte Verhandlungen begründete er die internationale Bedeutung seiner Familie im 13. Jahrhundert.
Herkunft Wilhelm entstammte dem Haus Savoyen. Er war vermutlich der viertälteste Sohn von Graf Thomas I. von Savoyen und dessen Frau Beatrix von Genf. Sein Vater war ein bedeutender Adliger mit Besitzungen im damaligen Königreich Arelat und in Norditalien. Als jüngerer Sohn war für Wilhelm eine Karriere als Geistlicher vorgesehen. Durch den Einfluss seines Vaters wurde er vor 1224 Dekan des Domkapitels von Vienne sowie 1224 zum Verwalter des vakanten Bistums Valence ernannt. Am 6. Oktober 1225 bestätigte Papst Honorius III. die Wahl von Wilhelm von Savoyen zum Bischof von Valence.D. Dudley Stutz: Papal Legates against the Albigensians: The Debts of the Church of Valence (1215–1250). In: Traditio, Band 68 (2013), S. 264. Dazu soll er bereits 1220 Benefiziate in England erhalten haben,Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 15. auf die er aber verzichtete, nachdem er zum Bischof von Valence gewählt worden war.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 59. Trotz seiner Wahl blieb Wilhelm aber nur Elekt und unternahm keine Anstalten, seine Weihen zum Bischof oder auch nur zum Priester zu erhalten.
Bischof von Valence Kampf gegen Aymar II. von Poitiers-Valentinois In Valence übernahm Wilhelm eine schwierige Aufgabe. Die Bürger der Stadt wünschten sich mehr Freiheiten vom Bischof, während der römisch-deutsche Kaiser Friedrich II. im Königreich Arelat kaum noch seine Hoheit durchsetzen konnte. Dies führte dazu, dass es in der Region zu zahlreichen Fehden zwischen den Territorialherren der Region kam.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 35. Kurz nach seiner Wahl zum Bischof musste Wilhelm den Versuch von Graf Aymar II. von Poitiers-Valentinois abwehren, die an der Grenze des Territoriums der Diözese Valence gelegene Stadt Crest zu besetzen. Das strategisch wichtige Crest besaß zwei Burgen, von denen eine bereits im Besitz von Aymar II. war. Wilhelm konnte darauf Silvion de Crest, den Besitzer der zweiten Burg, überzeugen, die Burg sowie seine Rechte an Aouste und Divajeu im Tausch gegen andere Besitzungen der Diözese Valence zu überlassen. Silvion nahm das Angebot an, so dass es nun zum Konflikt zwischen der Diözese Valence und Aymar II. kam.D. Dudley Stutz: Papal Legates against the Albigensians: The Debts of the Church of Valence (1215–1250). In: Traditio, Band 68 (2013), S. 265. Silvion selbst wurde Geistlicher, worauf Wilhelm ihn zum Dekan des Kathedralkapitels von Valence ernannte.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 36. Daraufhin kam es zum Krieg mit Graf Aymar II., den Wilhelm wohl mit Unterstützung seines Vaters besiegen konnte. Aymar II. musste 1227 Frieden mit dem Bischof schließen. Wenig später mischte sich Wilhelm in einen Familienstreit zwischen Aymar II. und Flotte de Royans, der Witwe seines verstorbenen Sohns Guilleaume ein. Guilleaume hatte in seinem Testament verfügt, dass sein minderjähriger Sohn und Erbe Aymar nicht in die Obhut seines Vaters, sondern in die seiner Frau und zweier Barone, Ademar de Bressieux und Heracle de Montlaur gegeben wurde. Die bedrängte Flotte wandte sich an Wilhelm um Unterstützung, der ihr und dem Erben Zuflucht gewährte. Für seine Unterstützung erhielt Wilhelm die Burgen von Upie und Montoison sowie 45.000 Solidi in bar. In diesem Moment rebellierten die Bürger von Valence gegen den Bischof und verjagten dessen Beamte aus der Stadt. Wilhelm exkommunizierte die Anführer der Rebellion, verhängte über die Stadt das Interdikt und zog eine Armee zusammen. Angesichts der Entschlossenheit des Bischofs waren die Rebellen rasch zu Verhandlungen bereit, wozu sicher auch das Schicksal von Crest beitrug, das 1218 während eines Albigenserkreuzzugs erobert worden war.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 37. Im September 1229 schloss Wilhelm mit den Bürgern in Tournon einen Vorfrieden, dem am 23. Oktober 1229 der Friedensschluss folgte. In diesen Verhandlungen konnte Wilhelm seine Stellung als Stadtherr behaupten. Dazu musste die Stadt eine hohe Strafe von 6000 Mark zahlen, die Wilhelm aber im nächsten Jahr auf 6000 Pfund viennois reduzierte.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 38. Über den weiteren Verlauf der Fehde zwischen Wilhelm und Aymar II. ist wenig bekannt, doch Wilhelm konnte sich durch die Unterstützung seines Bruders Amadeus IV. und wahrscheinlich auch die seines Onkels, Graf Wilhelm II. von Genf, gegen seine Gegner durchsetzen. Im Oktober 1231 lud er Aymar II. und dessen Verbündeten, den Baron Aymon II. von Faucigny zu Verhandlungen auf die Burg von Pierre-Châtel ein. Während der Verhandlungen gelang es ihm, Aymon von Faucigny von seinem Bündnis mit Aymar II. zu lösen, wobei er diesem offenbar Zugeständnisse machte. Dazu wurde die Heirat der verwitweten Flotte de Royan mit dem ebenfalls verwitweten Aymon von Faucigny vereinbart. Flotte erhielt eine Mitgift von 40.000 Solidi viennois. Um diese Summe aufzubringen, übergab Aymar seine Burg bei Crest an Aymon von Faucigny. Dieser gab die Burg, die von seinen Besitzungen weit entfernt isoliert lag, zur Verwaltung an den Bischof von Valence. Mit dieser Vereinbarung hatte Wilhelm das gegen ihn gerichtete Bündnis aufgelöst und dazu selbst die strategisch wichtige Burg von Crest erworben.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 39. mini|Die Kathedrale von Valence, wo Wilhelm ab 1224 Bischof war
Erhebung eines Zehnts zugunsten des Bistums Valence 1232 erhob Papst Gregor IX. von zahlreichen Prälaten in Okzitanien einen Zehnten, damit das Bistum Valence seine Schulden von 10.000 Livre Tournois bei Bankiers in Rom, Vienne, Lyon und Siena zurückzahlen konnte.D. Dudley Stutz: Papal Legates against the Albigensians: The Debts of the Church of Valence (1215–1250). In: Traditio, Band 68 (2013), S. 259. Die Schulden hatte der Bischof wegen seines jahrelangen Kriegs gegen Aymar II. von Poitiers-Valentinois aufgenommen. Bis 1239 setzte sich der Papst drei weitere Mal für Bischof Wilhelm ein.D. Dudley Stutz: Papal Legates against the Albigensians: The Debts of the Church of Valence (1215–1250). In: Traditio, Band 68 (2013), S. 267. Der Einsatz des Papstes zugunsten eines eher unbedeutenden Bischofs war ungewöhnlich und traf auf den Widerstand der betroffenen Prälaten. Der Papst reduzierte schließlich die verlangten Abgaben, doch bis 1241 wurde der Zehnt erhoben.D. Dudley Stutz: Papal Legates against the Albigensians: The Debts of the Church of Valence (1215–1250). In: Traditio, Band 68 (2013), S. 274. Der Grund für diese außergewöhnliche Unterstützung war wahrscheinlich, dass Aymar II. ein enger Verbündeter des Grafen von Toulouse war. Deshalb sah der Papst den Kampf gegen Aymar II. als Teil des Kampfes gegen die Albigenser.D. Dudley Stutz: Papal Legates against the Albigensians: The Debts of the Church of Valence (1215–1250). In: Traditio, Band 68 (2013), S. 276.
Verhältnis von Wilhelm zu seinen Brüdern Im Frühling 1232 bezeugte Wilhelm die Vergabe an Privilegien an Chambery durch seinen Vater. Nach dem Tod seines Vaters vermittelte er im Mai 1233 erfolgreich in einem Konflikt zwischen seinem Bruder Aymon und dem Bischof von Sion. Wie in anderen Konflikten im Valentinois verteidigte Wilhelm dabei die Rechte der Kirche gegenüber lokalen Baronen, auch wenn dieser sein eigener Bruder war. Im Februar 1234 konnte Wilhelm einen Heiratsvertrag zwischen seinem Bruder Peter und Agnes, der jüngeren Tochter von Aymon II. de Faucigny vermitteln.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 40. Wilhelm hatte vermutlich erheblichen Anteil daran, dass nach dem Tod seines Vaters angesichts des ungeklärten Erbrechts zwischen seinen Brüdern kein Erbstreit entstand.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 34. Im Juni 1234 fand eine Konferenz der Brüder auf Burg Chillon statt, bei der eine Aufteilung des umfangreichen, aber verstreuten Familienbesitzes verhindert und das Erbe geregelt wurde.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 42.
Tätigkeit in England Rolle bei der Heirat seiner Nichte Eleonore Im Mai 1234 war Wilhelm in Lyon, wo er den Heiratsvertrag zwischen seiner Nichte Margarete und König Ludwig IX. von Frankreich bezeugte. Wahrscheinlich nahm er auch an der Hochzeit in Sens teil.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 44. Wenig später war er an den Verhandlungen beteiligt, die zur Heirat von Margaretes Schwester Eleonore mit dem englischen König Heinrich III. führten.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 46. Anschließend sollte er Eleonore nach England geleiten, doch die Reise verzögerte sich, weil er im April 1235 erneut vom Papst die Erlaubnis erhalten hatte, in der Kirchenprovinz Vienne eine Steuer zu erheben. Mit den Einnahmen aus dieser Steuer konnte er einen weiteren Teil seiner erheblichen Schulden zurückzahlen.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 47. Bis September 1235 hatten Wilhelm und Eleonore die Champagne oder Paris erreicht, doch dann reiste Wilhelm zunächst zu Kaiser Friedrich II. nach Deutschland. Im Dezember 1235 war er beim Kaiser in Hagenau, wo ihm der Kaiser 8000 Mark als Entschädigung für Verluste im Krieg gegen Aymar II. zusprach.Eugene L. Cox: The Eagles of Savoy. The House of Savoy in Thirteenth-Century Europe. Princeton University Press, Princeton 1974, S. 48. Anfang Januar 1236 erreichte er mit Eleonore England, wo dann am 14. Januar in Canterbury die Heirat von Eleonore mit dem englischen König stattfand.
Politischer Einfluss in England