Antón Lamazares (* 2. Januar 1954 in Maceira, einem Dorf in der galicischen Provinz Pontevedra) ist ein spanischer Maler. Sein Stil entwickelte sich von einem anfänglich spielerischen Expressionismus in Richtung Informel und Abstraktion. In seinen neueren Arbeiten zeigt sich eine minimalistische Tendenz. Seine Werke sind international verbreitet und befinden sich unter anderem im Nationalmuseum Reina Sofía, dem Galicischen Zentrum für Zeitgenössische Kunst und dem Museum für Zeitgenössischen Kunst in Madrid, sowie in zahlreichen privaten Sammlungen und Stiftungen. mini|Antón Lamazares, 2005
Leben Die ersten Jahre: Malerei und Poesie (Galicien, 1954–1977)
mini|240px|links| Kunstwerke der Serien Sueño e colorao und Titania e BraoLamazares’ Geburtsort Maceira ist ein Dorf in Lalín (Pontevedra, Spanien). Von 1963 bis 1969 besuchte er die Schule des Franziskanerklosters von Herbón und lernte dort die Schriften der lateinischen und griechischen Klassiker kennen. Ende der sechziger Jahre begann er zu dichten und schloss Freundschaft mit dem Schriftsteller Álvaro Cunqueiro sowie den Malern Laxeiro und Manuel Pesqueira, die zu seinen ersten Bezugspersonen wurden.
Lamazares lernte autodidaktisch Malerei und trat 1972 seine erste Kunstreise an, auf der er insbesondere Vincent van Gogh, Paul Klee, Rembrandt und Joan Miró studierte. Anschließend arbeitete er in Barcelona als Bauarbeiter und konzentrierte sich sonst besonders auf die Sammlungen der romanischen Kunst im Museo Marés und im Museu Nacional d’Art de Catalunya. In Madrid nahm er erneut Kontakt zu Laxeiro auf. Er freundete sich ebenfalls mit dem Dichter Carlos Oroza an; der Austausch von Malerei und Poesie wurde zu einer Konstanten in seinen Kunstwerken.
1973, im Alter von 19 Jahren, zeigte er seine Bilder in Gruppen- und Einzelausstellungen. 1975 wurde er eingezogen. Aufgrund des Todes eines Freundes bei den letzten Erschießungen des diktatorischen Francoregimes versank er in eine tiefe Depression und wurde in die Psychiatrie eingewiesen; während dieser Zeit schrieb er seine Gedichtsammlung Adibal.
Vom Expressionismus und Arte Povera zu der doppelseitigen Malerei (Madrid-New York, 1978–1989) mini|255px|rechts|Mauro, aus Gracias vagabundas, in der Nationalgalerie Jordaniens 1978 verlegte er seinen Wohnort nach Madrid und befreundete sich dort eng mit dem Maler Alfonso Fraile, dem Kunstkritiker und Dichter Santiago Amón, und dem Neurologen Alberto Portera. In dessen Landhaus mit großem Außengelände in Mataborricos, wo sich an Wochenenden eine große Gruppe von Künstlern – Schriftstellern, Regisseuren, Musikern und Malern – traf, verwirklichte Lamazares 1979 eine Freiluftausstellung. Im selben Jahr lernte er Joan Miró persönlich kennen und reiste durch die Provence.
Die achtziger Jahre waren von intensiver Arbeit und großer Verbreitung seiner Kunstwerke geprägt. In seinen Bildern projizierte er Figuren mit spielerisch- und träumerischer Inspiration, expressionistischer Linie, einer intensiven Chromatik und einer mächtigen Originalität. Sein Werk wurde in der Galerie von Juana Mordó, in Madrid, bei Elisabeth Frank in Belgien und in der Sala Gaspar in Barcelona ausgestellt.
Mit einem Fulbright-Stipendium zog er für zwei Jahre nach New York, seine Malerei entwickelte sich hin zu einer reineren und materialorientierteren Konzeption und wurde in der New Yorker Galerie Bruno Fachetti ausstellt. Er teilte seinen Wohnsitz zwischen New York und Salamanca und reiste im Jahr 1988 durch Kleinasien und nach Istanbul. Die byzantinischen Kirchen und deren Bildlichkeit finden sich in seinen neueren Werken wieder. 1990 konzipierte er eine neue Serie, die er bifrontes (Doppelseitige) tauft, da sie von beiden Seiten betrachtet werden können.
Die bildhauerische Kunst und Großformate (Paris-Madrid, 1990–2003) mini|200px|links|Antón Lamazares in seinem Atelier Von 1990 bis 1991 lebte Lamazares mit einem Stipendium der Cité des Arts in Paris. 1991 eröffnete er ein großes Atelier in Madrid, in dem er an seinen Serien Gracias vagabundas (Wandernde Grazien) und Desazón de vagabundos (Unruhe der Vagabunden) arbeitete. 1993 veröffentlichte er ein umfangreiches Interview mit Antoni Tàpies aus Anlass seiner Prämierung des Goldenen Löwen bei der Biennale Venedig. Vom Galicischen Zentrum für Zeitgenössische Kunst eingeladen, blieb er von Mai bis November in Galicien und malte dort die Serie Gracias do lugar: Eidos de Rosalía, Eidos de Bama (Charme des Ortes: Rosalías Felder, Bamas Felder). Von Juni bis November 1997 malte er in Santa Baia de Matalobos im Freien Bés de Santa Baia. Eine mehrstündige Konversation mit dem Bildhauer Jorge Oteiza wurde von der Regisseurin Chus Gutiérrez gefilmt. 1998 malte er in Madrid die Serien Titania e Brao, eine Hommage an den kastilischen Sommer, sowie Pol en Adelán.
Er führte außerdem Graphikarbeiten aus, darunter die Lithographien, die fünf Texte von Gustavo Martín Garzo in dem Künstlerbuch El Canto de la Cabeza (Galería Sen, Madrid) illustrieren sowie die Illustrationen zum Itinerarium der Egeria. 2001 realisierte er eine große Ausstellung in der Hafenstation von A Coruña, unter dem Titel Un saco de pan duro (Ein Sack voll hartem Brot).
Seine Arbeit wurde zur internationalen Promotion von dem Programm „Spanische Kunst im Ausland“ vom Außenministerium (SEACEX) ausgewählt, zusammen mit anderen spanischen Künstlern wie Antonio Saura, Martín Chirino, Joan Hernández Pijuan, Millares, Pablo Serrano, Oteiza oder Tàpies. Lamazares reiste nach Florenz und Assisi, um sich Kunstwerken der Renaissance anzunähern, sowie dem Universum des heiligen Franziskus, dem er seine neue Serie Follente Bemil widmete.
Von der Abstraktion zum poetischen Minimalismus (Berlin, 2004 bis 2016) mini| Ausstellung von Domus Omnia in Santiago de Compostela Lamazares verlegte seinen Wohnort nach Berlin, wo er von 2004 bis 2016 lebte. Nach dem Tod seines Vaters begann er die Serie E fai frío no lume (Es ist kalt im Feuer). Er realisierte große Ausstellungen in Slowenien und Budapest.
mini|300px|links|Ausstellung von Lamazares in New York, 2009 Danach widmete er sich der Serie Domus Omnia.
2009 stellte er sein Werk im Queen Sofía Spanish Institute in New York sowie im Kulturellen Zentrum der Abgeordneten in Orense (Spanien) aus. Er erhielt den Laxeiro-Preis für seinen „Werdegang sowie die nationale und internationale Ausstrahlung“. 2010 wurde seine Arbeit in der Universitätskirche in Santiago de Compostela ausgestellt.
Der Dokumentarfilm Horizonte sin dueño (2010, Regie Nayra und Javier Sanz) beschrieb Malerei, Poesie und Natur aus der Perspektive von Antón Lamazares.
Literatur AMÓN, Santiago, "La pintura de Lamazares y la luz crepuscular", Lamazares 1978-1986, La Coruña, Durán, 1986.
Einzelnachweise
Weblinks Homepage Dokumentarfilm über Lamazares bei Play-Doc (auf Englisch) (auf Englisch) Kunstwerke von Lamazares von der Colección Caixanova (auf Englisch) La pintura de Lamazares y la luz crepuscular von Santiago Amón (auf Spanisch) (auf Spanisch; PDF; 10,9 MB)
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