The Grand Wazoo ist ein Jazzrock-Album von Frank Zappa aus dem Jahr 1972. Es folgt stilistisch den Jazzrock-Alben Hot Rats aus dem Jahr 1969 und Waka/Jawaka, das im selben Jahr veröffentlicht wurde. Es wurde auch als Hot Rats 3 bezeichnet.

Das Album Mit dem Vorgängeralbum Waka/Jawaka (1972) begann eine neue Periode, als sich Frank Zappa nach der abgebrochenen Tournee 1971/72 – er stürzte von der Bühne – dem Komponieren zuwandte. Trotz seiner Verletzung unternahm Zappa mit seiner neuen Formation Grand Wazoo 1972 eine weitere Tournee mit acht Konzerten, hauptsächlich in Europa. Diese Formation leitete ihren Namen von dem im selben Jahr erschienenen Album ab, in dem Zappa ein großes Orchester mit Musikern versammelte, die hauptsächlich aus der Jazzszene kamen, wie die Saxophonisten Anthony Ortega und Ernie Watts oder der Posaunist Billy Byers; „er bevorzugt[e] diese Art von Formation, die einen Regenbogen musikalische[r] Nuancen erlaubt[e], unendlich subtiler und entwickelter als die beschränkte Gruppe, mit der er gewöhnlich arbeitet[e]“, so sein Biograph Alain Dister 1975.Alain Dister: Frank Zappa – Der Rebell aus dem Untergrund. Heyne, München 1980, S. 96 ff. In dem Klappentext des Albums machte sich der Bandleader, der „die frei erfundene und bizarre Legende des großen Wazoo erzählte,“ über seine Haltung lustig, „indem er einen noch viel verrückteren Wunsch ausspricht: Er sieht sich als Kaiser irgendeines dekadenten antiken Regimes, der eine Armee leitet von 5000 verschiedenen Blechblasinstrumenten (Luftstreitkräfte), 5000 verschiedenen Perkussionisten (Artillerie), 5000 Musiker, die diverse elektronische Instrumente spielen (chemopsycho-bakteriologische Waffen) (...) Dadaistische Situationsdarstellung der Realität der von Zappa gebotenen Musik gegenüber dem ungereimten, vom Showbusiness ausgebrüteten Zeug zur Verdummung der Massen“. Mit diesem konzeptuellen Werk schloss Zappa an seine früheren Produktionen Uncle Meat (1968) und 200 Motels (1971) an. Dieses Experiment war allerdings nur von kurzer Dauer: Die Musiker, die dieses Album eingespielt hatten, waren andere als jene, die dann 1972 auf Tournee gingen; die Band erlebte dann den Eintritt der Brüder Bruce und Tom Fowler, die am folgenden Album Over-Nite Sensation mitwirkten.

Titelliste Nr. Titel Dauer 1. The Grand Wazoo 13:20 2. For Calvin (And His Next Two Hitch-Hikers) 6:06 3. Cletus Awreetus-Awrightus 2:57 4. Eat That Question 6:42 5. Blessed Relief 8:00

Rezeption Eine zeitgenössische deutschsprachige Besprechung erschien im April 1973 in der Musikzeitschrift Sounds. Jan H. Kryst bemängelte darin einleitend, Zappas Vertragsfirma habe „innerhalb von vier Monaten“ eine zweite LP „auf den bundesrepublikanischen Markt“ geworfen, „ohne sich vorher um die erste genügend gekümmert zu haben“. Musikalisch verstand er The Grand Wazoo und Waka/Jawaka als Einheit und zog den Vergleich zu Miles Davis: Wer sich In a Silent Way angehört habe, habe sich ganz bestimmt auch Bitches Brew zugelegt, und ebenso brauche man beide Zappa-Alben, „um Franks ganzes Spektrum erfassen zu können“. Die fünf Stücke wiesen dasselbe Gerüst auf wie Waka/Jawaka, auch die Besetzung sei dieselbe und zwischen den Arrangements und den strukturellen Abläufen gebe es keinen Unterschied, lediglich die Rhythmussektion spiele „viel vitaler und überzeugender“. Am deutlichsten trete das Zusammenspiel von Aynsley Dunbar, Erroneous, Robert Zimmitti und Alan Estes in The Grand Wazoo und Eat That Question hervor. Kritisch äußerte sich Kryst über den Trompeter Sal Marquez, dem „außer den Miles Davis’schen Sequenzen nichts eigenes einfällt“, sowie über den Posaunisten Billy Byers, der „so etwas Jazzartiges bläst, was eigentlich nur von einem Popposaunisten stammen könnte“. Auch dass Zappa in einem Stück statt des Pianisten George Duke den Mini-Moog-Spieler Don Preston einsetzte, hielt er für einen Fehlgriff. Als grandiose Nummer des Albums hob er nicht den Titeltrack hervor, sondern Eat That Question, als Überraschung der zweiten Plattenseite Blessed Relief, in dem sich Marquez erstmals vom Vorbild Davis löse und mit „glänzende[n] Soli“ und „warme[m] Ton“ eigene Wege beschreite. Sein Fazit lautete, es werde lange dauern, bis die Musikfans Zappa neben John Coltrane, Pharoah Sanders und Keith Jarrett auf der einen und den Beach Boys, Deep Purple und den Rolling Stones auf der anderen Seite mit Begeisterung hörten, denn: „‚The Grand Wazoo‘ ist GRAND.“

The Grand Wazoo erreichte keine Platzierung in den Billboard 200 Charts. Der Anglist Kelly Fisher Lowe bemerkt, dass das Album eine kompositorische Weiterentwicklung Zappas dokumentiere. Generell wurde das Album, wie der Vorgänger Waka/Jawaka, von der Kritik eher positiv aufgenommen. Alain Dister hob die Rolle des Schlagzeugers Aynsley Dunbar hervor, der „der Band eine für die Idiome des Pop sehr charakteristische rhythmische Pulsation [verlieh]: ein kräftiger Beat, der jeden Solisten antreibt und auf dem die ganze Rhythmusstruktur der Gruppe zu beruhen scheint.“

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Frank-Zappa-Album Kategorie:Album (Fusion) Kategorie:Album 1972