mini|hochkant|Juri Kondratjuk (1941) Juri Wassiljewitsch Kondratjuk (; , eigentlich ukr. ; russ. ; * in Poltawa, Oblast Poltawa, Russisches Kaiserreich; † 25. Februar 1942 bei Kaluga, RSFSR, Sowjetunion) war ein ukrainischer und sowjetischer Ingenieur und Theoretiker der Raumfahrt. Er war der Erste, der ein Mondumlaufbahn-Rendezvous vorschlug.
Leben Sein Vater, Ignati Benediktowitsch Schargei studierte Physik und Mathematik an der Universität Kiew. Seine Mutter, Ljudmila Lwowna Schlippenbach war evtl. eine Nachfahrin des Wolmar Anton von Schlippenbach und lehrte dort Französisch. Nach der Scheidung der Eltern wuchs er bei seiner Großmutter väterlicherseits auf. Er studierte, bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs, am Polytechnischen Institut in Petrograd. Während seines Militärdienstes füllte er vier Notizbücher mit seinen Ideen zum interplanetaren Raumflug, einschließlich eines modularen Raumschiffs, um den Mond zu erreichen. Sie beinhalteten detaillierte Berechnungen der Trajektorie, die heute als Kondratyuk's route oder Kondratyuk's loop bekannt sind. 1925 traf er Wladimir Wettschinkin und sandte ihm ein Manuskript seines Buchs. mini|hochkant|Kondratjuks Grabmal im Rajon Bolchow (Oblast Orjol) Nach der Russischen Revolution verließ er die Armee, kehrte nach Poltawa zurück und arbeitete als Heizer. In dieser Zeit großer Armut kam er in Kontakt mit Gleichgesinnten. 1924 gründete er zusammen mit Konstantin Eduardowitsch Ziolkowski und Friedrich Arturowitsch Zander die Gesellschaft zum Studium der interplanetaren Reisen (). Als er im folgenden Jahr nach Polen flüchten wollte, wurde er an der Grenze festgehalten. Da sich bei ihm Symptome von Typhus zeigten, sparte man sich die Kugel. Ein Nachbar konnte ihn jedoch Zuhause gesundpflegen. Seine Freunde überzeugten ihn, dass er als früherer Offizier in der zaristischen Armee Gefahr lief, als Feind des Volkes festgenommen zu werden, und besorgten ihm falsche Ausweispapiere von einem 1900 in Luzk geborenen Juri Wassiljewitsch Kondratjuk, der 1921 an Tuberkulose gestorben war. Mit dieser neuen Identität siedelte er um nach Nowosibirsk, wo er als Mechaniker arbeitete und sein Manuskript fertigstellte. Obgleich seine Anhänger in Moskau davon begeistert waren, fand sich kein Verleger, der ein derart phantasievoll anmutendes Werk veröffentlichen wollte. Er bezahlte einen Drucker, der 2000 Kopien seines 27-seitigen Werks anfertigte, und im Januar 1929 veröffentlichte er seine Arbeit Erforschung des interplanetarischen Raumes.
Er baute einen großen Getreide-Elevator ohne einen einzigen Nagel. 1930 kam man im Innenministerium der UdSSR wegen der 'fehlenden' Nägel auf die Idee, dass Kondratjuk ein Saboteur sei, der das Werk zum Einsturz bringen wolle, und ließ ihn zu drei Jahren Gulag verurteilen, wo er in die Scharaschka kam. Hier sollte er Maschinen für die Kohlengruben im Kusnezker Becken entwickeln und beeindruckte mit seiner Erfindungsgabe. Im November 1931 wurde er infolgedessen vom Gefangenen zum Deportierten umdeklariert und sollte an Getreide-Projekten arbeiten.
Er erfuhr von einem, vom Volkskommissar Grigori Konstantinowitsch Ordschonikidse ausgeschriebenen Wettbewerb zum Entwurf einer großen Windkraftanlage auf der Krim. Zusammen mit Nikolai Wassiljewitsch Nikitin und anderen deportierten Ingenieuren reichte er einen Entwurf ein.
1941 meldete sich Kondratjuk freiwillig zur Roten Armee. Er fiel vermutlich am 25. Februar 1942 in der Nähe des Dorfes Kriwtsowo in der Oblast Kaluga. Space-Memorial, (russisch) space-memorial.narod.ru; abgerufen am 8. Mai 2015; mit Verweis auf: Книге памяти погибших и пропавших без вести в Великой Отечественной войне. Том 7.
Ehrungen mini|Ukrainische Gedenkbriefmarke Ju. W. Kondratjuk
Nach Kondratjuk benannt wurden u. a. 1970 ein Krater auf der Rückseite des Mondes,Gazetteer of Planetary Nomenclature. planetarynames.wr.usgs.gov (englisch); abgerufen am 8. Mai 2015. 1977 der Asteroid (3084) Kondratyuk, 1992 das Luft- und Raumfahrt-Lyzeum Nowosibirsk; nsc.ru; abgerufen am 19. Februar 2018.Homepage. nsc.ru (russisch); abgerufen am 8. Mai 2015. und 1997 die Technische Universität Poltawa.Homepage. pntu.com.ua (englisch); abgerufen am 8. Mai 2015. das Luft- und Raumfahrtmuseum in Poltawa erhielt auch den Namen von Kondratjuk. orenda.pl.ua Ferner sind die Skaly Kondratjuka in der Antarktis nach ihm benannt.
Literatur J. W. Kondratjuk: Завоевание межпланетных пространств [Erforschung des interplanetarischen Raumes]. 1929.In englischer Ausgabe The Conquest of Interplanetary Space. In: Journal of Automation and Information Sciences; begellhouse.com V. P. Hordulin, J. S. Jackiv: Der ukrainische Beitrag zur Weltraumforschung. In: Der Donauraum, 1994, Nr. 34, S. 126–127; . A. I. Maksimov: F. A. Zander and Yu. V. Kondratyuk, pioneers of rocket engineering. To the 120th anniversary of F. A. Zander and 110th anniversary of Yu. V. Kondratyuk. In: Thermophysics and Aeromechanics, 2007, 14, Nr. 4, S. 469–492; .
Weblinks
: „Gedächtnisworte der Raumfahrt“, space-memorial.narod.ru (russisch); abgerufen am 8. Mai 2015. Biografie. Ingenieure aus Russland (russisch); abgerufen am 8. Mai 2015. Artikel. Sternenwanderer aus Poltawa, tyzhden.ua (ukrainisch); abgerufen am 8. Mai 2015.
Einzelnachweise
Kategorie:Raumfahrtingenieur Kategorie:Raumfahrtpionier (Sowjetunion) Kategorie:Person als Namensgeber für einen Asteroiden Kategorie:Person als Namensgeber für einen Mondkrater Kategorie:Person (Poltawa) Kategorie:Person (Russisches Kaiserreich) Kategorie:Ukrainer Kategorie:Sowjetbürger Kategorie:Geboren 1897 Kategorie:Gestorben 1942 Kategorie:Mann