180px|mini|Johannes Rueber zu Pixendorf und Grafenwörth; Kupferstich 1601/1735
Hans (Johannes, Johann Baptist) Rueber (Rüber, Ruber), Freiherr zu Pixendorf (Püchsendorf, Puxendorff, Bixendorf, Büxendorff), Grafenwörth (Grafenwert, Gravenwerdt) und Sonnberg (; * 1529; † in Nagysáros [Sáros]) war kaiserlicher Feldoberst und österreichisch-ungarischer General in Diensten der Kaiser Karl V., Ferdinand I., Maximilian II. und Rudolf II.
Kindheit und militärische Laufbahn Hans Rueber wurde 1529 als Sohn von Christoph III. Rueber zu Pixendorf († 1581) und Appolonia Matseber (Maceber, Mattzeber) zu Judenau († nach 1567) geboren.
Vorfahren des Hans Rueber, Freiherrn zu PixendorfUrgroßelternChristoph I. Rueber, Pfleger der Araburg und der Burg am Kahlenberg († vor 1482) ⚭ Barbara von Pottenbrunn († nach 1482)Erasmus Thurnberger von Pixendorf ⚭ Ursula Schad von LengenfeldJohannes (Hanns) Matseber von Judenau ⚭ Anna von FronauChristoph Grabner auf Joslowitz, Herr zu Zagging († vor 1535), seit 1487 Herr zu Rosenburg, seit 1525 Herr zu Siebenbrunn ⚭ vor 1478 Hedwig Perger am Perg († vor 1502)GroßelternChristoph II. Rueber, Herr zu Wolkersdorf († nach 1536) ⚭ Barbara von Thurnberg(Hans) Wolfgang Matseber von Judenau, seit 1523 Herr auf Sonnberg († 1533) ⚭ Petronilla Grabner von Weitenegg und Zagging († nach 1547)ElternChristoph III. Rueber zu Pixendorf († 1581)Sein Bruder Leopold Rueber († 1556) war seit 1543 Abt von Göttweig; Grabstein in der Göttweiger Stiftskirche. Sein Bruder Wolf Rueber († 1555), Epitaph in Schloss Grafenenegg, heiratete I. 1544 Anna Maria Kuefsteiner († 1555), Tochter des Hans Lorenz von Kuefstein (1496–1547), und II. Catharina Kelberharter, und war der Vater von Leutnant Christoph Rueber († 1579), Elisabeth Rueber, verheiratet mit Melchior Maschko († um 1590), und Anna Rueber († 1585), verheiratete Wispeck; vgl. Österreichisches Staatsarchiv Wien (Hoffinanz-Ungarn RN 40. Konv. 1579.09.24, Blätter 207–209) u. a. ⚭ Apollonia Matseber zu Judenau († nach 1567)Hans Rueber Freiherr zu Pixendorf (* 1529; † 1584)
Hans Ruebers Vater Christoph III. Rueber und sein Onkel Ferdinand Rueber erwarben 1538 Pixendorf als Lehen. Die Herrschaft Grafenwörth im heutigen Bezirk Tulln, die 1524 Johann (Hans) Kelberharter innehatte, kam wohl über die Familien SteinbergerDie Herrschaft Kälberhart war 1534 im Lehnsbesitz der Erben von Georg Steinberger auf Strannersdorf und Kälberhart. und MatseberAchaz Matseeber († 1563), verheiratet I. mit Elisabeth Grabner, II. mit Regina Steinberger, war 1559 Besitzer der Herrschaft Kälberhart. an die Rueber. 1556 erbte Apollonia Rueber, die älteste Schwester von Hanns Matseber († 1556), mit dem die Familie ausstarb, Sonnberg und Judenau. 1559 wurden die beiden Herrschaften auf ihren Mann Christoph Rueber übertragen. Diese Erbschaft war in der Folgezeit Gegenstand verschiedener Prozesse zwischen den Familien Rueber, Gilleis, Schober, Grockhwitz und OttenhoferVgl. Viktor von Handel-Mazzetti (Bearb.): Urkunden und Acten aus dem Schlossarchive Aurolzmünster. In: Jahresbericht des Museums Francisco-Carolinum. Band 56 (1898), S. 1–88; 58 (1900), S. 1–149 passim (); Georg Grüll (Bearb.): Herrschaftsarchiv Aurolzmünster, Linz 1954, passim (; 557 kB).. Der Streit um das Erbe Matseber wurde anlässlich des Speyerer Reichstags 1570 im kaiserlichen Hofrat verhandelt, ohne dass eine Entscheidung getroffen wurde.Vgl. Ludwig I. von Wittgenstein (1532–1605): Diarivm Lvdovici Comitis Witgensteinii … Anni MDLXX. In: Heinrich Christian von Senckenberg (Hrsg.): Sammlung von ungedruckt- und raren Schriften, zu Erläuterung … der Geschichten von Teutschland, Bd. II. Johann Friedrich Fleischer, Frankfurt am Main 1745, S. 1–104, bes. S. 14 (Google-Books). Im Dezember 1574 wurde auf Veranlassung von Kaiser Maximilian II. im Wiener Landhaus ein Vergleich geschlossen, bei dem die Rueber der Erbschaft erhielten. 1561 kaufte Christoph Rueber vom Stift Göttweig die Herrschaft Katzelsdorf. Vom Bistum Passau trugen die Rueber Greifenstein und Altenberg zu Lehen.Vgl. Gustav Winter (Bearb.): Banntaidung und Rechte zu Greifenstein und Altenberg. 1581 Sept. 28. In: Österreichische Weistümer, Bd. IX/3 Niederösterreichische Weistümer. Das Viertel Ob dem Wienerwalde. Wilhelm Braumüller, Wien / Leipzig 1909, S. 8–20.
In der Leichenpredigt wird Hans Rueber als „klein von Statur und mit einer schwachen Stimme begabt“ charakterisiert. Er besuchte die Landschaftsschule in Wien; einer seiner Mitschüler war der spätere Hofkriegsrat-Präsident Wilhelm Freiherr von Hofkirchen (um 1529–1584).So die Angaben in der Leichenrede auf Hans Rueber, S. 26f; vgl. auch Gerhard Robert Walter von Coeckelberghe-Dützele / Anton Köhler, Curiositäten- und Memorabilien-Lexicon von Wien, Bd. II, Wien 1846, S. 148. Lebensdaten Hofkirchens nach der ADB: um 1511–1586. Seine Kavaliersreise führte ihn nach Italien, Spanien, Frankreich und Belgien (Spanische Niederlande).
Rueber trat unter König Philipp II. von Spanien bzw. unter dem Feldherrn Ferrante I. Gonzaga (1507–1557) in die Dienste Kaiser Karls V. ein und sammelte in Italien (Piemont) und Südfrankreich (Gallia Narbonensis) in den Italienischen Kriegen erste militärische Erfahrungen. Am Zug des Moritz von Sachsen (1521–1553) nach Ungarn 1552 gegen die Türken konnte er nicht wie geplant teilnehmen, weil er sich während der häuslichen Vorbereitungen bei einer Schwarzpulver-Explosion verletzte. Hans Rueber kämpfte 1552 unter Emanuel Philibert von Savoyen (1528–1580) in Flandern; 1553 nahm er unter Philipp II. von Eberstein (1523–1589) an der Belagerung von Hesdin teil. In der Gegend des späteren Philippeville wurde er schwer verwundet. 1556 kämpfte Rueber mit Erzherzog Ferdinand I. (1503–1564) gegen die Türken in Ungarn und half im selben Jahr, die Festung Szigetvár bei ihrer ersten Belagerung zu entsetzen. Nach einem Vorstoß zur Rückeroberung von Schloss Babócsa wurde er zusammen mit Nikola Šubić Zrinski (Nikolaus Schubitsch von Serin) (* 1508 oder eher 1518; † 1566), Nikolaus von Polweiler (1525–1588), Otto Heinrich von Puchheim († 1577) und einem „Gylis“ – vermutlich Wolfgang Georg I. Gilleis (1530–1593) – zum Ritter geschlagen.Vgl. Johannes Sleidanus: Der Erste Theyl Ordenlicher Beschreibunge vnnd Verzeychnisse allerley fürnemer Händel. Theodosius Rihel, Straßburg 1575, S. 868 (Google-Books); Johann Hieronymus Im Hof: Relatio Historico-Politica. Johann Hofmann, Nürnberg 1684, S. 59 (Google.Books). 1558 nahm Hans Rueber an der Schlacht bei Gravelines (niederländisch Grevelingen) teil.
Im Juni 1560 nahmen der „Gestreng Herr Hans Rüber zu Pichsendorff und Suneberg, Ritter“ als Hauptmann über 50 Reiter und sein Bruder Ferdinand an den von Erzherzog Maximilian zu Ehren von Herzog Albrecht V. von Bayern veranstalteten Turnieren in Wien teil; Ritter (eques auratus) Iohannes Rueber trat als Anführer seines Haufens unter der Devise Gott allein die Ehr an.Vgl. Johann von Francolin: Rerum praeclare gestarum intra et extra moenia civitatis Viennensis … Anni domini M.D.LX. R. Hofhalter, Wien o. J. [um 1561], Blatt XIIII (Google-Books); Georg Rüxner, Jost Amman: ThurnierBuch. Feyerabend und Hüter, Frankfurt am Main 1566, unpaginiert (Scan 30, 32, 66, 116, 127) (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München). Der kaiserliche Sekretär Paul Pfinzing von Henfenfeld (1523–1570) korrespondierte 1563 wegen einer Bestallung von Hans Rueber aus Madrid mit Günther XLI. Graf von Schwarzburg (1529–1583).Vgl. Thüringisches Staatsarchiv Rudolstadt (Kanzlei Sondershausen, Nr. 657, Blätter 16f); Jens Beger, Jochen Lengemann: Günther XLI. Graf von Schwarzburg in Diensten Karls V. und Philipps II. in den Niederlanden. (Veröffentlichungen des Historischen Vereins für Schwarzburg, Gleichen und Hohenlohe in Thüringen 1). Hain, 2003, S. 410. Ferdinand I. berief Rueber zum Hauptmann der Leibgarde („Hartschier“).
Oberungarn Am 19. März 1564 wurde Hans Rueber von Erzbischof Johann Jakob Kuen von Belasi (um 1515–1586) von Salzburg zum Rittmeister „zu behuff der Lanndspergischen Schirms-verein“ bestelltVgl. . Bereits im Spätsommer desselben Jahres wurde er von Maximilian II. (1527–1576) unter Belassung der salzburgischen Bestallung, die 1568 noch einmal erneuert wurdeVgl. , bei den „Deutschen Reitern“ in Raab eingesetztVgl. Brief vom 11. September 1564 von Maximilian II. an den Erzbischof von Salzburg. In: Anton Ritter von Perger: Auszug aus König Maximilian's II. Copeybuch vom Jahre 1564. In: Archiv für österreichische Geschichte 31 (1864), S. 193–272, bes. S. 241 (Nr. 206; Blatt 523a) (Google-Books).. Zusammen mit Lazarus von Schwendi (1522–1583) sollte er die habsburgisch-türkische Grenze sichern. Rueber befehligte ein Reiterkorps von 200 Mann, in dem auch Christoph IV. von Liechtenstein († 1585) als Rittmeister und Job Hartmann von Trauttmansdorff zu Totzenbach (1538–1596) als Blut-Fähnrich („pluetfenderich“)Wohl der Leutnant, der eine rotseidene Fahne (eine der vier kaiserlichen Farben) trug; vgl. Gerhard Kurzmann: Kaiser Maximilian I. und das Kriegswesen der österreichischen Länder und des Reiches. (Militärgeschichtliche Dissertationen österreichischer Universitäten 5). Österreichischer Bundesverlag, Wien 1985, S. 115; Beispiel bei Georg A. Büttel: Gustav Adolfs Grab in der Riddarholms-Kirche zu Stockholm. 3. Aufl. Klein, Barmen 1897, S. 85f (Google-Books; eingeschränkte Vorschau). dienten. 1565 schlug Schwendi dem Kaiser vor, Rueber eines der beschlagnahmten Bergwerke des Péter Deák († um 1569)Marius Diaconescu: A Forerunner of Capitalism in Central Europe in the Mid-Sixteenth Century. Peter Deák Szentgyörgyi of Baia Mare. In: Daniel Dumitran, Valer Moga (Hrsg.): Economy and Society in Central and Eastern Europe. Lit, Münster, 2013, S. 7–17 (Google-Books). zu überlassen.Wilhelm von Janko: Lazarus Freiherr von Schwendi. Wilhelm Braumüller, Wien 1871, S. 84 (Google-Books). Die Stadt Kisvárda (Klein-Wardein), die von Soldaten des Siebenbürger Fürsten Johann Sigismund Zápolya überfallen worden war, eroberte Rueber 1567 in einem Handstreich zurück.Vgl. Johannes Löwenklau: Neuwe Chronica türckischer Nation. Wechel Erben, Frankfurt am Main 1590, S. 72f (Google-Books). Nach einem Waffenstillstand vom Januar 1567 wurde die Truppe aufgelöst.Vgl. Jakob von Falke: Geschichte des fürstlichen Hauses Liechtenstein, Bd. II. Wilhelm Graumüller, Wien 1878, S. 74.
1567 traf Michael von Saurau († 1572) auf dem Weg der österreichischen Gesandtschaft nach Konstantinopel in Pixendorf „den alten Rueber mit sein zweien Sünn Hanß und Carl Rueber sambt Graf Bernhardt von Hardeggt [um 1540-1584], einer von Schulnwerg,Oberst Jakob II. von der Schulenburg (1515–1576), Epitaph an der Kirche zu Angern.Joachim Ulrich: Leichpredigt, Bey der Begrebnis, des Edlen … Jacob von der Schulenburg etc. Roem. Key. May. Obersten vnd Ritters, etc. Den 27. Aprilis, Anno Christi 1576. in der Kirch zu Angern … gehalten. Andreas Gehne, Magdeburg 1576 (Digitalisat der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt Halle); vgl. Johannes Löwenklau: Neuwe Chronica türckischer Nation. Wechel Erben, Frankfurt am Main 1590, S. 62 (Google-Books). Bunigka, Hannß Sellitz,Vielleicht ein Nachkomme des Hofmeisters von Herzog Albrecht III. von Bayern-München Jan von Sedlitz († 1455) aus Böhmen (vgl. Sedlitz bei Kutná Hora), Pfleger in Pfaffenhofen an der Ilm. des Hanß Ruebers Leudenambt, Regenspurger Fähndrich“Vgl. Michael von Saurau, Orttenliche Beschreybung der Rayß gehen Constantinopel: mit der Pottschafft von Kaysser Maxmillian dem anderen in die Dürgkey abgeferdigt anno 1567 (Erlanger Forschungen A. Geisteswissenschaften 40), hrsg. von Konrad Wickert, Erlangen: Verlag Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg, 1987, S. 42..
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