mini|Wachablösung der Garde vor dem Stockholmer Schloss (2007)

Das schwedische Heer () umfasst 6.850 Soldaten und stellt die Heereskomponente der schwedischen Streitkräfte dar.

Das Heer ist gekadert und setzt sich aus aktiven und Reserveverbänden zusammen.

Geschichte 1623 hatte Gustav II. Adolf Schwedens Landschaft in neun große Aushebungsbezirke für Landregimenter einteilen lassen. In jedem Bezirk sollte ein Landregiment nach oranischem Muster in einer Stärke von 3600 Mann aufgestellt werden. Zuzüglich eines Hofregiments verfügte der König so über eine Armee von 36.000 Mann ausgehobener Bauern. Fast die ganze Regierungszeit Gustav Adolfs hindurch war die Wehrpflicht für die meisten schwedischen Männer ab einem Alter von 15 Jahren obligatorisch.Lars Ericson: Die schwedische Armee und Marine während des Dreißigjährigen Krieges Dieses im schwedischen als Einteilungswerk benannte Rekrutierungssystem wurde in Kriegszeiten als starke Belastung für die Bevölkerung empfunden.

Unter Karl X. Gustav erfolgte die Rekrutierung von Soldaten für die Armee mittels Werbung. Die Ausschreibung hierzu musste zuvor auf dem Reichstag beschlossen werden. Aufgrund des Geldmangels der staatlichen Institutionen wurden häufig Verträge mit den Regimentsinhabern, den Obersten geschlossen, welche diesen die Aufgabe der Werbung und Besoldung übertrugen. Geworben wurde innerhalb, aber auch außerhalb Schwedens, so dass sich eine große Zahl von Ausländern in der Armee fanden, vorwiegend Deutsche. Im Jahr 1682 wurde dieses System reformiert und ein neues Einteilungswerk eingeführt, das für die schwedische Armee bis ins 19. Jahrhundert Gültigkeit hatte. Rekrutierung und Unterhalt der Soldaten erfolgte nun vor Ort. Im Kriegsfall mussten die Bezirke im Falle von Verlusten unverzüglich diese ausgleichen.

Nach dem Tode Karl X. Gustavs bestand die Armee aus dem Aufgebot des Adels, die den so genannten Rossdienst zu leisten hatten, insgesamt 1100 Mann. Dazu kamen an Einheiten zwei Dragonerregimenter, 17 Infanterieregimenter in Schweden und sieben in Finnland, vier geworbene Regimenter und die Gardetruppen. Im Jahr 1673 war die schwedische Armee auf 16.000 Kavalleristen und 38.000 Infanteristen angewachsen.

Seit dem 17. Jahrhundert stand der Armee das Kriegskollegium vor, eine Behörde, die für alle Militärangelegenheiten zuständig war. Eine weitere frühneuzeitliche Institution war das Kriegsgericht, dessen Beisitzer aus der Generalität stammten. Der eingeführte Posten des Reichszeugmeisters hatte die Aufsicht über die Artillerie und das Munitionswesen. Um die Disziplin weiter zu erhöhen, wurden 1683 neue Kriegsartikel eingeführt. Darin wurde u. a. die Todesstrafe für Militärangehörige bei Plünderung eingeführt. Im Jahr 1687 wurde eine einheitliche blaue Uniformierung eingeführt. Unter Karl XI. wurde ein Militärhospital, das Kriegsmannshaus in Vadstena, gegründet.

1901 erfolgte die Einführung der Wehrpflicht, die das alte Rekrutierungssystem außer Kraft setzte. 2010 wurde die Wehrpflicht ausgesetzt, 2017 wurde sie wieder eingeführt.Meldung, nzz.ch, 2. März 2017, abgerufen am 2. März 2017

Aktive Verbände mini|Soldatin des Skaraborgs regemente (2018)

Die aktiven Verbände werden (Stand: 2022) aus elf Regimentern gebildet, die in Friedenszeiten nur Bataillonsstärke haben:

Livgardet (LG) Livbataljon 11. militärpolisbataljonen 12. motoriserade skyttebataljonen 13. säkerhetsbataljonen Livregementets husarer (K 3) 31. jägarbataljonen 32. underrättelsebataljonen (u. a. Fallschirmjäger) Norrlands dragonregemente (K 4) (Gebirgsjäger) Dalregementet (I 13) Västernorrlands regemente (I 21) Norrbottens regemente (I 19) 191. mekaniserade bataljonen 192. mekaniserade bataljonen Skaraborgs regemente (P 4) 41. pansarbataljonen 42. pansarbataljonen Södra skånska regementet (P 7) 71. motoriserade skyttebataljonen 72. mekaniserade bataljonen Gotlands regemente (P 18) 181. pansarbataljonen Bodens artilleriregemente (A 8) 91. artilleribataljonen 92. artilleribataljonen Luftvärnsregementet (Lv 6) 61. luftvärnsbataljonen 62. luftvärnsbataljonen Göta ingenjörregemente (Ing 2) 21. ingenjörsbataljonen 22. ingenjörsbataljonen Göta trängregemente (T 2) 1. logistikbataljonen 2. logistikbataljonen

Wiedereinrichtung Im Dezember 2020 hatte der Reichstag die Wiedererrichtung des im Jahr 2000 aufgelösten Artilleriregement A9 (Bergslagens artilleriregement) in Kristinehamn beschlossen. Für den Aufbau sollen bis zu 6,5 Mrd. SEK in die bodengebundene Infrastruktur sowie in den Neubau des gesamten neuen Regiments investiert werden.

Die Bauarbeiten der rund 40 Gebäude werden schrittweise im Zeitraum von 2027 bis 2030 beginnen. Bis zur Fertigstellung des Neubaus am dauerhaften Standort in Kristinehamn wird der Betrieb in provisorischen Räumlichkeiten in der Umgebung stattfinden.

Reserveverbände Im Falle einer Mobilmachung sind als weitere Kräfte im Rahmen eines Divisionskommandos drei Panzerregimenter, acht mechanisierte Infanteriebataillone, ein Aufklärungsregiment, zwei Artilleriebataillone, ein Flugabwehrbataillon, drei Pionierbataillone und vier Logistikbataillone vorgesehen.

Weitere 80 Bataillone würden in diesem Fall zur Heimatverteidigung zur Verfügung stehen.

Ausrüstung

Das schwedische Heer verfügt über folgende Ausrüstung an Großgerät:

Fahrzeuge mini|Stridsvagn 122 (Leopard 2) mini|RG-32 mit Mörser

+ Typ SchwedischeBezeichnung Herkunft Funktion Version Anzahl Anmerkungen Leopard 2 Stridsvagn 122 Kampfpanzer 2A5120 + 44 2A8 bestellt, Lieferung ab 2028, Überholung und Modifizierung von 110 vorhandenen Leopard 2, neuer schwedischer Name dann "Stridsvagn 123" Combat Vehicle 90 Stridsfordon 90Eldledningspansarbandvagn 90Bärgningsbandvagn 90 SchützenpanzerFeuerleitfahrzeugBergepanzer3694226 Pansarbandvagn 302 Mannschaftstransporter239 Bandvagn Skyddad 10 (BvS10) Bandvagn 410 (Bv 410) Mannschaftstransporter Mk II150 Bastion Patsas Mannschaftstransporter APC Sisu Pasi Pansarterrängbil 180 / 202 / 203 Mannschaftstransporter XA-180XA-202XA-2033420148 Patria AMV Pansarterrängbil 360 Mannschaftstransporter113 RG-32 Terrängbil 16 Geschütztes Fahrzeug360 Kodiak Ingenjörbandvagn 120 Pionierpanzer6 Büffel Bärgningsbandvagn 120 Bergepanzer14 Leguan Brobandvagn 120 Brückenlegepanzer3 Amphibisches Brücken- und Übersetzfahrzeug M3 Amfibiebro 400 Schwimmschnellbrücke 12 Bestellt Improved Ribbon Bridge Däcksbro 300 Faltschwimmbrücke Bestellt Aardvark JSFU Minenräumpanzer

Artillerie mini|Artilleriesystem Archer

+ Typ Herkunft Funktion Anzahl Anmerkungen Archer Selbstfahrlafette35 CV 90 Panzermörser40 Lokale Bezeichnung: Granatkastarpansarbandvagn 90 M/41 120-mm-Mörser81 M/84 81-mm-Mörser201

Panzer- und Flugabwehrwaffen mini|Schwedisches Flugabwehrsystem RBS 23 BAMSE

+ Typ Herkunft Funktion Version Anzahl Anmerkungen NLAW Panzerabwehrlenkwaffe BGM-71 TOW Panzerabwehrlenkwaffe Lokale Bezeichnung RBS-55 FFV Carl Gustaf Reaktive Panzerbüchse MIM-104 Patriot Flugabwehrraketensystem PAC-3 MSE4 MIM-23 HAWK Flugabwehrraketensystem MIM-23B Lokale Bezeichnung RBS-97 IRIS-T SLS Flugabwehrraketensystem8 Lokale Bezeichnung RBS-98 RBS 23 BAMSE Flugabwehrraketensystem Robotsystem 70 MANPADS CV 90 Flugabwehrpanzer30 Lokale Bezeichnung Luftvärnskanonvagn 90

Ehemalige Heeresfliegertruppe Ab 1958 betrieb das schwedische Heer eigene Flugzeuge und Hubschrauber. Diese wurden bis 1980 als Artilleriefliegertruppe („Artilleriflyget“) bezeichnet und 1980 in „Arméflyget“ (Heeresflieger) umbenannt, blieben jedoch weiterhin dem Artilleriekommando unterstellt. Erst 1991 wurde Arméflyget zum eigenständigen Truppenteil innerhalb des Heeres. Bis 1991 genutzte Flugzeugtypen waren Piper PA-18, Dornier Do 27 und Scottish Aviation Bulldog. Danach wurden nur noch Hubschrauber eingesetzt.

Zum 31. Dezember 1997 wurde Arméflyget (ebenso wie die Marinefliegertruppe) aufgelöst und die noch verbliebenen Hubschrauber in die gemeinsame Hubschraubertruppe („Försvarsmaktens helikopterflottilj“) überführt, in die auch die Hubschrauber der (jetzt federführenden) Luftwaffe transferiert wurden.

Literatur Stefan Kroll, Kersten Krüger: Militär und ländliche Gesellschaft in der frühen Neuzeit, LIT Verlag Münster, 2000. Lars Ericson: Die schwedische Armee und Marine während des Dreißigjährigen Krieges - Von einer nationalen zu einer paneuropäischen Streitmacht In: 1648: Krieg und Frieden in Europa Bd. 1, Münster 1998 S. 301–307

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Nationales Heer Heer