Rüttenscheid ist ein Stadtteil der Stadt Essen. Südlich der Innenstadt gelegen grenzt er an die Stadtteile Holsterhausen, Margarethenhöhe, Bredeney, Stadtwald, Bergerhausen, Huttrop und an das Südviertel. Die Grenzen von Rüttenscheid verlaufen im Norden von der Albrechtstraße über die Kahrstraße, weiter über die Witteringstraße bis zur Rellinghauser Straße. Im Osten die Rellinghauser Straße entlang bis zur A 52. Von dort an der A 52 entlang, inklusive des südlich der Autobahn gelegenen Gewerbegebiets Langenbrahm, bis zum Ende des Grugaparks. Im Westen bildet der Külshammerweg/Virchowstraße bis zur Krawehlstraße/Brunostraße die Grenze.
Charakter Zentraler Bereich Der zentrale Bereich Rüttenscheids liegt an der Rüttenscheider Straße, kurz Rü genannt. Hier gibt es rund einhundert Cafés, Kneipen und Restaurants sowie Einzelhandelsgeschäfte. In Rüttenscheid finden jährlich wiederkehrende Veranstaltungen statt, wie beispielsweise das Rü-Fest, ein Stadtteilfestival mit Live-Musik. Bei der Rüttenscheider Musiknacht präsentiert sich die Rüttenscheider Musik- und Kneipenszene. Weitere regelmäßige Veranstaltungen sind das internationale Radrennen Rü-Cup, die Oldtimer-Rally Tour de Rü und der Rüttenscheider Wintermarkt.
Im südlichen Rüttenscheid liegt das Girardet-Haus, ein ehemaliger Druckereibetrieb mit bis zu 3500 Mitarbeitern. Der Bereich wurde mit einer Passage mit Arzt- und Anwaltspraxen, einer Tanzschule, einer Seniorenwohnanlage sowie einem Brauerei-Gasthof und Restaurants umgestaltet. Im Südosten Rüttenscheids ist die Siedlung Altenhof, eine Kruppsche Siedlung einst nur für pensionierte Arbeiter des Unternehmens.
Verwaltungsviertel und Unternehmensstandort In Rüttenscheid befinden sich das Polizeipräsidium Essen sowie das Justizzentrum Essen mit Amtsgericht, Landgericht, Arbeitsgericht, Staatsanwaltschaft und dem Landessozialgericht sowie einem Untersuchungshaftgefängnis.
Zudem sind hier der Energiekonzern E.ON, die Ruhrbahn, die Stadtwerke Essen und der Stromerzeuger Steag ansässig.
Öffentliche Einrichtungen Über die Stadtgrenze hinaus bekannt sind die Messe Essen, der Grugapark und die Grugahalle sowie das Alfried Krupp Krankenhaus. Rüttenscheid verfügt mit dem Schwimmzentrum Rüttenscheid und dem Grugabad über zwei öffentliche Schwimmbäder. Zu den Bildungseinrichtungen zählen drei Grundschulen, eine Realschule sowie das Helmholtz- und das Maria-Wächtler-Gymnasium.
Verkehr Durch Rüttenscheid verlaufen die Linie U 11 der Stadtbahn Essen, die Straßenbahnlinien 101, 106, 107 und 108 sowie die Buslinien 142, 145, 160, 161, NE 7, NE 8, NE 13 und NE 14. Wichtigste Knotenpunkte sind die U-Bahnhöfe Rüttenscheider Stern und Martinstraße.
Linie Verlauf Takt
Im östlichen Zipfel Rüttenscheids befindet sich der Haltepunkt Essen Süd der S-Bahn-Linie 6, die hier von der Straßenbahnlinie 105 gekreuzt wird.
Seit den 1970er Jahren wurde geplant, die Stadtbahnlinie U 11 und die Straßenbahnlinien 101 und 107 vom Hauptbahnhof durchgehend nach Bredeney in einen Tunnel unter die Rüttenscheider Straße zu verlegen. Im Sommer 1986 wurde die Strecke eröffnet, worauf die Umgestaltung der Rüttenscheider Straße in ihr heutiges Bild folgte. Die im Tunnel liegende Strecke besitzt Drei-Schienen-Gleise, die gleichermaßen dem Betrieb der Straßenbahnen des Typs M auf Meterspur und der Stadtbahnen des Typs B auf Normalspur erlauben. Die Bahnsteighöhe der Haltepunkte beträgt der Einstiegshöhe der B-Wagen entsprechend 80 cm. Die M-Wagen erhielten Klapptritte, um ebenfalls auf dieser Höhe einen ebenen Ein- und Ausstieg zu gewährleisten. Später von der damaligen EVAG (heute Ruhrbahn) beschaffte Niederflurbahnen können daher die Tunnelstrecke unter der Rüttenscheider Straße nicht bedienen. (PDF; 499 kB) Seit der Netzumstellung am 14. Juni 2015 befährt die Straßenbahnlinie 101 nicht mehr die Südstrecke bis Bredeney, sondern bildet zusammen mit der Straßenbahnlinie 106 einen Ringverkehr mit Ausgangspunkt Borbeck über Essen Hbf und Rüttenscheider Stern. Als Ersatz wurde die Straßenbahnlinie 108 geschaffen, welche mit M-Wagen zwischen Altenessen und Bredeney verkehrt. Auch die Kulturlinie 107 muss daher bereits am Hauptbahnhof enden.
Am Südrand des Stadtteils verläuft die Autobahn A 52, am Westrand die Bundesstraße 224 (Alfredstraße).
Kirchen Das älteste Gotteshaus in Rüttenscheid ist die denkmalgeschützte Siechenhauskapelle aus dem 15. Jahrhundert.
Die evangelische Reformationskirche an der Ecke Alfredstraße/Martinstraße wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und nicht wieder aufgebaut. Ihre Grundsteinlegung erfolgte am 4. November 1899, ihre Einweihung am 13. Juli 1902, erbaut durch den Architekten Carl Nordmann.Homepage der Ev. Gemeinde Rüttenscheid, Geschichtsteil Als Nachfolger wurde ein Saalbau im Innenhof des Ernst-Moritz-Arndt-Hauses als Neue Reformationskirche 1950 durch Horst Lippert errichtet. Am 3. Mai 1964 wurde die Versöhnungskirche an der Alfredstraße eingeweiht und am 23. Mai 2021 entwidmet.reformationskirche.de: Kirche im Herzen Ihr Turm wurde als letztes bauliches Relikt im Februar 2026 abgerissen.
1890 wurde die St. Ludgerus-Kirche geweiht, die nach Kriegszerstörung 1950 wieder aufgebaut wurde. 1957 war die St. Andreas-Kirche durch Rudolf Schwarz fertiggestellt und 1995 unter Denkmalschutz gestellt worden. Ihr Vorgängerbau an gleicher Stelle ist ebenfalls im Krieg zerstört worden. 1967 kam die Kirche St. Martin an der Rüttenscheider Straße hinzu, die 2006 geschlossen und zu einem Altenpflegeheim umgebaut wurde. Die heutige Krankenhauskirche des Alfried Krupp Krankenhauses war die katholische Kapelle der Krupp-Siedlung Altenhof, die im Jahre 1900 im Beisein von Kaiser Wilhelm II. eingeweiht wurde.
In Rüttenscheid befindet sich neben anderen religiösen Vereinigungen die größte Kirche und Kirchengemeinde der Neuapostolischen Kirche in Essen.
Bevölkerung Am 31. März 2025 lebten 30.869 Einwohner in Rüttenscheid.Bevölkerungszahlen der Stadtteile
Strukturdaten der Bevölkerung in Rüttenscheid (Stand: 31. März 2025):
Bevölkerungsanteil der unter 18-Jährigen: 12,6 % (Essener Durchschnitt: 16,9 %)Anteil der Bevölkerung unter 18 Jahren Bevölkerungsanteil der mindestens 65-Jährigen: 20,1 % (Essener Durchschnitt: 21,7 %)Anteil der Bevölkerung von 65 Jahren und älter Ausländeranteil: 15,1 % (Essener Durchschnitt: 20,6 %)Ausländeranteil in den Stadtteilen
Bildergalerie
Geschichte Von der Frühzeit bis zur Eingemeindung Die erste urkundliche Erwähnung Rüttenscheids lässt sich auf das Jahr 970 datieren:
Etwas früher, nämlich schon 943, wird die Bauernsiedlung Fugalinghusen (Vöcklinghausen) erwähnt, die zu Rüttenscheid gehört. Die mittelalterliche Namensform Riudenscethe basiert vermutlich auf hriudi, also Riedgras, durch dessen Schnitt die Ansiedlung ermöglicht wurde.
Der alte Weg von Essen nach Werden – die heutige Rüttenscheider Straße – führte genau durch Rüttenscheid. Von 1422 bis 1445 wurde an dem Weg eine Siechenkapelle gebaut, die die geistliche Betreuung der Patienten des Siechenhofs verbesserte. Die Patienten waren Aussätzige und Leprakranke, die bis etwa 1726 dort – im Wald gelegenen Siechenhof – behandelt wurden.
In dem Gebiet, welches später als Montagsloch bekannt wurde (siehe unten), sind im 14. und 15. Jahrhundert mehrere Höfe bezeugt, die Lehensbeziehungen und damit eine Abgabenpflicht teils zum Stift Essen und teils zur Abtei Werden hatten. Dazu gehören der 1359 erstmals erwähnte Montagshof, der 1394 erstmals erwähnte Ritterhof (später Niemöhlmann), der 1413 erstmals erwähnte Kahmannhof, der Beckmannshof und im weiteren Umkreis südlich der Hof Silberkuhle. Bei diesem Hof ist bezeugt, dass die Witwe Johannis de Ruddenscede 1354 das Stück Land zum Abbau von Silber, Kupfer und Blei verkaufte. Das ist auch der erste Beleg für Erzabbau im Essener Raum.
Im Grunde war Rüttenscheid bis etwa 1850 ländlich geprägt. 1772 wird Rüttenscheids einzige Zeche, die Zeche Langenbrahm, gegründet, die bis 1966 in Betrieb war.
Seit 1808 gehörte Rüttenscheid mit den Bauerschaften Altenessen, Huttrop, Frillendorf, Rotthausen, Schonnebeck und Stoppenberg zur neugegründeten Munizipalität Altenessen mit Sitz in Stoppenberg, welche 1813 zur eigenständigen Bürgermeisterei erhoben wurde. Am 1. Januar 1874 wurde aus dieser die neue Bürgermeisterei Stoppenberg ausgegliedert, an die Rüttenscheid fiel.
Am Ende des Jahres 1856 bekam Rüttenscheid eine eigene Schule. Die Bauernkinder mussten bis zu dieser Zeit entweder in Rellinghausen oder in der Altstadt zur Schule gehen.
1874 fand eine Teilung der Bürgermeisterei statt und Rüttenscheid gehörte zu Stoppenberg. 1884 teilte sich die Bürgermeisterei wieder und Rüttenscheid bildete mit Rellinghausen und Heisingen die Bürgermeisterei Rellinghausen. 1890 wurde die kruppsche Siedlung Altenhof gebaut. 1895 bekam Rüttenscheid ein eigenes Postamt. 1897 kaufte die Gemeinde Rüttenscheid vom Schlosser Johann am Orde ein Grundstück an der Kettwiger Chaussee, auf dem 1901 der Grundstein für das Rathaus der im Jahre 1900 aus der Bürgermeisterei Rellinghausen gelösten Gemeinde gelegt wurde. Ende 1902 war das Rathaus bezugsfertig. Das Bürgermeisteramt übernahm Friedrich Wilhelm Hild, der es bis zur Eingemeindung nach Essen im Jahre 1905 innehatte. Im Rüttenscheider Rathaus befand sich danach die Gemeindesparkasse Rüttenscheid. Anstelle des im Kriege zerstörten Rathauses steht heute ein Neubau der Sparkasse. 1948 wurde die westlich gelegene Margarethenhöhe als eigenständiger Stadtteil von Rüttenscheid abgetrennt.
Wappen mini|links|hochkant=0.4|Wappen von Rüttenscheid Blasonierung: „In Gold (Gelb) eine aufsteigende rote Spitze, darin in wechselnden Farben in Rot und Gold (Gelb) je ein gestürztes Lindenblatt besteckt mit einem Kleeblattkreuz.“
Das Wappen wurde von Kurt Schweder entworfen und hatte nie offiziellen Charakter. Ende der 1980er Jahre schuf der Heraldiker für alle Essener Stadtteile Wappen. Sie sind inzwischen von der Essener Bevölkerung gut angenommen worden. Im 12. Jahrhundert stand "Riudenscethe" für Rüttenscheid. Es bezeichnet mit der letzten Worthälfte eine Flächenausscheidung aus grundherrlichem Waldbesitz zur Acker- und Wohnplatznutzung. Diese meist keilförmige Austrennung wird im Wappen mit einer Spitze angedeutet. Die heraldischen Zeichen stammen aus den Wappen der Familie von Schielt (gestürzte Lindenblätter) und der Familie Steenshuis (Kleeblattkreuze).Vgl. dazu Johann Rainer Busch: Kurt Schweders Wappen der Essener Stadtteile, Essen 2009, S. 55.
Verwaltungsviertel, Haumannplatz