Columbo ist eine von den Drehbuchautoren Richard Levinson und William Link erschaffene, US-amerikanische Kriminalfilm-Reihe, die zwischen 1967 und 2003 von Universal Television produziert wurde. Die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Fernsehserie umfasst einen Fernsehfilm, einen Pilotfilm sowie zehn Staffeln mit weiteren 67 Episoden.

Im Mittelpunkt der Serie steht die Aufklärung von Mordfällen durch den Kriminalkommissar Columbo von der Mordkommission des Los Angeles Police Departments. Im Gegensatz zu üblichen Krimiserien weiß der Columbo-Zuschauer von Beginn an, wer der Mörder ist. Bis auf wenige Ausnahmen wird anfangs jeder Folge das Tatmotiv offenbart und der Mord inklusive detaillierter Tatvorbereitungen durch den Mörder gezeigt. Durch ihre exponierte gesellschaftliche Stellung, ihre Zugehörigkeit zur High Society und einen vermeintlichen Intellekt fühlen sich die Täter dem bescheiden auftretenden Columbo zunächst überlegen. Im Verlauf der Episode beobachtet der Zuschauer jedoch, wie der scharfsinnige Columbo mit pedantischen Frage- und Ermittlungsmethoden den Mordverdächtigen zunehmend in die Enge treibt und letztlich überführt.

Der Schauspieler Peter Falk prägte die Figur Columbo maßgeblich und verhalf der Serie zu bis heute anhaltender, weltweiter Popularität.

Entstehungsgeschichte Entwicklung der Figur Columbo (1960) Zu Beginn des Jahres 1960 gerieten die jungen, bereits in Hollywood etablierten Drehbuchautoren William Link und Richard Levinson in finanzielle Nöte. Verantwortlich für diese Lage war ein von Januar bis Juni 1960 anhaltender Streik der Drehbuchautorengewerkschaft Writers Guild of America. Aus dieser Drucksituation heraus erfanden Link und Levinson Columbo. In den ersten verfassten Skriptversionen hieß der Lieutenant zunächst Lieutenant Fisher, wurde im Verlauf der Geschichtenentwicklung allerdings in Lieutenant Columbo umbenannt – eine Hommage der Autoren an die Figur Gamaschen-Colombo aus Billy Wilders Kinohit Manche mögen’s heiß.David Koenig: Shooting Columbo, Bonaventure Press, 2021, ISBN 978-1-937878-13-9 (E-Book), S. 13

Die Figur des Kriminalbeamten Columbo entspringt zwei literarischen Vorbildern – zum einen Pater Brown, dem von Gilbert Keith Chesterton erfundenen empathischen Pfarrer, der als Hobby Kriminalfälle löst, zum anderen dem Untersuchungsrichter Porfirij Petrowitsch aus Dostojewskis Roman Schuld und Sühne. Dieses Werk der Weltliteratur hatte das Autorenduo am College studiert. Aus Schuld und Sühne übernahmen Link und Levinson zudem die ungewöhnliche Erzählstruktur der invertierten Detektivgeschichte. Bei dieser besonderen Erzählweise verfolgt der Rezipient, der den Täter bereits seit Beginn der Geschichte kennt, wie der durchdacht vorgehende Ermittler den Tatverdächtigen Schritt für Schritt in die Enge treibt und letztlich des Mordes überführt. Der Ermittler hat die Aufgabe, den Wissensvorsprung aufzuholen, den sowohl der Täter als auch die Zuschauer haben. Das Prinzip der invertierten Erzählweise benutzte bereits Alfred Hitchcock in seinen Verfilmungen Cocktail für eine Leiche (1948) und Bei Anruf Mord (1954).Michael Striss: Columbo – der Mann der vielen Fragen. Analyse und Deutung einer Kultfigur. Büchner-Verlag, ISBN 978-3-96317-691-3 (ePDF), S. 20Literarische Vorlagen. Dostojewskij und Columbo: Eine Frage noch. In: Wienerzeitung.at. 7. November 2021, abgerufen am 29. September 2022.

Erste Publikation (1960) Die ersten publizierten Wurzeln von Columbo liegen in Alfred Hitchcock’s Mystery Magazine vom März 1960. In dem etablierten Krimiheft wurde die von Link und Levinson verfasste Kurzgeschichte May I Come In? unter dem vom Verlag eigenmächtig umbenannten Titel Dear Corpus Delicti veröffentlicht. In der Kurzgeschichte ermordet ein Psychiater seine Frau und verschafft sich mit Hilfe seiner jungen Geliebten ein wasserdichtes Alibi. Trotzdem wird er von Lieutenant Fisher, einem unscheinbaren, tatsächlich jedoch sehr erfahrenen und hartnäckigen Lieutenant, zur Strecke gebracht. Der Titel bezog sich auf die Schlussszene der Erzählung: Der Lieutenant klopft an der Tür des Mörders und fragt höflich: „Darf ich eintreten?“, um kurz darauf den Überführten zu verhaften.Michael Striss: Columbo – der Mann der vielen Fragen. Analyse und Deutung einer Kultfigur. Büchner-Verlag, ISBN 978-3-96317-691-3 (ePDF), S. 31Mark Dawidziak: The Columbo Phile: A Casebook. A Complete and Illustrated History of Television’s Finest Mystery Series. Mysterious Press, New York 1989, ISBN 0-89296-376-X, Seite 29.Mark Dawidziak: The Columbo Phile: A Casebook. A Complete and Illustrated History of Television’s Finest Mystery Series. Mysterious Press, New York 1989, ISBN 0-89296-376-X, Seite 29.

Erster Fernsehauftritt (1960) Auf Grundlage dieser Kurzgeschichte erarbeiteten Link und Levinson mit Blick auf eine im Mai 1960 gestartete NBC-Krimi-Show das Drehbuch für einen Krimi mit dem Titel Enough Rope – das erste offizielle Drehbuch mit einem Lieutenant Columbo. Der Titel Enough Rope leitet sich vom amerikanischen Sprichwort „Give him enough rope and he will hang himself“ ab – sinngemäß „Lass ihn an der langen Leine zappeln, dann wird er sich schon in seiner eigenen Schlinge verfangen“. NBC erwarb das Skript, und so tauchte Lieutenant Columbo nur wenig später am 31. Juli 1960 im Rahmen der am Sonntagabend ausgestrahlten TV-Krimi-Reihe The Chevy Mystery Hour erstmals im Fernsehen auf. Die von Walter Slezak präsentierte Sendung wurde zuvor live on tape und in Farbe aufgezeichnet. Columbo wurde seinerzeit durch den Schauspieler Bert Freed dargestellt, als Gegenspieler und Mörder agierte Richard Carlson in der Rolle des Psychologen Dr. Roy Fleming. Die Autoren waren unzufrieden mit der Regie und den schlechten Produktionsbedingungen.Columbo: Die Entstehungsgeschichte. Drehbuchautor und Columbo-Schöpfer William Link über die Entstehungsgeschichte von Columbo. In: Columbophile.com. 7. Februar 2018, abgerufen am 29. September 2022.Enough Rope. Inhaltsangabe, technische Details und Cast des am 31. Juli 1960 auf NBC ausgestrahlten TV-Krimis Enough Rope, der Vorgängerproduktion des ersten Columbo-Films Mord auf Rezept. In: PaleyCenter.org. Abgerufen am 29. September 2022.Enough Rope; NBC, 31. Juli 1960 (online bei youtube.com)Michael Striss: Columbo – der Mann der vielen Fragen. Analyse und Deutung einer Kultfigur. Büchner-Verlag, ISBN 978-3-96317-691-3 (ePDF), S. 32

Bühnenstück (1962) Link und Levinson glaubten weiterhin an das außergewöhnliche Potential ihrer Geschichte und schrieben, basierend auf ihrem Drehbuch Enough Rope, das Bühnenstück Prescription: Murder (dt.: Rezept: Mord bzw. Mord nach Rezept). Theaterproduzent Paul Gregory erwarb die Rechte und besetzte das Stück mit durchweg hochkarätigen Topstars. Für die Hauptrolle als Psychiater und Mörder Dr. Roy Flemming engagierte Gregory den Hollywood-Star Joseph Cotten, die mehrfach oscar-nominierte Agnes Moorehead spielte das Mordopfer Mrs. Flemming, und der oscarprämierte Thomas Mitchell spielte den stets Zigarre rauchenden Lieutenant Columbo. Das Theaterstück feierte am 15. Januar 1962 in San Francisco Premiere. Von da aus tourte das Starensemble vor zumeist ausverkauften Theaterhäusern durch zahlreiche Städte der USA in Richtung Ostküste. Planmäßig sollte das Stück am Ende der Tournee am Broadway in New York City aufgeführt werden. Produzent Gregory und die Darsteller bemängelten hingegen das als zu langsam empfundene Tempo des Theaterstücks. Doch Link und Levinson waren zu keinen Änderungen am Skript bereit und verärgerten damit Gregory und die Schauspieler nachhaltig. Dem Publikum hingegen gefiel das ruhig präsentierte Stück, und überraschend stellte sich die Rolle des Lieutenant Columbo als absoluter Publikumsfavorit heraus. Doch der Erfolg des Stücks hielt nicht lange an. Während einer Tourneestation in Philadelphia Ende Februar erkrankte Columbo-Darsteller Thomas Mitchell schwer und musste operiert werden. Deshalb wurde er durch den als wenig charismatisch beschriebenen Schauspieler Howard Wierum ersetzt. Ohne den Superstar Mitchell fielen die Kritiken zunehmend verhalten aus. Fortan ließen die Besucherzahlen stark nach, und die Tournee wurde vorzeitig nach einer letzten Vorstellung in Boston am 26. Mai 1962 beendet.David Koenig: Shooting Columbo, Bonaventure Press, 2021, ISBN 978-1-937878-13-9 (E-Book), S. 15.

Peter Falk wird Columbo (1967) Unterdessen kehrten Link und Levinson zurück nach Hollywood und schrieben zahlreiche Drehbücher und Skripte für verschiedene TV-Krimireihen wie Alfred Hitchcock präsentiert (1961–1963), Stationsarzt Dr. Kildare (1963) und Dr. Kimble auf der Flucht (1964–1965). Anschließend erschufen sie die kurzlebige Spionage-TV-Serie Jericho, die lediglich zwischen September 1966 und Januar 1967 bei CBS ausgestrahlt wurde.

Zeitgleich suchte die boomende Fernsehwelt händeringend nach guten Drehbüchern für Fernsehfilme. Folglich präsentierte der Künstleragent von Link und Levinson dem Produktionsunternehmen Universal Television eine erneut überarbeitete Drehbuchversion von Prescription: Murder – und stieß damit auf große Begeisterung seitens Universal. Man einigte sich darauf, das Drehbuch als Fernsehfilm für den US-TV-Sender NBC zu verfilmen. Das sollte vorerst die Krönung der Kriminalerzählung sein, die 1960 zunächst unter dem Titel May I Come In? begann, wenig später als Kurzgeschichte Dear Corpus Delicti publiziert wurde, dann zum TV-Kriminalstück Enough Rope umgeschrieben wurde, anschließend als Theaterstück Prescription: Murder kurzzeitig für Furore sorgte, um schließlich als Fernsehfilm Prescription: Murder (dt. Mord nach Rezept) im Hauptabendprogramm bei NBC seinen Höhepunkt zu feiern.David Koenig: Shooting Columbo, Bonaventure Press, 2021, ISBN 978-1-937878-13-9 (E-Book), S. 18

Als erster Columbo-Produzent und -Regisseur fungierte der sehr erfahrene Universal-Television-Mitbegründer und -Vizepräsident Richard Irving. In Absprache mit Link und Levinson ließ Irving aus Budgetgründen den Ort der Handlung von New York nach Los Angeles verlegen.Mark Dawidziak: The Columbo Phile: A Casebook. A Complete and Illustrated History of Television’s Finest Mystery Series. Mysterious Press, New York 1989, ISBN 0-89296-376-X, Seite 31. Nachdem Bing Crosby und Lee J. Cobb das Angebot, Columbo zu spielen, abgelehnt hatten, wurde letztlich Peter Falk für die Hauptrolle verpflichtet.. In: Museum.tv. – Museum of Broadcast Communications (mbc). 2011, abgerufen am 29. September 2022 (englisch). Dabei befand man Falk mit 39 Jahren eigentlich als zu jung für die Rolle, doch Richard Irving konnte Link und Levinson von Peter Falk überzeugen.Mark Dawidziak: The Columbo Phile: A Casebook. A Complete and Illustrated History of Television’s Finest Mystery Series. Mysterious Press, New York 1989, ISBN 0-89296-376-X, Seite 31.Mark Dawidziak: The Columbo Phile: A Casebook. A Complete and Illustrated History of Television’s Finest Mystery Series. Mysterious Press, New York 1989, Seite 22 f.

Produktion Produktionsübersicht

Staffel Episoden­anzahl Erstausstrahlung USA Deutschsprachige Erstausstrahlung Staffelpremiere Staffelfinale Staffelpremiere Staffelfinale Fernsehfilm 1 20. Februar 1968 20. Februar 1968 11. Oktober 1969 11. Oktober 1969 Pilotfilm 1 1. März 1971 1. März 1971 17. Mai 1973 17. Mai 1973 1 7 15. September 1971 9. Februar 1972 10. April 1975 4. September 1975 2 8 17. September 1972 25. März 1973 27. Februar 1975 7. Januar 19923 8 23. September 1973 5. Mai 1974 19. April 1975 17. März 1992 4 6 15. September 1974 27. April 1975 18. September 1975 25. Februar 1992 5 6 14. September 1975 2. März 1976 24. Mai 1980 31. März 1992 6 3 10. Oktober 1976 22. Mai 1977 7. April 1992 21. April 1992 7 5 21. November 1977 13. Mai 1978 27. Dezember 1980 3. März 1992 8 4 6. Februar 1989 1. Mai 1989 2. April 1991 7. Mai 1991 9 6 25. November 1989 14. Mai 1990 16. April 1991 4. Juni 1991 10 14 9. Dezember 1990 30. Januar 2003 28. April 1992 7. September 2004

Fernsehfilm