Schkölen ist eine Stadt im nördlichen Teil des Saale-Holzland-Kreises in Thüringen. Auf Beschluss des Thüringer Landtages wurde am 1. Januar 1997 die Einheitsgemeinde Stadt Schkölen gebildet, der die ehemaligen Gemeinden Dothen, Graitschen a.d. Höhe, Nautschütz, Hainchen, Rockau, Wetzdorf, die Stadt Schkölen sowie weitere neun Ortsteile gleichrangig angehören.StBA: Gebietsänderungen vom 01.01. bis 31.12.1997 Seit dem 1. Januar 2012 ist Schkölen Teil der Verwaltungsgemeinschaft Heideland-Elstertal-Schkölen.
Geografie Geografische Lage Schkölen liegt im Nordosten Thüringens unmittelbar an der Grenze zu Sachsen-Anhalt auf einer hügeligen und nahezu unbewaldeten Hochfläche in 200 bis 250 Metern Höhe über NN, die im Westen durch die Saale und im Osten durch die Weiße Elster begrenzt und durch das Tal der Wethau im östlichen Gemeindegebiet unterbrochen wird. Südlich schließt sich das bewaldete Thüringer Holzland an.
Gliederung der Einheitsgemeinde Stadt Schkölen Neben der Kernstadt Schkölen gehören zur Einheitsgemeinde folgende Ortsteile (in Klammern: Jahr der Ersterwähnung, soweit bekanntWolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer. Ein Handbuch. 5., verbesserte Auflage. Rockstuhl, Bad Langensalza 2010, ISBN 978-3-86777-202-0.): mini|hochkant=1.2|Stadtgliederung
Kernstadt Schkölen (1046) Graitschen a. d. Höhe (1040) mit Grabsdorf (1511) Dothen (1261) mit Launewitz (1350), Willschütz (1145), Poppendorf (1435) und Tünschütz (1323) Hainchen (1138) mit Kämmeritz (1153) Nautschütz (1378) mit Böhlitz (1378), Pratschütz (zwischen 1234 und 1241), Zschorgula (zwischen 1234 und 1241) und Wüstung Sausdorf Rockau (1253) Wetzdorf (1219)
Geschichte mini|Stadtkirche mini|hochkant|Inneres der Stadtkirche mini|hochkant|Graben der Wasserburg mini|Eckrondell der Wasserburg mini|Burgapotheke
Das Gebiet der Stadt Schkölen und das Umland waren spätestens ab der Jungsteinzeit besiedelt, was Grabhügel im Lohholz und bei Dorstewitz, eine 1999 im Zuge der JAGAL Trassenarchäologie freigelegte Ringanlage, Steinkreuze sowie die mittelalterliche Wasserburg belegen.
Die Burg erlangte im 12. und 13. Jahrhundert überregionale Bedeutung.Sven Ostritz (Hrsg.): Saale-Holzland-Kreis, Ost (= Archäologischer Wanderführer Thüringen. H. 9). Beier & Beran, Langenweißbach 2007, ISBN 978-3-937517-51-3, S. 10–26. Während das Gebiet zunächst nur locker besiedelt war, entwickelte sich mit der Burg der Ort zur Stadt. Die frühere Oberburg, auf der sich jetzt die Kirche mit dem Friedhof befindet, waren Rückzugsort für Mensch und Vieh. Um 900 war Schkölen die Ostspitze des Dornburger Reichsgutes und diente mit seinen Befestigungen Dornburg zum Schutz.E. Wirth: Die Burg Schkölen Eine kurze Erläuterung. Förderverein Burg Schkölen e.V. R. Gothe, N. Metzler: Das Alte Schloß zu Dornburg. Selbstverlag, Weimar 1994; S. 4–9. Reste der Unterburg (Wasserburg) liegen unterhalb des spornartig auslaufenden Höhenzuges. 1031 wurde ein Burgwart Szoln in einer Urkunde Kaiser Conrads II. erwähnt. Neben anderen Burgen und befestigten Königshöfen wurde 1158 in einem Tafelgüterverzeichnis des königlichen Reichslandes Pleißenland unter Friedrich Barbarossa der Hof Schkölen urkundlich erwähnt.Walter Schlesinger, nachbearbeitet von Thomas Lang: "Die geschichtlichen Voraussetzungen der Glauchauer Stadtgründung", In: Beiträge zur Geschichte der Stadt Glauchau. Hrsg. von Enno Bünz. Thelem Verlag, Dresden 2010, "Hof Schkölen" S. 44. Zwischen 1197 und 1253 hielten die Markgrafen von Meißen einen Landtag in der Stadt ab. 1036 wurde der OrtWolfgang Kahl: Ersterwähnung Thüringer Städte und Dörfer bis 1300. Ein Handbuch. 2., verbesserte Auflage. Rockstuhl, Bad Langensalza 2001, ISBN 3-934748-58-9, S. 53. und 1156 die Stadt urkundlich erwähnt.Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag Köhler, Jena 2001, ISBN 3-910141-43-9, S. 223–224.
Mitte des 15. Jahrhunderts erfolgte ein Umbau der Burg durch die Herren von Bünau. Ein kriegsbedingter Brand 1536 führte zur Aufgabe der Burg mit nachfolgendem Verfall. Im 11. Jahrhundert verwaltete Wiprecht von Groitzsch die zum Reichsgut gehörende Burg. 1556 zerstörten Plünderer die Befestigungsanlage.Thomas Bienert: Mittelalterliche Burgen in Thüringen. 430 Burgen, Burgruinen und Burgstätten. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2000, ISBN 3-86134-631-1, S. 223–224.
Im Jahre 1140 gründete Bertha von Groitzsch in Schkölen eine Propstei des Klosters Pegau. Bereits seit 1135 gehörte die Siedlung den Staufern. 1158 bekam der Ort das Marktrecht und im 15. Jahrhundert das Stadtrecht. Anschließend kam Schkölen an die Wettiner. 1485 wurde Schkölen albertinisch und zählte zum Amt Weißenfels, 1656-1746 zum Herzogtum Sachsen-Weißenfels und nachfolgend bis 1815, als das im Thüringer Kreis liegende Amt Weißenfels preußisch wurde, wiederum zum albertinischen Sachsen. Im Königreich und späteren Freistaat Preußen befand sich die Stadt im neu gebildeten Landkreis Weißenfels, bei dem sie bis 1952 verblieb. Nach Auflösung der Länder in der DDR im Jahr 1952 wurde Schkölen vom Land Sachsen-Anhalt dem neu gegründeten Bezirk Gera angegliedert. 1859 wurde eine Leimfabrik gegründet und 1897 erfolgte der Bahnanschluss nach Camburg und Zeitz, der bis 1965 zumindest bis Molau Bestand hatte.
Zu den Besitzern des Rittergutes in Schkölen gehörte zeitweise auch Moritz Graf von Sachsen, der das damals mit 55.000 Talern geschätzte Gut von seinem Vater Kurfürst August geschenkt bekommen hatte.Georg Piltz: August der Starke. Träume und Taten eines deutschen Fürsten. Verlag Neues Leben, Berlin 1986, ISBN 3-355-00012-4, S. 288.
Die Stadt wurde um den 12. April 1945 von amerikanischen Truppen besetzt und – wie ganz Thüringen – Anfang Juli an die Rote Armee weitergegeben. So wurde sie Teil der SBZ und ab 1949 der DDR.
Im Jahre 1945 wurde über die Familie des Gutsbesitzers Tellemann Aufenthaltsverbot für das Kreisgebiet verhängt, in dessen Folge sie die Sowjetische Besatzungszone verließ. 1946 wurden die Gutsländereien entschädigungslos enteignet und an Kleinbauern und Flüchtlinge aufgeteilt. Dabei entstanden etwa 50 Neubauernhöfe mit je 10 Hektar Nutzfläche. Außerdem wurde ein selbständiges Volkseigenes Gut (VEG) gegründet, dem seit den 1970er Jahren die Pflanzenproduktion oblag. Die Neubauernwirtschaften sowie weitere traditionelle Einzelbauernhöfe wurden zu Beginn der 1960er Jahre zu einer Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) zusammengeschlossen, die den Namen des Widerstandskämpfers Alfred Kästner erhielt. Seit den 1970er Jahren betrieb sie die Tierproduktion der Stadt und des Umlandes. Weitere Wirtschaftsunternehmen waren der VEB Dichtungswerk und der VEB Früchteverarbeitung, in denen die meisten Berufstätigen der Stadt ihren Arbeitsplatz hatten.
Die seit dem 17. Jahrhundert als Ruine im Ortskern liegende Wasserburg wurde wesentlich durch die Initiative eines Lehrers ab 1977 schrittweise durch Grabungs- und Sanierungsarbeiten rekonstruiert und 1984 für Besichtigungen geöffnet und bei Stadtfesten genutzt. Ein Heimatverein kümmerte sich um die Einrichtung eines kleinen Museums zur Geschichte des Ortes und der Burg. Nach der Herstellung der deutschen Einheit wurde die Burganlage durch einen örtlichen Cateringservice für Touristen ergänzt.
Die Stadt Schkölen verfügt seit 1950 über einen Kinderhort. Im Jahre 1958 wurde der Grundstein für ein modernes Schulgebäude gelegt, das 1959 eingeweiht wurde und über 14 Klassenräume sowie zahlreiche Fachkabinette verfügt. Die neue Schule trug den Namen des Dichters Maxim Gorki, nach dem bereits die Vorgängereinrichtung seit 1950 benannt war. 1974 wurde eine große Sportanlage fertiggestellt, die den Namen „25. Jahrestag der DDR“ trug. 1978 wurde die Schule durch einen Anbau mit weiteren Fachräumen komplettiert. Seit 1990 wurde die Schule wie die dazugehörigen Außenanlagen saniert, modernisiert und zum Teil neu gestaltet.
Eingemeindungen 1. Juli 1950: Grabsdorf (Eingemeindung nach Graitschen auf der Höhe) 20. Juni 1957: Kämmeritz (Eingemeindung nach Hainchen) 1. Januar 1965: Poppendorf (Eingemeindung nach Dothen) 1. Januar 1974: Tünschütz (Eingemeindung nach Dothen) 1. Januar 1997: Dothen 1. Januar 1997: Graitschen auf der Höhe 1. Januar 1997: Hainchen 1. Januar 1997: Nautschütz 1. Januar 1997: Rockau 1. Januar 1997: Wetzdorf
Einwohnerentwicklung Entwicklung der Einwohnerzahl (ab 1994 jeweils am 31. Dezember) Jahr Einwohner 1823 1024 1994 1602 1995 1579 1996 1555 1997 3266 1998 3259 1999 3184 Jahr Einwohner 2000 3112 2001 3048 2002 3028 2003 2968 2004 2934 2005 2895 2006 2843 Jahr Einwohner 2007 2784 2008 2729 2009 2709 2010 2684 2011 2659 2012 2641 2013 2658 Jahr Einwohner 2014 2649 2015 2585 2016 2590 2017 2575 2018 2590 2019 2622 2020 2593 Jahr Einwohner 2021 2607 2022 2564 2023 2570 2024 2559
Datenquelle: Thüringer Landesamt für Statistik
Politik Stadtrat Die Kommunalwahl am 26. Mai 2024 führte zu folgendem Ergebnis (mit Vergleichszahlen der Wahlen 2019 und 2014):Gemeinderatswahl 2019 in Thüringen – SchkölenThüringer Landesamt für Statistik: Gemeinderatswahl 2024 in Schkölen - endgültiges Ergebnis mini|Ehemaliges Rittergut, heute Sitz der Stadtverwaltung
Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Ergebnis 2019 Ergebnis 2014 CDU 24,7 3 24,1 %, 3 Sitze 39,6 %, 5 Sitze Die Linke – – 13,1 %, 2 Sitze 11,6 %, 2 Sitze LI / BV / BI 47,1 7 62,8 %, 9 Sitze 48,7 %, 7 Sitze Gemeinschaft Schkölener Land 28,2 4 – – Wahlbeteiligung 70,1 % 63,6 % 60,3 %
Bürgermeisterin Bürgermeisterin von Schkölen ist Martina Ehlers-Tomancova. Sie konnte sich in der Wahl am 25. April 2021 gegen den bisherigen Amtsinhaber Matthias Darnstädt mit 68,1 % der Stimmen bei 64,7 % Wahlbeteiligung durchsetzen.Wahlergebnis der Bürgermeisterwahl in Schkölen vom 25.04.2021 auf wahlen.thueringen.de, abgerufen am 29. April 2021.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Ratskeller mini|Markt 3 Ruine der Wasserburg aus dem 10. Jahrhundert im Zentrum der Stadt Stadtkirche Schkölen Burgapotheke in Schkölen, 1850 gegründet Ratskeller mit Wappen über dem Eingang Denkmalgeschütztes Haus am Markt Asphaltierter Radweg Schkölen-Zeitz auf der Trasse der ehem. Bahnstrecke Bronzezeitliche Hügelgräber im Ortsteil Hainchen Glockentürme der Dorfkirchen in Poppendorf und Wetzdorf Das Geburtshaus von Samuel Heinicke, dem Erfinder der Deutschen Methode der Gehörlosenpädagogik, in Nautschütz Das Rasenlabyrinth in Graitschen a. d. Höhe Das Wethautal mit seiner Naturschönheit Weitgehend historisch erhaltene Dorfanlagen in Poppendorf (Reihendorf) In einer Parkanlage vor dem Wasserschloss erinnert ein Denkmal an die Opfer des Faschismus
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Biokraftwerk Schkölen, das Zentrum des Ackerhügellandes im Norden des Saale-Holzland-Kreises ist umgeben von sehr fruchtbaren Lössböden, die Grundlage der Wirtschaft der Region sind. Heute bewirtschaften drei große Agrarbetriebe und drei Wiedereinrichter ca. 1800 Hektar und bieten damit etwa 130 Arbeitsplätze. Bekannt für Bio-Tomatenerzeugung in einem 8,8 Hektar großen Gewächshaus mit 320.000 Pflanzen ist die Gemüseproduktion Schkölen GmbH. 3.500 Tonnen Tomaten werden jährlich geerntet.