Die Märchen der Weltliteratur ist eine von Friedrich von der Leyen im Diederichs Verlag in Jena begründete deutschsprachige Märchenreihe mit Märchen und gelegentlich auch anderen Erzählgattungen aus (fast) der ganzen Welt. Sie erschien von 1912 bis 2003 in 165 Bänden.

Geschichte Zwischen 1912 und 1940 erschienen (in Jena), von Friedrich von der Leyen und Paul Zaunert herausgegeben, allein 40 Bände, teils mit dem Nebentitel Die Märchen der Völker oder weiteren Unterreihentiteln wie Deutscher Märchenschatz oder Märchen des Orients. Paul Zaunert schied 1927 als Mitherausgeber aus, weil er sich anderen Aufgaben zuwandte.

Der Zweite Weltkrieg brachte eine Unterbrechung der Reihe. Sie konnte erst 1952 an anderen Verlagsorten (darunter Düsseldorf) wieder fortgeführt wurde. Sie erschien teils in loser Folge und mit verschiedenen Unterbrechungen. Zuerst bediente man sich aus dem noch bestehenden Fundus. Erst ab der MdW Ausgabe 44 wurden wieder neue Themen erschlossen. Nach dem Tode von der Leyens 1966 wurde die Reihe von dem Salzburger Romanisten Felix Karlinger (1920–2000) und dem Münchner Nordisten Kurt Schier betreut. Seit 1989 war der Erzählforscher Hans-Jörg Uther neuer Herausgeber.

2003 stellte der inzwischen nicht mehr selbständige Diederichs-Verlag das Erscheinen der traditionsreichen, 91 Jahre bestehenden Reihe ein.

Verschiedene Bände der Reihe wurden von bedeutenden Fachgelehrten erstellt und zählen zu den Klassikern der deutschen Völker- und Volkskunde. Einige Einzelbände haben unter verschiedenen Herausgebern Umarbeitungen erfahren und erschienen später zum Teil unter zeitgemäßeren Titeln. Aus manchen geographischen Regionen und Literaturen sind mehrere unabhängige Bände vorhanden.

Ausstattung Die Ausstattung der Bände bestand anfangs entweder aus Pappbänden mit von Fritz Helmuth Ehmcke entworfenen farbigen Überzugspapieren oder teureren Halbleder- und Ganzlederbänden. Ab 1927 wurde zusätzlich die das Erscheinungsbild der Reihe auf Jahrzehnte prägende, fadengeheftete Halbleinwand-Variante, mit goldener, reicher Rückenprägung, farbigem Rückenschildchen, Kopffarbschnitt, aufgeklebtem Deckelschild (später im Buchdeckel integriert) und Buchdeckeln mit buntem Überzugspapier, eingeführt. Anfangs beinhalteten diese noch eingeklebete Frontispize (meist Bilder aus dem kulturellen Umfeld der jeweiligen Region), wie auch zahlreiche Illustrationen und Schmuckinitialen. Einheitlich erschienen alle 40 Bände der Vorkriegsausgabe nur in dieser Einbandvariante, wie Ulf Diederichs nachweisen konnte.

Die ersten nach dem Zweiten Weltkrieg erschienenen Ausgaben, die der überarbeiteten Chinesischen und Indischen Märchen, wurden zuerst in einer reinen Leinenausgabe gehalten, ab ihrer zweiten Auflage allerdings wieder im Halbleinenformat angeboten. mini|Foto zeigt ein gebundenes Buch der Reihe „Die Märchen der Weltliteratur“ mit dem Band „Griechische Volksmärchen“ von 1965

Übersicht Bis zu ihrer Einstellung im Jahr 2003 ist die Reihe auf insgesamt 182 erschienene Bände angestiegen – zieht man die neu bearbeiteten Nachauflagen ab, so bleiben 165 „echte“, voneinander verschiedene Märchenbände. Die Zählung der Reihe bis 1996 beruht auf der Gesamtbibliographie, die Ulf Diederichs in der Zeitschrift Marginalien einführte.Ulf Diederichs: Die Märchen der Weltliteratur 1912–1996. In: Marginalien. Zeitschrift für Buchkunst und Bibliophilie, herausgegeben von der Pirckheimer Gesellschaft, Bände 145–147, 1997.